Steuerreform
Was lange währt, wird endlich
gut. Sagten sich viele, die am deutschen Steuerdschungel schon seit Jahren
leiden. Endlich hat die Koalition in Bonn einen vernünftigen Plan vorgelegt,
bei dem alle ernsthaften Experten sagen: Ein gewichtiger Schritt in die
richtige Richtung. Kein mutiger, aber gemessen an den politischen Verhältnisse
in der neuen „Berliner Republik“ doch ein gewichtiger. Der Spitzensteuersatz
soll auf 39 Prozent gesenkt werden. Beginnend
bei 90.017 Mark statt wie bisher bei 120.000 Mark. Nicht damit die
Millionäre reicher werden, sondern wieder Steuern in Deutschland zahlen. Und ab
13.014 Mark Jahreseinkommen wird überhaupt erst besteuert – mit 15 Prozent. Da
ist noch einiges glatter zu machen, zum Beispiel, könnte man den Beginn des
Spitzensteuersatzes durchaus bei 120.000 Mark belassen. Denn bisher profitieren
die mittleren Einkommen nicht sonderlich von dieser geplanten Steuerreform.
Wichtig ist aber, daß die Möglichkeiten für Steuerakrobaten und Trickser
erheblich eingeschränkt werden sollen. Ich verstehe auch nicht die Aufregung um
die geplante Besteuerung von Sonntags- und Feiertagszuschlägen. Wenn schon das
Einkommen besteuert wird, dann bitte das ganze. Die Menschen, die nachts und
feiertags, sollen besser bezahlt werden – das dürfte unstrittig sein. Aber
nicht durch Steuervergünstigungen, sondern durch bessere und höhere Löhne. Was
allerdings bei der Besteuerung von Renten und Lebensversicherungen von der
Regierung geplant ist, das ist schon reichlich unverschämt. Sparmöglichkeiten
gibt es in unserem Lande mehr als genug, vor allem bei den maßlosen
Subventionen und der Verschwendung der öffentlichen Hand. Milliarden könnten da
eingespart werden. Wenn diese geplante
Steuerreform nicht gerecht über die Bühne geht, dann müssen sich unsere
Beamten-Politiker langsam fragen lassen, ob sie die richtigen Leute sind, die
das Volk vertreten. Die nächste Bundestagswahl 1998 wird es zeigen, ob sie
in den kommenden Monaten den Mut zu klaren und richtigen Entscheidungen hatten.
Aber ich hege den leisen Zweifel, daß diese „Steuerreform 1999“ – wie alle
anderen zuvor auch – im Lobbyisten-Dschungel der Politik letztendlich sich zu
einem Reförmchen deformiert wird.
Schwäbischer Dialekt?
Einige meiner Landsleute haben
ja immer noch Minderwertigkeitsgefühle wegen ihres unüberhörbaren schwäbischen
Dialekts. Trotz der Nostalgiewelle, die in den Siebzigern mit der Rückbesinnung
auf Traditionen begann, die so manches schlabbrige Oma-Kleid sowie alte Truhen
und Schränke wieder „in“ erscheinen ließ und sogar zu schwäbischem Kabarett und
Rock führte. Je mehr viele Menschen den
breiten Dialekt aus ihrer Alltagssprache ins Private verdrängten, in Berlin
oder irgendwo anders sich junge Studenten von der Alb im Öko-Look in Seminaren
trotzig ihres Dialekts bedienten, desto mehr geriet der Dialekt in die Nische,
von wo er nur gelegentlich hervorgekramt wird. Der gebildete
Durchschnittsschwabe spricht halt Hochdeutsch und Englisch und auch Schwäbisch.
