Freitag, 21. März 2014

Kiliansmännle, 03.09.1997



Retter in der Not
Von 1977 bis 1991 war Peter Giebler Erster Bürgermeister der Stadt Heilbronn. Danach wechselte er als Manager in ein Getränkeunternehmen. Jetzt arbeitet er als Berater bei der Organisation von öffentlichen Betrieben und bei Geschäftsauflösungen. Von der Stadt Heilbronn hatte er zum Beispiel den Auftrag erhalten, die Städtischen Krankenanstalten in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung umzuwandeln. Nach der Absage des Sana-Managers Ingo Breitmeier als Krankenhaus-Geschäftsführer war der Stadtverwaltung und dem Gemeinderat Naivität vorgeworfen worden. Der neue Krankenhaus-Dezernent, Bürgermeister Artur Kübler, wollte gleich Nägel mit Köpfen machen. Die Neuausschreibung der Geschäftsführerstelle wurde gestoppt. In einer Superbesprechungsrunde von OB Dr. Manfred Weinmann, Bürgermeister Kübler und den Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderats einigte man sich darauf, Peter Giebler als Krankenhaus-Geschäftsführer dem Gemeinderat zur Wahl vorzuschlagen. Die Resonanz darauf war nahezu einhellig: Die schnelle und mutige Entscheidung wurde allseits begrüßt. Der 57jährige Peter Giebler soll jetzt den Krankenhaus-Betrieb sanieren, das Millionen-Defizit abbauen und irgendwann auch mal schwarze Zahlen schreiben. Außerdem muß er sich noch mit dem Finanzamt herumplagen, weil bei der Umwandlung in eine GmbH einige Fristen versäumt wurden, die die Stadt einen ganzen Batzen Geld kosten. Bislang war die Umwandlung eine sehr teure Geschichte. Und Peter Giebler muß sich demnächst damit herumschlagen, daß er als Retter in der Not gehandelt wird. Zweite Wahl, wie manche meinten, das ist er sicherlich nicht. Denn die erste Wahl der Stadt war ein Flop – und die eigentlich zweite Wahl. Manchmal ist es schon mehr als kurios, was in Heilbronn so über die kommunalpolitische Bühne geht. Eigentlich benötigt niemand mehr in dieser Stadt das hochsubventionierte Stadttheater. Unsere Kommunalpolitiker bieten da mehr.  

Bisher keine SPD-Frau
Die Sommerpressekonferenzen der SPD im Unterland, die des Kreisverbandes Heilbronn-Land und Heilbronn-Stadt liefen durch einen Monat voneinander getrennt ab. In Bad Friedrichshall lieferte die Land-SPD Informationen zu den unterschiedlichsten Politikfeldern ab. Auch um den Bundestagswahlkreis Heilbronn kreiste ein Thema. Ein „guter und geeigneter Kandidat“ sei nämlich gefunden worden, so Kreisvorsitzender Peter Knoche. Da dieser Kandidat aus dem „kommunalen Umfeld“ komme und als Fraktionsvorsitzender der SPD im Regionalverband Franken regionverbunden sei, soll bei der Wahlkreiskonferenz am 27. November 1997 Harald Friese vorgeschlagen werden. Die SPD-Kreisvorsitzenden im Stadt- und im Landkreis Heilbronn, Sybille Mösse-Hagen und Peter Knoche, sind sich da einig. Sie setzen voll auf den Bürgermeister aus Heilbronn und Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Regionalverband. Am 1. August 1997 schon war der 52jährige Harald Friese Kulturbürgermeister von Heilbronn geworden, nachdem er zuvor das Amt des Verkehrs- und Krankenhausdezernenten innegehabt hatte. Mit ihm also will die SPD das Heilbronner Direktmandat für den Bundestag wieder gewinnen, das seit 1976 die CDU mit Egon Susset besetzt. Da Egon Susset nicht mehr kandidiert und Peter Alltschekow, der langjährige SPD-Kandidat und -Kreisvorsitzende jetzt in Brandenburg arbeitet, werden beide Volksparteien mit neuen Kandidaten antreten müssen. Doch wenn schon neu, warum dann nicht auch alternativ und innovativ? Jetzt wäre die Möglichkeit gegeben, die vieldiskutierten Quoten auszuloten. Warum stellen die Sozialdemokraten also keine Frau zur Bundestagswahl? Laut Peter Knoche hat die SPD einen Suchlauf gestartet. Doch der Suchlauf endete im Leerlauf. Nur Friese meldete sich. Die SPD-Frauen blieben in der Deckung. Diese Entscheidung muß aber nicht endgültig sein. Zwar haben Peter Knoche und Sibylle Mösse-Hagen den Namen ihres Wunsch-Kandidaten bereits verkündet, doch müssen die beiden Kreisvorstände noch zustimmen, und die Wahlkreiskonferenz entscheidet dann endgültig. Für eine Genossin aus Stadt oder Land ist das Rennen noch offen.   

