Freitag, 14. März 2014

Kiliansmännle, 12.03.1997




 Für Geld ekelig!
Die alten Römer hatten ihre Gladiatorenkämpfe. Brot und Spiele – Menschenblut für das vor Sensationsgier geifernde Publikum. Heuer, gut 1.500 Jahre später, sind die Medien – hier vor allem die TV-Privatsender – in die römischen Fußstapfen getreten. Reality-TV, diverse Gameshows und Nachmittags- sowie Vormittags-Talks sind unsere Kolosseum der Gegenwart. Publicity-süchtige Durchschnittsbürger die Gladiatoren, und der Konsument obengenannter Fernsehdarbietungen der römische Zuschauer. Betreibt man Ursachenforschung für dieses Verhalten, bleibt das Medium außen vor, denn hier gibt man dem Volk nur, was das Volk verlangt. Eine Reportage, die nicht zumindest ein Sex-Thema beinhaltet, wird abgeschaltet. Beim Fernsehen zählt halt nur die Quote, die ausschlaggebend für den Erfolg und den damit verbundenen Verbleib im Programm eines Senders ist. Gewichtig für den regen Zuwachs solcher „Sensationsdarbietungen“, die wie Pilze aus dem Boden schießen, ist der abgestumpfte Zuschauer. Und vor allem natürlich derjenige, der sich in den sogenannten Talkrunden und Spielshows öffentlich prostituiert. RTL 2 bestätigt dieses Phänomen neuerdings sehr beeindruckend. „Cashman“ heißt die Samstagssendung, in der Menschen geschmacklose Dinge tun, die sie normalerweise nie tun würden. Aber es gibt ja Geld, und darum kann man sich ja ruhig einmal von wildfremden Menschen abschlecken lassen oder der Kamera diverse Körperteile offenbaren. Balneario 6 (oder besser Ballermann) mitten auf Deutschlands Straßen! Die Würde des Menschen ist halt unantastbar – solange die Bezahlung stimmt.

Lasterunfälle
Unfälle, Zerstörung, Tote zuhauf auf den Autobahnen rund um Heilbronn. Protagonisten dieser blutigen Straßendramen sind immer wieder Lastwagenfahrer mit ihren tonnenschweren Gefährten. Die Rollen der tragischen Statisten nehmen andere Verkehrsteilnehmer ein – seien es Pkw-Lenker, die aufgrund fehlender Masse ihrer Vehikel, das unschöne Ende eh meistens für sich verpachten oder andere Lkw-Fahrer, die unter dem fahrerischen Fehlverhalten ihrer Berufskollegen zu leiden haben. Unachtsamkeit, mangelnde Verkehrstauglichkeit der Lkws und meistens totale Übermüdung sind die Gründe für Schreckensmeldungen dieser Art. So mancher Berufskraftfahrer verbringt bis zu 30 Stunden ununterbrochen hinter dem Steuer, versucht durch Unmengen von Kaffee seine Müdigkeit zu beseitigen. Mit Schlafen ist nicht viel, denn Zeit ist Geld und wer seine Ladung nicht zum ausgemachten Liefertermin fristgerecht abliefert, dem drohen Konsequenzen. Es ist leicht und billig dahin gesagt, daß die Speditionen allein die Schuld tragen: Den Kummer jedoch tragen allein die Angehörigen der Verkehrsopfer. Dem menschlichen Körper angemessene Arbeitsbedingungen (Arbeitsmediziner wissen Lieder davon zu singen), wie zum Beispiel eine vermehrte Einstellung von Berufskraftfahrern und ordentliche Wartung der Fahrzeuge, würden aber Abhilfe schaffen. Aber wem sage ich das, die Betroffenen wissen es seit Jahren ganz genau. Lobenswert hingegen sind die verschärften Lkw-Kontrollen der Polizei auf den Autobahnen. So bleibt der Bevölkerung noch mehr Schreckensmeldungen und den Autobahnbenutzern so mancher Stau erspart.

