Würstchen
statt Kaviar
Zugegeben,
Kaviar habe ich nie im Pavillon der Burg
Stettenfels versucht. Vielleicht hat es ihn in dem Lokal unter dem riesigen
Schirm auch nicht gegeben. Doch gediegen ging es im vergangenen Sommer dort immer
zu. Das wunderschön gelegene
Ausflugslokal war keine Anlaufstätte für Menschen mit bescheidenen
finanziellen Mitteln. Der Gastronom scheint wie viele seiner Kollegen bittere
Erfahrungen in den vergangenen Jahren gemacht zu haben. Das Geld sitzt den Menschen
nicht mehr so locker im Beutel. Denn die Speisekarte wurde von leichten,
extravaganten Angeboten teilweise befreit. Dazugekommen sind dafür Würstchen
und andere Hausmannskost. Ich finde das gut so. So wird das Umfeld der Burg Stettenfels nicht mehr nur noch
Treffpunkt der vermeintlich Reichen und Schönen sein. Auch
Otto-Normal-Kneipenbesucher werden sich künftig hier wieder ein Stelldichein
geben.
Geld
oder Bildung
Die
Religionslehrerin bekam ein Baby. Die mehr oder minder wissensdurstigen Religionsschülerinnen
und -schüler bekommen keinen Unterricht mehr. Religiöse Bildung bleibt aus,
weil das liebe Geld fehlt. Zuständig fühlt sich dafür keiner. Weder das
Oberschulamt noch die Evangelische
Landeskirche. Die Eltern sollen sich selber einsetzen. Bloß wo und bei wem?
Sie müssen wandern von einem zum andern, wenn ihnen die religiöse Erziehung
ihrer Nachkommen am Herzen liegt. Ist das Land Baden-Württemberg nicht zur
Garantie des christlichen Unterrichts verpflichtet? Ist die Kirche um die
jungen Schafe gar nicht besorgt? Glaubt man etwa, die junge Generation mit
sonntäglichen Predigten in die Kirche zu locken und zum Glauben reizen zu
können? Die Verführung des „seichten Sonntags“ ist doch sehr stark. Mal ausschlafen, mal gemütlich frühstücken,
mal einfach gar nichts tun; aber bloß ins Gotteshaus. So sind die Wege der
Kirche unerklärlich. Die zukünftigen Kirchensteuerzahler müßten doch schon in
der Schule eingefangen werden. Wenn jetzt nicht alle kirchlichen Gelder zur
Bezahlung einer Aushilfskraft für die junge Mutter, die Lehrerin, aufgebracht
werden, wird später das notwendige Geld der Kirche fehlen. Ein Teufelskreis
wird sich heiß drehen. Na dann – himmlische Karussell–Fahrt! Doch auch das Land
müßte vorausschauen. Welche Alternative will man christlichem Halt und
kirchlicher Stütze entgegensetzen, um uns ins nächste Jahrtausend zu geleiten?
Wehe sie sind losgelassen. Zuviel Freiheit läßt viele verrückte Phantasien
frei, wie wir ja tagtäglich erleben. Kirche und Schule, Erziehung und Bildung
können dagegen wichtige Maßstäbe für wertvolles menschliches Verhalten geben. Kirche und Staat müssen halt
richtig gewichten – auch am Heilbronner Robert-Mayer-Gymnasium.
Dieter
Spöri zurück
Und
es gibt ihn doch noch: Dr. Dieter Spöri,
der einstige Hoffnungsträger der baden-württembergischen SPD und ehemalige
Wirtschaftsminister, hat sich nach langer Zeit des Schweigens wieder öffentlich
zu Wort gemeldet. Sie erinnern sich nicht mehr richtig an den großen Blonden,
mit langem Mantel und wehendem Schal? Na, jetzt aber, Spöri war derjenige
Politiker, der zusammen mit dem CDU-Urgestein Erwin Teufel vier Jahre lang das Ländle regierte. Dann allerdings
mußte er bei der letzten Landtagswahl eine deftige Niederlage einstecken und
verschwand kurz darauf von der politischen Bühne. Der Liebling der
baden-württembergischen Unternehmer heuerte bei einer Unternehmensberatung an.
