Für
Geld ekelig!
Die
alten Römer hatten ihre Gladiatorenkämpfe. Brot und Spiele – Menschenblut für
das vor Sensationsgier geifernde Publikum. Heuer, gut 1.500 Jahre später, sind
die Medien – hier vor allem die TV-Privatsender – in die römischen Fußstapfen
getreten. Reality-TV, diverse Gameshows und Nachmittags- sowie Vormittags-Talks
sind unsere
Kolosseum der Gegenwart. Publicity-süchtige Durchschnittsbürger die Gladiatoren, und der
Konsument obengenannter Fernsehdarbietungen der römische Zuschauer. Betreibt
man Ursachenforschung für dieses Verhalten, bleibt das Medium außen vor, denn
hier gibt man dem Volk nur, was das Volk verlangt. Eine Reportage, die nicht
zumindest ein Sex-Thema beinhaltet, wird abgeschaltet. Beim Fernsehen zählt
halt nur die Quote, die ausschlaggebend für den Erfolg und den damit
verbundenen Verbleib im Programm eines Senders ist. Gewichtig für den regen
Zuwachs solcher „Sensationsdarbietungen“, die wie Pilze aus dem Boden schießen,
ist der abgestumpfte Zuschauer. Und vor allem natürlich derjenige, der sich in
den sogenannten Talkrunden und Spielshows öffentlich prostituiert. RTL 2
bestätigt dieses Phänomen neuerdings sehr beeindruckend. „Cashman“ heißt die
Samstagssendung, in der Menschen geschmacklose Dinge tun, die sie normalerweise
nie tun würden. Aber es gibt ja Geld,
und darum kann man sich ja ruhig einmal von wildfremden Menschen abschlecken
lassen oder der Kamera diverse Körperteile offenbaren. Balneario 6 (oder
besser Ballermann) mitten auf Deutschlands Straßen! Die Würde des Menschen ist
halt unantastbar – solange die Bezahlung stimmt.
Lasterunfälle
Unfälle,
Zerstörung, Tote zuhauf auf den Autobahnen rund um Heilbronn. Protagonisten
dieser blutigen Straßendramen sind immer wieder Lastwagenfahrer mit ihren
tonnenschweren Gefährten. Die Rollen der tragischen Statisten nehmen andere
Verkehrsteilnehmer ein – seien es Pkw-Lenker, die aufgrund fehlender Masse
ihrer Vehikel, das unschöne Ende eh meistens für sich verpachten oder andere
Lkw-Fahrer, die unter dem fahrerischen Fehlverhalten ihrer Berufskollegen zu
leiden haben. Unachtsamkeit, mangelnde Verkehrstauglichkeit der Lkws und
meistens totale Übermüdung sind die Gründe für Schreckensmeldungen dieser Art. So mancher Berufskraftfahrer verbringt bis
zu 30 Stunden ununterbrochen hinter dem Steuer, versucht durch Unmengen von
Kaffee seine Müdigkeit zu beseitigen. Mit Schlafen ist nicht viel, denn
Zeit ist Geld und wer seine Ladung nicht zum ausgemachten Liefertermin
fristgerecht abliefert, dem drohen Konsequenzen. Es ist leicht und billig dahin
gesagt, daß die Speditionen allein die Schuld tragen: Den Kummer jedoch tragen
allein die Angehörigen der Verkehrsopfer. Dem menschlichen Körper angemessene
Arbeitsbedingungen (Arbeitsmediziner wissen Lieder davon zu singen), wie zum
Beispiel eine vermehrte Einstellung von Berufskraftfahrern und ordentliche
Wartung der Fahrzeuge, würden aber Abhilfe schaffen. Aber wem sage ich das, die
Betroffenen wissen es seit Jahren ganz genau. Lobenswert hingegen sind die
verschärften Lkw-Kontrollen der Polizei auf den Autobahnen. So bleibt der
Bevölkerung noch mehr Schreckensmeldungen und den Autobahnbenutzern so mancher
Stau erspart.
