Samstag, 22. März 2014

Kiliansmännle, 03.12.1997



Wer baut wo ein Kino?
Backe, backe ... ja, wer baut denn nun wo in Heilbronn sein Kino? Der Neckarsulmer Filmpalast Europlex läuft schon längst auf vollen Touren. Und für Heilbronn ist noch nicht mal ein richtiger Plan gemacht. Aber jetzt hat der Oberbürgermeister in die Speichen des dahinpolternden Kino-Wagens gegriffen ... und herauskommen soll? Ja, wie schon geplant:  Ein Kinokomplex der ganz modernen Art am Berliner Platz. 1.900 Kinoplätze in Neckarsulm, rund 1.200 in Heilbronn – und dann noch wieviele Kinoplätze auf dem Berliner Platz? Da kann einem ja vor lauter politischem Kinogeflimmer ganz schwindlig werden. Zunächst wollten Privatunternehmer auf dem Kurt-Schumacher-Platz am Eingangstor zur City ein Kinocenter errichten, unterstützt von einem betuchten Heilbronner Fabrikanten. Diesen Plänen hat Manfred Weinmann harsch eine Absage erteilt. Er will mit dem Gemeinderat zusammen auf dem Berliner Platz ein großes Lichtspieltheater samt Theaterräumen und Stadtbücherei bauen lassen – von der Heilbronner Stadtsiedlung. 25 Millionen aus Steuergeldern will die Stadt investieren. Mit denen sollen dann noch 50 Millionen Privatgelder mobilisert werden. Wer aber will soviel Geld loseisen? Wer will in das große Loch steigen, das die Bülow AG aus Stuttgart hinterlassen hat. Der Heilbronner OB ist voller Zuversicht. Die Kaufleute der Sülmercity müßten endlich aus ihrer Schieflage heraus. Die Stadt wolle den Wunschtraum dieser Menschen nicht entäuschen, neben dem Theater einen neuen Anziehungspunkt für die Heilbronner Nord-City zu erstellen. Deshalb  braucht’s keinen Kinokomplex am Kurt-Schumacher-Platz, meint der OB. Denn dort sei die Verkehrsituation nicht so, daß man mit dem Auto locker auf Heilbronner Zufahrtsstraßen ankommen könne. Ein Parkhaus sei ebenfalls nicht in Planung. Das alles aber biete der Berliner Platz, aus allen Richtungen. Und Parkmöglickeiten gebe es dort auch ausreichend. So stehen auf der einen Seite CDU-Fraktion gegen CDU-OB, auf der anderen SPD-Fraktion, die kleinen Fraktionen und Stadtverwaltung samt Stadtsiedlung. Die Entscheidung dürfte gefallen sein. Und wann wird gebaut?  

Läuse auf dem Vormarsch
Seltsam, seltsam. Jetzt in der kalten Jahreszeit sind die Kopfläuse, der Schrecken aller Kindergärten und Schulen, wieder auf dem Vormarsch. In so manchen Kindergärten im Land- und Stadtkreis Heilbronn werden jene Kleinen, die von Läusen befallen sind, sofort nach Hause geschickt. Aber die Eltern müssen dann dafür sorgen, daß auch die anderen Kinder aus der Familie oder dem Freundeskreis lausfrei werden. Woran erkennt man Läuse? Kopfläuse halten sich mit ihren sechs Klammerbeinen an den Kopfhaaren fest und krabbeln dort herum. Entgegen der gängigen Meinung hüpfen sie jedoch nicht, sondern werden entweder durch engen Körperkontakt oder auf dem Umweg über Kleidung, Handtücher und Bettwäsche von Mensch zu Mensch weitergegeben. Durch feine Einstiche in die Kopfhaut saugen diese Parasiten menschliches Blut in kleinen Mengen. Dabei wird mit ihrem Speichel ein Sekret abgesondert, das den kräftigen Juckreiz erzeugt. An einzelnen Haaren kleben die Kopfläuse ihre Nissen fest, in denen sich wieder neue Läuse befinden, die nach einigen Tagen schlüpfen. Eine Kopflaus kann täglich bis zu vier Nissen ablegen. Die Nissen befinden sich in der Nähe der Kopfhaut – auch bei langen Haaren. Wenn das Kind von der Schule nach Hause kommt und sagt, in seiner Klasse seien Kopfläuse aufgetreten, müssen die Eltern in der nächsten Zeit täglich die Köpfe ihrer Kinder nach Kopfläusen absuchen. Das geht am besten so: Die Haare scheiteln und auseinanderziehen. Sind grau-braune Läuse oder die weißlichen Nissen am Haaransatz zu sehen, ist sofort eine Behandlung einzuleiten. Am besten vom Arzt. Das Kind muß zu Hause bleiben, bis die Behandlung abgeschlossen ist. Natürlich ist während eines Kopflausbefalls auch der allzu enge Kontakt zu anderen Personen zu vermeiden, um eine Ansteckung zu verhindern. Dies ist ein äußerst wichtiger Punkt, weil im Familien- oder Freundeskreis die höchste Ansteckungsgefahr besteht.  

