Oster-Feiertage
Alles freute sich auf die
Osterfeiertage 1997, wie sie uns von den Wetterfröschen in vielen
Zeitungsartikeln und Fernsehsendungen vorhergesagt wurden. Aber was die
Meteorologen da geraunt hatten, war wohl mehr dem Thema Sterndeuterei
zuzuordnen als eine auf wissenschaftlichen Daten beruhende Vorhersage. Am Ostersonntag sollte es frühlingshaft
sonnig werden – und am Montag wäre dann die ganze österliche Pracht über uns
hereingebrochen. War aber nicht ganz so. Am Karfreitag und Karsamstag war
es kalt, windig und wenig sonnig – eher regnerisch. Und am Ostersonntag stürmte
es zeitweilig und der Regen ergoß sich über uns – zur Freude der Naturfreunde.
Erst am Ostermontag traf ein, was man uns offiziell versprochen hatte. Dafür
haben wir jetzt das schönste Osterwetter, jetzt, wo alle Berufstätigen wieder
brav am Arbeitsplatz sitzen müssen. Das ist schon ein Kreuz mit diesen
Vorhersagen. Ganz dem vergangenen Fest angemessen
Freß-Tempel
Toprestaurants in Deutschland leiden
nicht. Behaupten jedenfalls Gastronomen, die ganz oben in jener Rangliste
aufzufinden sind, die vom Wirtschaftsmagazin Capital veröffentlicht wird (April
1997). In einer Zusammenfassung der Bewertungen der fünf Restaurantführer
Varta, Michelin, Gault Millaut, Aral Schlemmeratlas und Macellino’s wird eine
100er-Bestenliste präsentiert (umfaßt diesmal nur 97 Restaurants), die es in
sich hat. Martin Öxle vom Aufsteiger des
Jahres, der prachtvollen Speisemeisterei in Stuttgart (Platz zehn),
schwärmt trotz der Klagen in der Gastronomie: „Seit Eröffnung vor dreieinhalb
Jahren sind wir täglich ausgebucht.“ Leistung lohnt sich also, wenn Qualität
und Preis in einem akzeptablen Verhältnis zueinander stehen. Aus unserer Region
stehen die Schweizer Stuben in Wertheim mit 93,4 Capital-Punkten an dritter
Stelle. An zehnter Stelle folgt die Speisemeisterei Stuttgart (89,4 Punkte).
Das Wald- & Schloßhotel Friedrichsruhe (Zweiflingen) nimmt Platz 18 ein (87
Punkte). Auf weiteren Plätzen aus unserer (erweiterten) Region: 16. Da Gianni,
Mannheim (87,4 Punkte),19. Wielandshöhe Stuttgart (87), 20. Taverna La Vigna,
Wertheim (86,3), 23. Schloß Höfingen, Leonberg (84,8), 40. Landgasthof Adler,
Rosenberg (84), 41. Die Ulrichshöhe, Nürtingen (83,5), 46. Zirbelstuben / Hotel
Victoria, Bad Mergentheim (82,8), 68. Délice, Stuttgart (80,5), 77. La
Chandelle-Mondial, Wiesloch (79,9) und
84. Oberländer Weinstube, Karlsruhe (79,1). Aus dem Unterland ist leider unter
den Spitzenrestaurants Deutschlands niemand zu finden. Obwohl in so manchem
kleinen „Freßtempel“ hier in der Gegend die Speisen und Weine sich preislich
kaum von dem unterscheiden, was in den Toprestaurants verlangt wird. Nun fragen
sich viele: Warum überhaupt diese Liste? Jene, die gelegentlich ihr Geld für
gutes Essen ausgeben wollen, sagen, das sei wie beim Test von Autos. Man
orientiere sich halt. Und ob man nun in irgendeinem Nobelrestaurant dasselbe
ausgebe wie in einem Spitzenrestaurant, das sei dann doch schon ein gelinder
Unterschied. Für’s gleiche Geld –
wohlgemerkt.
100 Jahre Kaiserstraße
Die Kaiserstraße wird 100 Jahre alt.
Fußgängerzone ist sie jetzt schon. Aber eine richtige soll die 400 Meter lange
Straße zwischen Neckar und Allee erst noch werden. Von Februar bis Oktober 1998
wird umgebaut – für geplante runde 83.000 Mark. Das kann noch teurer werden.