Rathaus-Prozeß
Einer der größten und seltsamsten Betrüger in der kommunalen Geschichte Heilbronns, so war in der Landespresse zu lesen, steht zurzeit vor dem Heilbronner Landgericht. Der 54jährige Familienvater Eberhard S. ist angeklagt, die Stadtkasse um rund sechs Millionen Mark erleichtert zu haben. Keinen einzigen Punkt der mehr als 135 Punkten der Anklage bestreitet der rundliche Mann mit der dem schütteren Haar, einer dicken Brille und einem gepflegtem Graubart. Jetzt will der ehemalige Sachbearbeiter auf dem Rathaus (jetzt: Frührentner) „reinen Tisch“ machen. Er wisse, daß er „großen Mist gebaut“  habe. „Aber ich weiß nicht mehr, warum.“ – Kontrolle? Von einem Vorgesetzten sei er niemals kontrolliert worden, obwohl er Handlungsvollmacht nur bis 10.000 Mark besaß. Angst entdeckt zu werden, hatte er nie. Denn Eberhard S., der auch Personalrat bei der Stadt war, hielt seine Vorgesetzten für inkompetent. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, daß nicht bei der Stadt der Skandal aufgedeckt wurde, sondern eine Bank stutzig wurde und prüfte. Luftrechnungen und überhöhte Preise (zum Beispiel für Umschläge, die für 68 Pfennig pro Stück bezahlt, woanders jedoch für sechs Pfennige zu bekommen waren), die ein  jüdischer Handelsvertreter aus Düsseldorf mit „Jammern und Heulen“ mit dem Angeklagten ausbaldowerte, wurden anstandslos bezahlt. Etwa fünf Millionen Mark wechselten auf diese Weise ohne Gegenleistung den Besitzer. Im Verhältnis zur Gesamtsumme des Betrugs stellt sich der „Lohn“ in Höhe von 200.000 Mark für den Betrüger als relativ gering dar. Jetzt wird davon gemunkelt, ob nicht doch irgendwo auf der Welt Konten für Eberhard S. eingerichtet wurden, die einen „gerechten Ausgleich“ beinhalten. Polizei und Staatsanwaltschaft sind also gefordert, Beweise zu erbringen. Die Strategie der Verteidigung ist offensichtlich: Schuld ja, aber nicht in vollem Umfang verantwortlich. Weil die Vorgesetzten jämmerlich versagt haben. Und eine gewisse moralischer Verpflichtung – ganz subjektiv – vom Angeklagten gegenüber dem jüdischen Geschäftsmann bestand. Ich bin gespannt, was die letzten beiden Verhandlungstage diese Woche noch zutage fördern.

Madeleine get your gun
Das war schon eine Premiere der besonderen Art – am letzten Samstag im Heilbronner Stadttheater. Der „Star“ des Hauses, die Gattin des Heilbronner Theaterintendanten Klaus Wagner, Madeleine Lienhard stellte ihre erste Inszenierung heraus. Früher hieß es in bestimmten See-Gaststätten in Berlin: Hier können Familien Kaffee kochen. Aber aufs Heilbronner Theaterleben läßt sich der Satz nicht übertragen, weil Familie Wagner-Lienhard keine Großfamilie ist. Heilbronns Oberbürgermeister Dr. Manfred Weinmann stellte (in Abwesenheit des Intendanten) dann auch prompt fest, daß Madeleine Lienhard mit dieser Inszenierung ihre Intendantur abgeleistet habe. Viele Gäste fragten sich sofort. Was hat dieser inhaltschwere Satz zu bedeuten? Im Lexikon steht: Intendantur = (lat.-frz.) früher militärisches   Wirtschafts-Verwaltungs-Gebäude. Aber heute ist ein Intendant ein Mann, der „sein Streben auf etwas richtet“. Ein Theaterintendant also ein Mann, der sein Streben darauf richtet, der Stadt Theaterkultur zu vermitteln. Und die Frau des Intendanten hat natürlich, zumal sie Schauspielerin ist, das gleiche Bestreben. So ist es nur selbstverständlich, daß Madeleine Lienhard hier in Heilbronn ihre erste Inszenierung präsentiert hat. Mit dem alten Schlager-Musical „Annie get your gun“. Die Geschichte jener Frau, die alles besser kann, als der Mann, den sie liebt. Sie ordnet sich unter, verleugnet ihre Schieß-Künste, um ihn zu bekommen und mit ihm glücklich zu sein. Manche haben den OB-Satz am Abend der Premiere so verstanden, daß die relativ junge Madeleine Lienhard nach dem Ausscheiden ihres jetzt 66jährigen Gatten als Heilbronner Intendant eine Aspirantin auf diesen Posten sein könnte. Ein kluger OB stellt halt schon die Weichen über seine Dienstzeit bis 1999 hinaus. Wir werden sehen, ob die Nachfolge von Klaus Wagner eine Frau antritt.