Rathaus-Prozeß
Einer
der größten und seltsamsten Betrüger in der kommunalen Geschichte Heilbronns,
so war in der Landespresse zu lesen, steht zurzeit vor dem Heilbronner
Landgericht. Der 54jährige Familienvater Eberhard S. ist angeklagt, die
Stadtkasse um rund sechs Millionen Mark erleichtert zu haben. Keinen einzigen
Punkt der mehr als 135 Punkten der Anklage bestreitet der rundliche Mann mit
der dem schütteren Haar, einer dicken Brille und einem gepflegtem Graubart.
Jetzt will der ehemalige Sachbearbeiter auf dem Rathaus (jetzt: Frührentner)
„reinen Tisch“ machen. Er wisse, daß er „großen Mist gebaut“ habe. „Aber ich weiß nicht mehr, warum.“ –
Kontrolle? Von einem Vorgesetzten sei er niemals kontrolliert worden, obwohl er
Handlungsvollmacht nur bis 10.000 Mark besaß. Angst entdeckt zu werden, hatte
er nie. Denn Eberhard S., der auch
Personalrat bei der Stadt war, hielt seine Vorgesetzten für inkompetent.
Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, daß nicht bei der Stadt der Skandal
aufgedeckt wurde, sondern eine Bank stutzig wurde und prüfte. Luftrechnungen
und überhöhte Preise (zum Beispiel für Umschläge, die für 68 Pfennig pro Stück
bezahlt, woanders jedoch für sechs Pfennige zu bekommen waren), die ein jüdischer Handelsvertreter aus Düsseldorf mit
„Jammern und Heulen“ mit dem Angeklagten ausbaldowerte, wurden anstandslos
bezahlt. Etwa fünf Millionen Mark wechselten auf diese Weise ohne Gegenleistung
den Besitzer. Im Verhältnis zur Gesamtsumme des Betrugs stellt sich der „Lohn“
in Höhe von 200.000 Mark für den Betrüger als relativ gering dar. Jetzt wird
davon gemunkelt, ob nicht doch irgendwo auf der Welt Konten für Eberhard S.
eingerichtet wurden, die einen „gerechten Ausgleich“ beinhalten. Polizei und
Staatsanwaltschaft sind also gefordert, Beweise zu erbringen. Die Strategie der
Verteidigung ist offensichtlich: Schuld ja, aber nicht in vollem Umfang
verantwortlich. Weil die Vorgesetzten jämmerlich versagt haben. Und eine
gewisse moralischer Verpflichtung – ganz subjektiv – vom Angeklagten gegenüber
dem jüdischen Geschäftsmann bestand. Ich bin gespannt, was die letzten beiden
Verhandlungstage diese Woche noch zutage fördern.
Madeleine
get your gun
Das
war schon eine Premiere der besonderen Art – am letzten Samstag im Heilbronner
Stadttheater. Der „Star“ des Hauses, die Gattin des Heilbronner
Theaterintendanten Klaus Wagner, Madeleine Lienhard stellte ihre erste
Inszenierung heraus. Früher hieß es in bestimmten See-Gaststätten in Berlin:
Hier können Familien Kaffee kochen. Aber aufs Heilbronner Theaterleben läßt
sich der Satz nicht übertragen, weil Familie Wagner-Lienhard keine Großfamilie
ist. Heilbronns Oberbürgermeister Dr. Manfred Weinmann stellte (in Abwesenheit
des Intendanten) dann auch prompt fest, daß Madeleine Lienhard mit dieser
Inszenierung ihre Intendantur abgeleistet habe. Viele Gäste fragten sich
sofort. Was hat dieser inhaltschwere Satz zu bedeuten? Im Lexikon steht:
Intendantur = (lat.-frz.) früher militärisches Wirtschafts-Verwaltungs-Gebäude. Aber heute ist
ein Intendant ein Mann, der „sein Streben auf etwas richtet“. Ein
Theaterintendant also ein Mann, der sein Streben darauf richtet, der Stadt
Theaterkultur zu vermitteln. Und die Frau des Intendanten hat natürlich, zumal
sie Schauspielerin ist, das gleiche Bestreben. So ist es nur
selbstverständlich, daß Madeleine Lienhard hier in Heilbronn ihre erste
Inszenierung präsentiert hat. Mit dem alten Schlager-Musical „Annie get your gun“. Die Geschichte
jener Frau, die alles besser kann, als der Mann, den sie liebt. Sie ordnet sich
unter, verleugnet ihre Schieß-Künste, um ihn zu bekommen und mit ihm glücklich
zu sein. Manche haben den OB-Satz am Abend der Premiere so verstanden, daß die
relativ junge Madeleine Lienhard nach dem Ausscheiden ihres jetzt 66jährigen
Gatten als Heilbronner Intendant eine Aspirantin auf diesen Posten sein könnte.