Oder preiswerter, wenn die Zuschüsse für die Stadtbahn nicht so fließen wie
eigentlich vorgesehen. Das Gezerre und Gezeterte um die Umwandlung zur
Fußgängerzone ist vorüber. Anlieger und Fußgänger haben sich damit
abgefunden, daß nur noch Busse und Taxen durchdiese einstige Hauptverkehrsader
der Regionalhauptstadt düsen dürfen. Auch daß die Bahnhofsvorstadt für einen
Fremden auf Anhieb kaum zu finden ist, und Ortskundige erst lange Umwege fahren
müssen, um zum Beispiel per Auto zu Hauptpost oder Hauptbahnhof zu gelangen -
selbst dieser unerfreuliche Umstand ist leidlich akzeptiert. Aber können wir
uns wirklich vorstellen, daß eine Stadtbahn, die von Eppingen bis Öhringen
verkehrt, mitten durch die Innenstadt geführt wird? Die hat schließlich ein
anderes Kaliber als unsere städtischen Busse, die derzeit durch die
Kaiserstraße zuckeln. Beim besten Willen: Meine Vorstellungskraft reicht dafür
momentan nicht aus. Öffentlicher Personennahverkehr schön und gut – aber was
derzeit an Fahrzeugen der Bundesbahn vom Hauptbahnhof in Richtung Karlstor und
weiter ins Hohenlohische fährt, das auf einer Schiene mitten durch die Stadt?
Warum wird nicht auf der alten Trasse zwischen Hauptbahnhof und Karlstor und
weiter durch den Tunnel nach Weinsberg verkehrt? Auch da sind Haltepunkte
möglich. Und man würde den Bau einer neuen sparen. Viel wichtiger für die
Zukunft ist es, den Ausbau der Straßen-Verbindungswege zwischen Weinsberg und
Heilbronn zu betreiben. Denn der Autoverkehr – da kann man sich winden und
wenden, wie immer man will – wird weiter zunehmen. Mit Beschwörungsformeln ist
diesem Anstieg nicht beizukommen. Nur mit einer vernünftigen Verkehrspolitik –
auch auf kommunaler Ebene.
SPD-Suche
Die Sozialdemokraten in Baden-Württemberg
sind seit der Landtagswahl im vergangenen Jahr in eine Identitätskrise
gerutscht, aus der sie bis heute nicht herausgekommen sind. Dieter Spöri, ihr
Spitzenmann bei der verlorenen Wahl, hat sich sang- und klanglos in die freie
Wirtschaft abgesetzt. Am Wahlabend mußte er, weil sich der Landesvorsitzende
Ulrich Maurer nicht zeigte, die ganze Last der Schuld am Wahldesaster auf sich
nehmen. Jetzt, nach einem Jahr, konzentriert sich die Unzufriedenheit der
Parteimitglieder auf ihn. Alternativen sollen sichtbar gemacht werden. Robert Antretter, 58jähriger
SPD-Bundestagsabgeordneter, will beim nächsten Parteitag gegen den amtierenden
SPD-Landesvorsitzenden Ulrich Maurer,
der im zehnten Jahr seiner Zeit als Landesvorsitzender steht, antreten. Maurer
habe seine lange Bewährungszeit nach der Wahl nicht genutzt. Jetzt gelte es,
junge Kräfte in der Partei zu fördern. Und den Wechsel vorzubereiten. Für die
Heilbronner SPD-Kreisvorsitzende Sibylle
Mösse-Hagen ist Antretter allerdings keine Alternative, er sei einfach zu
alt für einen Neubeginn. Denn ohne Not wähle man einen Mann wie Maurer nicht
ab. Da stellt sich allerdings die Frage, wie groß die Not der SPD in
Baden-Württemberg von den Genossinnen und Genossen empfunden wird. Andere
Kreisverbände haben Herta Däubler-Gmelin,
die stellvertretende SPD-Bundesvorsitzende, rechtspolitische Sprecherin der SPD
und Professorin in Berlin, für das Spitzenamt im Ländle vorgesehen. Sie hält
sich allerdings momentan noch bedeckt. Und erhält dafür verbale Schelte von der
Landes-SPD. Nach dem Rücktritt Dieter
Spöris als Landtagsabgeordneter hat die SPD in Heilbronn sich nicht mit
einer Nabelschau aufgehalten. Das Dreigestirn Sibylle Mösse-Hagen (Kreisvorsitzende), Harry Mergel (Fraktionsvorsitzender im Gemeinderat) und Harald Friese (Bürgermeister,
SPD-Fraktionsvorsitzender in der Regionalversammlung) wollen das Schiff flott
machen. Ob sie es schaffen, hängt von ihren politischen Taten ab. Und dazu
haben sie jetzt mehr als genug Möglichkeiten, zu zeigen, was die SPD alles in der
Region kann.
