10 Prozent und mehr?
Was
mich immer wieder stark wundert, ist die Blauäugigkeit, mit der Menschen
zehntausende von Mark – teilweise sogar mehrere hunderttausend – dubiosen
Geldanlegern überlassen, die ihnen mehr als zehn Prozent Rendite versprechen.
Ist es Dummheit oder reine Geldgier, wenn Menschen derart risikoreich handeln?
Wenn es Dummheit ist, dann haben sie selber Schuld. Weil bei jeder anständigen
Bank leicht zu erfahren ist, daß bei Anlagen selten über zehn Prozent
herausspringen – und wenn, dann nur mit einem großen Risiko behaftet. Entweder
man verdient gut oder ein großer Teil des Geldes ist futsch. Wenn es aber
Raffgier und Geldgeilheit ist, dann geschieht es diesen Mitmenschen nur recht,
wenn sie von jenen, die ihnen das Blaue vom Himmel versprechen, betrogen werden.
Es gilt immer noch der alte Grundsatz, daß irgendjemand das Geld erarbeiten
muß, das dann als Zinsen aufs Kapital hinzugelegt wird. Wer darauf spekuliert,
daß andere für ihn arbeiten und die Zinsen zahlen, kann Glück haben – und viel
Geld erhalten. Oder er hat kein Glück – dann darf er aber auch nicht traurig
sein. Wie gewonnen, so zerronnen. Beim Gewinn ruft niemand nach dem Staat,
bedankt sich keiner bei jenen, die die Zinsen im Schweiße ihres Angesichts
erarbeitet haben. Geht das Geld aber futsch, soll gar der Staat und die
Allgemeinheit für den Verlust aufkommen. Ein bißchen arg naiv, meine ich. Das
wär ja noch schöner. Geldgier gehört nicht bestraft, aber niemand soll sich
wundern wenn er bei einem Va-Banque-Spiel verliert – und er soll vor allem nicht
nach den Schuldigen suchen. Schuld ist er allein. Es gibt genügend seriöse
Anlagemöglichkeiten, bei denen das Geld relativ sicher angelegt ist. Da gibt es
aber dann nicht soviel Zinsen.
Kulturtage
1986,
bei den ersten Heilbronner Kulturtagen auf dem Gaffenberg, half ein 50köpfiges
Team etwas auf die Beine zu stellen, was Heilbronn in Sachen Kleinkunst
landesweit bekannt machte. Jetzt, bei den zehnten Heilbronner Kulturtage, sind
es mehr als „800 helfende Hände“, verkündet Kulturtage-Chef Harry Mergel. Aus den jungen,
ungestümen Bafög-Empfängern von 1986 seien mittlerweile Steuerzahler und
Bausparer, Mütter und Väter geworden. Das ursprünglich regionale Kulturfest
habe sich zu einem der erfolgreichsten Musik- und Kleinkunstfestivals in
Deutschland entwickelt. Was vom 10. bis
zum 13. Juli auf dem Gelände der
Evangelischen Kirche auf dem Gaffenberg
abgeht, ist wieder einmal ein Volks- und Barbecue-Festle für die gehobenen
Stände, auch wenn die Macher betonen, sie würden mit ihrem Programm
feststellbar einen breiten Querschnitt in der Bevölkerung ansprechen. Aber wie
dem auch immer sei – die Heilbronner Kulturtage sind eine Einrichtung, die all
jene belebt, die zeitgeistmäßig immer up-to-date sein wollen. Was sich so im
bundesdeutschen Unterhaltungsbereich tummelt und zur Kultur drängt, ist auf dem
Gaffenberg vertreten. Bei einem Gesamtetat von 1,2 Millionen Mark wird
„wirtschaftlich“ gearbeitet, nicht am Programm gespart, rund 700.000 Mark durch
Eintrittsgelder aufgefangen. Die Einnahmen stagnieren, die Sponsoren steigen in
wirtschaftlich unruhigen Zeiten auch nicht mehr so schnell ein – und so wird
trotz laufender Ausgabensteigerungen dank ehrenamtlichen Engagements mit
minimalen Rücklagen gearbeitet. Und heraus kommt für Heilbronn und die rund
20.000 Besucher (die Kapazitätsgrenze ist damit erreicht!) ein Festival der Superlative. Jetzt muß an
jenem Juli-Wochenende nur das Wetter mitmachen. Aber bei einem christlichen
Gelände wie dem Gaffenberg dürfte das ja geritzt sein.