Ein kluger OB stellt halt schon die Weichen über seine Dienstzeit bis 1999
hinaus. Wir werden sehen, ob die Nachfolge von Klaus Wagner eine Frau antritt.
Müll
bei der SPD
Die
SPD in der Kernstadt Heilbronn hat ihren eigenen Ortsverein. Vorsitzende ist
seit kurzer Gudrun Hotz-Friese, eine
Lehrerin, deren Ehemann in Heilbronn Bürgermeister Ist. Harald Friese wird zurzeit
als SPD-Bundestagskandidat für den Wahlkreis gehandelt. Somit eine politisch
äußerst aktive Familie. Für Gudrun Hotz-Friese gehört zum neuen Leitbild der
Stadt auch eine umweltfreundliche Abfallentsorgung. Und das machte sie zum
Thema einer der SPD-Ortsvereinssitzungen. Eingeladen hatte sie Experten, die
Rede und Antwort standen. Zum Beispiel den Technischen Werkleiter der
Entsorgungsbetriebe bei der Stadt Hartmut
Sugg. Der erzählte den GenossInnen von der dramatischen Wandlung in der
Abfallwirtschaft. 400.000 Tonnen Müll im Jahre 1990 in Heilbronn. 1996 waren es
nur noch 51.000 Tonnen, die auf der Mülldeponie Vogelsang abgelagert wurden.
Vor allem der gewerbliche Müll wurde reduziert – und Klärschlamm wird in
Heilbronn auch nicht mehr abgelagert. Pro Kopf ging in der Stadt das
Müllaufkommen von 1.150 auf 380 Kilogramm zurück. Damit habe niemand gerechnet.
Und betriebswirtschaftlich gesehen sei er auch problematisch – dieser
einschneidende Rückgang. Weil doch jetzt der Bürger immer mehr für die
Müllbeseitigung bezahlen müsse, obwohl er weniger Müll produziere. Die zweite
Expertin kam von der „Bürgerinitiative gegen Müllverbrennung“. Müllverbrennung
sei eine Schizophrenie der Abfallwirtschaft, verkündete sie. Für sie untergräbt
eine Müllverbrennungsanlage in Heilbronn die Vermeidung von Müll. Und dann
wurde von der SPD klargestellt: Mit uns keine Müllverbrennungslage in
Heilbronn. Zurzeit seien Müllverbrennungsanlagen im Land nicht voll
ausgelastet. Und außerdem erfülle Heilbronn mit der Sondermülldeponie im
Salzwerk eine landesweite Aufgabe. Eine wichtige, eine gute Debatte. Aber klar ist mir immer noch nicht, warum wir
normale Bürger für immer weniger Müllaufkommen, immer mehr zahlen sollen. Da
beißt sich doch irgendwas in den Schwanz. Zumindest die Marktwirtschaft.
Käthe
und Popstar
Die
Geschichte ist ja eigentlich uralt. Heute würde man sie vielleicht so erzählen.
