Neckarfest
ade
Stolz
ist er, der Bernhard Winkler
(Heilbronns Verkehrsdirektor), auf das siebente Heilbronner Neckarfest 1997.
Nicht nur weil die Umzüge auf dem Neckar im Fernsehen live in S3 übertragen
worden sind und weil so viele Besucher (180.000 sollen es nach seiner Zählung
gewesen sein) am vergangenen Wochenende am alten Neckararm zwischen Insel-Hotel
und Rosenaubrücke sich heftig amüsiert hatten, sondern weil es hunderte von
Faxe und Anrufe beim Verkehrsverein gegeben
hatte, die ihn zu diesem
gelungenen Flußfest gratuliert hatten. Ideales Wetter? Aber klar doch! Die
wenigen Regenschauer kamen immer zum richtigen Zeitpunkt, meint der
optimistische Verkehrsdirektor. Ein ideales Festles-Wetter also. Übrigens am
Rande: „Middle of the Road“, die englische Folk-Pop-Gruppe, spielte beim
Neckarfest fetzig auf. Abgeholt wurde sie vom Frankfurter Flughafen
höchstpersönlich von Bruno Freiburg,
dem Chef der Heilbronner Autovermietung Europcar.
Gespeist wurde angemessen beim Italiener
„da Umberto“. Dort wurde der Herd extra warm gehalten, weil die Musiker
erst gegen zwei Uhr in der Früh am Sonntag in Heilbronn eintrafen. Und zum Dank spielten sie zu später
Nachtstunde noch einen zünftigen Rap-Song, der Begeisterungsstürme bei den Gästen
hervorrief. Übrigens waren sie beim Neckarfest der große musikalische Hit.
Später dann hatten die Herren Musiker am geheiligten Feiertag noch den Wunsch,
im neuen Mercedes SLK durch die Landschaft kutschiert zu werden. Auch dieser
Wunsch wurde ihnen von Bruno Freiburg erfüllt. Denn in England hat das
Wägelchen aus dem Schwabenlande drei Jahre Lieferzeit. Beim nächsten Neckarfest
in drei Jahren wird Europcar Heilbronn mit einem „grünen Boot“ mit von der
Partie sein. Damit die Besucher sicher durch die Wassermassen des Neckars
kutschiert werden. Darauf bin ich ja gespannt. Paßt auch gut zur grünen
Uferbepflanzung. Vorschlag: Man könnte das Neckarfest ja auch exportieren –
Franchise-System. Dankbare Städte gäb’s viele am Neckarstrand – rauf und
runter. Bloß, des send elles Schwoba, in der Mehrzahl. Die Badener zählet
jetzet a mol net mit. Und die Schwoba zahlet nix. Und außerdem: Die
Neckarfeschtles-Idee isch ja net original Heilbronnerisch, gell, net wohr –
nicht.
Theater
und Publikum
Der
Heilbronner Theaterintendant Klaus
Wagner ist wahrlich ein streitbarer Zeitgenosse. In seinem neuen Faltblatt
„toi, toi, toi“ zur Spielzeit 1996/97 schreibt der Theatermann unter der
Überschrift „Das Alibi fürs Abschaffen:
die Strukturkommission“ heftige Sätze gegen
das Sparen im Kulturbereich. Seit Jahren schon erklärt er: „Das Schlimmste,
was den Kulturinstitutionen dieses Landes seit 1992 passiert, ist das „Katz und
Maus Spiel“, dem wir Jahr für Jahr gegenüberstehen. Jahr für Jahr deckelt die
Landesregierung unsere Finanzierung, entlastet sie dann wieder teilweise. Die
Fraktionen des Landtags verkünden diese Entlastung lautstark, und Monate später
stellt die Regierung diese Finanzierung aufs Neue in Frage.“ – So funktioniert
das Sparen in der Politik, kann ich da nur sagen. Der einzelne Bürger muß noch
viel mehr aushalten als die Kulturinstitutionen im Lande. Steuer- und
Abgabenerhöhungen an allen Ecken und Enden. Der Normalmensch arbeitet zu mehr
als fünfzig Prozent für den Staat. Da muß bei Sparmaßnahmen auch die Kultur den
Gürtel enger schnallen und nach neuen Wegen der Finanzierung suchen. Die üppigen Zeiten sind halt vorbei. Da
nutzt es auch nicht viel, wenn Intendant Klaus Wagner sein Heilbronner Publikum
beschimpft, das Premieren nicht ausbuht, sondern einfach in der Pause geht.
