Mittwoch, 19. März 2014

Kiliansmännle, 21.05.1997




Wann denn nun?
Ein Thema, mit dem sich Doktoren, Professoren und Experten schon so manche Köpfe zerbrachen und immer noch zerbrechen. Aber auch am Stammtisch ist es ein willkommenes Diskussionsthema. Wann denn nun? – Wann, zu welcher Tages-, beziehungsweise Nachtzeit ist Sex am besten? Manche meinen, Sex am Nachmittag sei die absolute Krönung. Andere dagegen versprechen sich einiges von der frühmorgendlichen sexuellen Betätigung, auch Frühgymnastik genannt. Aber was sagen die Fachexperten zu diesem Problem. Die Psychologen empfehlen schlicht und einfach die Nacht. Der Psychologe rät folgendes: Circa 90 Minuten nach dem Einschlafen entsteht spontan sexuelle Erregung, die man/frau nutz voll ausschöpfen könnte. Zu diesem Zeitpunkt ist man/frau angeblich weniger gehemmt als sonst, und außerdem habe man/frau in den späten Abendstunden auch eher den Kopf frei von störenden Gedanken an den Alltag oder den Ärger im Berufsleben. Wie soll man nun bitteschön diesen fachmännischen Rat befolgen, da man/frau zu diesem Zeitpunkt ja schläft? Hierzu rät der Experte: Um den besonders guten Sex nicht zu verpennen, muß man/frau sich einfach von seiner besseren Hälfte anderthalb Stunden nach dem Einschlafen sanft wecken lassen. Der Lohn sei Leidenschaft pur und wilde Ekstase. Und hinterher schläft man/frau garantiert noch besser und vor allem entspannter. Die Frage nach dem „Wie?“ und nach dem „Wo?“ ist allerdings nach dem 90minütigen Vorschlaf eigentlich egal. Wer’s nicht glaubt, der soll’s einfach selbst ausprobieren.      

Chaos durch Rechtschreibreform
Eigentlich sollte die neue deutsche Rechtschreibreform die deutsche Schreibweise vereinfachen und erleichtern. Aber wenn man den neuen „Duden“ und den neuen „Bertelsmann“ zur Hand nimmt, muß man leider feststellen, daß sich die Widersprüche in diesen Wörterbüchern zu einem totalen Chaos gesteigert haben. Wer künftig in einem Rechtschreibdiktat oder einem Bewerbungsschreiben keinen Fehler angerechnet bekommen will, gibt am besten das Wörterbuch an, auf das er sich mit seiner Rechtschreibung stützt. Denn es entstehen zum Beispiel folgende Problemfälle: Ein Schüler – und für ihn gilt die Regelung der deutschen Orthographie – der über „Holographie“ schreibt, bekommt von der dem den „Duden“ verwendeden Lehrerin oder Lehrer einen Fehler angestrichen, sein über „Telegrafie“ schreibender Mitschüler nicht. Und in den anderen Schulen, wo man den „Bertelsmann“ verwendet, haben beide keinen Fehler gemacht. Die Herren Reformer, die eine Einheit in die deutsche Schreibweise bringen wollten, haben meines Erachtens eher das Gegenteil erreicht. Auch bei den Worttrennungen geht es in den Wörterbüchern munter drunter und drüber. Während „Bertelsmann“ durchgehend die alte Trennung beibehält (ex-tra, ex-trem) so folgt der „Duden“ je nach Lust und Laune der neuen Regel wie beispielsweise „ext-ra“, aber „ex-trahieren“, oder „E-xistenz“, aber „Ex-artikulieren“. Aber das ist noch lange nicht alles. Weitere Eigenarten gibt es auch bei der Getrennt- und Zusammenschreibung. Soll man wirklich statt „wiedergutmachen“ schreiben: „wieder gut machen“? Statt „wiedersehen“ jetzt: „wieder sehen“? Sechs von neun Wörterbüchern schlagen das allen Ernstes vor. Bei so einem Durcheinander können einem die Schüler nur noch leid tun. Kurz gesagt: Die neue Rechtschreibreform sollte umgehend abgeschafft werden, es wäre zum Besten aller.         -