Unterländer Nacht
Sind Sie schon mal in den letzten Tagen so zwischen 21 Uhr und 22 Uhr durch die Heilbronner Innenstadt gelaufen? Manche Leute trauen sich das ja nicht mehr. Aus Angst vor Überfällen. Mir war in so manchen Momenten auch ganz schön mulmig, wenn recht dunkle Gestalten in Trupps von drei bis fünf Personen an mir vorüberzogen, recht lautstark Töne der unterschiedlichsten Art von sich gebend. Aggressiv in Worten und Haltung, teilweise pöbelnd oder einfach nur trunken und singend. Die Weihnachtsmarktbuden waren schon längst geschlossen. Von Adventstimmung in der Innenstadt keine Spur mehr. Viele Geschäfte hatten brav die Rolläden heruntergelassen oder die Schaufensterbeleuchtung einfach ausgeschaltet. Abfälle von weihnachtsmarkt‘lichen Essensresten lagen in Papiertüten oder Papptellern herum, aus denen Reste von Saucen kleine Pfützen bildeten. Nicht gerade einladend für einen Abendbummel – die City von Heilbronn. Wenn es ums Abkassieren bei Parksünden geht, dann ist die Stadt schnell dabei. Wenn es um die Sicherheit der Bürger, um die Sauberkeit der City geht, dann legt man eine sehr laxe Haltung an den Tag. Warum können nicht private Dienste dafür sorgen, daß nach Schließung des Marktes der grobe Dreck weggeräumt wird? Was vom privaten Hausbesitzer verlangt, vom Wohnungsmieter gefordert wird, das muß die Stadt auch als Maßstab für sich gelten lassen. Und es ist ja nicht das erste Mal, daß festgestellt werden muß: Heilbronn ist dreckig. Besucher von außerhalb stellen diese Tatsache immer wieder indigniert fest. Die Rostfinger an der Friedrich-Ebert-Brücke mögen für diese Schlampigkeit Symbol sein. Aber sie sollten nicht zum Wahrzeichen Heilbronns werden. Denn die Stadt hat alle denkbar günstigen Voraussetzungen dafür, daß es munter vorangeht. Man muß nur wollen. Und darf sich nicht in Sandkastenspielen verlieren wie die Mehrheit des Heilbronner Gemeinderats und einige Bürgermeister. Andere Städte machen es uns vor – siehe Neckarsulm.

Auf in den Kampf ...
Im September 1998 wird ein neuer Bundestag gewählt. Noch rund zehn Monate sind es bis zum Wahltermin. Viele Politbeobachter meinen ja, nach den Weihnachtstagen und dem Jahreswechsel wird es mit dem Wahlkampf so richtig losgehen. Bei uns im Südwesten hat die CDU (auf ihrem nordwürttembergischen Bezirksparteitag) eine Informationsoffensive angekündigt. Denn man wolle alle Bundestagwahlkreise in Nordwürttemberg wieder direkt gewinnen, meint der Bezirksvorsitzende Matthias Wissmann, in Bonn derzeit noch Bundesverkehrsminister. In Heilbronn setzt die CDU momentan auf Ehrlichkeit statt nicht erfüllbarer Versprechungen. Vor allem was den Berliner Platz anbetrifft. Die SPD werde hier mit ihrem „finanziell unverantwortlichen Schlingerkurs Schiffbruch erleiden“. Jeder müsse in schwierigen Zeiten wissen, daß man es „nicht jedem recht machen kann und dies auch nicht jedem versprechen darf“. Die SPD keilt zurück: Jetzt sehe jeder Bürger, wer in der Stadt für Verhinderung und Stagnation stehe. Und dann hageln die Worte nur so: blamabel, verwunderlich, wider besseres Wissen, mißbraucht. Die CDU reagiert: gereizt und unsachlich versuchten die beiden SPD-Vertreter Sybille Mösse-Hagen und Harry Mergel die Diskussion in der Kommunalpoltik anzuheizen.Offensichtlich seien sie beide in ihrer eigenen Fraktion schwer angeschlagen und versuchten deshalb durch „unangebrachte Polemik gegen die CDU sich persönlich zu profilieren“. Leider müsse festgestellt werden, so schreibt CDU-Fraktionsvorsitzender Thomas Strobl, daß dadurch weder die Führungsschwäche bei der SPD vertuscht, noch eine im Interesse der Stadt liegende Arbeit geleistet werden könne. – Im Wahlkampf gilt halt: den Gegner verächtlich und madig machen, sich selber schön und gut reden. Die Zeit der Sandkastenspiele jener Politiker, die vor wenigen Tagen noch Seit’ an Seit’ für ein besseres Heilbronn streiten wollten, sind vorbei – auch die Kuchenförmchen. Für die Kommunalpolitik Heilbronns gilt: In den nächsten zehn Wahlkampfmonaten geht kaum etwas. Und der Zehn-Punkte-Plan der beiden großen Fraktion liegt heute schon im Papierkorb. Die beiden Bundestagskandidaten der großen Parteien kommen nämlich aus dem Heilbronner Rathaus: Bürgermeister Harald Friese (SPD) und Fraktionschef Thomas Strobl (CDU). Der Ratssaal als Arena. Auf in den Kampf ...