Klaus Wagner: „Man muß schon akzeptieren, daß zum Beispiel ein Weglaufen in der
Pause bei der Aufführung von ‘Winterkrieg’ nicht ein Werturteil über das Stück,
sondern ein Werturteil über einen selbst ist.“ – Nicht der Stückeschreiber und
der Regisseur sind schuld, wenn eine Aufführung ein Flop ist? Sondern die
Zuschauer? Das ist neu. Walter Felsenstein, der große
Theatermann, ließ Stücke einst so spielen, daß das Publikum gefesselt war,
nicht nachdachte, sondern miterlebte. Theater wird immer noch fürs Publikum,
nicht für Autoren, Regisseure oder Theatermacher hergestellt. Wer vor dem Publikum versagt, muß gehen.
Umgekehrt ist es eigentlich nur in Diktaturen denkbar. Auch das Heilbronner
Theater muß sich ändern. Denn die Zeiten
haben sich seit 1982 schwer gewandelt. Und mit ihnen die Menschen – selbst
im Unterland.
Präsident
Lange
Im
Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) haben sich vierzig
Organisationen zusammengeschlossen. Neun Verbände der werbenden Wirtschaft,
einer der Werbeagenturen, 24 der Medien und sechs der Werbeberufe und
Forschung. Und die hatten am 14. Mai in Bonn Dr. Manfred Lange (53) zu ihrem neuen Präsidenten gewählt. Der Mann
ist in Heilbronn kein Unbekannter. Denn hauptberuflich ist Lange Vorsitzender
der Geschäftsführung von „Knorr“, besser: des Markenartikel-Unternehmens CPC
Deutschland sowie Mitglied der europäischen Geschäftsleitung der weltweit
agierenden Firma. Der Dachverband ZAW vertritt die Interessen der Werbebranche
gegenüber Staat und Gesellschaft, den europäischen und anderen supranationalen
Institutionen und sorgt darüber hinaus für den werbefachlichen
Interessensausgleich für die in der Werbearbeit beteiligten Gruppierungen als
neutraler Koordinator und Berater. Manche in Heilbronn werden sich nun fragen: Wer ist dieser Herr Lange? – Manfred
Lange ist nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre und seiner Promotion
1972 zunächst Assistent des Generalbevollmächtigten der Dr. A. Oetker Bielefeld
geworden, war dann in leitender Funktion für die Firma in Italien tätig und
wechselte anschließend in die Textilindustrie als Verkaufsleiter der Berhard
Altmann GmbH München. Zwischen 1980 und 1990 arbeitete er für die Pfanni-Werke
Otto Eckart KG München – zuletzt als Mitglied der Geschäftsführung. Seit 1990
ist Lange bei der CPC Deutschland in Heilbronn tätig, zunächst als Leiter des
Markenartikelgeschäfts, seit 1992 als Vorsitzender der Geschäftsführung.
Übrigens, wußten Sie, daß CPC Deutschland eine Tochtergesellschaft des
amerikanischen Unternehmens CPC International mit Sitz in Eaglewood Cliffs ist,
die weltweit in über 60 Ländern mit Markenartikeln rund zehn Milliarden Dollar Umsatz erzielt?