Feschdle
Unsere Straßenfeste in der Region sind eine angenehme Einnahmequelle für viele Vereine. Da werden Kuchen gebacken und Kaffee gekocht, Spezialitäten zubereitet, Bier und Wein ausgeschenkt – und alles kommt der Vereinskasse zugute. So kann man auch seine Finanzen aufbessern. Mitgliedsbeiträge und Zuschüsse aus öffentlichen Kassen langen in heutigen Zeiten offenbar nicht mehr aus, um einen Verein stabil über die Runden zu bringen. Sagen einige Vereinsvorsitzende. Auch in Schwaigern. Und deshalb ist zum Beispiel das „Schwaigerner Stadtfest“ ein willkommener Anlaß, so manche Vereinskasse ein wenig aufzufüllen. Der Pferdefuß: Es findet nur alle zwei Jahre statt. Weil sich einige Innenstadtbewohner mit dem Festlestreiben bis in die späte Nacht nicht so recht anfreunden mochten. Verständlich. Denn gäbe es diese Feste in den Straßen von Wohngebieten, in denen ansonsten nur die Autos der Anlieger parken und Kinder spielen, wäre die Empörung über das unruhige Nachtleben ebenfalls riesengroß. Ich verstehe ohnehin nicht, wie zum Beispiel in der Heilbronner Innenstadt die Bewohner das Treiben rund ums Weindorf ertragen. Dazu gehört schon eine ganz weite Toleranzbreite. Der zweijährige Turnus in Schwaigern hat nun einige Vereinsleute zu der Annahme gebracht, daß die Leute durch die große Pause nicht mehr so festlesfreudig sind. Daß es in unseren Zeiten auch andere Gründe geben könnte, nicht mehr so häufig die Straßenfeste in der Region zu besuchen, fällt dabei weniger ins Auge. Höhere Steuern und Abgaben, Schrumpfen des verfügbaren Einkommens – das haben selbst schon die Einzelhändler bemerkt. Der Rubel fließt halt nicht mehr so wie einst. Hinzu kommt ein stärkeres Bewußtsein für die Umweltverschmutzung. Auch Lärm wird heute zu den akustischen Umweltsünden gezählt. Ich kann es niemandem verdenken, wenn er in seinem Wohnumfeld keinen Lärm dulden möchte. Schließlich zeigen die Leute, die es sich leisten können, daß Grün und Ruhe die entscheidenden Bestandteile der Lebensqualität beim Wohnen sind. Wahrscheinlich auch in Schwaigern und anderen Landkreisgemeinden.       

Im Zwielicht
Immer wieder mal eine schlechte Nachricht aus dem Stadt- und Landkreis Heilbronn: Vor wenigen Tagen war es der Bad Rappenauer Bürgermeister Gerd Zimmermann, der zugeben mußte, Tantiemen für einige Aufsichtsratsposten nicht ordnungsgemäß an die Stadtkasse abgeliefert zu haben. Es ist nicht der erste Fehltritt von Zimmermann: Vor gerade mal einem halben Jahr war er bereits Hauptperson in einem ziemlich anrüchigen Aktien-Insider-Geschäft. Damals ging es um die Salinen-Klinik. In Stuttgarter Kreisen spricht man bereits vom Kreis der zwielichtigen Typen in der einen oder anderen Verwaltung. Das ging vor etlichen Jahren los mit den Tricksereien des ehemaligen Beilsteiner Bürgermeisters Paul Stadel, gut im Gedächtnis geblieben ist mir auch noch der Rathaus-Skandal ums Büro-Material. Bundesweit für ein Negativ-Image des Stadt- und Landkreises sorgte Horst Armbruster, ehemals Schultes von Neckarwestheim, der Millionen veruntreut hatte. Er dürfte der deftigste Fall sein, sitzt nun im Gefängnis für ältere Strafgefangene in Singen am Hohentwiel. Und nun tritt Rappenaus Stadtoberhaupt Gerd Zimmermann auf die Bühne. Wehe dem Manager, Geschäftsführer oder auch nur einfachen Arbeitnehmer, der sich solche Verfehlungen leisten würde. Der wäre ganz schnell seinen Posten oder Arbeitsplatz los. Man erinnere sich nur an den Fall des IG-Metall-Chefs Steinkühler, der nach Insider-Geschäften mit Mercedes-Aktien seinen Hut nehmen mußte. Zimmermann wird die neue Affäre gemütlich aussitzen. Was kann ihm auch schon groß passieren. Bis auf das Bußgeld vom Landratsamt hat er wohl nicht viel zu befürchten.       

Viel Geld – wohin?
Ein angesehener Mann war er einst in der Stadt Heilbronn, ein sogenannter Stararchitekt.  Jetzt ist er für seine Gläubiger „unauffindbar“. In die Schweiz soll er sich abgesetzt haben. Die Forderungen sollen sich auf zehn bis 50 Millionen Mark belaufen. Manche Kreise sprechen gar von 100 Millionen Mark. Gerüchte sind eine Sache. Tatsachen eine andere. Bei der Heilbronner Polizei nachgefragt, teilt das Betrugsdezernat lapidar mit, daß diesbezüglich keine Erkenntnisse, also keine Anzeige oder sonstige Infos, vorliegen. Bei den Banken in Heilbronn ist auch nicht viel mehr zu holen. Die Volksbank sagt zum „Fall“, daß sie „keinen Kommentar“ abgeben will, „da nur am Rande berührt“. Und die Kreissparkasse bestätigt, daß sie Forderungen habe, aber keine Auskunft darüber geben wolle. Auch die Stadt Heilbronn, mit der jener einst geachtete Mann in früheren Zeiten eng zusammenarbeite, hat geprüft und mitgeteilt: Forderungen ja, aber keine weiteren Auskünfte. Und die Industrie-. und Handelskammer bestätigt, von Gerüchten gehört zu haben. Aber faktisch liege bei ihr in diesem speziellen Fall nichts vor. Einst befreundete Unternehmen im Unterland, die – so wollen Gerüchte wissen – ebenfalls von diesem Mann viel Geld zu bekommen hätten, sagen auf Anfrage, daß an all dem Gerede nichts dran sei. Man habe keine Forderungen an ihn – sich schon vor Jahren geschäftlich von dem Architekten getrennt. Seltsam, seltsam. Je mehr man beim Nachbohren zu hören bekommt, desto weniger konkret werden die vielen Schulden, von denen die Gerüchte wissen wollen. War also nichts? Oder ist es soviel, daß niemand konkret Auskunft geben will? Niemand weiß nichts Genaues, aber inoffiziell wissen zu viele ungeheuer viel Ungenaues. Warten wir also ab.

