Wer
baut wo ein Kino?
Backe,
backe ... ja, wer baut denn nun wo in Heilbronn sein Kino? Der Neckarsulmer
Filmpalast Europlex läuft schon längst auf vollen Touren. Und für Heilbronn ist
noch nicht mal ein richtiger Plan gemacht. Aber jetzt hat der Oberbürgermeister
in die Speichen des dahinpolternden Kino-Wagens gegriffen ... und herauskommen
soll? Ja, wie schon geplant: Ein
Kinokomplex der ganz modernen Art am Berliner Platz. 1.900 Kinoplätze in
Neckarsulm, rund 1.200 in Heilbronn – und dann noch wieviele Kinoplätze auf dem
Berliner Platz? Da kann einem ja vor
lauter politischem Kinogeflimmer ganz schwindlig werden. Zunächst wollten
Privatunternehmer auf dem Kurt-Schumacher-Platz am Eingangstor zur City ein
Kinocenter errichten, unterstützt von einem betuchten Heilbronner Fabrikanten.
Diesen Plänen hat Manfred Weinmann harsch eine Absage erteilt. Er will mit dem
Gemeinderat zusammen auf dem Berliner Platz ein großes Lichtspieltheater samt
Theaterräumen und Stadtbücherei bauen lassen – von der Heilbronner
Stadtsiedlung. 25 Millionen aus Steuergeldern will die Stadt investieren. Mit
denen sollen dann noch 50 Millionen Privatgelder mobilisert werden. Wer aber
will soviel Geld loseisen? Wer will in das große Loch steigen, das die Bülow AG
aus Stuttgart hinterlassen hat. Der Heilbronner OB ist voller Zuversicht. Die
Kaufleute der Sülmercity müßten endlich aus ihrer Schieflage heraus. Die Stadt
wolle den Wunschtraum dieser Menschen nicht entäuschen, neben dem Theater einen
neuen Anziehungspunkt für die Heilbronner Nord-City zu erstellen. Deshalb braucht’s keinen Kinokomplex am
Kurt-Schumacher-Platz, meint der OB. Denn dort sei die Verkehrsituation nicht
so, daß man mit dem Auto locker auf Heilbronner Zufahrtsstraßen ankommen könne.
Ein Parkhaus sei ebenfalls nicht in
Planung. Das alles aber biete der Berliner Platz, aus allen Richtungen. Und
Parkmöglickeiten gebe es dort auch ausreichend. So stehen auf der einen Seite
CDU-Fraktion gegen CDU-OB, auf der anderen SPD-Fraktion, die kleinen Fraktionen
und Stadtverwaltung samt Stadtsiedlung. Die Entscheidung dürfte gefallen sein.
Und wann wird gebaut?
Läuse
auf dem Vormarsch
Seltsam,
seltsam. Jetzt in der kalten Jahreszeit sind die Kopfläuse, der Schrecken aller
Kindergärten und Schulen, wieder auf dem Vormarsch. In so manchen Kindergärten im Land- und Stadtkreis Heilbronn werden
jene Kleinen, die von Läusen befallen sind, sofort nach Hause geschickt.
Aber die Eltern müssen dann dafür sorgen, daß auch die anderen Kinder aus der
Familie oder dem Freundeskreis lausfrei
werden. Woran erkennt man Läuse? Kopfläuse halten sich mit ihren sechs
Klammerbeinen an den Kopfhaaren fest und krabbeln dort herum. Entgegen der
gängigen Meinung hüpfen sie jedoch nicht, sondern werden entweder durch engen
Körperkontakt oder auf dem Umweg über Kleidung, Handtücher und Bettwäsche von
Mensch zu Mensch weitergegeben. Durch feine Einstiche in die Kopfhaut saugen
diese Parasiten menschliches Blut in kleinen Mengen. Dabei wird mit ihrem
Speichel ein Sekret abgesondert, das den kräftigen Juckreiz erzeugt. An
einzelnen Haaren kleben die Kopfläuse ihre Nissen fest, in denen sich wieder
neue Läuse befinden, die nach einigen Tagen schlüpfen. Eine Kopflaus kann
täglich bis zu vier Nissen ablegen. Die Nissen befinden sich in der Nähe der
Kopfhaut – auch bei langen Haaren. Wenn das Kind von der Schule nach Hause
kommt und sagt, in seiner Klasse seien Kopfläuse aufgetreten, müssen die Eltern
in der nächsten Zeit täglich die Köpfe ihrer Kinder nach Kopfläusen absuchen.
