Advent,
Advent, ...
Ab
kommendem Wochenende wird es auf dem Märkten der Region, ob in Heilbronn,
Neckarsulm, Brackenheim oder Bad Wimpfen wieder nach gebrannten Mandeln,
Glühwein, Zuckerwatte oder Räucherkerzen duften. Die Vorweihnachtszeit beginnt
– und damit auch die Zeit der Weihnachtsmärkte.
An manchen Orten nur am Wochenende veranstaltet, in Heilbronn die gesamte Zeit
bis wenige Tage vor Heiligabend. Der bekannteste aller Märkte bei uns in der
Region, der „Altdeutsche Weihnachtsmarkt“ in Bad Wimpfen, öffnet jedoch nur an
zwei Wochenenden für die Besucher seine Pforten – jeweils drei Tage lang. Und
zwar am kommenden Wochenende (28. bis 30. November) und am Wochenende
darauf. Bei diesen vorweihnachtlichen
Meldungen wird mir erst recht bewußt, daß an diesem Wochenende ja schon der
erste Advent gefeiert wird. Beginnt nun
eine beschauliche Zeit, eine Zeit der stillen Vorbereitung auf das
Weihnachtsfest? Wir wissen es seit Jahren besser. Es beginnt eine hektische
Zeit, Betriebsamkeit wird vorherrschen. Es werden Weihnachtsbrötle gebacken, es
müssen die Geschenke für die lieben Verwandten, Freunde und Bekannten gekauft
oder (etwa gebastelt?), und es muß die
Weihnachtspost geschrieben bzw. rechtzeitig versandt werden, usw. usw. Das
bringt eine gehörige Portion Streß mit sich. Ein schöner, ein beruhigender
Streß? Aus Erfahrung kann ich sagen: Die meisten Leute sind in dieser
Vorweihnachtszeit reichlich genervt. Und die vielen Verkäuferinnen und
Verkäufer, die in den nächsten Tagen Höchstleistungen zu erbringen haben,
beneide ich wahrlich nicht. Aber schließlich ist für den Einzelhandel die
Vorweihnachtszeit das Geschäft des Jahres – in manchen Läden wird jetzt die
Hälfte des gesamten Jahresumsatzes getätigt. Man ist es also gewohnt, in diesen
wenigen Wochen vor dem fest gehörig anzupacken. Also dann mal zu: besinnliche,
schöne Vorweihnachtstage.
Heilbronner
Rostköpfe
Die
Friedrich-Ebert-Brücke in Heilbronn hat zwei riesige (5,70 Meter Höhe), rostige Stinkefinger am Ufer zur
Innenstadt erhalten, die man Köpfe nennt. Brückenköpfe im Kunstdeutsch. Diese
Rostskulpturen des Künstlers Franz
Eberhard sollen, nur ein wenig verändert auch schon in anderen
südwestdeutschen Städten herumstehen. Nur kann man über Geschmack bekanntlich
nicht streiten, aber was da an Arroganz von Personen geboten wird, die sich als
Kunstkenner gerieren, ist schon erstaunlich. Das Volk, das diese neue
Heilbronner Kunst mit seinen Steuergeldern bezahlt, habe sich gefälligst an die
Skulpturen zu gewöhnen. In ein, zwei Wochen sei dann die Aufregung vergessen.
Im Hintergrund muß jener Gedanke stehen (der ansonsten nur Diktatoren zu eigen
ist): Die breiten Massen, das Volk, der einfache Bürger haben keinen
Kunstgeschmack; deshalb muß er ihnen verordnet werden. Von einer Elite. Nun
wissen wir ja, daß viele „Geistesarbeiter“, die
sich als Intellektuelle bezeichnen, weder in Zeiten der
nationalsozialistischen noch der kommunistischen Diktatur eine gute Figur
abgegeben hatten. Ihre Verachtung des gesunden Menschenverstands, ihre Arroganz
gegenüber dem Empfinden breiter Massen, ihre Anbetung des Ideals hatten
Deutschland in Krieg und Unrecht gestürzt. Danach wurde dann so getan, als ob
man sich im guten Glauben und mit den besten Vorsätzen geirrt habe. Nur dieser Irrtum hat jeweils tausenden
von Menschen entweder das Leben gekostet oder sie ins Unglück gestürzt.
Asche aufs Haupt und durch, das ist zuwenig. Und die moderne Kunst zur
Ideologie erklären, ist nicht gerade überzeugend. Die Vielfalt in der Moderne
ist groß. Was in Heilbronn an Rostskulpturen herumsteht ist nur ein Aspekt.
Diese Art der Bestrafung fürs Auge hat die Stadt nicht unbedingt verdient. Man
schaue nur in amerikanische Städte oder nach Stuttgart. Dort stehen moderne
Skulpturen, die eine Freude fürs Auge sind. Keine Kunst protestantischer
Bestrafungsethik wie in Heilbronn. Aber jede Stadt hat halt die Kunst, die dem
Geist ihrer Kunstkenner entspricht. Und bei uns bestimmen halt die
protestantischen Pfarrerskinder, wo es kulturell lang geht. Das hat seine
Auswirkungen.
