Retter
in der Not
Von
1977 bis 1991 war Peter Giebler Erster
Bürgermeister der Stadt Heilbronn. Danach wechselte er als Manager in ein Getränkeunternehmen. Jetzt arbeitet er als Berater
bei der Organisation von öffentlichen Betrieben und bei Geschäftsauflösungen.
Von der Stadt Heilbronn hatte er zum Beispiel den Auftrag erhalten, die
Städtischen Krankenanstalten in eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung
umzuwandeln. Nach der Absage des Sana-Managers Ingo Breitmeier als Krankenhaus-Geschäftsführer war der
Stadtverwaltung und dem Gemeinderat Naivität vorgeworfen worden. Der neue
Krankenhaus-Dezernent, Bürgermeister Artur
Kübler, wollte gleich Nägel mit Köpfen machen. Die Neuausschreibung der
Geschäftsführerstelle wurde gestoppt. In einer Superbesprechungsrunde von OB Dr. Manfred Weinmann, Bürgermeister
Kübler und den Fraktionsvorsitzenden des Gemeinderats einigte man sich darauf,
Peter Giebler als Krankenhaus-Geschäftsführer dem Gemeinderat zur Wahl
vorzuschlagen. Die Resonanz darauf war nahezu einhellig: Die schnelle und
mutige Entscheidung wurde allseits begrüßt. Der 57jährige Peter Giebler soll
jetzt den Krankenhaus-Betrieb sanieren, das Millionen-Defizit abbauen und
irgendwann auch mal schwarze Zahlen schreiben. Außerdem muß er sich noch mit
dem Finanzamt herumplagen, weil bei der Umwandlung in eine GmbH einige Fristen
versäumt wurden, die die Stadt einen ganzen Batzen Geld kosten. Bislang war die
Umwandlung eine sehr teure Geschichte. Und Peter Giebler muß sich demnächst damit
herumschlagen, daß er als Retter in der Not gehandelt wird. Zweite Wahl, wie
manche meinten, das ist er sicherlich nicht. Denn die erste Wahl der Stadt war
ein Flop – und die eigentlich zweite Wahl. Manchmal ist es schon mehr als
kurios, was in Heilbronn so über die kommunalpolitische Bühne geht. Eigentlich
benötigt niemand mehr in dieser Stadt das hochsubventionierte Stadttheater.
Unsere Kommunalpolitiker bieten da mehr.
Bisher
keine SPD-Frau
Die
Sommerpressekonferenzen der SPD im Unterland, die des Kreisverbandes
Heilbronn-Land und Heilbronn-Stadt liefen durch einen Monat voneinander
getrennt ab. In Bad Friedrichshall lieferte die Land-SPD Informationen zu den
unterschiedlichsten Politikfeldern ab. Auch um den Bundestagswahlkreis
Heilbronn kreiste ein Thema. Ein „guter und geeigneter Kandidat“ sei nämlich
gefunden worden, so Kreisvorsitzender Peter
Knoche. Da dieser Kandidat aus dem „kommunalen Umfeld“ komme und als
Fraktionsvorsitzender der SPD im Regionalverband Franken regionverbunden sei,
soll bei der Wahlkreiskonferenz am 27. November 1997 Harald Friese vorgeschlagen werden. Die SPD-Kreisvorsitzenden im
Stadt- und im Landkreis Heilbronn, Sybille
Mösse-Hagen und Peter Knoche, sind sich da einig. Sie setzen voll auf den
Bürgermeister aus Heilbronn und Vorsitzenden der SPD-Fraktion im
Regionalverband. Am 1. August 1997 schon war der 52jährige Harald Friese
Kulturbürgermeister von Heilbronn geworden, nachdem er zuvor das Amt des
Verkehrs- und Krankenhausdezernenten innegehabt hatte. Mit ihm also will die
SPD das Heilbronner Direktmandat für den Bundestag wieder gewinnen, das seit
1976 die CDU mit Egon Susset
besetzt. Da Egon Susset nicht mehr kandidiert und Peter Alltschekow, der langjährige SPD-Kandidat und
-Kreisvorsitzende jetzt in Brandenburg arbeitet, werden beide Volksparteien mit
neuen Kandidaten antreten müssen. Doch wenn schon neu, warum dann nicht auch
alternativ und innovativ? Jetzt wäre die Möglichkeit gegeben, die
vieldiskutierten Quoten auszuloten. Warum stellen die Sozialdemokraten also
keine Frau zur Bundestagswahl? Laut Peter Knoche hat die SPD einen Suchlauf
gestartet. Doch der Suchlauf endete im Leerlauf. Nur Friese meldete sich. Die
SPD-Frauen blieben in der Deckung. Diese Entscheidung muß aber nicht endgültig
sein. Zwar haben Peter Knoche und Sibylle Mösse-Hagen den Namen ihres
Wunsch-Kandidaten bereits verkündet, doch müssen die beiden Kreisvorstände noch
zustimmen, und die Wahlkreiskonferenz entscheidet dann endgültig. Für eine
Genossin aus Stadt oder Land ist das Rennen noch offen.
