Mittwoch, 19. März 2014

Kiliansmännle, 14.03.1997




Krankenhaus-Skandal?
Seit dem 1. Januar 1997 hat jeder Käufer von Grundstücken oder Grundstücksanteilen eine Grunderwerbssteuer von 3,5 Prozent des Kaufpreises an den Staat zu entrichten. Bis zum 31. Dezember 1996 lag diese Grunderwerbssteuer bei lediglich zwei Prozent. In Heilbronn wurden die Städtischen Krankenanstalten in eine Krankenhausgesellschaft umgewandelt. Wäre diese Umwandlung bis zum 28. Februar 1997 erfolgt, hätte die Stadt viel Geld einsparen können. Nun aber ist die Umfirmierung erst zum Ende des Monats April erfolgt. Somit ist der Stadt Heilbronn ein Schaden – so behaupten Kenner der Materie – von drei bis fünf Millionen Mark entstanden. Die Frage lautet, wohin die Steuereinnahmen aus der Grunderwerbssteuer fließen. Direkt zur Stadt, zum Land oder zum Bund? Sind damit dann lediglich Verlustzuweisungen an die Stadt ergangen? Kenner der Materie sagen vehement: Nein! Der kleine Skandal schwebt seit Wochen schon über dem Heilbronner Rathaus. Hat da jemand unter den Bürgermeistern, im Gemeinderat geschlafen – oder war die Sache nur trickreich eingefädelt? Harry Mergel, SPD-Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat, behauptet jetzt, daß da jemand dem ins Kulturressort wechselnden Bürgermeister Harald Friese am Zeug flicken wollte. Aber die Sache sei ausgestanden. Alles habe sich geklärt. Gemunkelt wird, daß hektisch bei der Stadt mit Steuerberatern abgeklärt wird, ob die verlorenen Millionen nicht doch noch ins Säckel zurückfließen können. Ich frage mich, wie wollen die Herren der Verwaltungsspitze das anstellen? Formulare ausgefüllt, heißt ausgefüllt. Vor allem, wenn es um Steuern geht. Ein Skandal der besonderen Heilbronner Steuerart.

Ratskeller
Vor einhundert Jahren fuhr erstmals eine Straßenbahn durch Heilbronn, die Kaiserstraße wurde eingeweiht und der Ratskeller eröffnet. Anlaß genug für die Stadt, honorige Gäste in den Ratskeller einzuladen, um das Ereignis gebührend zu feiern. Schließlich mußten ja auch noch die neuen Pächter eingeführt werden. Jürgen und Rainer Mosthaf aus Erlenbach sind die Nachfolger von Gerhard Münch, der sich jetzt ganz auf sein Café am Markt konzentriert. Was die beiden Brüder den vielen Gästen im Ratskeller (am vergangenen Mittwoch) als dreigängiges Menue (kostenlos) präsentierten, das hatte es in sich. Denn Suppe, Spargel und Nachtisch nahezu gleichzeitig für alle auf den Tisch zu bringen, und das auch noch in einer ausgezeichneten Qualität, das zeugt von großem Können. Auch wenn sich die Stadt an den Speisekosten nicht beteiligt hatte (trotz Unterschrift des OB in der Einladung), so wird sich diese Werbeveranstaltung für die Gebrüder Mostaf auszahlen. Hatten doch die „Meinungsmultiplikatoren“ nur Gutes über den Abend und die Speisequalität zu berichten. Die Genossenschaftskellerei aus Heilbronn und die Dinkelacker Brauerei Stuttgart spendeten die Getränke. Schon im Erlenbacher „Ochsen“ hatten die Brüder ihren Gästen bewiesen, daß mit einer unkomplizierten, sehr bodenständigen Küche auch für feine Zungen grandiose Gerichte zubereitet werden können. Wenn sie jetzt noch im Ratskeller darauf achten, daß nur gute Weine  und Biere ausgeschenkt werden, dann könnte der Heilbronner Ratskeller wieder zu einer der ersten Adressen im Unterland werden. Man muß ja nicht gleich den Ehrgeiz haben, einen Gourmet-Tempel aus jenem Raum zu machen, dessen Akustik (auch dank der italienischen Einrichtung) miserabel ist. Man hört an manchen Tischen, was die Nachbarn fünf Meter weiter schwätzen. Gemütlichkeit und Qualität muß in einem Restaurant Trumpf sein  – ich meine, die Mostaf-Brüder bieten eine Garantie dafür. Ihre Karriere steht dafür – und ihre gekonnte Ansprache bewies es. Mit der stellten sie so manchen „Profiredner“ des Abends in den Schatten.