Ein Popstar reist durch die Länder. Irgendwo in der amerikanischen Provinz
macht die Crew halt – an einer Tankstelle. Auftanken, Reiseproviant besorgen.
Die Tochter des Tankstellenbesitzers erblickt den fernsehbekannten Star. Und
wie ein Blitz durchfährt es sie: Den oder keinen. Schnurstracks verläßt sie
Heimat, Eltern und Freunde – und zieht fortan im Tross des Popstars als Groupie
mit – durch die große weite Welt des Showbusiness. Dem angebeteten Supermann
sagt sie bei jeder Gelegenheit, daß sie in ihren Träumen es schon seit eh und
je gewußt hat: „Ich liebe Dich.“ Der aber lacht höhnisch, stößt sie zur Seite,
läßt sie für wenig Geld Drecksarbeit machen – und wendet sich intensiv anderen
Frauen zu. Sie schluckt alles – weil sie die Gewißheit verspürt: Irgendwann kriege ich ihn. Aber dann –
irgendwann kriegen Journalisten investigativ heraus, daß das Groupie die
uneheliche Tochter des US-Präsidenten ist. Jetzt erkennt der schon alternde
Popstar, dessen Karriere auch schon ihren Zenit überschritten hat, daß die
junge Dame jene ist, auf die er ebenfalls schon Ewigkeiten gewartet hat. Ein
Märchen? Wenn man Popstar durch Ritter, Groupie durch Käthchen, US-Präsident
durch deutscher Kaiser ersetzt, dann hat man ein deutsches Ritterschauspiel.
Jenes des romantischen deutschen Dichters Heinrich von Kleist, der im Jahre
1808 das Käthchen-Drama schrieb. Mit Heilbronn hat das Schauspiel soviel zu tun
wie ein Eisbär aus Alaska mit der Wüste Sahara. Übrigens: Ritterromane waren
damals „in“. Aber Kleist verdiente mit
seinem Stück kaum Geld. Und auch heute ist es sehr selten auf den Bühnen
dieser Welt zu sehen. 1811 erschoß sich
unser armer Heinrich. Wäre er nach Heilbronn gekommen, hätte hier dem Weine
zugesprochen, vielleicht wäre er dann länger am Leben geblieben. Meinen einige
selbstbewußte Heilbronner. Denn merke: Auch Wein macht selig.
Tierleidenschaft
Wedelnd
ist der Schwanz auszumachen, doch die Züchtung ist nur kompetenten Kennern
ersichtlich. Tierliebe nennt man das. Und daß diese nicht nur durch den Magen
geht, sondern auch mal im Gesicht hängenbleiben kann, hat ein Fall im Unterland
gezeigt. Um sein bellendes Gegenüber ganz genau in Augenschein zu nehmen, ging
ein Lauffener ganz dicht ran. Bei einem „Tete á tete“ auf der Couch. Der
tollkühne Tierliebhaber packte beide Ohren und zog das Hundeopfer zu sich
heran, wollte ihm einen Zungenkuß verabreichen. Doch das Tier verstand die intime
Liebkosung offensichtlich falsch und biß zu. Die Entdeckung des eigentlich
freundlichen „American Stafford-Terrier“ endete schmerzlich. Die Reaktion wird
von der Diensthundestaffel der Heilbronner Polizei als normal bezeichnet. Angenehm, daß sich unser Freund Tier von
angeblichen Tierfreunden nicht alles gefallen läßt. Doch wie setzt sich ein
wolliger Pudel gegen den Hundesalon zur Wehr? Und was machen Katzen gegen
klingende Halsbänder? Die Überzüchtungen brauchen Maulkörbe und Leinen, daß es
einem leid tut. Edelkatzen werden in Käfigen gehalten, damit sie nicht an Wert
verlieren, denn in Ausstellungen winken Geld und Preise. Ab und zu bekommt
Pussycat dafür sogar ein Bussi. Nett, gell?!? Wird das Katzentier zum
Menschenkind oder Gebrauchsgegenstand, ist beiden Extremen energisch
entgegenzuwirken. Man sollte wegen Vergewaltigung verklagen. Es werden die zu
Gewalt gezüchteten und erzogenen Bestien gejagt, statt Ursachenbehebung zu
betreiben. Das Fell der Unschuldslämmer wird geschoren, statt den Wölfen den
Pelz über die Ohren zu ziehen. Wie fein, daß man schon genial mit Genen extra
exklusive Tiergestalten kreierte, natürlich nur zum Besten. Zum Nutzen der
eigenen Art. Es müssen eben Opfer gebracht werden, so wußte es schon Abraham.