Gift-Karrieren
Jene,
die bei uns im Lande, Rauschgift verharmlosen, Shops zum Konsum einrichten
wollen, müßten langsam aber sicher eingesehen haben, daß gerade die
Einstiegsdrogen der sichere Weg für eine Junkie-Karriere sind. Wer natürlich
Dealer und Süchtige nur als Opfer der Gesellschaft sieht, der muß den Staat
nahezu verpflichten, diesen Opfern ein angenehmes Auskommen zu garantieren. Das
heißt: Abgabe von Rauschgift, saubere Spritzen, Bereitstellung einer Wohnung,
eines betreuenden Sozialarbeiters und eine leichte Tätigkeit, die dem
Gesundheitszustand des Schwerstabhängigen angemessen ist. Die Hoffnung geht
aber noch weiter: Durch Freigabe von Drogen den Drogenmarkt austrocknen. Der
Staat als Dealer nimmt dann nicht nur Steuern ein, sondern mischt die
internationalen Drogenkartelle auf. Rosa Träume an Politkaminen. Überall wo
diese Gedanken umgesetzt wurden, ist das Drogenproblem noch verschlimmert
worden. Liberalität im Bereich „Drogen“ führt zu Exzessen, weil die Dealer und
die Süchtigen sich nicht sozial verhalten. Die einen wollen das Himmelreich auf
Erden, wenn auch nur für wenige Augenblicke, und tun alles dafür, bestehlen
Eltern, Freunde und Bekannte, gehen auf den Strich, um an die Kohle
heranzukommen. Und die andern wollen reich werden, egal wie und auf wessen
Kosten. Diesen Teufelskreis muß Drogenpolitik durchbrechen. Und dafür gibt es
kein Patentrezept. Die armen Länder der Dritten Welt mit ihren Radikalmethoden
(Todesstrafe und Ausgrenzen der Süchtigen) können auch nur bedingt Erfolge vorweisen
– wenn überhaupt. Fünf Rauschgifttote
sind in Heilbronn 1997 gezählt worden. Fünf zu viel. Zwei 32jährige starben
im August an einer Überdosis. Im Kutscherhaus am Neckar und in einem
Gartengrundstück am Wartberg. Was mich immer wundert: Wenn ich in
Fernsehreportagen die seltsam kostümierten Junkies und ihre betroffenen Eltern
sehe, dann sehe ich Uniformen der Enge und Abstumpfung. Zwei Seiten einer
Medaille. Dazu kaum verinnerlichte Werte. Eben die Krise pur.