Unverschämtheit
Empörung wird in den Parteien im Unterland immer lauter. Grund: Die Planung der Energieversorgung Schwaben EVS, in ihrem Kohlekraftwerk Heilbronn einen Müllofen zu bauen. Selbst die Junge Union, die ansonsten doch immer nach vorn schaut, zukunftsorientiert sich gibt, geißelt die Pläne der EVS als „Unverschämtheit“ und ruft gleich nach dem Staat, denn der habe ja schließlich die Mehrheit der Anteile an diesem Energieversorgungsunternehmen. Privat ist halt nur dann gut, wenn sich die Unternehmen staatskonform verhalten, so wie es die Parteien wünschen? Der Verbrennungsfahrplan in Richtung Mannheim sollte beibehalten werden, meinten die Jungunionisten auf ihrer Kreisversammlung am Wochenende in Heilbronn. Einige Zeit galt bei den politischen Parteien der Grundsatz des Verursacherprinzips. Der den Müll produziert, soll auch für seine Entsorgung einstehen. Wenn es um private Firmen geht, wird diese Grundsatzfahne immer noch heftig geschwungen. Auch von der Jungen Union. Geht es aber um den Müll, der politische Auswirkungen haben könnte, überläßt man ihn lieber einem Ballungsraum wie Mannheim. Niemand bekümmert es offenbar, was die Menschen dort über den angekarrten Dreck aus Heilbronn denken, der unmittelbar vor ihrer Haustür verbrannt werden soll. Was soll es auch – es gilt das Prinzip des Heiligen Sankt Florian. Es kann aber nicht so sein, daß die Parteien die Bürger Sand in die Augen streuen. Denn das Müllproblem ist nicht auf dem Verschiebebahnhof zu lösen.      

Ladenschluß
Einige Politiker bekommen schon wieder kalte Füße. Sie sprechen davon, daß man zu den alten Ladenschlußzeiten zurückkehren könnte. Eine halbherzigen Vorstoß hat man im letzten Jahr gewagt, indem man die Ladenschlußzeiten auf 20 Uhr, Samstag auf 16 Uhr verlängerte. Nun behaupten einige Unternehmen – wohl zu Recht, daß für sie und ihre spezielle Situation das gar nichts gebracht hätte. Übersehen wird dabei, daß jeder Händler die Möglichkeit besitzt, zu schließen, wann es ihm beliebt – entweder wie in früheren Zeiten um 18.30 Uhr oder er schöpft die Zeit bis 20 Uhr voll aus. Als in den Innenstädten viele Ladengeschäfte begannen, ihre Ladenöffnungszeiten von acht auf neun und später sogar auf zehn Uhr zu verlegen, waren nur einige Kunden verärgert. Gründe dafür ließen sich von den Geschäftsleuten mannigfach ins Feld führen. Man orientierte sich – so war vielfach die Rede – an der Mehrheit der Kunden. Wieso kann man das nicht auch bei den Ladenschlußzeiten praktizieren? Dabei wäre es sicher am sinnvollsten, wenn der Gesetzgeber sich bei diesen Öffnungszeiten überhaupt nicht einmischt. Jeder kann seinen Laden öffnen und schließen, wann es ihm beliebt. Regelungen, um die Nachtruhe einzuhalten, können Städte und Gemeinden treffen. Aber der einzelne Geschäftsmann weiß immer noch am besten, wann „seine Kunden“ bei ihm einkaufen wollen. Daß er sich dabei mit seinen Öffnungszeiten in Konkurrenz zu Mitbewerbern befindet, das ist ein alter Hut. Und daß die Innenstädte einkaufsfreundlicher werden müssen, um nicht noch mehr Kunden an die Großanbieter auf den grünen Wiesen zu verlieren. Aber das sind Binsenweisheiten. Am wenigsten angebracht wäre jedoch, wenn der Gesetzgeber wieder mit Vorschriften zu jenen Regelungen zurückkehrte, die wir erst vor wenigen Monaten über Bord geworfen hatten.

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