Für Nützen und Schützen ist das besonders gehorsame Getier ja immerhin
portionsgerechte Fertignahrung im eigenen Napf gesichert. In diesem Sinne:
Einen lieben Gruß an ihr Mitlebewesen – und heute schon geküßt?
Vorfrühling
Zwei
Wochen zu früh, sagen einige Meteorologen, sei er gekommen – der Frühling. Aber
ich sah nur fröhliche Gesichter am Montag und Dienstag bei 21 Grad Celsius im
Unterland. Stahlblauer Himmel und wärmende Sonnenstrahlen. Schuld ist das
dominante Hoch über Südpolen. Auch von dort kommen nicht nur schlechte Meldungen.
Und schon stehen bei uns die Forsythien in prachtvoll gelber Blüte – zumindest
im Unterland. In Hohenlohe sieht es schon wieder ein wenig anders aus. Und wer
die traumvollen Sonnenuntergänge am Montag und Dienstag dieser Woche gesehen
hatte, der konnte wirklich währenddessen und danach von einem Genuß
sprechen. Wenn er für Naturschönheiten einen Sinn besitzt. Des einen Freud,
des anderen Leid. Griechenland- und Türkei-Urlauber müssen sich in diesen Tagen
mit Regen zufrieden geben. Aber auch wir sind nicht davor gefeit. Es ist wie im
alltäglichen Leben, wie in der Liebe – nach dem Hoch kommt ein Tief, oder
umgekehrt. Heute am Mittwoch wird es noch heiter sein. So um die 20 Grad können
es werden. Meinen die Wetterfrösche. Aber morgen am Donnerstag gehen die
Voraussagen nicht in Richtung sonniger Vorfrühling. Kälter und bedeckt soll es
werden. Und am Freitag dürfen wir Regenschirme und -Mäntel wieder rausholen.
Warum auch nicht? Den Pflanzen tut es gut nach dieser trockenen Zeit. Und
außerdem haben die Amerikaner derzeit das Vergnügen „Hale-Bopp“ zu sehen, den
Kometen, der Ende März bei uns am Himmel zu sehen sein wird. Mit einem schönen
Lichtschweif, der aus nichts anderem besteht als Eis und Staub. Triviale Dinge
bei entsprechendem Licht betrachtet haben halt auch manchmal ihre besonderen
Reize. Vor allem, wenn sie im oder am Himmel stattfinden.
Frauendominanz
„Meine
Frau hat alle Rechte!“ - aber ein Osterei durfte sie nicht bekommen. Am Samstag
war nämlich Internationaler Frauentag und viele Frauen vertraten ihre
Interessen auf dem Heilbronner Kiliansplatz. Zahlreiche Informationsstände
klärten auf über die Rechte der Frauen auf (die die gleichen sein sollten wie
die der Männer). Auch Rosen und bunte Eier wurden verschenkt. Viele Frauen
wollten die kleine Nettigkeit sofort mit ihren Männern teilen, ob die wohl ihre
Arbeitsplätze genauso halbieren würden? Immer noch sind Frauen von
Arbeitslosigkeit stärker betroffen als Männer. Man trifft sie noch zu häufig
bei erzwungener Hausarbeit und Kindererziehung. Ist Mann dazu
unfähig? Mein Mitleid mit allen alten Machos, deren Hände
Koordinationsschwierigkeiten bei der Handhabung wohlgeformter Kochtöpfe haben!