Prinzessin
des Herzens
Sie
wollte die Prinzessin, ja sogar die Königin im Herzen aller Briten, wenn nicht
gar der ganzen Welt sein. Geschafft hatte sie es, ein Megastar zu werden. Von
der kleinen Kindergärtnerin aus höchstem Adel der Insel rückte sie auf zur Princess of Wales. Und am Ende ihrer
Ehe mit dem britischen Thronfolger hatte sie wieder alle ihre Ämter verloren –
und war reicher denn je. Sie kümmerte sich um die Ärmsten der Armen, um
krebskranke Kinder in der Dritten Welt, um Aidskranke, Obdachlose, kämpfte
gegen den Einsatz von Landminen in Angola. Sie konnte ganz selbstverständlich
auf Menschen zugehen, eroberte im Sturm vor allem die Herzen der Kinder – und
war gleichzeitig eine Frau des Jetsets. Fotografiert werden wollte sie nur bei
ihren guten Taten. Aber wer sich mit dieser Vehemenz in die Öffentlichkeit
begibt, darf sich nicht wundern, wenn er als Megastar zum Objekt der Begierde,
zu einer Handelsware wird. Wenn es darum ging, die Medien für die eigenen
Zwecke zu benutzen, zum Beispiel ihre Stellung im Hause Windsor kurz vor und
nach der Scheidung, dann wurden die entsprechenden Journalisten eingeladen, und
sie durften transportieren, was ihre Hoheit dem Volke zu verkünden hatte. Da aber auch Großbritannien eine Demokratie
ist und Journalisten nicht verordnet werden kann, was sie zu berichten
haben, durfte sich Diana, Princess of
Wales, nicht wundern, daß mehr als die von ihr genehmigten Verlautbarungen
in der Presse standen. Sie war sich als Medienstar dessen bewußt und benutzte
zusammen mit ihren PR-Beratern, die Presse sehr geschickt zum eigenen Vorteil.
Richtig ist: Diana wurde von Fotografen gejagt. Und dabei ist ein Unfall
geschehen, bei dem sie starb. Der Fahrer ihres Autos war betrunken und fuhr mit
knapp 200 Stundenkilometern in einen Tunnel, wo eine Geschwindigkeit von 50
Kilometer pro Stunde vorgeschrieben ist. Aber sie wurde nicht zu Tode gejagt.
Die Tragik liegt in der Verkettung tragischer Umstände. Die Wahrheit werden wir
erfahren, wenn der Leibwächter, der als einziger angeschnallt auf dem
Beifahrersitz überlebt hat, sprechen wird. Aber Stoff für Dramen im
Shakespeare-Ausmaß bietet das Leben von Diana allemal. Selbst im Tod ist sie ein Super-Medienstar. Auch an deutschen
Kiosken und Fernsehschirmen müssen wir das zur Kenntnis nehmen.
Weindorf
und Flaschen
Früher
zog es Tausende auf die Heilbronner Theresienwiese zum Heilbronner Herbst.
Unter freiem Himmel konnte man seinen Schoppen trinken. Lichtgirlanden ließen
die weinseligen Gesichter in buntem Glanz erstrahlen. Dann kam das Heilbronner
Weindorf rund um das Rathaus. Man wollte weg vom Halb-Liter-Trinken (Schoppen).
Der Wein sollte von Weinzähnen genossen werden. Vom 11. bis zum 19. September
feiert Heilbronn nun schon das 27. Weindorf. Mit dem hehren Anspruch, „Deutschlands gemütliches Weindorf“
sein zu wollen. Da lachen viele bei uns im weinseligen Süden Deutschlands, die
ebenfalls gemütliche Weindörfer feiern, ob in Stuttgart, im Remstal, in
Öhringen oder in Baden, in der Rheinpfalz – oder gar drüben im Elsaß.
Unbestritten ist, daß unser Weindorf gemütlich sein kann – und für die meisten
Besucher auch ist. Unbestritten ist auch, daß das Heilbronner Weindorf ein Kommunikationstreff für alle möglichen
Leute darstellt. Aber unbestritten ist auch, daß es gelegentlich zu Auswüchsen
kommt. Ich kenne Weindörfer, bei denen keine Flaschen ausgegeben werden,
sondern nur Viertele ausgeschenkt werden. Aus gutem Grund. Und das
Vierteles-Glas kostet dann fünf Mark. Man erspart sich damit viel Ärger. Aber
ich verstehe auch, daß kurz vor Schließung der weinausschenkenden Buden,
gehortet wird. Und das geht nur in Flaschen. Die Zehnteles-Gläser sind ja nur Tropfenspender. Vielleicht kommt
einer mal auf die Idee und überläßt es einer karitativen Organisation, die
Flaschen, die zuvor gegen Pfand ausgegeben wurden, wieder einsammeln zu lassen.
Pro Flasche fünf Mark Pfand, und zehn Prozent vom Pfand – also 50 Pfennige –
für einen guten Zweck. Das ist doch ein Vorschlag, der vielen Seiten gerecht
wird. Und das Trinken dient, neben der fröhlichen Ausgelassenheit, auch noch
einem guten Zweck.