Seitdem geht es ihm gut. Abgespeckt hat er, ist nicht mehr gestreßt, kann über
Politik unbefangen und ohne Parteidisziplin reden. Das hat er in einer baden-württembergischen
Sonntagszeitung denn auch getan. Spöri hat den Genossen gesagt, wo es
langgehen muß, wenn sie den Kohl vom Thron bei der kommenden Bundestagswahl
stoßen wollen. Den Gerhard Schröder
müsse die SPD als Kandidaten aufstellen, meint Spöri. Der hätte die nötige
Wirtschaftskompetenz und das so wichtige Vertrauen der Unternehmer. Wenn der
Spöri da mal nicht die Arbeitnehmerschaft vergessen hat. Denn die muß den
Schröder ja auch wählen. Und Spöri müßte eigentlich wissen, wie es einem geht,
den die Wirtschaftsbosse zwar schätzen, der aber von der klassischen Klientel der SPD nicht gewählt wird. Er hat dies ja
am eigenen Leib im letzten Jahr erfahren müssen. Bei der Landtagswahl fuhr er
das für die SPD schlechteste Ergebnis der Nachkriegszeit ein
Selbst
ist die Frau
Vergewaltigung;
ein Problem für viele Frauen. An Aktualität büßt es offenbar nie ein. Täglich
hören wir schockierende Schicksale neuer
Opfer: Von Exhibitionisten aufgelauert und belästigt, im Park oder sogar im
eigenen Wohnzimmer vergewaltigt. Dennoch gibt es auch Lichtblicke bei diesem
Thema. Immer mehr Frauen sind in der Lage, sich ihren Angreifern zu
widersetzen. Selbstverteidigungskurse werden von der Polizei, den Schulen und
verschiedenen privaten Organisationen ins Leben gerufen. Und diese Kurse finden
auch großen Zuspruch. Bei jungen Mädchen ebenso wie bei reiferen Frauen. Hier
werden sie auf den Extremfall vorbereitet, damit sie nicht vor Überraschung
alles mit sich machen lassen, sondern sich wehren. Manchmal reicht sogar ein
lauter Schrei, um den Angreifer zu verunsichern. Denn der will im Normalfall
nur seine Macht ausspielen und kann oft gar nicht mit Gegenwehr umgehen. Die Frauen und Mädchen lernen natürlich
zusätzlich, wie sie sich, wenn es nötig ist, am effektivsten wehren können,
welche Schläge wohin am wirksamsten sind. Das ist eine gute Gelegenheit,
sich auf den Fall der Fälle vorzubereiten und sollte deshalb nach Möglichkeit
genutzt werden, auch wenn in manchen Situationen, zum Beispiel, wenn der Täter
bewaffnet ist, eine Gegenwehr fast aussichtslos ist. Tränengas kann auch recht
hilfreich sein, ist allerdings nicht zu überschätzen und kann in den falschen
Händen oder unter unglücklichen Umständen den Falschen schaden. Sehr mutig fand
ich jene Geschlechtsgenossin, die sich neulich dadurch einem Angreifer zur Wehr
setzte, indem sie ihrem Peiniger mit einem stinknormalen Feuerzeug die Hose in
Brand setzte. Die von wilden Schreien begleitete Flucht zeigte die Wirksamkeit
dieser neuartigen „Waffe“. Allerdings nicht jede Hose brennt sofort. Nur die
billigen – nur jene Beinkleider, die aus
dem in manchen Bevölkerungsschichten sehr beliebten Kunststoff (leicht
waschbar)hergestellt sind. Bei anderen Stoffen empfiehlt sich ein gezielter
Schlag in die Weichteile des angreifenden Mannes – am besten mit dem Knie.
