Weinlese
im Unterland
Die
Weinlese bei uns in der Region hat in diesen Tagen begonnen. Haben Sie auch
schon den Federweißen, den frischen Wein – ein wenig trüb und nach einiger Zeit
reißend – getrunken? Am besten schmeckt Zwiebelkuchen dazu. Bei unseren Weingärtnergenossenschaften, zum Beispiel bei der
Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg, können die Liebhaber
dieses schwäbischen Nationalgetränks derzeit den frischen unvergorenen Wein
kaufen. Und bei manchen Kellereien können sogar frischgeerntete blaue und helle
Trauben erstanden werden, deren kleine Beeren zuckersüß schmecken. Die Wengerter schwärmen von den
Oechsle-Graden, die sie in ihrem frischgepreßten Saft messen. Wenn ich da
an die klobigen Riesenbeeren in manchen Geschäften denke, die reichlich holzig
im Mund liegen, auch nicht sonderlich süß sind und kaum mehr nach Weintrauben
schmecken, dann ist es für mich ein Hochgenuß, unsere schwäbischen Weintrauben
zu essen. Ich verstehe ohnehin nicht, warum nicht mehr von den hiesigen Trauben
jetzt im Handel sind. Sie dürften halt ein wenig teurer sein – aber Qualität
hat halt ihren Preis. Probieren Sie doch mal, was da auf Unterländer Weinbergen
so heranwächst. Es überzeugt. Ob nun im Glas oder als Beere im Mund.
Helmut
ist da!
Die
christliche-liberale Koalition in Bonn feierte dieser Tage ihren 15.
Geburtstag. Und Helmut Kohl, der
Kanzler dieser Regierung, ist schon länger als Konrad Adenauer im Amt. Ein
heute zwanzigjähriger kennt keinen anderen Kanzler, als jenen Mann aus
Oggersheim, den wir nun schon eine Ewigkeit lang als Regierungschef in
deutschen Landen haben – zunächst für die Bonner Republik und dann für ganz
Deutschland. Wie hat man ihn von linker Seite zu Beginn seiner Kanzlerschaft
beschimpft, als tumben Toren hingestellt, als intellektuellen Flachsegler, als
Birne verunglimpft, die nicht fähig ist, einen klaren Gedanken zu fassen oder
gar auszusprechen. Er war das gefundene
Fressen für kleinbürgerliche linke Kabarettisten, die ihn haßten, weil er
all das verkörperte, was sie schon an ihren Eltern verabscheut hatten. Aber
auch auf der Rechten, vor allem in seiner eigenen Partei, wurde er zunächst
nicht ernstgenommen. Was Franz-Josef
Strauß, der Bayernkönig, an herablassenden und spitzen Bemerkungen über
Helmut Kohl losließ, das füllt heute noch ganze Bücher. Sie alle haben sich
getäuscht und sind darob noch erbitterter. Jetzt hat der Obelix aus der Rheinpfalz seinen Parteifreunden auf dem
CDU-Parteitag in Leipzig mitgeteilt, was ihnen allen schon seit Monaten bekannt
war: Bei der Bundestagwahl 1998 tritt er wieder an. Die beiden
Kanzlerkandidaten der SPD, die Ministerpräsidenten Oskar Lafontaine (Saarland) und Gerhard Schröder (Niedersachsen) werden von ihm als Schuldenmacher
und miserable Politiker verhöhnt. Die Sozialdemokraten wehren sich, legen sich
auf eine Koalition mit den Grünen fest und sprechen mit gespaltener Zunge über
die Einführung des vielumstrittenen Euro. Die Umfrageergebnisse für die CDU und
den Kanzler sind miserabel. Aber das waren sie vor den letzten Wahlen auch
schon. Entschieden wird die Bundestagswahl am Wahltag im September 1998 von den
Wählern. Und nicht in Umfrageergebnissen. Das weiß niemand besser als der alte
Wahlkämpe Helmut Kohl. Und einen Tony
Blair kann es in Deutschland nie geben, weil unsere Parteienlandschaft
anders strukturiert ist. Die kommenden elf Monate Wahlkampf werden zeigen, ob
der 67 jährige Kanzler es noch
einmal schafft. Wenn nicht, hat er einen Abgang in demokratischen Ehren. Denn
es ist weder eine Schande noch ein nationales Unglück, eine Wahl zu verlieren.
„Teufelskerl“
Bekanntlich
wird ja bei Arbeitsjubiläen, Geburtstagen oder am Grabe mit Lob nicht gespart.
Da ist plötzlich der Manager der konkursfälligen Firma, der zweimal abgemahnte
Mitarbeiter oder der wenig beliebte Kollege Beamte schon nach dem ersten Satz
immer der Freundlichste, Beste und natürlich Allertüchtigste gewesen. Der nie
einen Fehler gemacht, Gemeinwohl über Eigeninteresse gestellt hat und Summa
Summarum Freund, Weggefährte – und wenn es denn mal sein muß – sogar ein
Teufelskerl war. Beim 50. Geburtstag des Bad Rappenauer Bürgermeisters, der
nebenbei auch noch Landtagsabgeordneter ist, wurde nicht minder aufgetragen.