Mit
Nachgeschmack
Kennen
Sie das? Nach einem harten Tag kommen Sie geschafft nach Hause, das oftmals
schlechte Wetter senkt Ihre Laune in
unermeßliche Tiefen und macht ein Ausgehen ohnehin unmöglich. Sie freuen
sich auf einen schönen Fernsehabend. Aber außer Nachrichten laufen nur
Spielfilmwiederholungen und der tägliche deutsche Fernseh-Einheitsbrei. So mancher/manche muß dann in die
nahegelegene Videothek, noch schnell eine Filmkomödie ausleihen, die den Abend
gemütlich und lustig ausklingen lassen soll. Die Abgabefrist für die entliehene
Videokassette ist auf den nächsten Tag bis 19 Uhr gesetzt. Der vollgestopfte Terminplan
am Abgabetag läßt eine Rückgabe im Fristzeitraum (zehn bis 19 Uhr) nicht zu,
und so teilt man der netten Dame von der Ausleihe telefonisch mit, daß man
frühmorgens die Kassette in den Videothek-Briefkasten eingeworfen hat; die Dame
versichert daraufhin, den Briefkasten zu entleeren und den Film vom Belastungskonto des Ausleihers
auszutragen. Hört sich alles ganz gut an, aber kommt ganz anders. Vier Wochen
nach diesem Ereignis erhält man eine letzte!!! Mahnung über eine offene
Rechnung von 40 Mark, die innerhalb einer Woche bezahlt werden soll, sonst
werde die Mahnsache einem Anwalt übergeben. Aus einem daraufhin geführten
Telefongespräch mit einer anderen Mitarbeiterin der besagten Videothek ergibt
sich, daß der Briefkasten eine Woche nicht entleert wurde, die offene Rechnung
wäre aber dennoch zu entrichten. Erst eine klärende Unterredung mit dem
Geschäftsführer läßt den Vorfall unter den Tisch fallen – der offene Betrag
wird ausgebucht. Was bleibt, ist die Lehre, daß blindes Vertrauen schlecht ist,
daß von unpersönlichen Rückgaben ausgeliehener Videofilme abgeraten werden
sollte, und die Frage, warum sich eine schwäbische Videothek, die auf Komfort,
Service und Kundenfreundlichkeit großen Wert legt und dies bisher auch
bestätigt hat, sich solche schlechten Manieren leisten kann. Wissen Sie es? Ich
nicht.
Sommertheater
Das
Sommerloch wurde heuer von der CSU gefüllt. Theo Waigel, der Finanzminister, wollte eine Aufräumaktion am
Kabinettstisch. Und verkündete, der Regierungschef Helmut Kohl habe ihm das
auch zugesagt. Als der Chef aber aus dem Urlaub zurückkam, legte er ein
mächtiges Kanzlerwort auf den Tisch und pochte auf seine Richtlinienkompetenz.
Schon frohlockten die politischen Gegner, der Mann aus Oggersheim sei angezählt, wurde das nahe Ende der Ära Kohl
beschworen. Aber der Kanzler reagierte trotzig, stellte sich vor seine
Minister, die laut Bild am Sonntag schon auf der Abschußrampe lagen, und
erzählte einem ZDF-Journalisten: „Ich bin auch gar nicht unter Druck zu
setzen.“ Nachdem er mitgeteilt hatte, daß die Debatte um die
Regierungsumbildung schädlich für die Koalition und die Union sei. Trotz des
Machtworts des Kanzlers wird in Kommentaren der „Herbst des Patriarchen“
beschworen und die Stagnation in der deutschen Politik als Hindernis für eine
notwendige Umstrukturierung des Wirtschaftslebens gegeißelt. Die notwendige
Steuerreform ist offenbar den Bach runter, Renten- und Gesundheitsreform kommen
nicht voran. Ein alles lähmender Mehltau hat sich über die deutsche Politiklandschaft gelegt. Vom Sparen wird viel gesprochen, aber
wenn die Rechnungsprüfer ihre Berichte abliefern, dann erweisen sich die
Politikerpläne als reine Luftschlösser. Auch bei uns in Baden-Württemberg.
