Saubere
Stadt
Erinnern
Sie sich noch? Es ist erst wenige Monate her, da fegten zunächst einige
prominente Heilbronner die Innenstadt. Kurz darauf hatte man als Gag die
Junggesellen der Käthchenstadt eingeladen, um die Stadt vom Dreck zu befreien.
Dank dieser Aktion landete Heilbronn im Guinness-Buch der Rekorde. Welch eine Errungenschaft?!? – Gehen
Sie aber mal so gegen 7.30 Uhr jetzt in diesen Herbsttagen durch die
Sülmerstraße oder Fleinerstraße Heilbronns – also durch das Aushängeschild, das
Schaufenster der Stadt. Cola-Dosen
liegen herum, Zigarettenschachteln und -stummel, Papier, etc. Morgens um
sieben ist die Welt noch in Ordnung – und Heilbronn dreckig. Wie heißt es so
schön? Dem einzelnen kaputten Fenster folgen, wenn es nicht repariert wird,
viele andere. Unübersehbar ist, daß Heilbronns Innenstadt weiterhin tagsüber
ein Tummelplatz für alle möglichen dunklen Gestalten ist. Dort wo Bänke und
Ruhezonen ausgewiesen sind, erholen sich nicht Bürger vom Einkauf, sondern dort
wird gedealt und Alkohol in rauhen Mengen konsumiert, gegrölt und eilig Einkaufende durch Zurufe belästigt.
Verkäuferinnen haben Angst vor jenen Menschen, die bettelnd ihre Geschäfte
betreten. Überfälle sind keine Seltenheit, Handtaschenraub
ist an der Tagesordnung. Der Einzelhandel klagt seit Monaten darüber, daß
die Attraktivität der Innenstadt unter diesem Zustand leidet. Ein paar
Aktivitäten in den Sommermonaten sollten darauf hinweisen, wie schön Heilbronn
sein kann. Aber Eintags-, Zweitags- oder
Dreitagsfliegen machen die Innenstadt nicht attraktiver. Dazu braucht es
ein mittel- und langfristiges Konzept, das auch kontinuierlich umgesetzt wird.
Die Bemühungen – vor allem die der Kaufleute – sind begrüßenswert. Aber sie
allein sind zum Scheitern verurteilt, wenn das Ordnungsamt der Stadt seiner
Pflicht nicht nachkommt, dem Bürger eine möglichst von Kriminalität und Schmutz
befreite City zu bieten. Ansonsten gibt es ja die Alternative: saubere
Einkaufsmöglichkeiten vor den Toren der Stadt – auf der grünen Wiese.
Heilbronn
und Literatur
Täglich
wird geschrieben und geschrieben, daß die Federn rauchen. In unseren
Computer-Tagen besser: ..., daß die Tasten rauchen. Aber nicht alles, was zu
Papier gebracht wird, ist auch schon Literatur. Und auch nicht jedermann oder
-frau, die ihre Schreibergüsse zwischen
zwei Buchdeckel pressen läßt, produziert damit schon „Literatur“. Ohnehin
ist der geringste Teil einer Jahres-Buchproduktion der schöngeistigen Literatur
zuzurechnen. Maximal zehn bis 15 Prozent macht dieser Markt aus. Gefragt sind
Fachbücher und beim breiten Publikum Ratgeber-Bücher. Trotzdem: In Deutschland
wird mehr denn je gelesen, der Bücherverkauf – auch im schöngeistigen Bereich –
steigt unaufhörlich an. Die Verlage verdienen gut. An jeder Ecke der Stadt, ob
an der Tankstelle, im Kaufhaus oder am Kiosk, kann Literatur gekauft
werden. Impulsgeber für die Auf‘s und Ab‘s
im Literaturbetrieb ist, so kurios das klingt, ist das Fernsehen. Was dort vorgestellt und besprochen wird,
hat in den Buchhandlungen Hochkonjunktur. Auch Zeitungen und Magazine
ordnen für ihre Leser ständig den für Otto-Normal-Verbraucher unübersehbaren
Markt. Aber selbst kleine, regionale Verlage, wie zum Beispiel der
Salzer-Verlag in Heilbronn, haben mit ihrem stark regional ausgerichteten
Angebot eine treue Leserschaft. Vor wenigen Tagen wurde in Heilbronn sogar ein
neuer Verein gegründet: der „Literarische Verein Heilbronn e.V.“. Spötter
meinen, wenn dem Deutschen nichts mehr einfällt, gründet er einen Verein. Aber
Literaturclub will im Unterland die heimlichen Dichter und Denker hinter ihrem
Ofen oder Weinglas hervorholen, um der staunenden Öffentlichkeit dann die
Kulturszene der Region zu präsentieren. Da wir schon eine im Unterland haben,
bin ich ganz gespannt, was uns da aus dem großen Hut hervorgezaubert wird.
Vielleicht ein neuer Goethe, oder etwa ein
Unterländer John Grisham, der dann als Stern auf der ganzen Welt funkelt?