Strobls
Machtfrage
Egon Susset, der alte CDU-Kämpe, steht nicht
mehr zur Wahl an. Das hat er schon vor einigen Wochen beim CDU-Neujahrsempfang
in launische Worte gekleidet seinen Parteifreunden mitgeteilt. Nach dem
Kreisparteitag der Unterländer Christdemokraten in Güglingen ist es quasi auch
„partei-amtlich“. Das „Zugriffsrecht“ für die Nachfolge als Kandidat für die
Bundestagswahl 1998 liegt jetzt beim CDU-Kreisvorsitzenden Thomas Strobl. Aber was heißt hier schon Zugriffsrecht. In keiner
Parteisatzung ist es satzungsmäßig verankert. Es geht bei der Unterländer CDU
schlicht darum, den Wahlkreis Heilbronn wieder zu erobern – sprich das
Direktmandat zu halten. Egon Susset hat seit 1976 den Wahlkreis ununterbrochen
für seine Partei verteidigt. Und da Heilbronn ein vor allem ländlich
strukturierter Wahlkreis ist, wird die Kandidatensuche bei der CDU vielen noch
großes Kopfzerbrechen bereiten. Es muß ein Kandidat oder eine Kandidatin
gefunden werden, die breiten Bevölkerungsschichten vermittelbar ist. Und vor
allem der CDU-Klientel. Wenn ich den CDU-Kreisparteitag als Gradmesser nehme,
dann könnte es auch eine Bundeskandidatin der Unterländer CDU geben: Friedlinde Gurr-Hirsch. Sie ist aktiv
in der Kommunalpolitik, Kreisrätin und engagiert in der Frauenpolitik, sowie im
ländlichen Raum fest verankert. Ob sie gegen den Platzhirsch Thomas Strobl, den
CDU-Kreisvorsitzenden (als solcher auch Nachfolger Sussets), eine Chance hat,
das hängt ganz von der jetzt beginnenden Meinungsbildung in der CDU ab. Fest steht jedenfalls: Die Frauen bei den
Heilbronner Christdemokraten kommen langsam, aber gewaltig. Siehe Johanna Lichy. Ich bin gespannt, wie
viele Kandidaten/-innen sich demnächst zu Wort melden. Bisher war die
Unterländer CDU immer gut für eine gepflegte, demokratische Streitkultur. Im
Gegensatz zu manch anderer großen oder kleineren Partei.
Tic
Tac Tod
Vom
Tellerwäscher zum Millionär. Viele Amerikaner lieben Geschichten dieser Art,
können nicht genug kriegen vom rosaroten Happy-end. Der Deutschen einer sieht
das anders. Zu groß der Neid auf Menschen, die sich mit eigener Kraft aus der
Gosse direkt in den Finanz-Olymp katapultiert haben. Jüngstes Beispiel: die
Geschichte von Lee, Ricky und Jazzy,
besser bekannt als Girlie-Musikgruppe Tic Tac Toe, die sich mit Songs wie „Ich
find dich Scheiße“, „Verpiß dich“ und „Warum“ an die Spitze der deutschen
Charts rappten. Daß die drei Mädels vom eigenen Leben singen, wie es
US-Gangsta-Rapper seit jeher tun, ließ die von der Plattenfirma vorgeheuchelte
Pop-Idylle niemanden vermuten. Aber nach Sonnenschein folgt Regen, und Lees
bislang verschwiegener Ehemann – das macht sich halt nicht so gut, wenn man als
Teenie-Idol liiert ist, siehe auch Take That – begeht Selbstmord. „Und warum?“
singen die drei in ihrem neuesten Hit. Diese Frage stellten sich natürlich auch
die Medien. Und heraus kam: ein großer Klumpen Armut, Sex und Drogen. So war
die farbige Lee vor ihrem Glamourleben ein leichtes Barmädchen, nahm Drogen und
wuchs in erbärmlichsten Familienverhältnissen auf. Sie heiratete den jetzt
verstorbenen und aus ähnlichen Verhältnissen stammenden Frank Wiegelmann. Was dann folgte, kennen die meisten: Lee und Co
wurden bei einem HipHop-Wettbewerb vor zwei Jahren entdeckt und eroberten den
Pop-Himmel. Frank Wiegelmanns Familie und Freunde haben den Sündenbock für den
Tod des „verstoßenen“ Sohnes gleich ausfindig gemacht. Wer Erfolg hat, der hat
auch viele Neider und davon kann mit Sicherheit nicht nur Tic Tac Toe jetzt so
manches neue Lied singen. Und wer sich in die Öffentlichkeit begibt, darf sich
über Neider nicht wundern. Schlagerstars sind Eintagsfliegen – auch wenn es
manchmal mehr als einen Tag dauert
Mülltourismus
Der
Heilbronner Gemeinderat entschied sich letzte Woche für den Transport des Stadtmülls
ab dem Jahre 2005 in die Müllverbrennungsanlage nach Mannheim. Und auch der
Heilbronner Kreistag ist mit 58 zu 10 Stimmen für diese Art des Mülltourismus.
