Samstag, 15. März 2014

Kiliansmännle, 23.04.1997



Würstchen statt Kaviar
Zugegeben, Kaviar habe ich nie im Pavillon der Burg Stettenfels versucht. Vielleicht hat es ihn in dem Lokal unter dem riesigen Schirm auch nicht gegeben. Doch gediegen ging es im vergangenen Sommer dort immer zu. Das wunderschön gelegene Ausflugslokal war keine Anlaufstätte für Menschen mit bescheidenen finanziellen Mitteln. Der Gastronom scheint wie viele seiner Kollegen bittere Erfahrungen in den vergangenen Jahren gemacht zu haben. Das Geld sitzt den Menschen nicht mehr so locker im Beutel. Denn die Speisekarte wurde von leichten, extravaganten Angeboten teilweise befreit. Dazugekommen sind dafür Würstchen und andere Hausmannskost. Ich finde das gut so. So wird das Umfeld der Burg Stettenfels nicht mehr nur noch Treffpunkt der vermeintlich Reichen und Schönen sein. Auch Otto-Normal-Kneipenbesucher werden sich künftig hier wieder ein Stelldichein geben.

Geld oder Bildung
Die Religionslehrerin bekam ein Baby. Die mehr oder minder wissensdurstigen Religionsschülerinnen und -schüler bekommen keinen Unterricht mehr. Religiöse Bildung bleibt aus, weil das liebe Geld fehlt. Zuständig fühlt sich dafür keiner. Weder das Oberschulamt noch die Evangelische Landeskirche. Die Eltern sollen sich selber einsetzen. Bloß wo und bei wem? Sie müssen wandern von einem zum andern, wenn ihnen die religiöse Erziehung ihrer Nachkommen am Herzen liegt. Ist das Land Baden-Württemberg nicht zur Garantie des christlichen Unterrichts verpflichtet? Ist die Kirche um die jungen Schafe gar nicht besorgt? Glaubt man etwa, die junge Generation mit sonntäglichen Predigten in die Kirche zu locken und zum Glauben reizen zu können? Die Verführung des „seichten Sonntags“ ist doch sehr stark. Mal ausschlafen, mal gemütlich frühstücken, mal einfach gar nichts tun; aber bloß ins Gotteshaus. So sind die Wege der Kirche unerklärlich. Die zukünftigen Kirchensteuerzahler müßten doch schon in der Schule eingefangen werden. Wenn jetzt nicht alle kirchlichen Gelder zur Bezahlung einer Aushilfskraft für die junge Mutter, die Lehrerin, aufgebracht werden, wird später das notwendige Geld der Kirche fehlen. Ein Teufelskreis wird sich heiß drehen. Na dann – himmlische Karussell–Fahrt! Doch auch das Land müßte vorausschauen. Welche Alternative will man christlichem Halt und kirchlicher Stütze entgegensetzen, um uns ins nächste Jahrtausend zu geleiten? Wehe sie sind losgelassen. Zuviel Freiheit läßt viele verrückte Phantasien frei, wie wir ja tagtäglich erleben. Kirche und Schule, Erziehung und Bildung können dagegen wichtige Maßstäbe für wertvolles menschliches  Verhalten geben. Kirche und Staat müssen halt richtig gewichten – auch am Heilbronner Robert-Mayer-Gymnasium.

Dieter Spöri zurück
Und es gibt ihn doch noch: Dr. Dieter Spöri, der einstige Hoffnungsträger der baden-württembergischen SPD und ehemalige Wirtschaftsminister, hat sich nach langer Zeit des Schweigens wieder öffentlich zu Wort gemeldet. Sie erinnern sich nicht mehr richtig an den großen Blonden, mit langem Mantel und wehendem Schal? Na, jetzt aber, Spöri war derjenige Politiker, der zusammen mit dem CDU-Urgestein Erwin Teufel vier Jahre lang das Ländle regierte. Dann allerdings mußte er bei der letzten Landtagswahl eine deftige Niederlage einstecken und verschwand kurz darauf von der politischen Bühne. Der Liebling der baden-württembergischen Unternehmer heuerte bei einer Unternehmensberatung an. Seitdem geht es ihm gut. Abgespeckt hat er, ist nicht mehr gestreßt, kann über Politik unbefangen und ohne Parteidisziplin reden. Das hat er in einer baden-württembergischen Sonntagszeitung denn auch getan. Spöri hat den Genossen gesagt, wo es langgehen muß, wenn sie den Kohl vom Thron bei der kommenden Bundestagswahl stoßen wollen. Den Gerhard Schröder müsse die SPD als Kandidaten aufstellen, meint Spöri. Der hätte die nötige Wirtschaftskompetenz und das so wichtige Vertrauen der Unternehmer. Wenn der Spöri da mal nicht die Arbeitnehmerschaft vergessen hat. Denn die muß den Schröder ja auch wählen. Und Spöri müßte eigentlich wissen, wie es einem geht, den die Wirtschaftsbosse zwar schätzen, der aber von der klassischen Klientel der SPD nicht gewählt wird. Er hat dies ja am eigenen Leib im letzten Jahr erfahren müssen. Bei der Landtagswahl fuhr er das für die SPD schlechteste Ergebnis der Nachkriegszeit ein