Kranke Kur
Die Angst um die Arbeitsplätze geht um in den Kurbädern und Kurstädten Deutschlands. Oft sind die Kurbetriebe größter Arbeitgeber dieser Kommunen. Die Bonner Gesundheitsreform hat die Kur-Kommunen hart getroffen. Die Zahl der Buchungen ist in den ersten Monaten des Jahres dramatisch zurückgegangen. Aber mehr noch: Gastronomie und Handwerk bekommen diesen Einbruch auch schon zu spüren. Der Vorwurf der Kurdirektoren und Kurmanager ist wohl nicht ganz falsch: Über diese schlimmen Auswirkungen haben die in Bonn sich keine Gedanken gemacht. Zumal man in der Bundesregierung zu keiner schnellen Einigung gekommen ist. Verunsicherung ausgelöst hat schon die ganze Debatte um die Gesundheitsreform, erzählen Kurmitarbeiter aus Bad Rappenau und Bad Wimpfen. Vor allem die Reha-Kliniken lebten von der Hand in den Mund, es kämen nur noch wenige Aufträge herein. In ganzen Regionen gehe die Infrastruktur zurück. Zudem beruhen die Sparmaßnahmen auf einer Milchmädchenrechnung. Da sie nämlich Arbeitlosigkeit verursachen, könne man allenfalls von Kostenverlagerung sprechen. Ich meine, so unrecht haben die Kur-Mitarbeiter da nicht.

Regionalflugplatz
Es brennt vielen geradezu unter den Nägeln. Die Region muß in die Luft gehen. Ein Regionalflugplatz muß unbedingt her. Behaupten einige Unternehmen. Und das nun schon seit Jahren. Fordern aber ist eine Sache. Umsetzen eine ganz andere. Die Konkurrenz hat nicht geschlafen. Und unsere Nachbarregionen sind da schon viel weiter. Standortvorteile? Hat die Region zwischen Main und Neckar zur Zeit in dieser Hinsicht nichts zu bieten. Die Abwanderung von Großunternehmen spricht Bände. Und die Neuansiedlung von arbeitsplatzschaffenden Firmen geht nur zögerlich voran. Mit Reden und vielen Plänen, endlosen Debatten und mühseligem Gezänk ist es halt nicht getan. Aber auch nicht mit Hauruckverfahren. Da braucht es Macher, die zusammenführen können, die klug vermitteln und die Debatten in sinnvolle Kanäle leiten. Aber dazu muß man die nötige Power, Durchsetzungsvermögen und Klugheit besitzen. Der Fisch stinkt bekanntlich immer vom Kopf her. Selbstgerechte und bequeme Politiker und Unternehmer können sich eine gewisse Zeit über Wasser halten. Aber irgendwann ist das Ende der Fahnenstange erreicht. Nur mit dem Unterschied: Unternehmen gehen pleite, eine ganze Region aber nicht. Sie ist nur angehängt. Versinkt in einer gewissen Bedeutungslosigkeit, verglichen mit ihren Konkurrenten. Und die sind immer die unmittelbaren Nachbarn. Das Geschwätz von der Gemeinsamkeit ist Tünche. Es geht um das Wohlergehen des eigenen Ortes. Wenn das fest ins Auge gefaßt wird, dann kann die Konkurrenz nur förderlich sein. Jeder Schultes muß sich unter solchen Bedingungen anstrengen. Aber wenn alle Entscheidungen auf die nächsthöhere Ebene verschoben und Harmonie gepredigt wird, geschieht rein nichts – oder zumindest nicht viel. Siehe Flugplatz für die Region Franken. Mit müden Gesellschaftsspielchen à la Bronnopoly ist noch nichts geschaffen worden. Jetzt geht es um einen Standort. Und klar ist jedem im Stadt- und Landkreis Heilbronn, daß er hier nicht geduldet wird. Es bleibt also nur der Ausweg Mosbach. Und wenn diese Entscheidung gefallen ist, dann bitte Steuergelder verschonen. Wer einen Flugplatz will, der soll ihn auch gefälligst bezahlen – rein auf privater Basis.

