Für
die Freiheit streiten
Im
Jahre 1995 trat das „Haus der Geschichte“ in Stuttgart telefonisch an die Stadt
Heilbronn heran, um die Idee von verschiedenen Ausstellungen in den Städten des
Landes zu erläutern und abzuklären. Es geht um das Jubiläum der Revolution von
1848 im nächsten Jahr. Für Heilbronn war das Thema „Frauen in der Revolution“
vorgesehen. OB Dr. Manfred Weinmann
antwortete dieser Tage auf eine SPD-Anfrage in dieser Sache: „Trotz des
inzwischen vielfach zitierten Vereins patriotisch
gesinnter Jungfrauen zur Fertigung scharfer Munition wären gerade in
Heilbronn andere Spezialthemen zur 48er-Revolution geeigneter gewesen.“ Und
dann zählt er auf: „Zum Beispiel die Rolle des Militärs. Denn das damals in
Heilbronn stationierte 8. Regiment lief in spektakulärer Weise im Juni 1848 auf
die Seite der Revolutionäre über. Nachdem der von der Stadt Heilbronn
gewünschte „Thementausch“ vom Haus der Geschichte nicht akzeptiert wurde, hat
Heilbronn von einer Beteiligung Abstand genommen.“ – Trotzdem, Heilbronn will sich zum Thema 48er-Revolution engagieren:
Mit dem Auftrag zu einer Dissertation, im Bereich Tourismus beteiligt man sich
an einem landesweiten „Führer zu den Stätten der Revolution“, mit einem
Materialienheft für den Geschichtsunterricht, und einer Wanderausstellung über
Ludwig Pfaus Zeitschrift „Eulenspiegel“, die in der 48er-Revolution eine
wichtige Rolle gespielt hat. – Über die Absage Heilbronns ans „Haus der
Geschichte“ hatte die Stuttgarter Zeitung am 12. April 1997 berichtet.
Oberbürgermeister Manfred Weinmann: „Zum Abschluß meiner Anwort auf Ihre
Anfrage darf ich Gerd Kempf
zitieren, der in der Heilbronner Stimme
am 19. April 1997 (Seite 35) im Hinblick auf den oben erwähnten Artikel in der
Stuttgarter Zeitung formuliert hat: Recherchen
machen die schönsten Geschichten kaputt.“ – Na bitte, wer sagt es denn.
Lotto-Verkauf
Privatisierung
ist das Zauberwort in der Politik, nachdem aus den Kassen, die wir Bürger
tagtäglich mir unseren Steuergeldern füllen, von den Politikern geschöpft wird,
als hießen sie alle Sterntaler mit Vornamen. Und sie stellen sich dazu noch
ohne Skrupel hin und verkünden bei Subventionen mit lauten Worten, daß die
Gelder ihre Wahlgeschenke ans Volk seien. Der Staat schenkt uns Bürgern nichts.
Außer jenem Geld, was wir ihm zuvor – nicht gerade freiwillig – gegeben haben.
Und solange der einzelne Bürger mehr als die Hälfte des Jahres nur für Steuern
und Abgaben arbeiten muß, wird das Zutrauen in diesen gefräßigen Apparat auch
nicht besser werden. Vor allem, wenn sich die Damen und Herren Politiker,
üppige Gelder und Pensionen ausloben. Und dabei auch ihre vornehmste Klientel,
die Beamten, nicht im Regen stehen lassen. Sind unsere Politiker in den
Parlamenten doch zu weit mehr als fünfzig Prozent, teilweise an die siebzig,
selber diese Berufsgruppe zuzurechnen. Aber all das Kennen wir ja schon. Bisher
noch nicht kannten wir die neuen Pläne des Wirtschaftsministers und
FDP-Landesvorsitzenden Dr. Walter Döring
(Schwäbisch Hall), der unsere ach so heilige (vor allem durch Skandale
gebeutelte) landeseigene
Lottogesellschaft versilbern möchte, um Haushaltslöcher zu stopfen. Recht
hat der Mann. Was hat der Staat mit einer Lotto-Gesellschaft gemein. Außer, daß
er einen großen Batzen der Glücksspiel-Gelder ungeniert für sich reklamiert.
Ministerpräsident Erwin Teufel hat
dem Döring noch wohlwollend zugenickt, als dieser seine Pläne offerierte. Jetzt
aber fuhr Günther Oettinger, der
CDU-Fraktionsvorsitzende, dem Juniorpartner in der Koalition in die Parade: „Sechs Richtige sind wahrscheinlicher als
ein Lotto-Verkauf.“ – Aber dadurch wird das Geld im Staatssäckel auch nicht
mehr.