Selbst ist die Frau
Vergewaltigung; ein Problem für viele Frauen. An Aktualität büßt es offenbar nie ein. Täglich hören wir schockierende  Schicksale neuer Opfer: Von Exhibitionisten aufgelauert und belästigt, im Park oder sogar im eigenen Wohnzimmer vergewaltigt. Dennoch gibt es auch Lichtblicke bei diesem Thema. Immer mehr Frauen sind in der Lage, sich ihren Angreifern zu widersetzen. Selbstverteidigungskurse werden von der Polizei, den Schulen und verschiedenen privaten Organisationen ins Leben gerufen. Und diese Kurse finden auch großen Zuspruch. Bei jungen Mädchen ebenso wie bei reiferen Frauen. Hier werden sie auf den Extremfall vorbereitet, damit sie nicht vor Überraschung alles mit sich machen lassen, sondern sich wehren. Manchmal reicht sogar ein lauter Schrei, um den Angreifer zu verunsichern. Denn der will im Normalfall nur seine Macht ausspielen und kann oft gar nicht mit Gegenwehr umgehen. Die Frauen und Mädchen lernen natürlich zusätzlich, wie sie sich, wenn es nötig ist, am effektivsten wehren können, welche Schläge wohin am wirksamsten sind. Das ist eine gute Gelegenheit, sich auf den Fall der Fälle vorzubereiten und sollte deshalb nach Möglichkeit genutzt werden, auch wenn in manchen Situationen, zum Beispiel, wenn der Täter bewaffnet ist, eine Gegenwehr fast aussichtslos ist. Tränengas kann auch recht hilfreich sein, ist allerdings nicht zu überschätzen und kann in den falschen Händen oder unter unglücklichen Umständen den Falschen schaden. Sehr mutig fand ich jene Geschlechtsgenossin, die sich neulich dadurch einem Angreifer zur Wehr setzte, indem sie ihrem Peiniger mit einem stinknormalen Feuerzeug die Hose in Brand setzte. Die von wilden Schreien begleitete Flucht zeigte die Wirksamkeit dieser neuartigen „Waffe“. Allerdings nicht jede Hose brennt sofort. Nur die billigen – nur  jene Beinkleider, die aus dem in manchen Bevölkerungsschichten sehr beliebten Kunststoff (leicht waschbar)hergestellt sind. Bei anderen Stoffen empfiehlt sich ein gezielter Schlag in die Weichteile des angreifenden Mannes – am besten mit dem Knie.