Das geht am besten so: Die Haare scheiteln und auseinanderziehen. Sind
grau-braune Läuse oder die weißlichen Nissen am Haaransatz zu sehen, ist sofort eine Behandlung einzuleiten. Am
besten vom Arzt. Das Kind muß zu Hause bleiben, bis die Behandlung
abgeschlossen ist. Natürlich ist während eines Kopflausbefalls auch der allzu
enge Kontakt zu anderen Personen zu vermeiden, um eine Ansteckung zu
verhindern. Dies ist ein äußerst wichtiger Punkt, weil im Familien- oder
Freundeskreis die höchste Ansteckungsgefahr besteht.
Unterländer
Nacht
Sind
Sie schon mal in den letzten Tagen so zwischen 21 Uhr und 22 Uhr durch die
Heilbronner Innenstadt gelaufen? Manche Leute trauen sich das ja nicht mehr.
Aus Angst vor Überfällen. Mir war in so manchen Momenten auch ganz schön
mulmig, wenn recht dunkle Gestalten in Trupps von drei bis fünf Personen an mir
vorüberzogen, recht lautstark Töne der unterschiedlichsten Art von sich gebend.
Aggressiv in Worten und Haltung, teilweise pöbelnd oder einfach nur trunken und
singend. Die Weihnachtsmarktbuden waren schon längst geschlossen. Von
Adventstimmung in der Innenstadt keine Spur mehr. Viele Geschäfte hatten brav die Rolläden heruntergelassen oder die
Schaufensterbeleuchtung einfach ausgeschaltet. Abfälle von weihnachtsmarkt‘lichen
Essensresten lagen in Papiertüten oder Papptellern herum, aus denen Reste von
Saucen kleine Pfützen bildeten. Nicht
gerade einladend für einen Abendbummel – die City von Heilbronn. Wenn es
ums Abkassieren bei Parksünden geht, dann ist die Stadt schnell dabei. Wenn es
um die Sicherheit der Bürger, um die Sauberkeit der City geht, dann legt man
eine sehr laxe Haltung an den Tag. Warum können nicht private Dienste dafür
sorgen, daß nach Schließung des Marktes der grobe Dreck weggeräumt wird? Was
vom privaten Hausbesitzer verlangt, vom Wohnungsmieter gefordert wird, das muß
die Stadt auch als Maßstab für sich gelten lassen. Und es ist ja nicht das
erste Mal, daß festgestellt werden muß: Heilbronn ist dreckig. Besucher von
außerhalb stellen diese Tatsache immer wieder indigniert fest. Die Rostfinger
an der Friedrich-Ebert-Brücke mögen für diese Schlampigkeit Symbol sein. Aber
sie sollten nicht zum Wahrzeichen Heilbronns werden. Denn die Stadt hat alle
denkbar günstigen Voraussetzungen dafür, daß es munter vorangeht. Man muß nur
wollen. Und darf sich nicht in Sandkastenspielen verlieren wie die Mehrheit des
Heilbronner Gemeinderats und einige Bürgermeister. Andere Städte machen es uns
vor – siehe Neckarsulm.
Auf
in den Kampf ...
Im
September 1998 wird ein neuer Bundestag
gewählt. Noch rund zehn Monate sind es bis zum Wahltermin. Viele
Politbeobachter meinen ja, nach den Weihnachtstagen und dem Jahreswechsel wird
es mit dem Wahlkampf so richtig losgehen. Bei uns im Südwesten hat die CDU (auf
ihrem nordwürttembergischen Bezirksparteitag) eine Informationsoffensive
angekündigt. Denn man wolle alle Bundestagwahlkreise in Nordwürttemberg wieder
direkt gewinnen, meint der Bezirksvorsitzende Matthias Wissmann, in Bonn derzeit noch Bundesverkehrsminister. In
Heilbronn setzt die CDU momentan auf Ehrlichkeit statt nicht erfüllbarer
Versprechungen. Vor allem was den Berliner Platz anbetrifft. Die SPD werde hier mit ihrem „finanziell
unverantwortlichen Schlingerkurs Schiffbruch erleiden“. Jeder müsse in
schwierigen Zeiten wissen, daß man es „nicht jedem recht machen kann und dies
auch nicht jedem versprechen darf“. Die SPD keilt zurück: Jetzt sehe jeder Bürger, wer in der Stadt für Verhinderung und
Stagnation stehe. Und dann hageln die Worte nur so: blamabel,
verwunderlich, wider besseres Wissen, mißbraucht. Die CDU reagiert: gereizt und
unsachlich versuchten die beiden SPD-Vertreter Sybille Mösse-Hagen und Harry
Mergel die Diskussion in der Kommunalpoltik anzuheizen.Offensichtlich seien
sie beide in ihrer eigenen Fraktion schwer angeschlagen und versuchten deshalb
durch „unangebrachte Polemik gegen die CDU sich persönlich zu profilieren“.