Doch wir sind schon abgebrüht und das Salz in der Suppe! Deshalb trafen wir uns
auch im Rathaus. Und es strapazierte uns kein steifes Statement-Klopfen
langweiliger Anzugstypen vom Stammtisch, sondern in frischer Atmosphäre
begrüßte Stadträtin Gisela Käfer.
Anne Schilling, Frauenbeauftragte, zeigte enormen Einsatz durch ihr richtig
gutes Referat zum Frauentag. Sie wünschte sich wieder Widerstand wie 1911 am
ersten Frauentag in Deutschland, denn
erst, wenn wir uns bewegen, sind auch die Männer zu bewegen. Frauen aller
Länder vereinigt euch, weil brave Mädchen zwar in den Himmel kommen, böse aber
überall hin!
Verbieten??
„Die
Innen- und Justizminister der Bundesländer haben ja bereits vor Jahren
festgestellt, daß es sich bei Scientology um eine Organisation mit Elementen
der Wirtschaftskriminalität und des Psychoterrors gegenüber ihren Mitgliedern
handelt.“ Sagt Eberhard Kleinmann, der Vorstandsvorsitzende der Stuttgarter
Aktion Bildungsinformation (ABI), der seit über 20 Jahren gegen Scientology
kämpft. Er geht sogar soweit, ein Verbot der Sekte in Deutschland zu fordern.
In Baden-Württemberg und Bayern wird seit kurzem die Scientology, die sich
selber gern als Kirche bezeichnet, vom Verfassungsschutz beobachtet. Kleinmann hält diese Entscheidung der
Landesregierung für völlig richtig und fordert die anderen Bundesländer in
Deutschland auf, sich dem Beispiel anzuschließen. Denn für Kleinmann hat
Scientology eine kriminelle Ideologie. Scientology will, so liest Kleinmann
den ideologischen Ansatz des
Sektengründers Hubbard, viel Geld machen und damit Macht erringen. „Mit dieser
Macht will sie eine weltweite Diktatur errichten. Dagegen müssen sich alle
Demokratien wehren.“ Nach seiner
Schätzung sind weltweit rund acht
Millionen Scientologen und deren Sympathisanten tätig. Das sei schon ein
multinationaler Wirtschaftskonzern mit einem Vermögen von rund 100 Milliarden
Mark. Runtergerechnet auf Deutschland sind es 30.000 – und für
Baden-Württemberg bleiben dann einige tausend. Bundesweit seien 550 Firmen in
Besitz der Scientologen. Viele von denen würden einen Teil ihrer Gewinne an die
„Kriegskasse“ in den Vereinigten Staaten überweisen. Kleinmanns Ziel: Verbot
der Scientologen – aus zwei Gründen: „Zum einen sind Kinder von etwa 30.000
Eltern, die Scientologen sind, bereits beeinflusst. Kleinkinder sind auf ewig
verloren, wenn sie manipuliert werden. Zum anderen haben wir Hinweise, daß
Scientologen zahlreiche Straftaten begangen haben, zum Beispiel
Urkundenfälschung, Freiheitsberaubung, Nötigung und übelste Art der Verleumdung
von Gegnern und Abtrünnigen.“ Ich bin gespannt, ob sich diese harte Linie, oder
eine mehr moderate durchsetzt.