Internet
– für wen?
Die
Sozialdemokraten in Heilbronn wollen mit der Presse ins Gespräch kommen. Denn
auch in der Demokratie muß der „Obrigkeit“ auf die Finger geschaut werden.
Wobei Kontrolle und Kritik in diesem Zusammenhang bitte nötig seien, meint die
SPD-Kreisvorsitzende Sibylle Mösse-Hagen.
Und deshalb hat sie und ihr Kreisvorstand einen Veranstaltungsreigen namens
„Pressegespräche“ geschaffen. Veranstaltungsort ist das Kaffeehaus Hagen in der Christophstraße 13 in Heilbronn. Erster
Referent war letzte Woche der Redaktionsleiter des Neckar Express Jürgen Dieter
Ueckert. Um einen Rückblick auf die
Mediengeschichte Heilbronn, den Ist-Zustand und die Zukunft ging es in
seinem Vortrag. Brav hörten sich die Zuhörer aus dem Stadt- und Landkreis
Heilbronn mehr als eine Stunde an, was zu diesem Thema alles gesagt werden
kann. Und einer vermißte dann ganz konkret das Thema „Internet“, die „Zukunft auf
dem Medienmarkt“. Der Ansicht kann man sein. Oder auch nicht. Sicherlich, das
Internet bietet viele Möglichkeiten. Man kann schneller Briefe befördern, sich
preiswert mit anderen Menschen auf dieser Welt unterhalten, Informationen aus
Datenbanken beschaffen, Programme für den PC preiswert herunterladen, etc.,
etc.. Aber die traditionellen Medien,
wie Zeitung, Zeitschrift, Fernsehen oder Hörfunk werden dadurch nicht ersetzt.
Zudem ist es notwendig, eine Computer-Anlage zu besitzen, die den
Internet-Zugang ermöglicht. Und eine solche Geräteansammlung kostet heutzutage
noch zwischen 3.000 und 10.000 Mark. Im Bad, im Bett, auf dem WC, im Garten
kann man nicht im Internet surfen, außer man versucht es mit einem tragbaren
Computer, Laptop oder Powerbook. Und die Kosten sind ein weiterer Faktor. Was
nutzt es, wenn ich vorab in eine Tageszeitung, eine Zeitschrift, etc. schaue –
und dafür Telefongebühren um die fünf
Mark zahle. Da kauf’ ich sie mir doch lieber gleich. Auf diesem Markt muß
sich also noch viel tun, um das Internet zu einem Massenmedium zu gestalten.
Bisher zeigt sich, daß Verlage, die ihre Leser ernst nehmen, auf ihre
Bedürfnisse eingehen, auch Zuwächse zu verzeichnen haben. Siehe
Springer-Verlag. Der Markt ist in
Bewegung. Aber nicht plump in Richtung Internet. Dafür ist der Zugang für
den Normalverbraucher derzeit viel zu teuer und umständlich.
Linke
Mehrheit?
Erst
Tony Blair mit seiner New Labour in Großbritannien und jetzt
auch noch die Vereinigte Linke in
Frankreich. Erdrutschsiege für eine linke Mehrheit bei den Parlamentswahlen in
diesen ältesten der europäischen Demokratien. Und nächstes Jahr die
Bundesrepublik Deutschland? Eine absolute Mehrheit für ein linkes Bündnis aus Sozialdemokraten und
Bündnis-Grünen? Ein Sieg scheint für die Genossen und ihre Bündnisgrünen
zum Greifen nahe. Wenn man den Umfrage-Ergebnissen glauben kann. Nicht weil die
Regierung versagt hat, sondern weil sie in ihren Handlungen wie gelähmt
erscheint. Überall gab es Ansätze – Steuerreform, Gesundheitsreform,
Schuldenabbau, Kürzung bei Beamtengehältern. Aber nichts tut sich. Alles
versickert in den Fluten der Lobbyisten-Wässer. Und jetzt steht die Bonner
Koalition so auf der Kippe, daß es durchaus denkbar wäre, in nächster Zeit
entweder eine Große Koalition in Bonn zu haben oder Neuwahlen im Land
durchgeführt werden. Was bei unserer Verfassung nahezu unmöglich ist. Von einem
Kanzler Helmut Kohl spricht kaum noch jemand in politischen Zirkeln. Dessen
Zeit scheint abgelaufen zu sein. 15 Jahre mächtigster Mann in Deutschland, das