Grundsteuer
Bund,
Ländern und Kommunen geht es derzeit nicht gerade rosig – was die Finanzen
anbelangt. Das wissen wir schon seit langer Zeit. Und jene, die am lautesten
schreien (siehe Saarland, Niedersachsen oder Bremen), denen geht es am
dreckigsten. Heilbronn steht im Reigen
der Städte noch verhältnismäßig ordentlich da. Aber trotzdem versucht die
Verwaltung es immer wieder, sich auf Kosten der Bürger zu sanieren, statt beim
Sparen im eigenen Hause hart und konsequent zu beginnen. Jetzt ist die
Grundsteuer an der Reihe. Rückwirkend soll sie für dieses Jahr beträchtlich
erhöht werden. Die Grundsteuer A (Land- und Forstwirtschaft) soll von 290 auf
330 Punkte, die Grundsteuer B (normale Grundstücke) soll von 305 auf 380 Punkte
angehoben werden. Bisher ist die Verwaltung mit diesem Vorhaben im Gemeinderat
gescheitert. Man erhofft sich jetzt bei der Sitzung am 12. Juni eine Mehrheit,
weil Mehreinnahmen bei der Steuer A von 60.000 Mark und bei der Steuer B von
6,6 Millionen Mark erwartet werden. Dabei wird kräftig auf andere Gemeinden und
Städte in Baden-Württemberg verwiesen, wo die Grundsteuer teilweise erheblich
höher ausfällt. Dabei wissen wir alle, daß bei der Grundsteuer B die Erhöhung
von Vermietern auf die Mieter umgelegt wird. Das heißt Mieterhöhungen in diesem
Jahr sind unausweichlich. Den letzten beißen halt die Hunde. Damit wird genau
jenes Klima erzeugt, daß die Menschen mehr und mehr verunsichert.
Gerechtigkeit? Wenn der Staat, in diesem Fall auch die Kommune, nicht endlich
beginnt, in seinem eigenen Terrain ordentlich zu sparen, wird der Unmut immer
größer werden. In einer Rep-Hochburg wie Heilbronn oder dem Unterland sollte
man den Bogen nicht überspannen – und mit ausgestrecktem Finger ins Elsaß
zeigen, wo die Rechtsextremisten um die
15 Prozent bei den Wahlen einheimsen. Im Unterland sind wir schon lange auf
diesem Stand. Und unsere Politiker wollen offenbar diese Rep-Ergebnisse noch
weiter in die Höhe treiben.
Heilbronner
Hanf-Essen
Unser
Koch Tobias Heil hat auch beim
Drogendezernat angerufen, ob dieses Essen so genehmigt ist. Erzählt Lore Stöber vom gleichnamigen Restaurant in der Wartbergstraße Heilbronns,
das laut Gastronomieführer den dritten Platz in Heilbronn und den 38sten in der
Region belegt. In einem gutbürgerlichen Haus eine Hanf-Woche zu veranstalten,
das ist schon sehr gewagt. Obwohl dieses Gewächs seit Jahrhunderten in diesen
Landen bekannt und genutzt wird. Und was der 23jährige Koch Tobias Heil den
Gästen auftischt ist schon sehens- und schmeckenswert. Neben der üblichen
Getränke- und Speisekarte gibt es auch jene mit den Hanfprodukten.