Naja, Literatur ist, wenn sie erfolgreich sein will, heutzutage ein Handwerk,
das erlernt sein will. Hobby-Schreiber dürfen in Volkshochschulkursen zeigen,
was sie so draufhaben. Und im engen Familien- oder Freundeskreis. Das soll auch
so bleiben.
Heilbronn
brutal
Gewaltverbrechen
gehören auch in Heilbronn schon längst zur Tagesordnung. Traurig aber leider
wahr! In den Zeitungen der Region sind täglich Meldungen wie bewaffneter
Tankstellenraub, Taschendiebstähle, Einbrüche und sogar Totschlag zu lesen.
Nicht einmal mehr in seinem eigenen Haus ist man sicher. Diese Erfahrung mußte
eine Rentnerin machen, als sie vor nicht allzu langer Zeit nachts von
Einbrechern heimgesucht wurde. Auch was die Drogenszene betrifft, ist Heilbronn
keine Stadt von Traurigkeit mehr. Umgerechnet auf die Bevölkerungszahl liegt
unsere Käthchenstadt, im Bereich der
Drogendelikte, sogar vor der Großstadtmetropole Frankfurt am Main. Die Zahl
der Drogentote bestätigen diese Entwicklung eindrucksvoll. Trotz dieser
trauriger Bilanz wird um eine Legalisierung von einer geringen Menge Haschisch
in unseren Breiten diskutiert. Eine Möglichkeit noch mehr „Stoff“ zu
konsumieren. Einen Teil muß man selber organisieren, den anderen Teil
„sponsored“ der Staat. Auch die Präsenz der Heilbronner Polizei läßt zu
wünschen übrig. Doch hier muß auch gesagt werden, daß die Polizisten eher hinter dem Schreibtisch sitzen müssen, um die
Bürokratie zu bewältigen anstatt auf der Straße für Recht und Ordnung zu sorgen.
Die Idee von Niedersachsens Ministerpräsident Gerhard Schröder, die Beamten von den Schreibtischen zu entfesseln
und die Aufgabenbereiche zu entlasten. Gar keine schlechte Idee, oder? Auch die
Erhöhung der Kapazität an Polizeibeamten durch ehemalige Grenzbeamte wäre eine
Möglichkeit der derzeitigen Gewaltwelle entgegenzutreten. So sieht es
jedenfalls Bundesinnenminister Manfred Kanther. Hoffentlich übersieht die Idee
Heilbronn nicht. Denn hier ist schon seit einiger Zeit ein deutliches Zeichen
zur Bekämpfung der Kriminalität von Nöten. Auch wenn es einige Branchen nicht
so gerne sehen, daß an jeder Ecke ein Gesetzeshüter steht, ist doch die
allgemeine Sicherheit der Bevölkerung in den Vordergrund zu stellen. Man sollte
mal darüber ernsthaft nachdenken. Auch in Heilbronn!
Aber
hallo – Scheidung
Als
sich Lady Diana und Prinz Charles scheiden ließen, war dem
schlichten Vorgang vor einem Gericht ein
Rosenkrieg vorangegangen, an dem die Interessierten via Bildschirm
teilhaben konnten. Da wurde in zwei Interviews – er packte zunächst aus, dann
sie – nahezu jeder Seitensprung, jede seelische Grausamkeit sowie das ganze Hin
und Her ausführlich von Ihren Königlichen Hoheiten dargestellt. Zur Verblüffung
der Untertanen Ihrer Majestät Lisbeth und zum Staunen vieler anderer Völker
dieser Welt. Aber wir Deutschen haben auch unsere Promis, die mit dem
englischen Könighaus mithalten können. Nicht gerade im konservativen Lager, wie
die strengen Menschen der political
correctness vermuten könnten, sondern bei Sozis. Was uns Gerhard und Hillu
aus Niedersachsen zunächst als glückliches Paar in der SPD-Seifenoper boten,
war schon streng an der Grenze des guten Geschmacks. Was sie aber kurz vor
ihrer Scheidung boten ist weit darunter
– und umso heftiger von den Medien kolportiert. Die Rachsucht der grünlichen SPD-Dame Hillu (sie sollte
ja in Heilbronn im Caféhaus Hagen aus ihren Werken lesen!) bezweckte – wie es
schien – das Gegenteil. Ihrem Gerhard wuchs teilweise unverdiente Sympathie zu,
in ungeahntem Ausmaß. Da schrieb neulich ein kluger Kopf: Die Wirkung der
Rachsucht eines Weibes wäre in den USA ähnlich, doch wird in dem Land, wo die
Scheidungsrate viel höher ist als bei uns, von den Männern des öffentlichen
Lebens verlangt, daß sie verheiratet sind und eine ordentliche Ehe nachweisen
können – der Scheidungen durchaus vorangegangen sein mögen. Begründung: die
höhere Moral in den Vereinigten Staaten, die durch den höheren Grad an
Heuchelei ausgeglichen wird. Außereheliche Aktivitäten schaden nicht, wenn der
Mann seine Sünden – wie bei den Clintons –
durch mehr Macht für seine Frau ausgleicht. Sagen sich die Mehrzahl der
Wählerinnen dann wirklich, dieser Mann hat ein herzliches Interesse an uns
Frauen. Während die Widersacher, die Konservativen, die hochsittlichen Frauen
kaum wahrzunehmen scheinen. Wenn das stimmt, dann wird Gerhard Schröder, unser Mini-Clinton aus Niedersachsen, dank
seiner vielen Ehen mit Sicherheit 1998 deutscher Bundeskanzler. Und wenn nicht,
dann ....