Gift-Karrieren
Jene, die bei uns im Lande, Rauschgift verharmlosen, Shops zum Konsum einrichten wollen, müßten langsam aber sicher eingesehen haben, daß gerade die Einstiegsdrogen der sichere Weg für eine Junkie-Karriere sind. Wer natürlich Dealer und Süchtige nur als Opfer der Gesellschaft sieht, der muß den Staat nahezu verpflichten, diesen Opfern ein angenehmes Auskommen zu garantieren. Das heißt: Abgabe von Rauschgift, saubere Spritzen, Bereitstellung einer Wohnung, eines betreuenden Sozialarbeiters und eine leichte Tätigkeit, die dem Gesundheitszustand des Schwerstabhängigen angemessen ist. Die Hoffnung geht aber noch weiter: Durch Freigabe von Drogen den Drogenmarkt austrocknen. Der Staat als Dealer nimmt dann nicht nur Steuern ein, sondern mischt die internationalen Drogenkartelle auf. Rosa Träume an Politkaminen. Überall wo diese Gedanken umgesetzt wurden, ist das Drogenproblem noch verschlimmert worden. Liberalität im Bereich „Drogen“ führt zu Exzessen, weil die Dealer und die Süchtigen sich nicht sozial verhalten. Die einen wollen das Himmelreich auf Erden, wenn auch nur für wenige Augenblicke, und tun alles dafür, bestehlen Eltern, Freunde und Bekannte, gehen auf den Strich, um an die Kohle heranzukommen. Und die andern wollen reich werden, egal wie und auf wessen Kosten. Diesen Teufelskreis muß Drogenpolitik durchbrechen. Und dafür gibt es kein Patentrezept. Die armen Länder der Dritten Welt mit ihren Radikalmethoden (Todesstrafe und Ausgrenzen der Süchtigen) können auch nur bedingt Erfolge vorweisen – wenn überhaupt. Fünf Rauschgifttote sind in Heilbronn 1997 gezählt worden. Fünf zu viel. Zwei 32jährige starben im August an einer Überdosis. Im Kutscherhaus am Neckar und in einem Gartengrundstück am Wartberg. Was mich immer wundert: Wenn ich in Fernsehreportagen die seltsam kostümierten Junkies und ihre betroffenen Eltern sehe, dann sehe ich Uniformen der Enge und Abstumpfung. Zwei Seiten einer Medaille. Dazu kaum verinnerlichte Werte. Eben die Krise pur.  

