IHK:
hyperaktiv
Auf
der „weltgrößten Industriemesse“ ist die IHK Heilbronn jetzt schon zum 17.mal
vertreten. Man will zeigen, was man hat und was man kann – trotz aller
Turbulenzen der vergangenen Wochen. Aber bisher lebte die Heilbronner Kammer ja
im Windschatten. Und was andere IHKs in Deutschland schon seit Jahren an Kritik
einstecken müssen, hat jetzt auch die „Heilbronner Provinz“ erreicht. Ein
Normalzustand?! – Normal ist es jedenfalls nicht was die Mitarbeiter seit
Freitag letzter Woche auf die Beine Gestellt haben. Nach Dienstschluß in
Heilbronn – ab nach Hannover. Die guten Geister hinter den Kulissen: Dr. Helmut Kessler (IHK-Geschäftsführer
und Regisseur am Gemeinschaftsstand); Thomas
Schick (IHK-Geschäftsführer und verantwortlich für die
Presse-Präsentation); Ingeborg Entenmann,
Helene Krebs, Lisbeth Schumm und Martin
Neuberger als hilfsbereite Geister auf dem Gemeinschaftsstand, der größer
denn je sich zwischen den Ständen „Luxemburg“, „Preussag“ und „Austria“
repräsentativ Geltung verschafft. Am Montag bei der großen Pressekonferenz mit
Dr. Walter Döring (baden-württembergischer Wirtschaftsminister) mit von der
Partie: Dr. Ekkehard Hein (Direktor
des Regionalverbandes Franken), Otto
Christ (IHK-Präsident), Heinrich
Metzger (IHK-Hauptgeschäftsführer), Richard
Drautz (FDP-Landtagsabgeordneter) Heilbronns OB Dr. Manfred Weinmann, Neckarsulms OB Volker Blust, Franz Henschel
(Außenstellenleiter des IHK-Zentrums für Weiterbildung in Schwäbisch Hall).
Fazit der ersten Messe-Tage: Zum
50jährigen Messejubiläum 1997 ein Ausstellerrekord – 7.259 aus 69 Nationen.
Und davon wieder 70 aus der Region Franken. Na dann: Viele gute Geschäfte in
Hannover. Die Region kann’s gebrauchen.
Müll
nach Mannheim
Die
Heilbronner Belegschaft des Kohlekraftwerkes der EVS (Energieversorgung Schwaben),
an der Spitze des Betriebsrat, ist stinksauer. Im Zuge der Fusion EVS und
Badenwerk, der zwei Stromgiganten im Lande, ist nicht gesichert, ob das
Heilbronner Kohlekraftwerk so weiterwirtschaften kann wie bisher. Wird die
Energiezeugung im Zuge der europäischen Einigung preiswerter, könnte der teure
Strom aus Heilbronn überflüssig werden. Die grünen Ästheten im Unterland wären
nicht undankbar, würden die riesigen Bauwerke dieses Kraftwerks von der
Bildfläche verschwinden. Grünliche Schöngeister haben selten ein ausgeprägtes
Gespür für Arbeitsplätze. Den EVS-Beschäftigten ist auch klar, daß es so nicht
weitergehen kann. Deshalb setzten sie ihre Hoffnungen auf die
Müllverbrennungsanlage in Heilbronn. Bei der SPD stießen sie auf den
entschiedenen Widerstand der ökologischen Lehrer- und Beamtenfraktion. Und nachdem jetzt klar ist, daß in der
Mannheimer Müllverbrennungsanlage noch Kapazitäten frei sind und der
Heilbronner Müll bequem dort hin gekarrt werden kann, ist auch die CDU (so auf
ihrem Güglinger Parteitag beschlossen) für das Motto: „... ab nach Mannheim!“
Bis zum Jahr 2015 habe sich in Heilbronn ein Müllverbrennungsofen erledigt. Oh,
oh, wie seltsam! Müllverbrennung in Heilbronn – Teufelswerk,
gesundheitsschädlich, unerträglich für die Unterländer Menschen. Wenn jedoch
der Heilbronner Müll im Ballungszentrum Mannheim verbrannt wird, dann ja dann
... – Ich nenne das schlicht: Sankt-Florians-Prinzip! Wie auch anders.