In Deutschland erzielt man bei 4.000 Beschäftigten einen Umsatz von rund 1,7
Milliarden Mark, dank Markenartikeln wie Knorr, Pfanni, Mondamin, Mazola oder
Dextro Energeen.
Fuchs-Brüder
Die
Gebrüder Fuchs aus Böckingen sind in
Heilbronn schon Politveteranen. Kurt
Fuchs, einst Kripobeamter in Heilbronn, heute Pensionär und SPD-Stadtrat,
wurde am Sonntag im Kaffeehaus-Hagen,
der neuen SPD-Weihehalle für besondere Zwecke, von seinen Parteifreunden
hochgeehrt. Die Willy-Brandt-Medaille wurde ihm von der SPD-Vorsitzenden Sibylle Mösse-Hagen überreicht und ein
Ehrenbrief des Parteivorsitzenden Oskar
Lafontaine – für 50 Jahre treue Mitgliedschaft in der SPD. Die Vorsitzende
konnte es sich dabei nicht verkneifen, ihre Vorliebe für einen
Kanzlerkandidaten Gerhard Schröder
kundzutun. Nicht direkt. Aber mit der launischen Bemerkung: „ ... von Oskar
Lafontaine, unserem derzeitigen Parteivorsitzenden. Und das soll er ja auch
bleiben.“ Mit wohlwollendem Gelächter der Gäste, Freunde und Genossen wurde
diese forsche Aussage quittiert. Vom Landesvorsitzenden der SPD, Ulrich Maurer, war bei dieser Ehrung
nicht die Rede. Wohlweislich. Denn der muß sich ja erst einmal beim nächsten
Parteitag durchsetzen. Aber es waren viele alte und neue Weggefährten anwesend:
Heini Großhans (einst
SPD-Geschäftsführer, als es der Partei noch gut ging), Albert Großhans (Ehrenbürger der Stadt Heilbronn und einst
SPD-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat), Reiner
Casse (scheidender CDU-Kulturbürgermeister), Artur Kübler (CDU-Fraktionsvorsitzender), Stadtratskollegen wie Karlheinz Losch (FDP), Ursula Scheuermann (FDP), Horst Reinecker (CDU), Ewald Lutz (CDU) und natürlich viele
von der SPD. Bruder Erwin Fuchs,
einst ebenfalls SPD-Stadtrat und später hochgeachteter Kulturbürgermeister, ist
politisches Vorbild für seinen Bruder Kurt. Der stellvertretende Chefredakteur
der Heilbronner Stimme, Uwe Jacobi,
hielt die Laudatio auf den Jubilar. Und Ingrid
Richter-Wendel vom Heilbronner Stadttheater sang Bert-Brecht-Lieder aus der
Dreigroschenoper. Lieder aus einem
Milieu, das Kurt Fuchs, der Kriminalbeamte a.D., durch seinen Beruf zur Genüge
kennengelernt hatte. Nur nicht ganz so literarisch. Das Unterländer Milieu ist
selten von der Muse geküßt worden.
Bundesligachaos
Die
Bundesliga ist zu Ende, der neue Deutsche Meister steht fest und Ruhe kann
einkehren. Denkste, nichts da. Dafür sorgen schon die Krisen-Klubs der Bundesliga. Ein Klub feiert den größten Erfolg
seiner Vereinsgeschichte und verliert danach völlig die Kontrolle. Der
Europapokalsieger der Landesmeister Borussia Dortmund war eigentlich für seine
seriöse Vereinsarbeit bekannt, doch der Gewinn der Champions-League brachte
Eitelkeiten und Intrigen an die Oberfläche, am Ende ein einziges Chaos! Otmar Hitzfeld wird schnell zum Sportmanager befördert, bevor er als Trainer
gegangen werden muß. Sogar Präsident Niebaum hetzt Spieler gegen den Trainer
auf. Man mag es kaum glauben, aber die Rede ist hier wirklich nicht vom neuen
deutschen Meister FC Bayern Hollywood, sondern von den schwarz-gelben Borussen.