Figaro Zimmermann
In Heilbronn beteuert die Bürgermeisterriege, daß ein OB und vier Dezernenten für die Verwaltung der Stadt absolut notwendig seien. Unterstützung bekommen die Herren von den beiden großen Parteien, die die Dezernenten-Stellen unter sich aufgeteilt haben. Nun tritt der Bad Rappenauer Bürgermeister Gerd Zimmermann (49) täglich den Beweis an, daß es mit dem Amt und seiner Auslastung doch nicht so weit her sein kann. Er ist nämlich nicht nur Schultes in Bad Rappenau, sondern auch noch Landtagsabgeordneter in Stuttgart – und in acht weiteren Gremien vertreten (Volksbank Bad Rappenau, Kur- und Klinikverwaltung GmbH, Schwärzbergklinik GmbH, Salinenklinik AG, Kurklinik GmbH, Kurpark GmbH, Sophie-Luisen-Klinik GmbH, Zweckverband Wasserversorgungsgruppe Mühlbach). Gelder für Nebentätigkeiten in Verwaltungs- und Aufsichtsräten hat er nicht im vorgeschriebenen Umfang abgeführt, sondern in die eigene Tasche gesteckt. Dafür erhielt er vom Landratsamt Heilbronn ein Bußgeld in Höhe von 2.000 Mark. Die Summe, die in diesem Fall zur Debatte steht, soll rund 170.000 Mark betragen. Zimmermann ist kein unbeschriebenes Blatt. Er war vor einem halben Jahr mit Aktien-Geschäften in die Schlagzeilen geraten. Die Umwandlung der öffentlichen Salinenklinik in eine Aktiengesellschaft war derart klammheimlich inszeniert worden, daß offenbar nur Insider und Familienangehörige davon erfuhren und sich Vorzugsaktien im Wert von 1,2 Millionen Mark sicherten. Zimmermanns Erkenntnis damals: „Gewisse Dinge sollte man nicht machen.“ – Ich frage mich immer, wie die Herren all die Ämter unter einen Hut bringen. Unternehmer und Manager klagen darüber, daß sie von ihrem Job aufgefressen werden. Normale Arbeitnehmer sind, sofern sie engagiert tätig sind, erschöpft, wenn sie nach hause kommen. Aber Bürgermeister scheinen für alle möglichen Nebentätigkeiten noch Zeit zu finden. Gerd Zimmermann ist halt der „Figaro“ dieser Gilde – hier und da.

Ikea in Ludwigsburg
Hochkarätig war die Mannschaft, die am Dienstag dieser Woche auf der Ikea-Baustelle gleich neben der Autobahnausfahrt Ludwigsburg Nord mittels eines ersten „Baggerbisses“ den Startschuß für ein neues Möbelhaus der besonderen Art gegeben hatte. Der Wirtschaftsminister des Landes Hermann Schaufler und Ludwigsburgs Oberbürgermeister Dr. Christof Eichert waren mit von der Partie, als ein Projekt ganz offiziell aus der Taufe gehoben wurde, das schon seit längerer Zeit bis weit in die Region Franken hinein für Unruhe gesorgt hatte. Schließlich ist Ikea mit seinem Möbelkaufhaus in der Nähe von Heidelberg am Walldorfer Kreuz (direkt neben der Autobahn gelegen) schon seit langer Zeit ein Geheimtip für die Liebhaber der preiswerten Schwedenmöbel auch aus unserer Region. Schnell aus allen Richtungen erreichbar, mit Zonen für die Kinder (in denen sie ungestört, auch durch Erwachsene, spielen können, solange bis Mami und Papi in Ruhe eingekauft haben), einem Restaurant mit schwedischen Speisen, etc. Ein Kaufhaus, in dem man nahezu einen ganzen Tag verweilen kann. Seitdem Ikea  bei Heidelberg sich angesiedelt hat, sind rund um das Schwedenkaufhaus auch viele andere Geschäfte entstanden. In Ludwigsburg trifft das Möbelhaus an seinem neuen Standort auf das Kaufhaus Breuningerland mit seinen vielen anderen Geschäften im Gebäudekomplex. Ein großer Baumarkt wird hinzukommen. Im November diesen Jahres soll schon die Einweihung und Eröffnung des neuen Möbelhauses über die Bühne gehen. Eine starke Konkurrenz vor den Toren Stuttgarts und Heilbronns, die den Standort Ludwigsburg stärken wird. Der Heilbronner Raum muß sich sputen, um etwas dagegenzusetzen. Sonst wird die leidige Standortdebatte, bei der offensichtlich bisher nur debattiert, aber wenig getan und umgesetzt wird, zu einem Wehklagen. Mit Spielchen und Papierchen ist der Standort Heilbronn nicht zu retten.

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