AZZURRA
Jetzt
haben wir vom Neckar Express doch
tatsächlich Familienzuwachs bekommen. Eine schöne, glänzende Schwester mit dem
klangvollen Namen AZZURRA. Es soll ja Leute geben, die froh sind, wenn sich die
feine Verwandtschaft nur einmal im Jahr blicken läßt. Bei AZZURRA ist das
anders: Sie kommt jeden Monat. Und das ist gut so. Denn gerade für uns Frauen
sind in diesem bunten Magazin jede Menge interessanter Themen reingepackt. Jetzt kann der Frühling kommen. Mit den
AZZURRA-Modetips bin ich bestens gerüstet. Ob Sonnenfarben wie warmes Gelb,
Orange, Rot oder leuchtendes Sommerweiß
alles ist erlaubt. Als Kontrapunkt kommen schwarzes Leinen und
Transparentstoffe hinzu. Also hab ich jetzt echt den Durchblick – die Männer natürlich
auch! Well – und was gibt’s sonst noch? Klar doch Wellness und Beauty sind mit
dabei. Aber auch interessante Beiträge zum Thema: Wie leben und arbeiten
Frauen? Was leisten sie im Beruf und im Privaten? Vielleicht werde ich
demnächst auch interviewt!? Wie auch immer – die „Neue“ hat ganz schön Staub
aufgewirbelt, nicht nur bei uns im Hause. Und die Frage, „warum kriegen diese
Leute AZZURRA und jene nicht, wird wohl so im Raum stehen bleiben müssen. Sorry
– wir haben eben nur 30.000 Stück.
LfK-Präsident
Bei
den öffentlich-rechtlichen Sendern in unserem Lande sind die obersten Herren
die beiden Intendanten – von Südwestfunk in Baden-Baden und Südfunk in
Stuttgart. Nicht mehr lange. Denn dann fusionieren die beiden Anstalten. Und
wir haben mit Rheinland-Pfalz zusammen einen öffentlich-rechtlichen Sender: den
Südwestdeutschen Rundfunk – oder so ähnlich. Und auch nur noch einen
Intendanten. An diesem neuen Gebilde bauen zur Zeit Politiker und Rundfunkleute
mühsam, aber intensiv. Für die privaten Fernseh- und Hörfunksender gibt es im
Lande eine andere Behörde: die Landesanstalt für Kommunikation in Stuttgart,
kurz LfK genannt. Deren Präsident heißt
Eugen Volz – und war früher Staatssekretär.
Am 31. März scheidet er aus dem Amt, obwohl er und einige geglaubt hatten,
daß er bis zum Ende seiner Wahlzeit im Juni 1998 amtieren könne. Gesetz ist Gesetz. Und da Eugen Volz am
2. März 1997 seinen 65. Geburtstag feiern wird, muß er in den wohlverdienten
und gutbesoldeten Ruhestand gehen. Jetzt sucht man nach einem Nachfolger für
den nach Gehaltsgruppe B 7 (rund 12.000 Mark) bezahlten LfK-Präsidenten. Da er
nicht gleichzeitig im Parlament sitzen darf, war dieser Posten bisher eine
Auslaufposition für ins Abseits gedrängte Politiker gewesen. Vorgänger des
ehemaligen Staatssekretärs im baden-württembergischen Justiz- und
Finanzministerium Volz waren Helmut
Engler, zuvor Wissenschaftsminister,
und Gerhard Mahler,
Staatssekretär im Stuttgarter Staatsministerium. Günther Oettinger, CDU-Chef
der Landtagsfraktion, will jetzt jedoch keine Leute als
LfK-Präsidentschaftskandidaten, die einen „Versorgungsposten“ suchen. Denn für
ihn ist die Landesanstalt mehr als eine reine Kontrollinstanz für den privaten
Rundfunk. Sie stelle die zentrale Stelle für die baden-württembergische Medienwirtschaft
dar. Vielleicht bringt der neue Mann (oder die neue Frau) auf diesem Posten den
Mut auf, die privaten Hörfunksender dazu zu bewegen, daß auch das Ländle
endlich einen landesweiten privaten
Hörfunksender erhält. Denn nur in dieser Größe – so sagen Untersuchungen –
läßt sich wirtschaftlich lukrativ arbeiten. Mit dem baden-württembergischen
Flickerlteppich aus drei großen und vielen kleinen Sendern ist kein Staat zu
machen.
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