Der Vertagungsantrag der SPD-Stadträtin Marianne
Kugler-Wendt im Heilbronner Gemeinderat nutzte wenig. Auch der heftige
Protest der Mitarbeiter des Kohlekraftwerks der Energieversorgung Schwaben EVS vor und im Heilbronner Rathaus
fruchtete nichts. Aber trotz der Verlagerung des Unterländer Mülltransports auf
die Straße und der Müllverbrennung in das Ballungszentrum Rhein-Neckar verfolgt
die EVS die Pläne eines Baus einer Müllverbrennungsanlage auf dem Gelände des
Kohlekraftwerkes am Neckar. Die Stadtverwaltung Heilbronn mußte bei der
Gemeinderatssitzung einräumen, daß die Preisfortschreibung zum Nachteil des
EVAS-Angebots nicht richtig dargestellt wurde. Trutpert Beyerle, der Geschäftsführer der EVAS-Termik, eine Tochter
der EVS, meint zur Entscheidung der Unterländer Ratsgremien: „Damit ist den
meisten Stadträten leider entgangen, daß die Entsorgung in Mannheim mit den
Jahren immer teurer wird und im Jahr 2015 schließlich um die Hälfte mehr als
bei uns kosten würde.“ Nach EVAS-Berechnungen sparen die Landkreise Schwäbisch
Hall, Hohenlohe und Heilbronn zusammen beim EVAS-Angebot bis 2015 bis zu 100 Millionen
Mark. Wenn es ganz skurril wird, dann könnte Müll aus anderen Regionen des
Landes Baden-Württemberg preiswert in Heilbronn bei der EVS verbrannt werden,
während der Heilbronner Müll nach Mannheim gekarrt wird. Vier alte Blöcke des
Kraftwerks werden demnächst stillgelegt, abgerissen und eventuell wird dort die
Müllverbrennungsanlage gebaut. 360 Arbeitsplätze stehen in Heilbronn im
Kohlekraftwerk auf dem Spiel. Hoffnung gibt es für die Mitarbeiter: Denn die
EVAS will trotz des Votums der Räte am Projekt einer „thermischen Restmüllbehandlungsanlage in Heilbronn“ festhalten.
Urlauber
abgeblitzt
Besuch
aus München war da. Am vergangenen Wochenende reiste die Familie aus der
schönen bayrischen Landeshauptstadt ins frühlingshafte Heilbronn. Nun kennt der
Bayer ja weniger Geschwindigkeitskontrollen auf seinen Autobahnen als der
Württemberger. Und die mangelnde Lernfähigkeit hat meine bayrischen Freunde
viel Geld gekostet. Sonntagvormittag sind sie über die A 81 Stuttgart -
Heilbronn angereist. Prompt hat es sie im Baustellenberreich am Wunnenstein
erwischt. Hell ist es geworden. Es war
der Blitz der Radarfalle. Hundert Stundenkilometer darf man hier fahren.
120 km/h werden es wohl gewesen sein, meinte mein bayrischer Freund. Dachte er
nun freilich, damit hätte es sich mit der Piraterie, wurde er herbe enttäuscht.
Zurück nach München sollte es nämlich übers Weinsberger Kreuz und dann Richtung Nürnberg gehen. Und wie den
einstigen IG-Metall-Chef Franz Steinkühler erwischte es die Bayern auch hier.
Wieder wurde es ziemlich hell. Wieder waren die Autofahrer aus München zu
schnell. Auffällig an der Geschichte ist allerdings: Geblitzt wird hier
besonders gerne an den Wochenenden. Ich glaube, das wird die beste Zeit zum
Abkassieren sein. Denn unter der Woche ist hier nur eines angesagt: Stau. Also liebe Urlauber, fahrt unter der Woche
an Heilbronn vorbei, dann wird es billiger. Oder: Fahrt einfach mit
angepaßter Geschwindigkeit!