Prinzessin des Herzens
Sie wollte die Prinzessin, ja sogar die Königin im Herzen aller Briten, wenn nicht gar der ganzen Welt sein. Geschafft hatte sie es, ein Megastar zu werden. Von der kleinen Kindergärtnerin aus höchstem Adel der Insel rückte sie auf zur Princess of Wales. Und am Ende ihrer Ehe mit dem britischen Thronfolger hatte sie wieder alle ihre Ämter verloren – und war reicher denn je. Sie kümmerte sich um die Ärmsten der Armen, um krebskranke Kinder in der Dritten Welt, um Aidskranke, Obdachlose, kämpfte gegen den Einsatz von Landminen in Angola. Sie konnte ganz selbstverständlich auf Menschen zugehen, eroberte im Sturm vor allem die Herzen der Kinder – und war gleichzeitig eine Frau des Jetsets. Fotografiert werden wollte sie nur bei ihren guten Taten. Aber wer sich mit dieser Vehemenz in die Öffentlichkeit begibt, darf sich nicht wundern, wenn er als Megastar zum Objekt der Begierde, zu einer Handelsware wird. Wenn es darum ging, die Medien für die eigenen Zwecke zu benutzen, zum Beispiel ihre Stellung im Hause Windsor kurz vor und nach der Scheidung, dann wurden die entsprechenden Journalisten eingeladen, und sie durften transportieren, was ihre Hoheit dem Volke zu verkünden hatte. Da aber auch Großbritannien eine Demokratie ist und Journalisten nicht verordnet werden kann, was sie zu berichten haben, durfte sich Diana, Princess of Wales, nicht wundern, daß mehr als die von ihr genehmigten Verlautbarungen in der Presse standen. Sie war sich als Medienstar dessen bewußt und benutzte zusammen mit ihren PR-Beratern, die Presse sehr geschickt zum eigenen Vorteil. Richtig ist: Diana wurde von Fotografen gejagt. Und dabei ist ein Unfall geschehen, bei dem sie starb. Der Fahrer ihres Autos war betrunken und fuhr mit knapp 200 Stundenkilometern in einen Tunnel, wo eine Geschwindigkeit von 50 Kilometer pro Stunde vorgeschrieben ist. Aber sie wurde nicht zu Tode gejagt. Die Tragik liegt in der Verkettung tragischer Umstände. Die Wahrheit werden wir erfahren, wenn der Leibwächter, der als einziger angeschnallt auf dem Beifahrersitz überlebt hat, sprechen wird. Aber Stoff für Dramen im Shakespeare-Ausmaß bietet das Leben von Diana allemal. Selbst im Tod ist sie ein Super-Medienstar. Auch an deutschen Kiosken und Fernsehschirmen müssen wir das zur Kenntnis nehmen.         

Weindorf und Flaschen
Früher zog es Tausende auf die Heilbronner Theresienwiese zum Heilbronner Herbst. Unter freiem Himmel konnte man seinen Schoppen trinken. Lichtgirlanden ließen die weinseligen Gesichter in buntem Glanz erstrahlen. Dann kam das Heilbronner Weindorf rund um das Rathaus. Man wollte weg vom Halb-Liter-Trinken (Schoppen). Der Wein sollte von Weinzähnen genossen werden. Vom 11. bis zum 19. September feiert Heilbronn nun schon das 27. Weindorf. Mit dem hehren Anspruch, „Deutschlands gemütliches Weindorf“ sein zu wollen. Da lachen viele bei uns im weinseligen Süden Deutschlands, die ebenfalls gemütliche Weindörfer feiern, ob in Stuttgart, im Remstal, in Öhringen oder in Baden, in der Rheinpfalz – oder gar drüben im Elsaß. Unbestritten ist, daß unser Weindorf gemütlich sein kann – und für die meisten Besucher auch ist. Unbestritten ist auch, daß das Heilbronner Weindorf ein Kommunikationstreff für alle möglichen Leute darstellt. Aber unbestritten ist auch, daß es gelegentlich zu Auswüchsen kommt. Ich kenne Weindörfer, bei denen keine Flaschen ausgegeben werden, sondern nur Viertele ausgeschenkt werden. Aus gutem Grund. Und das Vierteles-Glas kostet dann fünf Mark. Man erspart sich damit viel Ärger. Aber ich verstehe auch, daß kurz vor Schließung der weinausschenkenden Buden, gehortet wird. Und das geht nur in Flaschen. Die Zehnteles-Gläser sind ja nur Tropfenspender. Vielleicht kommt einer mal auf die Idee und überläßt es einer karitativen Organisation, die Flaschen, die zuvor gegen Pfand ausgegeben wurden, wieder einsammeln zu lassen. Pro Flasche fünf Mark Pfand, und zehn Prozent vom Pfand – also 50 Pfennige – für einen guten Zweck. Das ist doch ein Vorschlag, der vielen Seiten gerecht wird. Und das Trinken dient, neben der fröhlichen Ausgelassenheit, auch noch einem guten Zweck.     
  