Leider müsse festgestellt werden, so schreibt CDU-Fraktionsvorsitzender Thomas Strobl, daß dadurch weder die
Führungsschwäche bei der SPD vertuscht, noch eine im Interesse der Stadt
liegende Arbeit geleistet werden könne. – Im Wahlkampf gilt halt: den Gegner
verächtlich und madig machen, sich selber schön und gut reden. Die Zeit der
Sandkastenspiele jener Politiker, die vor wenigen Tagen noch Seit’ an Seit’ für
ein besseres Heilbronn streiten wollten, sind vorbei – auch die Kuchenförmchen.
Für die Kommunalpolitik Heilbronns gilt: In den nächsten zehn Wahlkampfmonaten
geht kaum etwas. Und der Zehn-Punkte-Plan der beiden großen Fraktion liegt heute
schon im Papierkorb. Die beiden Bundestagskandidaten der großen Parteien kommen
nämlich aus dem Heilbronner Rathaus: Bürgermeister Harald Friese (SPD) und Fraktionschef Thomas Strobl (CDU). Der
Ratssaal als Arena. Auf in den Kampf ...
Wein-Erntedankfest
Letzte
Woche Donnerstag gab es in der Heilbronner Harmonie die „Weinolympiade der edlen Weine“ oder auch das „Erntedankfest der
württembergischen Weingärtner“. Vielumjubelt wurde dabei, sogar mit stehenden
Ovationen bedacht, die Württemberger-Wein-Revue, die der stellvertretende
Chefredakteur der Heilbronner Stimme Uwe Jacobi geschrieben hatte. Aufgeführt
wurde sie während der Weinprobe von Uwe
Jacobi, Miriam Eberhard
(Erzählerin), Britta Schwinghammer
(Violine), Richard Kübler (Klavier)
und dem Heroic Brass Blechbläserquintett. Es ging bei der Vorstellung der 2.947
prämierten Weine aber nicht nur um den Genuß und die Freude am
württembergischen Wein, sondern auch um dessen Vermarktung. Teurer wird er auf
jeden Fall im kommenden Jahr. Um die zehn bis 20 Prozent. Ob das moderat ist,
wie Weinbaupräsident Hermann Hohl
kundtat, diese Frage werden die Verbraucher beantworten. Vinotheken als Zentren
der Vermarktung in unseren Gemeinden und Städten sind zur Zeit im Schwange. In
Weinsberg ist eine geplant, Brackenheim hat schon eine. Aber das große Zentrum
des Württemberger Weins wird wohl nicht gebaut. Jeder Bürgermeister, der ein
altes Gebäude hat, interessierte sich schon dafür. Aber der Weinbauverband kann
sein Geld nicht für derartige Marketingmaßnahmen ausgeben. Deshalb setzt man
klugerweise auf Dezentralisierung – bei den Weingärtnergenossenschaften. Der
Württemberger im Ausland? Da ist wohl eher Rhein- und Moselwein angesagt. Es
gab Zeiten, da war man im Ländle stolz darauf, daß die Leut den Württemberger vornehmlich daheim getrunken hatten.
Heute müssen neue Märkte aufgerissen werden. In Bayern zum Beispiel, wo sich in
München erst vor wenigen Wochen die Weinverbände aus Baden und Württemberg
gemeinsam präsentierten. Und das mit großem Erfolg. Schließlich ist München das
Einfallstor für die italienischen Weine. Und dort werden ja schon seit
Jahrtausenden edle Tropfen gekeltert, von der Sonne nun wahrhaftig verwöhnt.
Und die Qualität vieler italienischer Weine – neben den bekannten
Massenprodukten – ist wirklich beeindruckend. Im Europa der offenen Grenzen muß
der Württemberger halt noch seinen Platz finden.
Es
weihnachtet schon sehr
Trotz
Steuer- und Abgabenerhöhungen, trotz Solidaritätszuschlag und angekündigter
Erhöhung der Sozialbeiträge – Adventszeit ist Spendenzeit. Und alle
Hilfsorganisationen hoffen auf ein großes Stück vom Spendenkuchen.