Hanflimonade, Hanfbier oder Hanflikör. Vorspeisen, vom Salat bis zur Suppe,
Hauptgerichte und Desserts sind auf Hanf ausgerichtet – und alles „natürlich
absolut legal“, da die Produkte und Waren aus „Faserhanf“ hergestellt sind. Walter Kress, Bio-Bauer aus
Neuenstadt-Stein, der in seinen einleitenden Worten der „Tabupflanze Hanf“ den
bösen Geruch nehmen wollte, verwies darauf, was alles aus der heimischen
Pflanze hergestellt werden kann. Hosen (zum Beispiel eines bekannten Jeansherstellers,
schließlich hatte auch ein Herr Strauss 1873 seine Levis-Jeans aus Hanf zunächst gefertigt), Teile für das Automobil
(1941 baute Ford ein Hanf-Auto), Hanfpapier (für das Heilbronner Rathaus). Auf
16 Hektar wird bereits in der Region Hanf angebaut. Man könnte den
Wirtschaftszweig Hanf in der Umwelttechnologie-Region Franken durchaus noch
ausbauen – auf rund 500 Hektar. Denn Hanf (Cannabis sativa) ist schon seit
Jahrtausenden ein hilfreicher Begleiter der Menschen in vielen Kulturkreisen der
Erde. Kleider, Seile oder Netze aus Hanf gab es schon 4.000 vor Christus in
China. Und auch in Europa dient seit 2.500 Jahren Hanf als Rohstoffquelle für
Seile, Tücher, Medizin, Nahrung oder Papier. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde
verboten – man ersetzte ihn schlicht durch Kunststoffe. Jetzt hat man ihn
wieder entdeckt, weil der Hanf in nur 100 Tagen vier bis sieben Meter wächst,
eine ertragreiche Faser- und Ölpflanze ist, einen niedrigen Arbeitsaufwand erfordert und die gesamte Pflanze verwertbar
ist. Wahrlich: ein „Grünes Gold“ ist diese Pflanze. Auch fürs schmackhafte
Essen.
SWR
statt SDR und SWF
Der
Staatsvertrag ist seit Sonntag unter Dach und Fach. Ab 1998 wird es den Südwestrundfunk (SWR) in
Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz als zweitgrößte
ARD-Anstalt in Deutschland geben. Was nach dem Krieg durch Besatzungsrecht
geschaffen wurde, ist endgültig zu Grabe getragen worden. Gottseidank. Was Lothar Späth einst angedacht hatte,
woran er dann kläglich dank vieler Kleingeister gescheitert war, das hat sein
Nachfolger Erwin Teufel zusammen mit
den SPD-Kollegen Kurt Beck aus dem
Nachbarland in die Tat umgesetzt. Jetzt müssen nur noch die Landtage in
Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg zustimmen – das heißt bei uns die
CDU/FDP-Koalition und in Mainz das SPD/FDP-Bündnis. Schwierig für die jeweils
größte Oppositionspartei im Lande, ihren Genossen oder Parteifreunden auf der
anderen Seite des Rheins bei der Abstimmung in den Rücken zu fallen. Der SWR
mit seinen 4.200 Beschäftigten und
einem Nettogebührenaufkommen von 1,6
Milliarden Mark kommt eigentlich viel zu spät – die „Reform“ war längst
überfällig. Ein Jahrhundertwerk ist es schon gar nicht – das Reförmchen im
Südwesten. Denn die Zusammenfassung vorhandener Sender in der ARD ist nichts
als ein Gebot der Stunde. Damit die Rundfunk- und Fernsehgebühr bei rund 30
Mark gehalten werden kann. Kooperation auf vielen Gebieten ist bei der ARD
angesagt. Denn nicht allein die Sender sind teuer, viel teurer, zu teuer ist
das Programm. Die Vermehrung von Hörfunk- und Fernsehschienen ist eine
Krankheit unter den öffentlich-rechtlichen Sendern. Dem ist jetzt bei SWR
löblicherweise ein kleiner Riegel vorgeschoben worden – vorläufig. Die neuen
Techniken und ihre Übertragungsmöglichkeiten öffnen da ganz neue, ungeahnte Wege,
die auch zum Teil schon munter beschritten werden. Letztlich zum Nachteil des
Gebührenzahlers. Und hinzukommt, daß der private Rundfunk in Baden-Württemberg
derzeit immer mehr nach hinten abfällt. Der neue SWR wird bewirken, daß es auf
diesem Gebiet auch zu einer Reform kommen muß. Denn die drei großen Bereichssender und 14 Lokalsender im privaten Hörfunk sind
– so wie derzeit beschaffen – in der Zukunft unter den neuen Bedingungen
kaum überlebensfähig.
