Wann
denn nun?
Ein
Thema, mit dem sich Doktoren, Professoren und Experten schon so manche Köpfe
zerbrachen und immer noch zerbrechen. Aber auch am Stammtisch ist es ein
willkommenes Diskussionsthema. Wann denn nun? – Wann, zu welcher Tages-, beziehungsweise Nachtzeit ist Sex am besten?
Manche meinen, Sex am Nachmittag sei die absolute Krönung. Andere dagegen
versprechen sich einiges von der frühmorgendlichen sexuellen Betätigung, auch
Frühgymnastik genannt. Aber was sagen die Fachexperten zu diesem Problem. Die
Psychologen empfehlen schlicht und einfach die Nacht. Der Psychologe rät
folgendes: Circa 90 Minuten nach dem Einschlafen entsteht spontan sexuelle
Erregung, die man/frau nutz voll ausschöpfen könnte. Zu diesem Zeitpunkt ist
man/frau angeblich weniger gehemmt als sonst, und außerdem habe man/frau in den
späten Abendstunden auch eher den Kopf frei von störenden Gedanken an den
Alltag oder den Ärger im Berufsleben. Wie soll man nun bitteschön diesen
fachmännischen Rat befolgen, da man/frau zu diesem Zeitpunkt ja schläft? Hierzu
rät der Experte: Um den besonders guten
Sex nicht zu verpennen, muß man/frau sich einfach von seiner besseren
Hälfte anderthalb Stunden nach dem Einschlafen sanft wecken lassen. Der Lohn
sei Leidenschaft pur und wilde Ekstase. Und hinterher schläft man/frau
garantiert noch besser und vor allem entspannter. Die Frage nach dem „Wie?“ und
nach dem „Wo?“ ist allerdings nach dem 90minütigen Vorschlaf eigentlich egal.
Wer’s nicht glaubt, der soll’s einfach selbst ausprobieren.
Chaos
durch Rechtschreibreform
Eigentlich
sollte die neue deutsche Rechtschreibreform die deutsche Schreibweise
vereinfachen und erleichtern. Aber wenn man den neuen „Duden“ und den neuen
„Bertelsmann“ zur Hand nimmt, muß man leider feststellen, daß sich die
Widersprüche in diesen Wörterbüchern zu einem totalen Chaos gesteigert haben.
Wer künftig in einem Rechtschreibdiktat oder einem Bewerbungsschreiben keinen
Fehler angerechnet bekommen will, gibt am besten das Wörterbuch an, auf das er
sich mit seiner Rechtschreibung stützt. Denn es entstehen zum Beispiel folgende
Problemfälle: Ein Schüler – und für ihn gilt die Regelung der deutschen
Orthographie – der über „Holographie“ schreibt, bekommt von der dem den „Duden“
verwendeden Lehrerin oder Lehrer einen Fehler angestrichen, sein über
„Telegrafie“ schreibender Mitschüler nicht. Und in den anderen Schulen, wo man
den „Bertelsmann“ verwendet, haben beide keinen Fehler gemacht. Die Herren
Reformer, die eine Einheit in die deutsche Schreibweise bringen wollten, haben
meines Erachtens eher das Gegenteil erreicht. Auch bei den Worttrennungen geht es in den Wörterbüchern munter drunter
und drüber. Während „Bertelsmann“ durchgehend die alte Trennung beibehält
(ex-tra, ex-trem) so folgt der „Duden“ je nach Lust und Laune der neuen Regel
wie beispielsweise „ext-ra“, aber „ex-trahieren“, oder „E-xistenz“, aber
„Ex-artikulieren“. Aber das ist noch lange nicht alles. Weitere Eigenarten gibt
es auch bei der Getrennt- und Zusammenschreibung. Soll man wirklich statt
„wiedergutmachen“ schreiben: „wieder gut machen“? Statt „wiedersehen“ jetzt:
„wieder sehen“? Sechs von neun Wörterbüchern schlagen das allen Ernstes vor.