Strobls Machtfrage
Egon Susset, der alte CDU-Kämpe, steht nicht mehr zur Wahl an. Das hat er schon vor einigen Wochen beim CDU-Neujahrsempfang in launische Worte gekleidet seinen Parteifreunden mitgeteilt. Nach dem Kreisparteitag der Unterländer Christdemokraten in Güglingen ist es quasi auch „partei-amtlich“. Das „Zugriffsrecht“ für die Nachfolge als Kandidat für die Bundestagswahl 1998 liegt jetzt beim CDU-Kreisvorsitzenden Thomas Strobl. Aber was heißt hier schon Zugriffsrecht. In keiner Parteisatzung ist es satzungsmäßig verankert. Es geht bei der Unterländer CDU schlicht darum, den Wahlkreis Heilbronn wieder zu erobern – sprich das Direktmandat zu halten. Egon Susset hat seit 1976 den Wahlkreis ununterbrochen für seine Partei verteidigt. Und da Heilbronn ein vor allem ländlich strukturierter Wahlkreis ist, wird die Kandidatensuche bei der CDU vielen noch großes Kopfzerbrechen bereiten. Es muß ein Kandidat oder eine Kandidatin gefunden werden, die breiten Bevölkerungsschichten vermittelbar ist. Und vor allem der CDU-Klientel. Wenn ich den CDU-Kreisparteitag als Gradmesser nehme, dann könnte es auch eine Bundeskandidatin der Unterländer CDU geben: Friedlinde Gurr-Hirsch. Sie ist aktiv in der Kommunalpolitik, Kreisrätin und engagiert in der Frauenpolitik, sowie im ländlichen Raum fest verankert. Ob sie gegen den  Platzhirsch Thomas Strobl, den CDU-Kreisvorsitzenden (als solcher auch Nachfolger Sussets), eine Chance hat, das hängt ganz von der jetzt beginnenden Meinungsbildung in der CDU ab.  Fest steht jedenfalls: Die Frauen bei den Heilbronner Christdemokraten kommen langsam, aber gewaltig. Siehe Johanna Lichy. Ich bin gespannt, wie viele Kandidaten/-innen sich demnächst zu Wort melden. Bisher war die Unterländer CDU immer gut für eine gepflegte, demokratische Streitkultur. Im Gegensatz zu manch anderer großen oder kleineren Partei.

Tic Tac Tod
Vom Tellerwäscher zum Millionär. Viele Amerikaner lieben Geschichten dieser Art, können nicht genug kriegen vom rosaroten Happy-end. Der Deutschen einer sieht das anders. Zu groß der Neid auf Menschen, die sich mit eigener Kraft aus der Gosse direkt in den Finanz-Olymp katapultiert haben. Jüngstes Beispiel: die Geschichte von Lee, Ricky und Jazzy, besser bekannt als Girlie-Musikgruppe Tic Tac Toe, die sich mit Songs wie „Ich find dich Scheiße“, „Verpiß dich“ und „Warum“ an die Spitze der deutschen Charts rappten. Daß die drei Mädels vom eigenen Leben singen, wie es US-Gangsta-Rapper seit jeher tun, ließ die von der Plattenfirma vorgeheuchelte Pop-Idylle niemanden vermuten. Aber nach Sonnenschein folgt Regen, und Lees bislang verschwiegener Ehemann – das macht sich halt nicht so gut, wenn man als Teenie-Idol liiert ist, siehe auch Take That – begeht Selbstmord. „Und warum?“ singen die drei in ihrem neuesten Hit. Diese Frage stellten sich natürlich auch die Medien. Und heraus kam: ein großer Klumpen Armut, Sex und Drogen. So war die farbige Lee vor ihrem Glamourleben ein leichtes Barmädchen, nahm Drogen und wuchs in erbärmlichsten Familienverhältnissen auf. Sie heiratete den jetzt verstorbenen und aus ähnlichen Verhältnissen stammenden Frank Wiegelmann. Was dann folgte, kennen die meisten: Lee und Co wurden bei einem HipHop-Wettbewerb vor zwei Jahren entdeckt und eroberten den Pop-Himmel. Frank Wiegelmanns Familie und Freunde haben den Sündenbock für den Tod des „verstoßenen“ Sohnes gleich ausfindig gemacht. Wer Erfolg hat, der hat auch viele Neider und davon kann mit Sicherheit nicht nur Tic Tac Toe jetzt so manches neue Lied singen. Und wer sich in die Öffentlichkeit begibt, darf sich über Neider nicht wundern. Schlagerstars sind Eintagsfliegen – auch wenn es manchmal mehr als einen Tag dauert