Müll bei der SPD
Die SPD in der Kernstadt Heilbronn hat ihren eigenen Ortsverein. Vorsitzende ist seit kurzer Gudrun Hotz-Friese, eine Lehrerin, deren Ehemann in Heilbronn Bürgermeister Ist. Harald Friese wird zurzeit als SPD-Bundestagskandidat für den Wahlkreis gehandelt. Somit eine politisch äußerst aktive Familie. Für Gudrun Hotz-Friese gehört zum neuen Leitbild der Stadt auch eine umweltfreundliche Abfallentsorgung. Und das machte sie zum Thema einer der SPD-Ortsvereinssitzungen. Eingeladen hatte sie Experten, die Rede und Antwort standen. Zum Beispiel den Technischen Werkleiter der Entsorgungsbetriebe bei der Stadt Hartmut Sugg. Der erzählte den GenossInnen von der dramatischen Wandlung in der Abfallwirtschaft. 400.000 Tonnen Müll im Jahre 1990 in Heilbronn. 1996 waren es nur noch 51.000 Tonnen, die auf der Mülldeponie Vogelsang abgelagert wurden. Vor allem der gewerbliche Müll wurde reduziert – und Klärschlamm wird in Heilbronn auch nicht mehr abgelagert. Pro Kopf ging in der Stadt das Müllaufkommen von 1.150 auf 380 Kilogramm zurück. Damit habe niemand gerechnet. Und betriebswirtschaftlich gesehen sei er auch problematisch – dieser einschneidende Rückgang. Weil doch jetzt der Bürger immer mehr für die Müllbeseitigung bezahlen müsse, obwohl er weniger Müll produziere. Die zweite Expertin kam von der „Bürgerinitiative gegen Müllverbrennung“. Müllverbrennung sei eine Schizophrenie der Abfallwirtschaft, verkündete sie. Für sie untergräbt eine Müllverbrennungsanlage in Heilbronn die Vermeidung von Müll. Und dann wurde von der SPD klargestellt: Mit uns keine Müllverbrennungslage in Heilbronn. Zurzeit seien Müllverbrennungsanlagen im Land nicht voll ausgelastet. Und außerdem erfülle Heilbronn mit der Sondermülldeponie im Salzwerk eine landesweite Aufgabe. Eine wichtige, eine gute Debatte.  Aber klar ist mir immer noch nicht, warum wir normale Bürger für immer weniger Müllaufkommen, immer mehr zahlen sollen. Da beißt sich doch irgendwas in den Schwanz. Zumindest die Marktwirtschaft.

Käthe und Popstar
Die Geschichte ist ja eigentlich uralt. Heute würde man sie vielleicht so erzählen. Ein Popstar reist durch die Länder. Irgendwo in der amerikanischen Provinz macht die Crew halt – an einer Tankstelle. Auftanken, Reiseproviant besorgen. Die Tochter des Tankstellenbesitzers erblickt den fernsehbekannten Star. Und wie ein Blitz durchfährt es sie: Den oder keinen. Schnurstracks verläßt sie Heimat, Eltern und Freunde – und zieht fortan im Tross des Popstars als Groupie mit – durch die große weite Welt des Showbusiness. Dem angebeteten Supermann sagt sie bei jeder Gelegenheit, daß sie in ihren Träumen es schon seit eh und je gewußt hat: „Ich liebe Dich.“ Der aber lacht höhnisch, stößt sie zur Seite, läßt sie für wenig Geld Drecksarbeit machen – und wendet sich intensiv anderen Frauen zu. Sie schluckt alles – weil sie die Gewißheit verspürt: Irgendwann kriege ich ihn. Aber dann – irgendwann kriegen Journalisten investigativ heraus, daß das Groupie die uneheliche Tochter des US-Präsidenten ist. Jetzt erkennt der schon alternde Popstar, dessen Karriere auch schon ihren Zenit überschritten hat, daß die junge Dame jene ist, auf die er ebenfalls schon Ewigkeiten gewartet hat. Ein Märchen? Wenn man Popstar durch Ritter, Groupie durch Käthchen, US-Präsident durch deutscher Kaiser ersetzt, dann hat man ein deutsches Ritterschauspiel. Jenes des romantischen deutschen Dichters Heinrich von Kleist, der im Jahre 1808 das Käthchen-Drama schrieb. Mit Heilbronn hat das Schauspiel soviel zu tun wie ein Eisbär aus Alaska mit der Wüste Sahara. Übrigens: Ritterromane waren damals „in“. Aber Kleist verdiente mit seinem Stück kaum Geld. Und auch heute ist es sehr selten auf den Bühnen dieser Welt zu sehen. 1811 erschoß sich unser armer Heinrich. Wäre er nach Heilbronn gekommen, hätte hier dem Weine zugesprochen, vielleicht wäre er dann länger am Leben geblieben. Meinen einige selbstbewußte Heilbronner. Denn merke: Auch Wein macht selig.