Bei so einem Durcheinander können einem die Schüler nur noch leid tun. Kurz
gesagt: Die neue Rechtschreibreform
sollte umgehend abgeschafft werden, es wäre zum Besten aller. -
Feschdle
Unsere
Straßenfeste in der Region sind eine angenehme Einnahmequelle für viele
Vereine. Da werden Kuchen gebacken und Kaffee gekocht, Spezialitäten zubereitet,
Bier und Wein ausgeschenkt – und alles kommt der Vereinskasse zugute. So kann
man auch seine Finanzen aufbessern. Mitgliedsbeiträge und Zuschüsse aus
öffentlichen Kassen langen in heutigen Zeiten offenbar nicht mehr aus, um einen
Verein stabil über die Runden zu bringen. Sagen einige Vereinsvorsitzende. Auch in Schwaigern. Und deshalb ist zum
Beispiel das „Schwaigerner Stadtfest“ ein willkommener Anlaß, so manche
Vereinskasse ein wenig aufzufüllen. Der Pferdefuß: Es findet nur alle zwei
Jahre statt. Weil sich einige Innenstadtbewohner mit dem Festlestreiben bis in
die späte Nacht nicht so recht anfreunden mochten. Verständlich. Denn gäbe es
diese Feste in den Straßen von Wohngebieten, in denen ansonsten nur die Autos
der Anlieger parken und Kinder spielen, wäre die Empörung über das unruhige
Nachtleben ebenfalls riesengroß. Ich verstehe ohnehin nicht, wie zum Beispiel
in der Heilbronner Innenstadt die Bewohner das Treiben rund ums Weindorf
ertragen. Dazu gehört schon eine ganz weite Toleranzbreite. Der zweijährige
Turnus in Schwaigern hat nun einige Vereinsleute zu der Annahme gebracht, daß
die Leute durch die große Pause nicht mehr so festlesfreudig sind. Daß es in
unseren Zeiten auch andere Gründe geben könnte, nicht mehr so häufig die
Straßenfeste in der Region zu besuchen, fällt dabei weniger ins Auge. Höhere
Steuern und Abgaben, Schrumpfen des verfügbaren Einkommens – das haben selbst
schon die Einzelhändler bemerkt. Der Rubel fließt halt nicht mehr so wie einst.
Hinzu kommt ein stärkeres Bewußtsein für die Umweltverschmutzung. Auch Lärm
wird heute zu den akustischen Umweltsünden gezählt. Ich kann es niemandem
verdenken, wenn er in seinem Wohnumfeld keinen Lärm dulden möchte. Schließlich
zeigen die Leute, die es sich leisten können, daß Grün und Ruhe die
entscheidenden Bestandteile der Lebensqualität beim Wohnen sind. Wahrscheinlich
auch in Schwaigern und anderen Landkreisgemeinden.
Im
Zwielicht
Immer
wieder mal eine schlechte Nachricht aus dem Stadt- und Landkreis Heilbronn: Vor
wenigen Tagen war es der Bad Rappenauer Bürgermeister Gerd Zimmermann, der zugeben mußte, Tantiemen für einige
Aufsichtsratsposten nicht ordnungsgemäß an die Stadtkasse abgeliefert zu haben.
Es ist nicht der erste Fehltritt von Zimmermann: Vor gerade mal einem halben
Jahr war er bereits Hauptperson in einem ziemlich anrüchigen
Aktien-Insider-Geschäft. Damals ging es um die Salinen-Klinik. In Stuttgarter
Kreisen spricht man bereits vom Kreis der zwielichtigen Typen in der einen oder
anderen Verwaltung. Das ging vor etlichen Jahren los mit den Tricksereien des
ehemaligen Beilsteiner Bürgermeisters Paul
Stadel, gut im Gedächtnis geblieben ist mir auch noch der Rathaus-Skandal
ums Büro-Material. Bundesweit für ein Negativ-Image des Stadt- und Landkreises
sorgte Horst Armbruster, ehemals
Schultes von Neckarwestheim, der Millionen veruntreut hatte. Er dürfte der
deftigste Fall sein, sitzt nun im Gefängnis für ältere Strafgefangene in Singen
am Hohentwiel. Und nun tritt Rappenaus Stadtoberhaupt Gerd Zimmermann auf die Bühne. Wehe dem Manager, Geschäftsführer
oder auch nur einfachen Arbeitnehmer, der sich solche Verfehlungen leisten
würde. Der wäre ganz schnell seinen Posten oder Arbeitsplatz los. Man erinnere
sich nur an den Fall des IG-Metall-Chefs Steinkühler, der nach Insider-Geschäften
mit Mercedes-Aktien seinen Hut nehmen mußte. Zimmermann wird die neue Affäre
gemütlich aussitzen. Was kann ihm auch schon groß passieren. Bis auf das
Bußgeld vom Landratsamt hat er wohl nicht viel zu befürchten.
Viel
Geld – wohin?
Ein
angesehener Mann war er einst in der Stadt Heilbronn, ein sogenannter
Stararchitekt. Jetzt ist er für seine
Gläubiger „unauffindbar“. In die Schweiz soll er sich abgesetzt haben. Die
Forderungen sollen sich auf zehn bis 50 Millionen Mark belaufen. Manche Kreise
sprechen gar von 100 Millionen Mark. Gerüchte sind eine Sache. Tatsachen eine
andere. Bei der Heilbronner Polizei nachgefragt, teilt das Betrugsdezernat
lapidar mit, daß diesbezüglich keine Erkenntnisse, also keine Anzeige oder
sonstige Infos, vorliegen. Bei den
Banken in Heilbronn ist auch nicht viel mehr zu holen. Die Volksbank sagt
zum „Fall“, daß sie „keinen Kommentar“ abgeben will, „da nur am Rande berührt“.