Ein Mann mit annähernd so vielen erfolgreichen Berufs- wie Lebensjahren, glaubt
man Berichten in der Tagespresse. Bei so einem Tüchtigen mußte sogar
Ministerpräsident Erwin Teufel
eigens mit dem Polizeihubschrauber aus Stuttgart kurz herüber nach Bad
Rappenau, um das Geschenk zu überreichen. Dabei ist schon der Helikopterflug
alleine ein Geschenk – und zwar des Steuerzahlers. Die Flugstunde
(möglicherweise nur „zur Übung“ angesetzt), kostet an die 2.000 Mark. Und wenn
der Herr Ministerpräsident das bei allen runden Geburtstagen der Abgeordneten
macht, summiert sich das fünf- und sechsstellig. Aber dem Schultes-MdL zum
Fünfzigsten hat der Landesvater das selbst gemacht. Schließlich ist Gerd Zimmermann für Teufel ein „Freund fürs
Leben“, ließ er beim Empfang im Rappenauer Rathaus wissen. Für kritische Worte
war an der morgendlichen Kaffeetafel kein Platz. Der Aktien-Deal mit
gewinnbringenden Kur-Papieren, die dem persönlichen Zimmermann-Konto zur
Besserung verholfen hätten, ist schließlich abgehakt. Von den Tantiemen aus
Aufsichtsratspöstchen kraft Amtes, die in der Privatschatulle landeten und erst
nach Kritik und Verwarnung durch den Landrat dem Stadtkämmerer abgeführt
wurden, spricht auch niemand mehr. Unter Freunden schon gar nicht.
Privatisierung
Der
Staat hat sich um Staatsgeschäfte zu kümmern. Die Wirtschaft kümmert sich um
wirtschaftliche Belange. Daß Sozialisten
immer noch glauben, wenn Wirtschaft und Banken privatisiert werden, dann
könne gerechter verteilt werden, das gehört zu den großen Ammenmärchen der
Geschichte und ist trotz des Zusammenbruchs des „real existierenden
Sozialismus“ offenbar nicht aus der Welt zu schaffen. Daß Politiker gern Unternehmerles spielen, ist vor allem bei uns im
Unterland eine beklagenswerte Tatsache. Was für einen Sinn es macht, wenn Land,
Städte und Gemeinden an Unternehmen beteiligt sind, die Politiker in
Aufsichtsräten sitzen, ist bis heute nicht verständlich geworden. Der
Landesanteil an den Südwestdeutschen Salzwerken in Heilbronn SWS soll verkauft
werden. Lange Zeit ging man davon aus, daß Land und Stadt Heilbronn mit je 45
Prozent Aktienanteil sich dabei grün sind. Aber seit geraumer Zeit ist bekannt,
daß das Land Baden-Württemberg mehr Aktienanteile als offiziell angegeben
besitzt. Im Zuge der Zusammenlegung von Energieversorgung Schwaben und
Badenwerk und der Privatisierung des neuen Stromgiganten im Südwesten, Energieversorgung Baden-Württemberg EBW,
ist die Veräußerung des Landesanteils an den Salzwerken notwendig geworden. Und
dabei geht es auch darum das landeseigene Unternehmen Sonderabfall
Baden-Württemberg SBW in die Salzwerke zu integrieren. Damit wäre ein großes
Abfallentsorgungsunternehmen geschaffen. Und wenn sich der Stromkonzern EBW
dann noch an den Heilbronner Salzwerken beteiligt, dann ist auch für die
Müllbeseitigung in Heilbronn ein neues Buch aufgeschlagen. Müllverbrennung in
Heilbronn ist immerhin sauberer als derzeit Kohleverbrennung. Und Endlagerung
von Müllverbrennungsrückständen ist für Heilbronn eh ein gutes Geschäft. Jetzt
müssen halt Nägel mit Köpfen gemacht werden.
Träumereien beim Wein sind nicht mehr gefragt. Günther Oettinger, der
CDU-Fraktionsvorsitzende in Stuttgart, hat die Richtung angezeigt.
Advent,
Advent
Ende
September beginnt Weihnachten. Wer auf Zimtsterne und Lebkuchen steht, der kann
jetzt schon munter zuschlagen. Jetzt ist es auch schon in vielen Geschäften
soweit, daß Weihnachtsdekorationen in all ihren Variationen angeboten werden.
Und auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk wirbt man schon kräftig:
„Weihnachten steht vor der Tür!“ Hörte ich gestern im dritten Fernsehprogramm –
bei Südwest 3. Denn mit dem „Weihnachtsmobil“ sollen die Leut’ im Ländle
besucht werden, die besonders gute
Weihnachtsbrötle backen oder sonst irgendwie für die Advents- und
Weihnachtszeit attraktive Fernsehideen produzieren. Es gab ja Zeiten, in denen
die Vorbereitung zum Weihnachtsfest erst mit dem ersten Advent, also vier
Wochen vor Weihnachten begann. Aber die Zeiten wandeln sich. Schließlich ist
Weihnachten das Fest im Jahr, bei dem vom Einzelhandel der größte Umsatz
getätigt wird. Nicht weil die Händler es so wollen und ihren Kunden willkürlich
diesen Termin gesetzt haben, sondern weil wir alle in dieser Zeit hektisch und
betriebsam auf das Fest des Jahres zusteuern. Angeboten kann nur das werden,
was bei uns Kunden ankommt. Also beginnt
die Weihnachtszeit kurz vor dem Ende des zweiten Jahrtausends unserer
Zeitrechnung eben schon im September. Sensiblen Gemütern sträuben sich bei
diesem Anblick die Nackenhaare, Puristen rümpfen die Nase und Fromme wittern
Blasphemie in diesem unchristlichen Treiben. Aber was hilft es, wenn wir uns
aufregen. Angebot und Nachfrage bestimmen das Geschäft. Sind wir froh, daß das
Weihnachtsgeschäft nicht gleich nach Ostern beginnt.
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