Gottseidank kommt die Müllasche dann zurück – ins Salzbergwerk. Wenigstens wird
das Verursacherprinzip ein wenig berücksichtigt. Ansonsten hätten wir ja die
absolute SPD-CDU-Grüne-Spießermoral.
Voll
cool und echt megageil
Der
Fernsehsender, der es schafft, sie vor die Glotze zu bringen, dem laufen sie
auch die Türen ein. Klar, die Teenager sind gemeint, eine heißumworbene
Zielgruppe in unserer Gesellschaft. Vor allem RTL2 hat dies wohl am besten
erkannt. Mit ihrer Sendung „Wildfang – der Teenietalk“ kümmert sich die
Moderatorin Iris von Carnap rührend und einfühlsam um die Probleme, Sorgen und
Nöten der Jugendlichen. Die Jungs und Mädchen haben keine Scheu ihre Probleme
der Öffentlichkeit preiszugeben. Sie reden unbeschwert über Liebe, Sex und Zärtlichkeit und über
alles was sonst noch im Teenager-Alter so im Vordergrund steht. Aber in diesem
Alter dreht sich anscheinend eh alles nur um Sex, wenn man die Teenie-Sendung
verfolgt. Eine Show, die zum Beichtstuhl umfunktioniert wird. Aber den
Jugendlichen, immer ohne Nachnamen, scheint diese Entblößungsshow zu gefallen,
dies belegen zumindest die Einschaltquoten. Nicht ganz so intim, aber trotzdem voll im Trend ist die sonntägliche
„Bravo TV“-Show. Die 16jährige Jungmoderatorin Jasmin Gerat, die wie ein
Teenie-Flummi durchs Studio springt, findet einfach alles supercool und einfach
megageil. Schlagwörter, die junge Massen hören wollen. Auch wenn sie meistens
selbst nicht so genau wissen, was sie gerade gefaselt hat, und ihr
intellektueller Horizont etwas eingeschränkt zu sein scheint, der Erfolg ist
da. Ihre Interviews mit legendären Popstars reduzieren sich ausschließlich
immer wieder auf die Fragen, wo sie das letzte Video gedreht haben, welche
Klamotten sie bevorzugen und ob sie einen Freund oder eine Freundin haben. Mehr
kann man ihr aber auch wirklich nicht zumuten. Für sie ist eben alles, wie
schon erwähnt, supercool und megageil. Besonders der nackte Bauch von Sänger
Peter André. Anscheinend hat sie aber Geschmack, wenn man der allgemeinen
weiblichen Meinung Glauben schenken kann. Aber zum Glück stehen nicht alle
Teenager auf nackte Bäuche von Popstars. So sollte Thomas Gottschalk doch recht
haben, als er sagte: „Wenn Kulenkampff der Gymnasiallehrer des Fernsehens war,
dann bin ich der Volksschullehrer, und nach mir kommen die Analphabeten.“
Stroh
oder Friese
Harry Mergel (SPD-Fraktionsvorsitzender im
Heilbronner Gemeinderat) und Sibylle
Mösse-Hagen (SPD-Kreisvorsitzende Heilbronn-Stadt) hatten den Clou mit
eingefädelt: Harald Friese (SPD-Bürgermeister und Fraktionsvorsitzender im
Regionalparlament) wechselt im Heilbronner Rathaus vom Krankenhaus-/Ordnungsdezernat
ins Kulturressort. Gleichzeitig meldete Friese sein Interesse an einer Bundeskandidatur im Wahlkreis Heilbronn
an. Der eher feingeistige und sensible Bürgermeister, der in seinem Amt viel
Schelte einstecken mußte, ergriff die Gelegenheit beim Schopfe, als Peter Altschekow (einst
SPD-Kreisvorsitzender Heilbronn-Stadt, SPD-Regionalfraktionsvorsitzender und