Mit Nachgeschmack
Kennen Sie das? Nach einem harten Tag kommen Sie geschafft nach Hause, das oftmals schlechte Wetter senkt Ihre Laune in unermeßliche Tiefen und macht ein Ausgehen ohnehin unmöglich. Sie freuen sich auf einen schönen Fernsehabend. Aber außer Nachrichten laufen nur Spielfilmwiederholungen und der tägliche deutsche Fernseh-Einheitsbrei. So mancher/manche muß dann in die nahegelegene Videothek, noch schnell eine Filmkomödie ausleihen, die den Abend gemütlich und lustig ausklingen lassen soll. Die Abgabefrist für die entliehene Videokassette ist auf den nächsten Tag bis 19 Uhr gesetzt. Der vollgestopfte Terminplan am Abgabetag läßt eine Rückgabe im Fristzeitraum (zehn bis 19 Uhr) nicht zu, und so teilt man der netten Dame von der Ausleihe telefonisch mit, daß man frühmorgens die Kassette in den Videothek-Briefkasten eingeworfen hat; die Dame versichert daraufhin, den Briefkasten zu entleeren und den Film vom Belastungskonto des Ausleihers auszutragen. Hört sich alles ganz gut an, aber kommt ganz anders. Vier Wochen nach diesem Ereignis erhält man eine letzte!!! Mahnung über eine offene Rechnung von 40 Mark, die innerhalb einer Woche bezahlt werden soll, sonst werde die Mahnsache einem Anwalt übergeben. Aus einem daraufhin geführten Telefongespräch mit einer anderen Mitarbeiterin der besagten Videothek ergibt sich, daß der Briefkasten eine Woche nicht entleert wurde, die offene Rechnung wäre aber dennoch zu entrichten. Erst eine klärende Unterredung mit dem Geschäftsführer läßt den Vorfall unter den Tisch fallen – der offene Betrag wird ausgebucht. Was bleibt, ist die Lehre, daß blindes Vertrauen schlecht ist, daß von unpersönlichen Rückgaben ausgeliehener Videofilme abgeraten werden sollte, und die Frage, warum sich eine schwäbische Videothek, die auf Komfort, Service und Kundenfreundlichkeit großen Wert legt und dies bisher auch bestätigt hat, sich solche schlechten Manieren leisten kann. Wissen Sie es? Ich nicht. 

Sommertheater
Das Sommerloch wurde heuer von der CSU gefüllt. Theo Waigel, der Finanzminister, wollte eine Aufräumaktion am Kabinettstisch. Und verkündete, der Regierungschef Helmut Kohl habe ihm das auch zugesagt. Als der Chef aber aus dem Urlaub zurückkam, legte er ein mächtiges Kanzlerwort auf den Tisch und pochte auf seine Richtlinienkompetenz. Schon frohlockten die politischen Gegner, der Mann aus Oggersheim sei angezählt, wurde das nahe Ende der Ära Kohl beschworen. Aber der Kanzler reagierte trotzig, stellte sich vor seine Minister, die laut Bild am Sonntag schon auf der Abschußrampe lagen, und erzählte einem ZDF-Journalisten: „Ich bin auch gar nicht unter Druck zu setzen.“ Nachdem er mitgeteilt hatte, daß die Debatte um die Regierungsumbildung schädlich für die Koalition und die Union sei. Trotz des Machtworts des Kanzlers wird in Kommentaren der „Herbst des Patriarchen“ beschworen und die Stagnation in der deutschen Politik als Hindernis für eine notwendige Umstrukturierung des Wirtschaftslebens gegeißelt. Die notwendige Steuerreform ist offenbar den Bach runter, Renten- und Gesundheitsreform kommen nicht voran. Ein alles lähmender Mehltau hat sich  über die deutsche Politiklandschaft gelegt. Vom Sparen wird viel gesprochen, aber wenn die Rechnungsprüfer ihre Berichte abliefern, dann erweisen sich die Politikerpläne als reine Luftschlösser. Auch bei uns in Baden-Württemberg. Niemand will offenbar richtig ans Einsparen heran. Aber jeder wälzt die Kosten auf den Steuerzahler ab. Bei den Großbetrieben hört man wenig Klagen über das Scheitern der Steuerreform. Aber der kleine Mann auf der Straße und die Mittelständler werden weiterhin geschröpft und können sich nicht gegen jene gierigen Beamten in  Bonn und Stuttgart wehren, die immer neue Einnahmequellen zulasten des Bürgers austüfteln. Neuwahlen und Regierungsumbildungen bringen nichts, wenn die Politik sich nicht radikal ändert, ob bei Sozis und Union. Von den grünen und gelb-blauen Trittbrettfahrern mal ganz zu schweigen. Manchmal erinnert mich das Polit-Debakel bei uns an die Endzeit der letzten britischen Regierung Major. Dort wurde von den Wählern ein glasklarer Schnitt gemacht. Bei uns nicht drin. Weil wir ein Ungetüm von Wahlsystem besitzen.