Frauenfreundlich
Die
Industrie- und Handelskammer Heilbronn wird gelegentlich von IHK-Verweigerern angegriffen. In
letzter Zeit allerdings weniger. Überall wächst die Zahl der Verweigerer, im
Kammerbezirk Heilbronn jedoch nicht. Warum wohl? Weil die Kammer einen
gepflegten Dialog auch mit den Kammerverweigerern betreibt. Wie sich das
gehört! Der rauhe Wind, der dezeit der Wirtschaft und damit auch den Kammern
ins Gesicht blase, habe auch seine guten Seiten. Zumindest bewerte die Kammer
ihn positiv. Meint der Mann für die Öffentlichkeitsarbeit bei der IHK
Heilbronn, Geschäftsführer Thomas Schick. Und die Frauen in der
IHK-Vollversammlung? Sie sitzen schon seit Jahren in diesem Gremium. Seit der
letzten Wahl vor wenigen Wochen sogar drei an der Zahl. Zudem habe die IHK eine
Kontaktstelle für Frauen eingerichtet. Schließlich habe IHK die Zeichen der
Zeit schon lange erkannt – und auch dementsprechend gehandelt. Nicht überall. Aber im Kammerbezirk
Heilbronn. Und man rede bei der IHK Heilbronn nicht nur über Ausbildung,
fordere die Firmen in Industrie und Handel dazu auf, mehr Lehrlinge
einzustellen – man betreibe selbst seit Jahren schon Ausbildung im eigenen
Hause. Und auch bei den Finanzen sei man transparent. Die IHK-Haushaltspläne
werden von einer Zentralstelle und vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg
überprüft. Bisher habe es keine Anlaß zu Beanstandungen gegeben. Auf Seiten der
IHK spiele man mit offenen Karten, habe keine Berührungs- und Auskunftsängste –
auch bei den Beteiligungen. Zum Beispiel sei man am IHK-Weiterbildungszentrum
zu 100 Prozent beteiligt. Bewußt nehme man die vom Gesetz vorgeschriebenen
Aufgaben wahr – und ganz bewußt auch noch einige mehr. Denn die IHK verstehe sich als Interessenvertretung der
Gesamtwirtschaft in der Region. Und deshalb sieht es die Industrie- und
Handelskammer als notwendig an, auch Partner der Unternehmen zu sein. Zum
Beispiel bei der Weiterbildung. Oder bei Existenzgründern. Wer wollte das
bestreiten. Aber hätten Sie das je gedacht? Im Normalfall erscheint Kammerpolitik
auf den Wirtschaftsseiten einer Zeitung. Und die werden – wie das Feuilleton –
nur von wenigen Lesern frequentiert. Dabei leistet die Heilbronner IHK seit
Jahren exzellente Öffentlichkeitsarbeit. Und das nicht nur sporadisch, sondern
kontinuierlich.
Wahlgeflimmer
Die
Sozialdemokraten haben im Wahlkreis Heilbronn noch keinen Bundestagskandidaten
aufgestellt. Aber der einzige Kandidat bei der SPD-Wahlkreiskonferenz am
Donnerstag, 27. November, in Eppingen heißt Harald Friese, Kulturbürgermeister aus Heilbronn. Falls sich auf
der Kraichgau-Konferenz nicht noch eine Genossin oder ein Genosse findet,
die/der bereit ist, für die Unterländer SPD in den Ring zu steigen. So
eindeutig wie in Heilbronn stellt sich die Lage auf SPD-Bundesebene nicht dar. Journalisten
fragen, bekommen auch Antworten. Oskar
Lafontaine, der Parteivorsitzende gibt scheibchenweise zu verstehen, daß er
bereit sei – aber entschieden werde erst im März nach der Landtagswahl in
Niedersachsen. Gerhard Schröder, der andere Spitzenkandidat, hat die Latte
hochgelegt. Er wolle als SPD-Spitzenkandidat antreten, wenn die Wähler in
Niedersachsen ihm als Ministerpräsident plus oder minus zwei Prozentpunkte im
Vergleich zur letzten Wahl in die Urne legen. Wäre das Minus stärker als zwei
Prozentpunkte, schiele er nicht mehr auf das Bundeskanzleramt. Bei der CDU ist
die Richtung eindeutig: Kanzler Helmut
Kohl tritt nochmal an. Er will es wissen. 1998 ist er dann 16 Jahre im Amt.
Eine Zeit, die auf zwanzig Jahre verlängert wird, falls er im September wieder
eine Mehrheit im Bundestag zustande bringt, die ihn nochmals zum Bundeskanzler
wählt. Die Unruhe bei den Christdemokraten ist jedoch schon jetzt riesig, die
Umfrageergebnisse bisher sind katastrophal. Die Chance sein Amt an einen
anderen Mann zu übergeben, hat der „ewige Kanzler“ nur noch wenige Wochen.
Seltsam eigentlich, daß alle Regierungschefs der Bundesrepublik Deutschland
mehr oder minder aus dem Amt gedrängt werden mußten. Ob Konrad Adenauer, Ludwig
Erhard, Kurt-Georg Kiesinger, Willy Brandt oder Helmut Schmidt, alle witterten irgendwie Verrat bei ihrem
erzwungenen Abgang. Unser Wahlsystem läßt offenbar keine anderen Abgänge zu,
als daß die eigene Partei oder der Koalitionspartner den jeweiligen Kanzler zum
Rücktritt zwingt. Bei Helmut Kohl könnte diese Tradition durchbrochen werden. Er bekommt beim Wähler einfach keine
regierungsfähige Mehrheit zustande. Und danach sieht es momentan aus. Aber
alles ist im Fluß und kann sich ändern.
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