Neue Bürgermeister
Trotz der vielen angekündigten
Sparmaßnahmen wird die Stadt Heilbronn nach dem Ausscheiden des
Kulturbürgermeisters Reiner Casse
wieder vier Dezernenten haben. Darauf einigten sich die beiden großen
Fraktionen im Rathaus, CDU und SPD. Und gegen die 26 Stimmen der beiden
Elefanten können die kleinen Gruppierungen am Hufeisentisch der 40 obersten
Repräsentanten der Stadt wenig ausrichten. Beim Personal der nahezu
5.000-Mitarbeiter-Behörde „Heilbronner Stadtverwaltung“ soll in den kommenden
Jahren kräftig gespart werden. Aber an der Spitze soll alles beim alten
bleiben. Die Einsparung eines Dezernenten käme einer Schwächung der
Führungsspitze im Rathaus gleich, meint die SPD in einer Presseerklärung. Denn
angesichts gravierender Veränderungen und zunehmender Probleme, die auch in
Heilbronn zu lösen seien, käme das
Wegfallen eines Dezernats „fast schon einer Geschäftsschädigung“ gleich,
verkünden mutig und selbstbewußt die Sozialdemokraten. Die CDU und ihr
stellvertretender Fraktionsvorsitzender Thomas
Strobl kommentieren die Beibehaltung der vier Dezernate wohlweislich nicht.
Denn Christdemokraten hatten sich im Rathaus in den vergangenen Monaten stark
für einen Personalabbau eingesetzt. Selbst die mögliche Einsparung eines Dezernats
war von der ehemaligen Fraktionsvorsitzenden Johanna Lichy, heute Staatssekretärin und Landtagsabgeordnete,
erwogen worden. Nun aber sind die Karten neu gemischt. Neue Führungsspitzen der
Fraktionen im Rathaus schlagen auch neue Töne an.Wie sagte doch Harry Mergel von der SPD? „Das
Großunternehmen Stadt Heilbronn mit einem Gesamtbudget von mehr als einer
Milliarde Mark braucht mehr denn je eine starke Führungscrew.“ – Da bin ich
sehr gespannt, welche Stärke die neue Crew aufweisen wird.
Wer wird was wann
Der Wechsel an der Spitze der
Dezernate ist festgeklopft. Die SPD im Heilbronner Rathaus freut sich, das
„klassische Feld sozialdemokratischer Kommunalpolitik wieder maßgeblich
gestalten“ zu können. Konkret: der derzeitige Krankenhaus- und
Ordnungsdezernent, Bürgermeister Harald
Friese wechselt nach dem Ausscheiden von Reiner Casse ins Kulturdezernat.
„Klassisch“ sei es, wenn es in SPD-Hand ist? Ein müdes Argument. Denn
nach dem Kriege gab es nur einen SPD-Kulturbürgermeister: Erwin Fuchs. Aber zwei von der CDU. Die Frage lautet jetzt: Wen
stellt die CDU als Nachfolger für Harald Friese auf? Artur Kübler, der CDU-Fraktionsvorsitzende, hat nicht abgewunken –
und die CDU sagt, wenn er will, dann wird er es. Gewollt hat er schon einmal.