Tierleidenschaft
Wedelnd ist der Schwanz auszumachen, doch die Züchtung ist nur kompetenten Kennern ersichtlich. Tierliebe nennt man das. Und daß diese nicht nur durch den Magen geht, sondern auch mal im Gesicht hängenbleiben kann, hat ein Fall im Unterland gezeigt. Um sein bellendes Gegenüber ganz genau in Augenschein zu nehmen, ging ein Lauffener ganz dicht ran. Bei einem „Tete á tete“ auf der Couch. Der tollkühne Tierliebhaber packte beide Ohren und zog das Hundeopfer zu sich heran, wollte ihm einen Zungenkuß verabreichen. Doch das Tier verstand die intime Liebkosung offensichtlich falsch und biß zu. Die Entdeckung des eigentlich freundlichen „American Stafford-Terrier“ endete schmerzlich. Die Reaktion wird von der Diensthundestaffel der Heilbronner Polizei als normal bezeichnet. Angenehm, daß sich unser Freund Tier von angeblichen Tierfreunden nicht alles gefallen läßt. Doch wie setzt sich ein wolliger Pudel gegen den Hundesalon zur Wehr? Und was machen Katzen gegen klingende Halsbänder? Die Überzüchtungen brauchen Maulkörbe und Leinen, daß es einem leid tut. Edelkatzen werden in Käfigen gehalten, damit sie nicht an Wert verlieren, denn in Ausstellungen winken Geld und Preise. Ab und zu bekommt Pussycat dafür sogar ein Bussi. Nett, gell?!? Wird das Katzentier zum Menschenkind oder Gebrauchsgegenstand, ist beiden Extremen energisch entgegenzuwirken. Man sollte wegen Vergewaltigung verklagen. Es werden die zu Gewalt gezüchteten und erzogenen Bestien gejagt, statt Ursachenbehebung zu betreiben. Das Fell der Unschuldslämmer wird geschoren, statt den Wölfen den Pelz über die Ohren zu ziehen. Wie fein, daß man schon genial mit Genen extra exklusive Tiergestalten kreierte, natürlich nur zum Besten. Zum Nutzen der eigenen Art. Es müssen eben Opfer gebracht werden, so wußte es schon Abraham. Für Nützen und Schützen ist das besonders gehorsame Getier ja immerhin portionsgerechte Fertignahrung im eigenen Napf gesichert. In diesem Sinne: Einen lieben Gruß an ihr Mitlebewesen – und heute schon geküßt?

Vorfrühling
Zwei Wochen zu früh, sagen einige Meteorologen, sei er gekommen – der Frühling. Aber ich sah nur fröhliche Gesichter am Montag und Dienstag bei 21 Grad Celsius im Unterland. Stahlblauer Himmel und wärmende Sonnenstrahlen. Schuld ist das dominante Hoch über Südpolen. Auch von dort kommen nicht nur schlechte Meldungen. Und schon stehen bei uns die Forsythien in prachtvoll gelber Blüte – zumindest im Unterland. In Hohenlohe sieht es schon wieder ein wenig anders aus. Und wer die traumvollen Sonnenuntergänge am Montag und Dienstag dieser Woche gesehen hatte, der konnte wirklich währenddessen und danach von einem Genuß sprechen.  Wenn er für Naturschönheiten einen Sinn besitzt. Des einen Freud, des anderen Leid. Griechenland- und Türkei-Urlauber müssen sich in diesen Tagen mit Regen zufrieden geben. Aber auch wir sind nicht davor gefeit. Es ist wie im alltäglichen Leben, wie in der Liebe – nach dem Hoch kommt ein Tief, oder umgekehrt. Heute am Mittwoch wird es noch heiter sein. So um die 20 Grad können es werden. Meinen die Wetterfrösche. Aber morgen am Donnerstag gehen die Voraussagen nicht in Richtung sonniger Vorfrühling. Kälter und bedeckt soll es werden. Und am Freitag dürfen wir Regenschirme und -Mäntel wieder rausholen. Warum auch nicht? Den Pflanzen tut es gut nach dieser trockenen Zeit. Und außerdem haben die Amerikaner derzeit das Vergnügen „Hale-Bopp“ zu sehen, den Kometen, der Ende März bei uns am Himmel zu sehen sein wird. Mit einem schönen Lichtschweif, der aus nichts anderem besteht als Eis und Staub. Triviale Dinge bei entsprechendem Licht betrachtet haben halt auch manchmal ihre besonderen Reize. Vor allem, wenn sie im oder am Himmel stattfinden.