Mülltourismus
Der Heilbronner Gemeinderat entschied sich letzte Woche für den Transport des Stadtmülls ab dem Jahre 2005 in die Müllverbrennungsanlage nach Mannheim. Und auch der Heilbronner Kreistag ist mit 58 zu 10 Stimmen für diese Art des Mülltourismus. Der Vertagungsantrag der SPD-Stadträtin Marianne Kugler-Wendt im Heilbronner Gemeinderat nutzte wenig. Auch der heftige Protest der Mitarbeiter des Kohlekraftwerks der Energieversorgung Schwaben EVS vor und im Heilbronner Rathaus fruchtete nichts. Aber trotz der Verlagerung des Unterländer Mülltransports auf die Straße und der Müllverbrennung in das Ballungszentrum Rhein-Neckar verfolgt die EVS die Pläne eines Baus einer Müllverbrennungsanlage auf dem Gelände des Kohlekraftwerkes am Neckar. Die Stadtverwaltung Heilbronn mußte bei der Gemeinderatssitzung einräumen, daß die Preisfortschreibung zum Nachteil des EVAS-Angebots nicht richtig dargestellt wurde. Trutpert Beyerle, der Geschäftsführer der EVAS-Termik, eine Tochter der EVS, meint zur Entscheidung der Unterländer Ratsgremien: „Damit ist den meisten Stadträten leider entgangen, daß die Entsorgung in Mannheim mit den Jahren immer teurer wird und im Jahr 2015 schließlich um die Hälfte mehr als bei uns kosten würde.“ Nach EVAS-Berechnungen sparen die Landkreise Schwäbisch Hall, Hohenlohe und Heilbronn zusammen beim EVAS-Angebot bis 2015 bis zu 100 Millionen Mark. Wenn es ganz skurril wird, dann könnte Müll aus anderen Regionen des Landes Baden-Württemberg preiswert in Heilbronn bei der EVS verbrannt werden, während der Heilbronner Müll nach Mannheim gekarrt wird. Vier alte Blöcke des Kraftwerks werden demnächst stillgelegt, abgerissen und eventuell wird dort die Müllverbrennungsanlage gebaut. 360 Arbeitsplätze stehen in Heilbronn im Kohlekraftwerk auf dem Spiel. Hoffnung gibt es für die Mitarbeiter: Denn die EVAS will trotz des Votums der Räte am Projekt einer „thermischen Restmüllbehandlungsanlage in Heilbronn“ festhalten.

Urlauber abgeblitzt
Besuch aus München war da. Am vergangenen Wochenende reiste die Familie aus der schönen bayrischen Landeshauptstadt ins frühlingshafte Heilbronn. Nun kennt der Bayer ja weniger Geschwindigkeitskontrollen auf seinen Autobahnen als der Württemberger. Und die mangelnde Lernfähigkeit hat meine bayrischen Freunde viel Geld gekostet. Sonntagvormittag sind sie über die A 81 Stuttgart - Heilbronn angereist. Prompt hat es sie im Baustellenberreich am Wunnenstein erwischt. Hell ist es geworden. Es war der Blitz der Radarfalle. Hundert Stundenkilometer darf man hier fahren. 120 km/h werden es wohl gewesen sein, meinte mein bayrischer Freund. Dachte er nun freilich, damit hätte es sich mit der Piraterie, wurde er herbe enttäuscht. Zurück nach München sollte es nämlich übers Weinsberger Kreuz und dann Richtung Nürnberg gehen. Und wie den einstigen IG-Metall-Chef Franz Steinkühler erwischte es die Bayern auch hier. Wieder wurde es ziemlich hell. Wieder waren die Autofahrer aus München zu schnell. Auffällig an der Geschichte ist allerdings: Geblitzt wird hier besonders gerne an den Wochenenden. Ich glaube, das wird die beste Zeit zum Abkassieren sein. Denn unter der Woche ist hier nur eines angesagt: Stau. Also liebe Urlauber, fahrt unter der Woche an Heilbronn vorbei, dann wird es billiger. Oder: Fahrt einfach mit angepaßter Geschwindigkeit!