Niemand will offenbar richtig ans Einsparen heran. Aber jeder wälzt die Kosten
auf den Steuerzahler ab. Bei den Großbetrieben hört man wenig Klagen über das
Scheitern der Steuerreform. Aber der kleine Mann auf der Straße und die
Mittelständler werden weiterhin geschröpft und können sich nicht gegen jene
gierigen Beamten in Bonn und Stuttgart
wehren, die immer neue Einnahmequellen zulasten des Bürgers austüfteln.
Neuwahlen und Regierungsumbildungen bringen nichts, wenn die Politik sich nicht
radikal ändert, ob bei Sozis und Union. Von den grünen und gelb-blauen
Trittbrettfahrern mal ganz zu schweigen. Manchmal erinnert mich das Polit-Debakel
bei uns an die Endzeit der letzten britischen Regierung Major. Dort wurde von
den Wählern ein glasklarer Schnitt gemacht. Bei uns nicht drin. Weil wir ein
Ungetüm von Wahlsystem besitzen.
Pure
Heuchelei
Der
schreckliche Tod von Prinzessin Diana
und ihrem ägyptischen Freund Dodi in
Paris hatte am Sonntag das Mediengeschehen bestimmt – und Millionen von
Menschen erschüttert. Unfälle ähnlicher Art im unmittelbaren Umfeld, zum
Beispiel im Unterland, erschüttern die Menschen vor Ort weniger. Was ist also
an diesem Tod so bedeutungsvoll, daß „die ganze Welt trauert“? Diana war nicht
mehr Mitglied der königlichen Familie – als geschiedene Ehefrau des Prince of
Wales. Sie hatte eine Affäre mit einem ägyptischen Milliardär, die nicht nur
die Klatschpresse in aller Welt intensiv beschäftigte. Das war das Sommerthema
– von Bild bis zur kleinsten Regionalzeitung. Manche seriöse Zeitungen
handelten diesen Pseudo-Skandal mit hämischen Worten ab. Für ein Foto der
beiden auf einer Yacht im Mittelmeer sollen mehrere hunderttausend Mark gezahlt
worden sein. Als nun ein paar französische Fotografen versuchten, ihren Schnappschuß vom neuen Liebespaar des
Jahres zu schießen, kam es zum tragischen Unfall. Mit knapp 200 Kilometern pro
Stunde raste der betrunkene Fahrer (1,75 Promille) mit dem Mercedes S 280 in
einen Tunnel und verunglückte. Die Schuld am tragischen Unfall dürfte
hinlänglich geklärt sein. Es bestand keine zwingende Notwendigkeit, in den
Tunnel zu rasen. Aber die Heuchler in den privaten und öffentlich-rechtlichen
Fernsehanstalten machten auf Quote an diesem Sonntagabend. Eine Sondersendung
über den Tod der Prinzessin jagte die andere (Platz eins: 11,3 Millionen
Zuschauer beim ARD-Brennpunkt, 24 Prozent Anteil). Sat1 und RTL holten sogleich
miserable Spielfilme über das Leben Dianas aus den Archiven – Jahre alt. Kein
Sender ließ sich die Story des Tages entgehen. Und Moderatoren wirbelten mit
erhobenem Zeigefinger gegen die Fotografen, die sogenannten Paparazzis und zeigten genußvoll deren
Fotos. Das Bild der Toten und des Schwerverletzten im zerstörten Mercedes soll
für eine Million Dollar auf dem Markt gehandelt werden. Und ich schätze,
irgendwann wird es auch demnächst gedruckt werden. Wenn auch nur in einer
Zeitung in Afrika, Südamerika oder Asien. Klatsch und Tratsch haben Konjunktur.
Wenn niemand Zeitungen dieser Couleur kaufen würde, wären sie nicht auf dem
Markt. Ich erinnere mich an einen inszenierten Film mit Schauspielern, der als
zeitgeschichtliches Dokument über Dianas Liebesspiele auf den Markt gebracht
wurde. Ein deutscher Boulevard-Sender hatte das gefälschte Machwerk sogar
gesendet. Dianas Leichnam beschert diesem Sender wieder ungeahnte
Einschaltquoten. Und am Samstag die Beerdigung in London. Sie wird das
Medienereignis des Monats sein. Vor allem im Fernsehen. Business as usual.
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