Eishockey
brutal
„Eishockey
wird immer brutaler.“ Diese Feststellung machte neulich Günther Jauch und zielte damit auf die regelwidrigen Faustkämpfe
der Cracks. Der Stern-TV-Moderator
befragte dazu den wohl bekanntesten deutschen Eishockey-Spieler Erich
Kühnhackl. Ausschlaggebend für diese Diskussion war das Spiel der Frankfurter
Lions gegen die Nürnberger Ice Tigers. Bei so vielen Raubkatzen auf einem
Spielfeld mußte es zu schweren Kämpfen kommen. Schlimm war nur, daß es nicht
bei den „geduldeten“ Zweikämpfen blieb, sondern daß es zu minutenlangen
Massenschlägereien auf dem Eis kam. Im deutschen Eishockey-Regelwerk sind zwar
auch Prügeleien zwischen zwei Spielern verboten, werden aber in den meisten
Fällen nur mit einer zwei-Minuten-Strafe geahndet. Wie auch Kühnhackl
berichtete, sind in der Nordamerikanischen Hockey-League (NHL) solche
Auseinandersetzungen erlaubt, allerdings mit gewissen Einschränkungen: Die Schutzkleidung darf nicht ausgezogen
werden und dritten ist es nicht erlaubt, sich einzumischen. In den USA hat
die Show halt immer Vorrang. Aber nun mal Hand aufs Herz: Ist das nicht in
Deutschland – Heilbronn eingeschlossen – genau dasselbe? Zwar dürfen sich die
Spieler nicht prügeln, trotzdem freuen sich die Zuschauer, wenn es zu einem
handfesten Fight kommt. Eishockey ist nun mal ein harter, emotionsgeladener
Sport. Sicherlich geht kein Fan nur wegen der regelwidrigen Zweikämpfe ins
Stadion, aber gerade diese sind die kleinen Zugaben zum eigentlichen Geschehen.
Dafür erlebt man in den Fanblöcken der Eisstadien kaum handfeste
Auseinandersetzungen. „Besser die hauen sich, als wir“, hat ein Düsseldorfer
Fan unlängst festgestellt und damit hat er auch Recht.
Thomas
Strobl nach Bonn?
Ende
September 1998 wird ein neuer Bundestag gewählt. Seit 1976 wird der Heilbronner
Wahlkreis durch Egon Susset in Bonn
vertreten. Der CDU-Mann hatte 1969 und 1972 den Sprung in den Bundestag über
die Landesliste geschafft. Sein Gegner war damals Erhard Eppler, der SPD-Entwicklungshilfeminister. Als dann aber
1976 Dieter Spöri für die SPD im
Heilbronner Wahlkreis antrat, war die Zeit des Direktmandats für die Genossen
vorbei. Spöri schaffte den Sprung nach Bonn dank der Absicherung auf der
SPD-Landesliste. Bei den Wahlen 1980, 1983 und 1987 versuchte er Susset das
Direktmandat abzuringen – aber unterlag jeweils. Sein Nachfolger als
SPD-Kandidat Peter Alltschekow kam
dann, nachdem Spöri 1988 in die baden-württembergische Landespolitik
eingestiegen war, nicht mal mehr über einen Landeslistenplatz nach Bonn. Zu
Beginn des Jahres hat Egon Susset seinen Abschied aus der aktiven Politik
angekündigt – und am Wochenende machte die CDU gleich Nägel mit Köpfen. Sie
bestimmte für die Wahl 1998 Thomas Strobl als CDU-Kandidaten im Wahlkreis
Heilbronn. Damit ist der Nachfolger Egon Sussets im Amt des Unterländer
CDU-Kreisvorsitzenden auch sein Nachfolger als Bundestagskandidat. Gegenüber
der SPD hat Strobl nun den Startvorteil. Die beiden sozialdemokratischen
Kreisverbände Heilbronn-Land und -Stadt werden auf einer Delegiertenversammlung
wahrscheinlich den von ihren Kreisvorsitzenden schon nominierten Heilbronner
Bürgermeister Harald Friese
erwählen. Wenn sich zwischenzeitlich nicht eine Frau aus den Genossen-Kreisen
aufrafft, um eine echte Alternative zu bieten. Denn Strobl und Friese als
Männer und Juristen würden – so manche
Unterländer SPD-Frauen mit sorgenzerfurchter Stirn – ganz dem traditionellen
Politik-Bild entsprechen. Aber ich kann mir kaum vorstellen, daß gegen die
beiden starken Vorsitzenden-Funktionäre Sibylle
Mösse-Hagen und Peter Knoche
auch nur eine SPD-Frau als Kandidatin aufzumucken wagt. So wird der
Ein-Jahres-Wahl-Kampf zwischen Strobl und Friese im Unterland ausgetragen.
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