50 Jahre Schütz-Chor
Der Heinrich-Schütz-Chor in Heilbronn feiert in diesem Jahr sein fünfzigjähriges Bestehen. Einer der Höhepunkte war am Sonntag die Aufführung der „Grande Messe des Morts“ von Hector Berlioz in der Heilbronner Harmonie. Der Gründer des Chores Professor Fritz Werner, so die Chor-Veteranin und Musiklehrerin Ottilie Fröschle im fünf Mark teuren Programmheft, „wollte immer nur Werke aufführen, von denen er überzeugt war, daß der Chor sie so gut wie möglich bewältigen könne“. Mit der Berlioz-Totenmesse jedoch hatte sich der Chorleiter Michael Böttcher ein Werk ausgesucht, das mit dem Schütz-Chor allein nicht aufführbar war. Deshalb mußten der Chor der Regiswindiskirche Lauffen und Mitglieder des Philharmonischen Chors Heilbronn unterstützen. Ob mit diesem selten gespielten Werk dem Chor zum Jubiläum ein Gefallen getan wurde, das müssen die Hörer und Schütz-Choristen selber entscheiden. Ich meine, damit hat der Chor sich in eine artifizielle Musikwelt vorgewagt, auf der leicht auszurutschen ist. Fritz Werner sah sich als Künstler dafür verantwortlich, „dem Werk gerecht zu werden und mit den vorhandenen Chormitgliedern das beste Ergebnis zu erzielen“. Der Auftritt der rund 300 Sänger und Musiker auf der Bühne der Harmonie gestaltete sich bei diesem Jubiläumskonzert zu einer Prozession, immer wieder begleitet von Beifallswogen, die mehr an die Jahresfeier eines Sportvereins erinnerten. Und auch der frenetische Beifall einzelner Zuschauergruppen zum Schluß galt wohl weniger dem Werk und seiner Aufführung als der großen Leistung der Laien. Die gelackte, bombastische Reißbrettmusik der Totenmesse vom Musiktheoretiker Berlioz war nie publikumsträchtig. In Heilbronn jedoch wurde sie durch einen Sektempfang zum Abschluß gekrönt. Naja, auch ein Verein braucht seine Feier. Einer Totenmesse angemessen? Ausgezeichnete Chöre im Lande haben sich in den letzten Jahren zuhauf entwickelt. Sozusagen bundesligareif. Der Schütz-Chor spielt ganz oben nicht mit. Aber er ist ein Juwel der Musikszene in der Region

Horkheimer Aufregung
Wie würden Sie einen Menschen nennen, der folgendes tut: Er tritt nach Ihnen, er wirft Ihnen einen Handball mit voller Wucht an den Kopf, und schließlich schlägt er Ihnen mit der Faust so ins Gesicht, daß Ihre Nase zertrümmert ist, den Helfern Blut regelrecht entgegenspritzt. Nach diesem Vorfall müssen Sie dann einige Tage im Krankenhaus verbringen. Ich glaube, einen solchen Mensche kann man getrost als „Schläger“ bezeichnen, bestimmt aber nicht als fairen und besonnenen Sportler. Sie erraten schon, worum es geht. Zur Debatte stehen nochmals die Vorkommnisse beim Handballspiel TSB Horkheim gegen SV Fellbach. Diese Zeitung hat darüber berichtet. Allerdings hat dieses Blatt, anders als die Lokalzeitung, die Tätlichkeit von Horkheims Spieler Constantin Dragomir auch entsprechend genannt. Auch wir wissen, daß Dragomir ausgerastet ist. Warum, hat er bislang nicht erklärt. Aber diese Zeitung hat Position bezogen und gefordert, daß ein Handballspieler, der so brutal zu Werke geht wie Constantin Dragomir, länger gesperrt gehört als nur sechs Monate. Ein halbes Jahr Sperre befürwortet natürlich der TSB Horkheim. Dann müßte man auf den Rumänen nämlich nur etwa einen Monat in der neuen Saison verzichten. Ein Jahr Sperre würde die Horkheimer empfindlich treffen. Da müßte dann adäquater Ersatz gefunden werden. Daß unserer Zeitung nun aber von einem Leser der Heilbronner Lokalzeitung in einem Leserbrief „jeder sportliche Sachverstand“ abgesprochen wird, ist schon befremdlich. Denn, lieber Leser Mathias Feldhoffer, würden Sie denn auch noch von einer „tadellosen sportlichen und fairen Leistung“ sprechen, wie Sie dies in Ihrem Brief über Constantin Dragomir tun, wenn Sie oder vielleicht einer Ihrer Söhne bei einem Handballspiel so das Gesicht lädiert bekommen hätten, daß sich anschließend mehrere Mediziner mit dem Fall beschäftigen mußten. Und glauben Sie, lieber Leser Feldhoffer, daß solche Leserbriefe, die ja auch in Fellbach gelesen werden, dazu beitragen, Werbung für den Handballsport zu machen? Gerne würde ich übrigens wissen, wie der zusammengeschlagene Spieler des SV Fellbach über diese Geschichte denkt. Der wird sicher nicht verständnisvoll und großmütig dem gewalttätigen Herrn Dragomir die Schulter klopfen und sagen: „Eine sportliche und faire Leistung.“

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