Und junge Leute können das oft ohne Zwänge nebeneinander her mühelos
bewältigen. Peinlich und herabwürdigend
wird es nur dann, wenn so manche Rundfunkleute des Stuttgarter Spätzles-Senders
recht betulich aus ihrem Rundfunkdeutsch (mit leichtem schwäbischen Akzent) und
ein breiiges Gemisch aus pietistischem Pfarrhaus-Schwäbisch mit einigen
Ausflügen in die derben Abteilungen des Dialekts – und das aber nur dann, wenn
ihnen ein stark dialektsprechender Normalschwabe am Mikrofon gegenübersitzt,
der allerdings dann oft mehr aus entsetztem Erstaunen über die Sprachakrobatik
des Rundfunkmannes ins dialektgefärbte Hochdeutsche flüchtet. Noch
schlimmer wird es, wenn dieser nasale Pietistendialekt mit einem schmatzenden
und überbetonten Tunten-Schwäbisch vermischt wird, um kurz darauf wieder beim
Straßenverkehrsbericht ins gekonnte Hochdeutsch zu wechseln. Damit ist keine
Pflege des Dialekts angesagt, sondern
eine Denunziation. Liebhaber unserer Sprache und urige Schwaben müssen sich bei
einem solch gequirlten Sprachquark wirklich verarscht vorkommen. Bitte, liebe
Südfunk-Leut, verschont uns in Euren Sendungen, um unserer teuren Gebühren
willen, vor solchen Vergewaltigern des Schwäbischen.
Kranke(n) Rechnung
Prächtig ist es geraten, das
neue Heilbronner Krankenhaus am Gesundbrunnen. Ich finde, die 130 Millionen
Mark Baukosten sind gut angelegt und können sich weithin sehen lassen. Wenn ich
an die vereinigten Hüttenwerke der städtischen Krankenanstalten in der
Jägerhausstraße zurückdenke, dann war es für den Neubau auch höchste Zeit. Jetzt,
wo der finanzielle Gesundbrunnen in Stadt und Ländle endgültig versiegt ist,
können wir ja richtig froh sein, daß das Geld gerade noch gereicht hat. Ein ausgemoschteter Sparhaushalt beim Land,
millionengroße Löcher im Heilbronner Stadtsäckel – das kann in Teufels Namen
niemand wegrechnen. Mit den heutigen Finanzkrücken wäre das Projekt nicht
mehr auf die Beine gekommen. Ganz besonders freut es mich zu hören, daß die
anfänglichen Kinderkrankheiten am Bau und in der Organisation offenbar behoben
sind. Diagnose: Patient Krankenhaus läuft und ist wohlauf. Das gilt für den
operativen und pflegerischen Bereich. In der Buchhaltung der Verwaltung scheint
noch ein Virus schleppend-langsam aktiv zu sein. Es ist bis zu meinem
steinernen Ohr durchgedrungen, daß die Rechnungsstellung an Patienten lahmt.
Oder wie anders ist es zu erklären, daß Aufzahlungsrechnungen zur zweiten
Klasse seit Mitte letzten Jahres (1996) auf sich warten lassen? Fast könnte ich
vermuten, die Stadt hat die Hunderter (in der Gesamtsumme vielleicht viele
Tausender?) nicht nötig?! Als Patient und Zahler würde ich mich nicht
beschweren. Wenn das Krankenhaus-Kässle das Geld nicht braucht, dann ab damit
aufs Sparkonto. Für die Abrechnung der nächsten Bankgebühren reichen die Zinsen
allemal. Rechnungsmäßig ist mancher Handwerker dagegen ein Cleverle. Im
Werkzeugkoffer soll schon die Rechnung gesichtet worden sein, bevor mit der
Arbeit überhaupt begonnen wurde. Selbst der Gesundbrunnen-Vertragsfriseur ist
superflott. Mit der Schere und beim Kassieren. Kaum eine halbe Stunde
Schnipp-schnapp am Krankenbett – und schon hat die frisurbewußte Patientin 59
Mark los. Cash in die Täsch, versteht sich!
Polizeispenden
Manchmal ist ist unser Staat
schon ein komischer Rechtsstaat. Da spenden viele Bürger im Unterland für zwei
Polizisten rund 15.000 Mark, weil sie der Ansicht sind, daß die hohen
Geldstrafen für die beiden durch das Heilbronner Landgericht kein gerechtes
Urteil sind. Darüber kann man streiten.