Tageszeitungen, Fernsehen, Hörfunk – alle sammeln für ihre Projekte. Die Kirchen veranstalten
Auftaktgottesdienste. Und die Briefkästen quellen über von Prospekten mit
Überweisungsformularen für einen guten Zweck. Experten behaupten, daß die
Deutschen die Mark derzeit dreimal umdrehen ehe sie das Geld ausgeben. Aber an
Weihnachten – so die gleichen Experten – würde das Herz schwach und die Emotion
stark werden. Vor allem bei Geschenken werde nicht gespart. Und wenn es dann
doch ein wenig zu teuer geworden ist, meldet sich sogleich das schlechte
Gewissen. War man nicht doch zu eigensüchtig, nur an sich und die lieben zu
Hause zu denken? Da kann es dann sein, daß
die Spende zur Entlastung für ein schlechtes Gewissen getätigt wird. Das
muß ja nicht vom Übel sein. Und die Bedachten freuen sich. Aber die
Wirklichkeit ist nicht nur so, sondern auch ganz anders. In den letzten Jahren
hat die Spendenlust erheblich nachgelassen. Nicht nur, weil das verfügbare
Einkommen erheblich bei den meisten Menschen geschrumpft ist. Man prüft auch
genau nach, wo die Spendengelder bleiben. Und wenn 30 bis teilweise 50 Prozent
des Sammelgeldes in die Verwaltung der Spendensammler fließen, dann darf man
als Spender schon sauer sein. Oder wenn das Geld – wie erst kürzlich bei einem
großen deutschen Spendensammler geschehen, gar nicht dem Zwecke zugute kommt
(Hochwassergeschädigte an der Oder), für den es gedacht war. Ich bin gespannt,
ob die hohen Erwartungen der Spendensammler 1997 sich erfüllen.
Neckarsulm
vorn
Das
war schon eine rauschende Kinonacht, die den Festgästen zur Einweihung des
Europlex-Filmpalastes in Neckarsulm geboten wurde. Da trommelte und schmetterte
die Hamburger Band Tätärä die
schmissigsten Filmweisen, Jazz- und Rocktitel in die Nacht, daß den Hörern fast
die Ohren abfielen. Aber je länger der Abend andauerte, desto verzückter
zeigten sich die Mienen der Festgesellschaft. Der Eingang zum neuen Superkino,
dem ersten Großkino in der Region, leuchtet gen Heilbronn. Aber bei der
festlichen Eröffnung in Neckarsulm sah man keine bekannten Gesichter, die
normalerweise auf allen Einweihungen in der Regionalhauptstadt Heilbronns zu
sehen sind. Weder Bundes- noch Landespolitiker, weder Bürgermeister noch
Parteipolitiker, weder Verbandsfunktionäre noch Vereinspräsidenten wurden in
Neckarsulm gesichtet. Und trotzdem amüsierte sich das Premierenpublikum
köstlich. Staunend wurde bewundert, was an Geräuschen und Bildern in den
schwarz ausgeschlagenen sieben Kinosälen so alles über die Leinwände flimmern
kann. Jetzt muß nur noch das Kinopublikum in Scharen kommen. Mindestens 400.000 Besucher pro Jahr.
Die Parkplätze rund um den Neubau waren jedoch zum Beispiel am Samstag gegen 22
Uhr restlos belegt. Man mußte lange im Industriegebiet Neckarsulm herumkurven,
um das Auto abstellen zu können. Von Überfüllung war auch am ersten Wochenende
nichts zu spüren. Trotzdem sah ich viele Autokennzeichen aus dem Heilbronner,
Künzelsauer, oder Sinsheimer Raum. Mosbach war vertreten, selbst der
Main-Tauber-Kreis, Ludwigsburg und Heidelberg. Jetzt muß den vielen Leuten in
der Region nur noch immer wieder gesagt werden, daß es im Unterland ein
Multiplex-Kino gibt, in dem tolle Filme laufen. Ein altes Kaufmannswort lautet,
wer zwei Mark einnehmen will, muß erst mal eine ausgeben, später werden es dann
mehr – wenn der Laden brummt. Deutlich feststellbar war auf jeden Fall schon:
In den Abendstunden war die Heilbronner Innenstadt rund um die Kinomeile
reichlich leer für einen Samstag. Und auch einige Kneipenwirte stöhnten schwer
unter den weggebliebenen Kunden, die früher nach oder vor dem Kino dies oder
das an Nahrung noch zu sich nahmen. Wenn Neckarsulm es richtig anpackt, wird es
auch das Parkplatzproblem lösen – und Imbißketten,
die auf Jugendliche spezialisiert sind, werden sich ihren Anteil am Kuchen
auch nicht entgehen lassen. Ich schau’
gelegentlich mal in Richtung Neckarsulm, um zu sehen, wer den Wettlauf gewinnt.
Der Igel oder der Hase.
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