Pure Heuchelei
Der schreckliche Tod von Prinzessin Diana und ihrem ägyptischen Freund Dodi in Paris hatte am Sonntag das Mediengeschehen bestimmt – und Millionen von Menschen erschüttert. Unfälle ähnlicher Art im unmittelbaren Umfeld, zum Beispiel im Unterland, erschüttern die Menschen vor Ort weniger. Was ist also an diesem Tod so bedeutungsvoll, daß „die ganze Welt trauert“? Diana war nicht mehr Mitglied der königlichen Familie – als geschiedene Ehefrau des Prince of Wales. Sie hatte eine Affäre mit einem ägyptischen Milliardär, die nicht nur die Klatschpresse in aller Welt intensiv beschäftigte. Das war das Sommerthema – von Bild bis zur kleinsten Regionalzeitung. Manche seriöse Zeitungen handelten diesen Pseudo-Skandal mit hämischen Worten ab. Für ein Foto der beiden auf einer Yacht im Mittelmeer sollen mehrere hunderttausend Mark gezahlt worden sein. Als nun ein paar französische Fotografen versuchten, ihren Schnappschuß vom neuen Liebespaar des Jahres zu schießen, kam es zum tragischen Unfall. Mit knapp 200 Kilometern pro Stunde raste der betrunkene Fahrer (1,75 Promille) mit dem Mercedes S 280 in einen Tunnel und verunglückte. Die Schuld am tragischen Unfall dürfte hinlänglich geklärt sein. Es bestand keine zwingende Notwendigkeit, in den Tunnel zu rasen. Aber die Heuchler in den privaten und öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten machten auf Quote an diesem Sonntagabend. Eine Sondersendung über den Tod der Prinzessin jagte die andere (Platz eins: 11,3 Millionen Zuschauer beim ARD-Brennpunkt, 24 Prozent Anteil). Sat1 und RTL holten sogleich miserable Spielfilme über das Leben Dianas aus den Archiven – Jahre alt. Kein Sender ließ sich die Story des Tages entgehen. Und Moderatoren wirbelten mit erhobenem Zeigefinger gegen die Fotografen, die sogenannten Paparazzis und zeigten genußvoll deren Fotos. Das Bild der Toten und des Schwerverletzten im zerstörten Mercedes soll für eine Million Dollar auf dem Markt gehandelt werden. Und ich schätze, irgendwann wird es auch demnächst gedruckt werden. Wenn auch nur in einer Zeitung in Afrika, Südamerika oder Asien. Klatsch und Tratsch haben Konjunktur. Wenn niemand Zeitungen dieser Couleur kaufen würde, wären sie nicht auf dem Markt. Ich erinnere mich an einen inszenierten Film mit Schauspielern, der als zeitgeschichtliches Dokument über Dianas Liebesspiele auf den Markt gebracht wurde. Ein deutscher Boulevard-Sender hatte das gefälschte Machwerk sogar gesendet. Dianas Leichnam beschert diesem Sender wieder ungeahnte Einschaltquoten. Und am Samstag die Beerdigung in London. Sie wird das Medienereignis des Monats sein. Vor allem im Fernsehen. Business as usual.  

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