Aber nicht darüber, daß Bürger gegen Urteile mit legitimen Mitteln sich zur
Wehr setzen dürfen. Denn Richter sind auch nur Menschen und sprechen im Namen
des Volkes Urteile nach Recht und Gesetz, wie sie es auslegen und verstehen.
Ob diese Urteile dann auch gerecht sind, das eine ganz andere Frage. Im Falle
der beiden Polizisten ist das Heilbronner Urteil selbst in Juristen-Kreisen -
auch unter Richtern und Staatsanwälten – höchst umstritten. Kommunal- und
Landespolitiker aus den unterschiedlichsten Parteien sind sogar entrüstet über
dieses Urteil. Für Konrad Jelen jedoch, den Präsidenten der
Landespolizeidirektion Stuttgart I und damit Herrn über alle Ordnungshüter im
Regierungsbezirk Stuttgart, wäre die Folge der Annahme des Geldes durch die
Polizisten: Ein Ermittlungsverfahren wegen Bestechlichkeit. Einer der Polizisten
hat inzwischen beantragt, das Geld annehmen zu dürfen. Bleiben die Fronten
verhärtet, muß irgendwann dann das Stuttgarter Innenministerium entscheiden.
Dabei ist die Frage, ob anonyme Spenden für die Polizisten
genehmigungspflichtig sind. Zumal von Bestechlichkeit in diesem Fall keine Rede
sein kann. Eventuell muß ein Verwaltungsgericht entscheiden. Was den Fall anbetrifft – offenbar einmalig
in der Bundesrepublik. Wenn die Polizeiführung nicht aufpaßt, könnte der Streit
zu einem Polizeiskandal mutieren, bei dem dann die Frage im Mittelpunkt steht:
Wie steht es um die Fürsorgepflicht der Polizeiführung für ihre Beamten vor
Ort.
Heilbronn Open
Potzblitz, das war eine heiße
Woche bei den 14. Heilbronn Open in Talheim. Das neue Tennis-Center präsentierte
sich pünktlich zum Beginn der 14. Heilbronn-Open in völlig neuem Outfit. Wo
früher gerade mal gut 1000 Zuschauer auf dem Center-Court Platz fanden und
Pressevertreter und Schiedsrichter sich in der engen Kegelbahn drängelten,
herrschte in diesem Jahr fast schon Grand-Prix-Atmosphäre. Der Hauptplatz
präsentierte sich in schickem blau, über 1600 Zuschauer fanden bequem Platz,
sogar die Sponsorenlogen, erinnerten ein wenig an die Top-Turniere in
Frankfurt, Hamburg und Stuttgart. 800.000 Mark haben die Umbaumaßnahmen
gekostet, ein mutiger Schritt, den
Turnierdirektor Uli Eimüllner da in wirtschaftlich schweren Zeiten gegangen ist.
Schließlich kann man sich nicht ewig auf den Erfolgen vergangener Jahre
ausruhen. Und die Bilanz der 14. Heilbronn-Open kann sich sehen lassen. Obwohl
am Finaltag mit Sicherheit noch für rund 600 Zuschauer Sitzplätze frei gewesen
wären, kann Turnierdirektor Eimüllner mit einem Schnitt von über 16.000
Zuschauern an neun Tagen, der weit über dem Vorjahresniveau liegt, voll zufrieden
sein. Und das Einzelfinale am Sonntag war eh nichts Besonderes. Schlechtes
Finale hin oder her, die Sponsoren auf jeden Fall sind voll dabei. Mit
langfristigen Verträgen will man Spitzentennis auch bis weit ins 21.
Jahrhundert hinein garantieren. Daß man etwas tun muß, um den gestiegenen
Ansprüchen von Zuschauern und Sponsoren gerecht zu werden, hat man jedenfalls
bei den Verantwortlichen der Heilbronn-Open rechtzeitig erkannt. ganz so weit
ist man dagegen beim Eishockey-Erstligisten Heilbronner EC noch nicht. Dort
spielt man Woche für Woche immer noch an der Bruchbude am Europaplatz. Immer
nur jammern und auf die Stadt hoffen bringt einen eben nicht voran. Gerade in
schlechten Zeiten sind Mut und neue Ideen gefragt, auch im Sport.
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