Arbeitgeber-Treff
Das
Freilandmuseum Wackershofen in der
Nähe von Schwäbisch Hall ist seit
Jahren schon jener Ort, an dem der Arbeitgeberverband Region Franken seinen
Sommertreff abhält. Mit einer Ansprache des jeweiligen Vorsitzenden zur „Lage“.
Am Montag dieser Woche war Dr. Hans
Wiedemann, Geschäftsführer im Gemeinschaftskernkraftwerk Neckarwestheim, an
der Reihe, der im Namen der Bezirksgruppe Heilbronn/Region Franken des Verbands
der Metallindustrie Baden Württemberg als auch des Arbeitsgeberverbands Region
Franken die Gäste begrüßte. Politisch wurde es dann trotz der ungezwungenen
Atmosphäre. Wiedemann kritisierte die von den Gewerkschaften propagierte
32-Stunden-Woche. Das entspreche nicht im Geringsten den Anforderungen einer
globalisierten Wirtschaft. Und außerdem, so forderte Wiedemann, müßten Renten
und andere Sozialleistungen so weit gesenkt werden, daß die Gesellschaft sie
bezahlen kann. Ob er damit vor allem jene von Staatsdienern und Politikern
gemeint hat? Sein besonders deutlicher Appell an die Politiker: „Unser Parlament sollte und muß den Mut
haben, die Steuer- und Sozialreform nicht wieder zu zerreden, sondern
möglichst schnell zu einer Entscheidung kommen, wie sie in den späten 80er
Jahren in Großbritannien zu einem echten Aufschwung führte.“ – Schön gesagt im
Vorfeld einer Bundestagswahl und der Links-Siege in Großbritannien und
Frankreich. Jetzt geht es in der Politik mehr ums Muskeln-Spielen-Lassen als um
die Vernunft. Zum Staunen der Wähler. Lutz Wagner, Studioleiter des Südfunks
in Heilbronn und Chef des Frankenradios, redete in seinem kleinen Vortrag dann
den Unternehmen in launischen Worten gut zu, sich den Journalisten vor Ort zu
öffnen statt ständig in einer Angstposition vor der Presse zu verharren. Manche
Unternehmen, die ansonsten höchstens mit guten Bilanzzahlen und Jubiläumsdaten
in die Öffentlichkeit treten, wundern sich immer, daß es recht heftig wird,
wenn mal eine Schieflage in ihrem Betrieb angesagt ist. Dabei wissen wir seit
langen, daß Öffentlichkeitsarbeit seit jeher als Mittel in der
Auseinandersetzung mit den Konkurrenten benutzt wird. Große Firmen machen uns
das tagtäglich vor. Und die Wege der Informationsbeschaffung und -streuung sind
so vielfältig wie das Leben. In manchen Konzernen sind ganze Stabsstellen beim
Vorstand für diese Art der Arbeit eingerichtet. Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit nennt man das. Sehr wichtig in einer
Kommunikationsgesellschaft. Wer sie vernachlässigt, darf sich nicht wundern.
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