50
Jahre Schütz-Chor
Der
Heinrich-Schütz-Chor in Heilbronn feiert in diesem Jahr sein fünfzigjähriges
Bestehen. Einer der Höhepunkte war am Sonntag die Aufführung der „Grande Messe des Morts“ von Hector
Berlioz in der Heilbronner Harmonie. Der Gründer des Chores Professor Fritz
Werner, so die Chor-Veteranin und Musiklehrerin Ottilie Fröschle im fünf Mark teuren Programmheft, „wollte immer
nur Werke aufführen, von denen er überzeugt war, daß der Chor sie so gut wie
möglich bewältigen könne“. Mit der Berlioz-Totenmesse jedoch hatte sich der
Chorleiter Michael Böttcher ein Werk
ausgesucht, das mit dem Schütz-Chor allein nicht aufführbar war. Deshalb mußten
der Chor der Regiswindiskirche Lauffen und
Mitglieder des Philharmonischen Chors
Heilbronn unterstützen. Ob mit diesem selten gespielten Werk dem Chor zum
Jubiläum ein Gefallen getan wurde, das müssen die Hörer und Schütz-Choristen
selber entscheiden. Ich meine, damit hat der Chor sich in eine artifizielle
Musikwelt vorgewagt, auf der leicht auszurutschen ist. Fritz Werner sah sich
als Künstler dafür verantwortlich, „dem Werk gerecht zu werden und mit den
vorhandenen Chormitgliedern das beste Ergebnis zu erzielen“. Der Auftritt der
rund 300 Sänger und Musiker auf der Bühne der Harmonie gestaltete sich bei
diesem Jubiläumskonzert zu einer Prozession, immer wieder begleitet von
Beifallswogen, die mehr an die Jahresfeier eines Sportvereins erinnerten. Und
auch der frenetische Beifall einzelner Zuschauergruppen zum Schluß galt wohl
weniger dem Werk und seiner Aufführung als der großen Leistung der Laien. Die
gelackte, bombastische Reißbrettmusik der Totenmesse vom Musiktheoretiker
Berlioz war nie publikumsträchtig. In Heilbronn jedoch wurde sie durch einen
Sektempfang zum Abschluß gekrönt. Naja, auch ein Verein braucht seine Feier.
Einer Totenmesse angemessen? Ausgezeichnete Chöre im Lande haben sich in den
letzten Jahren zuhauf entwickelt. Sozusagen bundesligareif. Der Schütz-Chor
spielt ganz oben nicht mit. Aber er ist ein Juwel der Musikszene in der Region
Horkheimer
Aufregung
Wie
würden Sie einen Menschen nennen, der folgendes tut: Er tritt nach Ihnen, er wirft Ihnen einen Handball mit voller Wucht an
den Kopf, und schließlich schlägt er Ihnen mit der Faust so ins Gesicht, daß
Ihre Nase zertrümmert ist, den Helfern Blut regelrecht entgegenspritzt.
Nach diesem Vorfall müssen Sie dann einige Tage im Krankenhaus verbringen. Ich
glaube, einen solchen Mensche kann man getrost als „Schläger“ bezeichnen,
bestimmt aber nicht als fairen und besonnenen Sportler. Sie erraten schon,
worum es geht. Zur Debatte stehen nochmals die Vorkommnisse beim Handballspiel
TSB Horkheim gegen SV Fellbach. Diese Zeitung hat darüber berichtet. Allerdings
hat dieses Blatt, anders als die Lokalzeitung, die Tätlichkeit von Horkheims
Spieler Constantin Dragomir auch entsprechend genannt. Auch wir wissen, daß
Dragomir ausgerastet ist. Warum, hat er bislang nicht erklärt. Aber diese
Zeitung hat Position bezogen und gefordert, daß ein Handballspieler, der so
brutal zu Werke geht wie Constantin Dragomir, länger gesperrt gehört als nur
sechs Monate. Ein halbes Jahr Sperre befürwortet natürlich der TSB Horkheim.
Dann müßte man auf den Rumänen nämlich nur etwa einen Monat in der neuen Saison
verzichten. Ein Jahr Sperre würde die Horkheimer empfindlich treffen. Da müßte
dann adäquater Ersatz gefunden werden. Daß unserer Zeitung nun aber von einem
Leser der Heilbronner Lokalzeitung in einem Leserbrief „jeder sportliche
Sachverstand“ abgesprochen wird, ist schon befremdlich. Denn, lieber Leser
Mathias Feldhoffer, würden Sie denn auch noch von einer „tadellosen sportlichen
und fairen Leistung“ sprechen, wie Sie dies in Ihrem Brief über Constantin
Dragomir tun, wenn Sie oder vielleicht einer Ihrer Söhne bei einem
Handballspiel so das Gesicht lädiert bekommen hätten, daß sich anschließend
mehrere Mediziner mit dem Fall beschäftigen mußten. Und glauben Sie, lieber
Leser Feldhoffer, daß solche Leserbriefe, die ja auch in Fellbach gelesen
werden, dazu beitragen, Werbung für den Handballsport zu machen? Gerne würde
ich übrigens wissen, wie der zusammengeschlagene Spieler des SV Fellbach über
diese Geschichte denkt. Der wird sicher nicht verständnisvoll und großmütig dem
gewalttätigen Herrn Dragomir die Schulter klopfen und sagen: „Eine sportliche
und faire Leistung.“
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