Frauendominanz
„Meine Frau hat alle Rechte!“ - aber ein Osterei durfte sie nicht bekommen. Am Samstag war nämlich Internationaler Frauentag und viele Frauen vertraten ihre Interessen auf dem Heilbronner Kiliansplatz. Zahlreiche Informationsstände klärten auf über die Rechte der Frauen auf (die die gleichen sein sollten wie die der Männer). Auch Rosen und bunte Eier wurden verschenkt. Viele Frauen wollten die kleine Nettigkeit sofort mit ihren Männern teilen, ob die wohl ihre Arbeitsplätze genauso halbieren würden? Immer noch sind Frauen von Arbeitslosigkeit stärker betroffen als Männer. Man trifft sie noch zu häufig  bei erzwungener Hausarbeit und Kindererziehung. Ist Mann dazu unfähig? Mein Mitleid mit allen alten Machos, deren Hände Koordinationsschwierigkeiten bei der Handhabung wohlgeformter Kochtöpfe haben! Doch wir sind schon abgebrüht und das Salz in der Suppe! Deshalb trafen wir uns auch im Rathaus. Und es strapazierte uns kein steifes Statement-Klopfen langweiliger Anzugstypen vom Stammtisch, sondern in frischer Atmosphäre begrüßte Stadträtin Gisela Käfer. Anne Schilling, Frauenbeauftragte, zeigte enormen Einsatz durch ihr richtig gutes Referat zum Frauentag. Sie wünschte sich wieder Widerstand wie 1911 am ersten  Frauentag in Deutschland, denn erst, wenn wir uns bewegen, sind auch die Männer zu bewegen. Frauen aller Länder vereinigt euch, weil brave Mädchen zwar in den Himmel kommen, böse aber überall hin!

Verbieten??
„Die Innen- und Justizminister der Bundesländer haben ja bereits vor Jahren festgestellt, daß es sich bei Scientology um eine Organisation mit Elementen der Wirtschaftskriminalität und des Psychoterrors gegenüber ihren Mitgliedern handelt.“ Sagt Eberhard Kleinmann, der Vorstandsvorsitzende der Stuttgarter Aktion Bildungsinformation (ABI), der seit über 20 Jahren gegen Scientology kämpft. Er geht sogar soweit, ein Verbot der Sekte in Deutschland zu fordern. In Baden-Württemberg und Bayern wird seit kurzem die Scientology, die sich selber gern als Kirche bezeichnet, vom Verfassungsschutz beobachtet.  Kleinmann hält diese Entscheidung der Landesregierung für völlig richtig und fordert die anderen Bundesländer in Deutschland auf, sich dem Beispiel anzuschließen. Denn für Kleinmann hat Scientology eine kriminelle Ideologie. Scientology will, so liest Kleinmann den  ideologischen Ansatz des Sektengründers Hubbard, viel Geld machen und damit Macht erringen. „Mit dieser Macht will sie eine weltweite Diktatur errichten. Dagegen müssen sich alle Demokratien wehren.“ Nach seiner Schätzung sind weltweit  rund acht Millionen Scientologen und deren Sympathisanten tätig. Das sei schon ein multinationaler Wirtschaftskonzern mit einem Vermögen von rund 100 Milliarden Mark. Runtergerechnet auf Deutschland sind es 30.000 – und für Baden-Württemberg bleiben dann einige tausend. Bundesweit seien 550 Firmen in Besitz der Scientologen. Viele von denen würden einen Teil ihrer Gewinne an die „Kriegskasse“ in den Vereinigten Staaten überweisen. Kleinmanns Ziel: Verbot der Scientologen – aus zwei Gründen: „Zum einen sind Kinder von etwa 30.000 Eltern, die Scientologen sind, bereits beeinflusst. Kleinkinder sind auf ewig verloren, wenn sie manipuliert werden. Zum anderen haben wir Hinweise, daß Scientologen zahlreiche Straftaten begangen haben, zum Beispiel Urkundenfälschung, Freiheitsberaubung, Nötigung und übelste Art der Verleumdung von Gegnern und Abtrünnigen.“ Ich bin gespannt, ob sich diese harte Linie, oder eine mehr moderate durchsetzt.