Und die Kreissparkasse bestätigt, daß sie Forderungen habe, aber keine Auskunft
darüber geben wolle. Auch die Stadt Heilbronn, mit der jener einst geachtete
Mann in früheren Zeiten eng zusammenarbeite, hat geprüft und mitgeteilt:
Forderungen ja, aber keine weiteren Auskünfte. Und die Industrie-. und
Handelskammer bestätigt, von Gerüchten gehört zu haben. Aber faktisch liege bei
ihr in diesem speziellen Fall nichts vor. Einst befreundete Unternehmen im
Unterland, die – so wollen Gerüchte wissen – ebenfalls von diesem Mann viel
Geld zu bekommen hätten, sagen auf Anfrage, daß an all dem Gerede nichts dran sei.
Man habe keine Forderungen an ihn – sich schon vor Jahren geschäftlich von dem
Architekten getrennt. Seltsam, seltsam. Je mehr man beim Nachbohren zu hören
bekommt, desto weniger konkret werden die vielen Schulden, von denen die
Gerüchte wissen wollen. War also nichts? Oder ist es soviel, daß niemand
konkret Auskunft geben will? Niemand weiß nichts Genaues, aber inoffiziell
wissen zu viele ungeheuer viel Ungenaues. Warten wir also ab.
Unverschämtheit
Empörung
wird in den Parteien im Unterland immer lauter. Grund: Die Planung der
Energieversorgung Schwaben EVS, in ihrem Kohlekraftwerk Heilbronn einen
Müllofen zu bauen. Selbst die Junge Union, die ansonsten doch immer nach vorn
schaut, zukunftsorientiert sich gibt, geißelt
die Pläne der EVS als „Unverschämtheit“ und ruft gleich nach dem Staat,
denn der habe ja schließlich die Mehrheit der Anteile an diesem
Energieversorgungsunternehmen. Privat ist halt nur dann gut, wenn sich die
Unternehmen staatskonform verhalten, so wie es die Parteien wünschen? Der Verbrennungsfahrplan
in Richtung Mannheim sollte beibehalten werden, meinten die Jungunionisten auf
ihrer Kreisversammlung am Wochenende in Heilbronn. Einige Zeit galt bei den
politischen Parteien der Grundsatz des Verursacherprinzips. Der den Müll produziert,
soll auch für seine Entsorgung einstehen. Wenn es um private Firmen geht, wird
diese Grundsatzfahne immer noch heftig geschwungen. Auch von der Jungen Union. Geht es aber um den Müll, der politische
Auswirkungen haben könnte, überläßt man ihn lieber einem Ballungsraum wie
Mannheim. Niemand bekümmert es offenbar, was die Menschen dort über den
angekarrten Dreck aus Heilbronn denken, der unmittelbar vor ihrer Haustür
verbrannt werden soll. Was soll es auch – es gilt das Prinzip des Heiligen
Sankt Florian. Es kann aber nicht so sein, daß die Parteien die Bürger Sand in
die Augen streuen. Denn das Müllproblem ist nicht auf dem Verschiebebahnhof zu
lösen.
Ladenschluß
Einige
Politiker bekommen schon wieder kalte Füße. Sie sprechen davon, daß man zu den
alten Ladenschlußzeiten zurückkehren
könnte. Eine halbherzigen Vorstoß hat man im letzten Jahr gewagt, indem man die
Ladenschlußzeiten auf 20 Uhr,
Samstag auf 16 Uhr verlängerte. Nun
behaupten einige Unternehmen – wohl zu Recht, daß für sie und ihre spezielle
Situation das gar nichts gebracht hätte. Übersehen wird dabei, daß jeder
Händler die Möglichkeit besitzt, zu schließen, wann es ihm beliebt – entweder
wie in früheren Zeiten um 18.30 Uhr oder er schöpft die Zeit bis 20 Uhr voll
aus. Als in den Innenstädten viele Ladengeschäfte begannen, ihre
Ladenöffnungszeiten von acht auf neun und später sogar auf zehn Uhr zu
verlegen, waren nur einige Kunden verärgert. Gründe dafür ließen sich von den
Geschäftsleuten mannigfach ins Feld führen. Man orientierte sich – so war
vielfach die Rede – an der Mehrheit der Kunden. Wieso kann man das nicht auch
bei den Ladenschlußzeiten praktizieren? Dabei wäre es sicher am sinnvollsten,
wenn der Gesetzgeber sich bei diesen Öffnungszeiten überhaupt nicht einmischt.
Jeder kann seinen Laden öffnen und schließen, wann es ihm beliebt. Regelungen,
um die Nachtruhe einzuhalten, können Städte und Gemeinden treffen. Aber der
einzelne Geschäftsmann weiß immer noch am besten, wann „seine Kunden“ bei ihm
einkaufen wollen. Daß er sich dabei mit seinen Öffnungszeiten in Konkurrenz zu
Mitbewerbern befindet, das ist ein alter Hut. Und daß die Innenstädte einkaufsfreundlicher werden müssen, um nicht
noch mehr Kunden an die Großanbieter auf den grünen Wiesen zu verlieren.
Aber das sind Binsenweisheiten. Am wenigsten angebracht wäre jedoch, wenn der
Gesetzgeber wieder mit Vorschriften zu jenen Regelungen zurückkehrte, die wir
erst vor wenigen Monaten über Bord geworfen hatten.
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