Wein-Erntedankfest
Letzte Woche Donnerstag gab es in der Heilbronner Harmonie die „Weinolympiade der edlen Weine“ oder auch das „Erntedankfest der württembergischen Weingärtner“. Vielumjubelt wurde dabei, sogar mit stehenden Ovationen bedacht, die Württemberger-Wein-Revue, die der stellvertretende Chefredakteur der Heilbronner Stimme Uwe Jacobi geschrieben hatte. Aufgeführt wurde sie während der Weinprobe von Uwe Jacobi, Miriam Eberhard (Erzählerin), Britta Schwinghammer (Violine), Richard Kübler (Klavier) und dem Heroic Brass Blechbläserquintett. Es ging bei der Vorstellung der 2.947 prämierten Weine aber nicht nur um den Genuß und die Freude am württembergischen Wein, sondern auch um dessen Vermarktung. Teurer wird er auf jeden Fall im kommenden Jahr. Um die zehn bis 20 Prozent. Ob das moderat ist, wie Weinbaupräsident Hermann Hohl kundtat, diese Frage werden die Verbraucher beantworten. Vinotheken als Zentren der Vermarktung in unseren Gemeinden und Städten sind zur Zeit im Schwange. In Weinsberg ist eine geplant, Brackenheim hat schon eine. Aber das große Zentrum des Württemberger Weins wird wohl nicht gebaut. Jeder Bürgermeister, der ein altes Gebäude hat, interessierte sich schon dafür. Aber der Weinbauverband kann sein Geld nicht für derartige Marketingmaßnahmen ausgeben. Deshalb setzt man klugerweise auf Dezentralisierung – bei den Weingärtnergenossenschaften. Der Württemberger im Ausland? Da ist wohl eher Rhein- und Moselwein angesagt. Es gab Zeiten, da war man im Ländle stolz darauf, daß die Leut den Württemberger vornehmlich daheim getrunken hatten. Heute müssen neue Märkte aufgerissen werden. In Bayern zum Beispiel, wo sich in München erst vor wenigen Wochen die Weinverbände aus Baden und Württemberg gemeinsam präsentierten. Und das mit großem Erfolg. Schließlich ist München das Einfallstor für die italienischen Weine. Und dort werden ja schon seit Jahrtausenden edle Tropfen gekeltert, von der Sonne nun wahrhaftig verwöhnt. Und die Qualität vieler italienischer Weine – neben den bekannten Massenprodukten – ist wirklich beeindruckend. Im Europa der offenen Grenzen muß der Württemberger halt noch seinen Platz finden.   