AZZURRA
Jetzt haben wir vom Neckar Express doch tatsächlich Familienzuwachs bekommen. Eine schöne, glänzende Schwester mit dem klangvollen Namen AZZURRA. Es soll ja Leute geben, die froh sind, wenn sich die feine Verwandtschaft nur einmal im Jahr blicken läßt. Bei AZZURRA ist das anders: Sie kommt jeden Monat. Und das ist gut so. Denn gerade für uns Frauen sind in diesem bunten Magazin jede Menge interessanter Themen reingepackt. Jetzt kann der Frühling kommen. Mit den AZZURRA-Modetips bin ich bestens gerüstet. Ob Sonnenfarben wie warmes Gelb, Orange, Rot oder leuchtendes Sommerweiß  alles ist erlaubt. Als Kontrapunkt kommen schwarzes Leinen und Transparentstoffe hinzu. Also hab ich jetzt echt den Durchblick – die Männer natürlich auch! Well – und was gibt’s sonst noch? Klar doch Wellness und Beauty sind mit dabei. Aber auch interessante Beiträge zum Thema: Wie leben und arbeiten Frauen? Was leisten sie im Beruf und im Privaten? Vielleicht werde ich demnächst auch interviewt!? Wie auch immer – die „Neue“ hat ganz schön Staub aufgewirbelt, nicht nur bei uns im Hause. Und die Frage, „warum kriegen diese Leute AZZURRA und jene nicht, wird wohl so im Raum stehen bleiben müssen. Sorry – wir haben eben nur 30.000 Stück.      

LfK-Präsident
Bei den öffentlich-rechtlichen Sendern in unserem Lande sind die obersten Herren die beiden Intendanten – von Südwestfunk in Baden-Baden und Südfunk in Stuttgart. Nicht mehr lange. Denn dann fusionieren die beiden Anstalten. Und wir haben mit Rheinland-Pfalz zusammen einen öffentlich-rechtlichen Sender: den Südwestdeutschen Rundfunk – oder so ähnlich. Und auch nur noch einen Intendanten. An diesem neuen Gebilde bauen zur Zeit Politiker und Rundfunkleute mühsam, aber intensiv. Für die privaten Fernseh- und Hörfunksender gibt es im Lande eine andere Behörde: die Landesanstalt für Kommunikation in Stuttgart, kurz LfK genannt. Deren Präsident heißt Eugen Volz – und war früher Staatssekretär.  Am 31. März scheidet er aus dem Amt, obwohl er und einige geglaubt hatten, daß er bis zum Ende seiner Wahlzeit im Juni 1998 amtieren könne. Gesetz ist Gesetz. Und da Eugen Volz am 2. März 1997 seinen 65. Geburtstag feiern wird, muß er in den wohlverdienten und gutbesoldeten Ruhestand gehen. Jetzt sucht man nach einem Nachfolger für den nach Gehaltsgruppe B 7 (rund 12.000 Mark) bezahlten LfK-Präsidenten. Da er nicht gleichzeitig im Parlament sitzen darf, war dieser Posten bisher eine Auslaufposition für ins Abseits gedrängte Politiker gewesen. Vorgänger des ehemaligen Staatssekretärs im baden-württembergischen Justiz- und Finanzministerium Volz waren Helmut Engler, zuvor Wissenschaftsminister,  und Gerhard Mahler, Staatssekretär im Stuttgarter Staatsministerium. Günther Oettinger, CDU-Chef der Landtagsfraktion, will jetzt jedoch keine Leute als LfK-Präsidentschaftskandidaten, die einen „Versorgungsposten“ suchen. Denn für ihn ist die Landesanstalt mehr als eine reine Kontrollinstanz für den privaten Rundfunk. Sie stelle die zentrale Stelle für die baden-württembergische Medienwirtschaft dar. Vielleicht bringt der neue Mann (oder die neue Frau) auf diesem Posten den Mut auf, die privaten Hörfunksender dazu zu bewegen, daß auch das Ländle endlich einen landesweiten privaten Hörfunksender erhält. Denn nur in dieser Größe – so sagen Untersuchungen – läßt sich wirtschaftlich lukrativ arbeiten. Mit dem baden-württembergischen Flickerlteppich aus drei großen und vielen kleinen Sendern ist kein Staat zu machen.

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