Wie es sich aber für die Bayern gehört, müssen sie kräftig mitmischen in diesem
Chaos. Speziell der fast ausgediente „Loddarmaddäus“ mit seinem grandiosen
Tagebuch in der Bild. Für ihn die
letzte Gelegenheit in den Medien wieder ins Gespräch zu kommen. Allein durch
seine sportlichen Leistungen gibt es ja keinen Anlaß zum Schreiben. Aber mit
dieser Tagebuch-Aktion dürften wohl die Tage des Lothar Matthäus bei den Münchnern gezählt sein. Italien wird sich
freuen, außer Klinsmann natürlich. Aber nicht nur die ganz großen Klubs stehen
im Chaos-Rampenlicht. So ist zum Beispiel der 1. FC Nürnberg schlecht auf
Schalke zu sprechen. Denn Schalke schuldet den Nürnbergern noch rund 50.000
Mark aus dem Transfer von Marco Kurz.
Auch nicht die feine Art der Königsblauen. Wieder zurück nach München, jedoch
zu den 60ern. Der Traditionsklub meldete stolz die Verpflichtung von Paul Agostino
von Bristol City. Doch das vermeintliche Schnäppchen droht sehr teuer für 1860
zu werden. Bristol hat den Klub bei der FIFA angezeigt, denn Bristol City wurde
über das bayrische Interesse nicht informiert. Und auch der Hamburger SV bleibt
nicht verschont. Da rechnete Neu-Trainer Pagelsdorf mit Henchoz als Libero –
dabei war dessen Weggang schon lange perfekt. Gesagt hat es Pagelsdorf niemand.
Chaos über Chaos.
Der
Sommer kommt
Wer
berühmt werden möchte, muß so einiges auf sich nehmen. Und der anstehende
Sommer ist die beste Zeit dafür, vor allem für die weiblichen Schönheiten des
Landes. Die Bikini-Wahlen stehen wieder an. Zwischen Flensburg und
Friedrichshafen finden beinahe jeden Tag solch diverse Shows statt. Bei mehr
als 500 Veranstaltungen über die Republik verteilt, gibt es inzwischen genügend
Gelegenheiten, sich vor großem Publikum
zu profilieren. Allein in
Deutschland stellen sich jährlich rund 5.000 potentielle
Pamela-Anderson-Verschnitte zur Schau. Bei solchen Shows gibt es für den Betrachter
einiges zu sehen, und für die Bikiniträgerinnen einiges zu halten. Wo Frauen so
viel Herz zeigen, kann es leicht passieren, daß das männliche Herz schnell in
Raserei gerät. Aber in den neunziger Jahren reicht für den begehrten Thron
Schönheit allein nicht mehr aus. Miss Germany können mittlerweile nur noch
Frauen werden, die auch etwas im Kopf haben. Denn die Dame die gewinnen will,
muß ein hochkompliziertes Fragespiel (Name, Hobbys und Beruf) schnell und
schlagfertig beantworten. Die Konkurrenz ist hart – allerdings nicht in jeder
Hinsicht. Denn natürliche Schönheit ist bei den Ladies nur noch selten zu
finden. Viele Teilnehmerinnen vertrauen ihre Schönheit eher den
Fingerfertigkeiten der plastischen Chirurgen an. So findet man bei diesen
Wettbewerben kaum noch Frauen, deren Körper nicht durch Silicon-Polster
aufgepeppt, die Haut solarium-braun und die Muskeln im Fitnessstudio gestählt
worden wären. Es ist es schließlich auch wert, denn den Gewinnerinnen winkt
Ruhm und Starrummel. Und Fernsehauftritte bei Arabella, Meiser und Co. werden
kurzfristig zur Routine. Kein Wunder also, daß sich die ambitionierten
Titelanwärterinnen so mächtig ins Zeug legen, oder?
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