Spöri-Pressesprecher in Stuttgart) nach der verlorenen Landtagswahl 1996 sich
beruflich nach Brandenburg absetzte. Aber Interesse zeigen heißt noch nicht
gewählt sein. Frank Stroh,
IG-Metall-Chef im Unterland und neuer Vorsitzender der SPD-Arbeitsgemeinschaft
für Arbeitnehmerfragen AfA, forderte nach seiner Wahl letzte Woche auch gleich,
ein Wörtchen bei der Alltschekow-Nachfolge als Bundestagskandidat mitreden zu
dürfen. Das ist behutsam und zart formuliert, wenn ich bedenke wie direkt
Gewerkschaftler ansonsten ihre Vorstellungen in Worte fassen. Aber die
Heilbronner SPD-Genossen, geschwächt durch den überstürzten Spöri-Abgang (der noch wenige Stunden zuvor gut Wetter
auf dem Neujahrsempfang gemacht hatte), und durch den Verlust des
Landtagsmandats, haben verstanden. Die Landkreis-SPD und die
Arbeitsgemeinschaften (vor allem die AfA) wollen ein gewichtiges Wort bei der
Aufstellung der SPD-Bundestagskandidaten mitreden. Der Name Frank Stroh wird
also bei der Kandidatenkür eine gewichtige Rolle spielen. Es war also reichlich
naiv, Harald Friese einzuflüstern: „Jockele, gang Du voraa!“
Handball
brutal
Es
hätte eigentlich ein großer Tag für den Turn- und Sängerbund Horkheim werden sollen. Am vergangenen Samstag war das
letzte Spiel der Handball-Saison angesagt. SV Fellbach hieß der Gegner. Das
Match hatte keine wichtige Bedeutung mehr. Schon vorher war klar, TSB Horkheim ist Meister. Soviel ist
sicher: Es war kein gutes Spiel, der Gegner aus Fellbach verkaufte sich gut und
gewann letztendlich auch. Doch Ergebnis und Spielverlauf sind zweieinhalb
Minuten vor dem regulären Abpfiff der Partie unwichtig geworden. Denn da
ereignete sich ein Vorfall, den Saalordner in der Horkheimer Sporthalle mit den
Worten quittierten: ,,So etwas habe ich in dreißig Jahren Handballgeschichte
noch nicht erlebt.“ Handball brutal war zweieinhalb Minuten vor Schluß
angesagt. Halt, mit Handball hatte das nichts mehr zu tun. Ein Horkheimer
Spieler, der Rumäne Constanstin Dragomir,
rastete völlig aus. Das Spiel war unterbrochen, da trat er nach dem Gegner,
donnerte ihm anschließend den Ball in die Seite. Es kam zum Tumult und besagter
Rumäne streckte einen Spieler aus Fellbach mit einem Faustschlag ins Gesicht
nieder. Das war kein harmloser Nasenstüber, der verletzte Spieler mußte
notärztlich versorgt werden und zwar von einem zufällig anwesenden ehemaligen
Horkheimer Spieler, der mittlerweile Mediziner ist. Anschließend wurde der
Fellbacher Handballer per Krankenwagen ins Krankenhaus am Gesundbrunnen
gebracht. Die Nase war völlig
zertrümmert, eine offene Fraktur, aus der den Helfern das Blut
entgegenschoß. Das hat nun wirklich nichts mehr mit Kampfesgeist zu tun. Der
Horkheimer Spieler hat eine Tätlichkeit begangen, wird hoffentlich lebenslang
für Handballspiele bei uns gesperrt werden. Horkheim täte gut daran, sich von
diesem Schläger zu trennen, nicht nur wegen der Imagepflege.
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