Es weihnachtet schon sehr
Trotz Steuer- und Abgabenerhöhungen, trotz Solidaritätszuschlag und angekündigter Erhöhung der Sozialbeiträge – Adventszeit ist Spendenzeit. Und alle Hilfsorganisationen hoffen auf ein großes Stück vom Spendenkuchen. Tageszeitungen, Fernsehen, Hörfunk – alle sammeln für ihre Projekte. Die Kirchen veranstalten Auftaktgottesdienste. Und die Briefkästen quellen über von Prospekten mit Überweisungsformularen für einen guten Zweck. Experten behaupten, daß die Deutschen die Mark derzeit dreimal umdrehen ehe sie das Geld ausgeben. Aber an Weihnachten – so die gleichen Experten – würde das Herz schwach und die Emotion stark werden. Vor allem bei Geschenken werde nicht gespart. Und wenn es dann doch ein wenig zu teuer geworden ist, meldet sich sogleich das schlechte Gewissen. War man nicht doch zu eigensüchtig, nur an sich und die lieben zu Hause zu denken? Da kann es dann sein, daß die Spende zur Entlastung für ein schlechtes Gewissen getätigt wird. Das muß ja nicht vom Übel sein. Und die Bedachten freuen sich. Aber die Wirklichkeit ist nicht nur so, sondern auch ganz anders. In den letzten Jahren hat die Spendenlust erheblich nachgelassen. Nicht nur, weil das verfügbare Einkommen erheblich bei den meisten Menschen geschrumpft ist. Man prüft auch genau nach, wo die Spendengelder bleiben. Und wenn 30 bis teilweise 50 Prozent des Sammelgeldes in die Verwaltung der Spendensammler fließen, dann darf man als Spender schon sauer sein. Oder wenn das Geld – wie erst kürzlich bei einem großen deutschen Spendensammler geschehen, gar nicht dem Zwecke zugute kommt (Hochwassergeschädigte an der Oder), für den es gedacht war. Ich bin gespannt, ob die hohen Erwartungen der Spendensammler 1997 sich erfüllen.  

Neckarsulm vorn
Das war schon eine rauschende Kinonacht, die den Festgästen zur Einweihung des Europlex-Filmpalastes in Neckarsulm geboten wurde. Da trommelte und schmetterte die Hamburger Band Tätärä die schmissigsten Filmweisen, Jazz- und Rocktitel in die Nacht, daß den Hörern fast die Ohren abfielen. Aber je länger der Abend andauerte, desto verzückter zeigten sich die Mienen der Festgesellschaft. Der Eingang zum neuen Superkino, dem ersten Großkino in der Region, leuchtet gen Heilbronn. Aber bei der festlichen Eröffnung in Neckarsulm sah man keine bekannten Gesichter, die normalerweise auf allen Einweihungen in der Regionalhauptstadt Heilbronns zu sehen sind. Weder Bundes- noch Landespolitiker, weder Bürgermeister noch Parteipolitiker, weder Verbandsfunktionäre noch Vereinspräsidenten wurden in Neckarsulm gesichtet. Und trotzdem amüsierte sich das Premierenpublikum köstlich. Staunend wurde bewundert, was an Geräuschen und Bildern in den schwarz ausgeschlagenen sieben Kinosälen so alles über die Leinwände flimmern kann. Jetzt muß nur noch das Kinopublikum in Scharen kommen. Mindestens 400.000 Besucher pro Jahr. Die Parkplätze rund um den Neubau waren jedoch zum Beispiel am Samstag gegen 22 Uhr restlos belegt. Man mußte lange im Industriegebiet Neckarsulm herumkurven, um das Auto abstellen zu können. Von Überfüllung war auch am ersten Wochenende nichts zu spüren. Trotzdem sah ich viele Autokennzeichen aus dem Heilbronner, Künzelsauer, oder Sinsheimer Raum. Mosbach war vertreten, selbst der Main-Tauber-Kreis, Ludwigsburg und Heidelberg. Jetzt muß den vielen Leuten in der Region nur noch immer wieder gesagt werden, daß es im Unterland ein Multiplex-Kino gibt, in dem tolle Filme laufen. Ein altes Kaufmannswort lautet, wer zwei Mark einnehmen will, muß erst mal eine ausgeben, später werden es dann mehr – wenn der Laden brummt. Deutlich feststellbar war auf jeden Fall schon: In den Abendstunden war die Heilbronner Innenstadt rund um die Kinomeile reichlich leer für einen Samstag. Und auch einige Kneipenwirte stöhnten schwer unter den weggebliebenen Kunden, die früher nach oder vor dem Kino dies oder das an Nahrung noch zu sich nahmen. Wenn Neckarsulm es richtig anpackt, wird es auch das Parkplatzproblem lösen – und Imbißketten, die auf Jugendliche spezialisiert sind, werden sich ihren Anteil am Kuchen auch nicht entgehen lassen.  Ich schau’ gelegentlich mal in Richtung Neckarsulm, um zu sehen, wer den Wettlauf gewinnt. Der Igel oder der Hase.       

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