ist für eine Demokratie ja auch eine lange Zeit. Und ein Wechsel scheint
notwendig. Es müßten schon Wunder geschehen, wenn er bis 1998 durchhält und die
Bundestagswahl dann auch noch gewinnt. Nicht die Arbeitslosen und
Sozialschwachen haben in Frankreich und England die Wahl entschieden, sondern
jene, die noch Arbeit haben und um die fürchten, jene, die im Zuge von Leistung
und Boom die Gerechtigkeit vermißt haben. Wirtschaftsaufschwung und gesunde
Strukturen sind eine Sache. Die Menschen müssen das allerdings auch mittragen –
und nicht das Gefühl haben, sie arbeiten nur für eine kleine Schicht von
Besserverdienenden. Und da unsere Politiker in der Mehrheit in allen
Parlamenten gutdotierte Beamte oder Lobbyisten sind, merken sie kaum mehr, was das Volk, die breite Masse denkt, wo der
Schuh wirklich drückt. Daß eine neue Regierung nichts von heute auf morgen
besser machen kann, das wissen wir alle. Nur es sollte nicht so weitergehen wie
bisher, sagten sich die Franzosen. Und wenn das Ruder in der Bundesrepublik
nicht schnell herumgerissen wird, dann werden die Wähler es auch bei der
nächsten Bundestagswahl in Deutschland sagen – und eine linke Mehrheit wählen.
Aber ich nehme an, vorher kippt die CDU noch ihren Kanzler und
Bundesvorsitzenden Helmut Kohl. Denn ganz so abgehoben scheint mir die
christdemokratische Basis dann doch nicht zu sein.
Grüner
Pfeil
Er
ist ein Erbe aus den Zeiten des Kalten Krieges. Ein Überbleibsel aus
DDR-Zeiten. Der Grüne Pfeil, der an Kreuzungen anzeigt, daß der Autofahrer,
auch wenn die Ampel rot zeigt, nach rechts abbiegen darf, sofern es der Verkehr
auf jener Fahrbahn erlaubt, für deren Benutzer grün angezeigt ist. Einen besseren Verkehrsfluß soll der
komische Pfeil bewirken. Manche Zeitgenossen in Heilbronn, die das neue
Zeichen als angenehm empfinden, geraten schnell in Versuchung, so sie die
Mauern des Käthchenstädtchens verlassen haben, auch an den Kreuzungen in
anderen Städten bei Rot durchzufahren. Aber ich habe bisher keine Grünen Pfeile
in den Umlandgemeinden ausfindig machen können. Auch wenn ich in Richtung
Landeshauptstadt unterwegs bin, suche ich vergeblich die Grünen Pfeile an
Kreuzungen. Aber was nicht ist kann ja noch werden. Am Freitag letzter Woche
war der Staatssekretär im Bonner Verkehrsministerium Hans Jochen Henke (früher Oberbürgermeister von Ludwigsburg) in
Heilbronn und lobte das Experment der Stadtverwaltung. Die 39 „Grüner Pfeil“ an
23 Kreuzungen in Heilbronn unterstützen das Motto „Hirn statt Regeln“. Schön
gelobt, Herr Staatssekretär. Dabei gibt
es auch im Straßenverkehr noch viel zu tun. Denn in deutschen Landen gilt
weiterhin, was nicht ausdrücklich per Schild erlaubt ist, das ist verboten. Die
Etablierung des Pfeils, so meinte der Erste Bürgermeister Werner Grau, hätte gezeigt, daß die Autofahrer damit zurechtkämen.
Wie schön, daß es dieses Lob von der Obrigkeit gibt, nachdem der Autofahrer als
Melkkuh der Nation ansonsten nur geschröpft und beschimpft wird. Bei einem
Preisrätsel hatte der Medizinstudent Harald
Fladrich per E-Mail aus den USA teilgenommen. Auf den Namen seines
Großvaters Otto Fladrich (76), der
dann auch den ersten Preis, einen Fiat-Cinquecento gewann. Der Großvater
überläßt das Auto jedoch seinem Enkel, der zur Zeit ein Praktikum absolviert. –
Frage am Rande der Preisverleihung: Könnte Hans Jochen Henke eventuell
OB-Kandidat der CDU in Heilbronn werden? Wenn es im nächsten Jahr keine
christliberale Regierung in Bonn mehr gibt? Spekuliert wird schon.
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