Damals zog die CDU Reiner Casse als Kulturbürgermeister vor. Welche
Hintergründe hat dieser kleine Machtpoker im Rathaus? Thomas Strobl, CDU-Kreisvorsitzender und Stadtrat, könnte sich als
neue CDU-Fraktionsvorsitzender in der Nachfolge Artur Küblers für seine Bundestagskandidatur
gut in Pose setzen. Harald Friese, dem auch Ambitionen für eine Kandidatur in
den Bundestag nachgesagt werden, ist das lästige Amt des Ordnungsbürgermeisters
los und kann sich als Kulturdezernent in der Vorwahlkampfzeit bei den vielen anstehenden
Terminen in der Öffentlichkeit ein positives Image verschaffen. Würde er
1998 über die Landesliste oder direkt
gewählt werden, hätte die SPD wieder das Vorschlagsrecht für seine Nachfolge
und Harry Mergel wäre der neue Kulturbürgermeister – und nicht mehr nur Lehrer,
Fraktions- und Heilbronner Kulturtagechef. Es könnte aber auch sein, daß Harald
Friese in der SPD als Bundestagskandidat nicht vermittelbar ist. Dann hieße der
neue SPD-Kandidat doch noch Harry Mergel. Oder vielleicht Frank Stroh von der IG-Metall in Neckarsulm. Denn bisher hatten die
neuen Heilbronner SPD-Manager ihre Politik ohne die Landkreis-SPD gemacht.
Wahrsager
Manche Leute lesen Horoskope – und
denken, sie könnten Tips für künftiges Verhalten daraus ablesen. Die sich professionell
gebenden Sterndeuter erzählen jedoch mit großer Ernsthaftigkeit, daß mit solch
pauschalen Hinweisen auf das Sternzeichen, in dem man geboren ist, nur Humbug
verzapft wird. Man müsse da schon genauer rechnen. Andere wieder sagen, nicht
nur die europäische Version der Sterndeuterei, sondern auch die indianische
(mit Pflanzen) oder chinesische (mit Tieren) müsse zu Rate gezogen werden, wenn
es um die richtige Bewertung geht. Wie aber sieht es aus, wenn ein Wahrsager
durch die Lande zieht und für ganze Landstriche die Zukunft voraussagen will.
In Heilbronn war dieser Tage ein solcher aufgetreten und blickte ins Brodeln
der Stadt, um daraus etwas für die Zukunft vorauszusehen. Viel sah er nicht, weil seine Kenntnisse über den Heilbronner Sumpf der
letzten Monate offensichtlich zu dünn waren. Aber einen Bauskandal mit
personellen Konsequenzen ganz oben wollte er dann doch gesehen haben.
Bestechung sei dabei im Spiel. Ist ja vielleicht ein ganz interessanter Hinweis
für Heilbronner Polizei, in dieser Richtung mal nachzuprüfen. Ein solcher Fall
wäre bei der steigenden Wirtschaftskriminalität im Unterland nicht aus der
Welt. Aber Bestechung im Rathaus – das hatten wir doch erst gerade. Hat sich
unser Sterndeuter da etwa im Zeitplan geirrt? Oder wollte er doch nur eine
heftig Propaganda für sich machen? Sei es wie es will. Einen schönen Sommer
sagte er uns im Unterland voraus und sinkende Arbeitslosenzahlen (entgegen dem
Trend). Das ist ja schon mal was. Man könnte aber auch sagen, das klinge, als
wenn jemand prophezeit: Auf die Nacht folgt der Tag. Oder: Wer viel trinkt muß
in der Regel nach einem gewissen Zeitraum das WC aufsuchen.
Fitness-Business
„Suchen Sie sich eine aus!“ Wen,
was? Fünf reizende Pos nebeneinandergereiht sollen als Blickfang für ein Unterländer
Fitness-Studio dienen. Man wirbt mit Hinterteilen, wo bleibt der Rest? Bestehen
die Reklame-Damen nur aus nacktem, naja mit Schleifle bedecktem Gesäß, das
nicht bloß zum Sitzen dient? Alles ganz
natürliche Fitnessstudiofängerinnen. Geschmacklos das Frau viel zeigen muß,
schön was man sehen darf? Wo bleibt die Ästhetik? Na, gewiß im Fitness-Studio.
Hier wird gestrafft, gestärkt, geformt, alle wollen wahrhaft wohlgeformte
Wunderbodys, sie etwa nicht? Aufgerafft und machen Sie eine gute Figur. Wird’s
bald, hängen Sie doch nicht so träge, lasch und abgeschlafft herum, stark
sollen Sie sein, stark und fit und fest. Nur schöne Menschen sind erfolgreich,
wußten Sie das nicht? Schön und gut, sagten die Griechen. Das Fitness-Studio
verschönert, kurz und gut. Der Preis
spielt nämlich keine Rolle, die Werte sind normiert. Die Kosten können
kommen, wenn der Körper knospt. Der moderne Relativismus hat hier keine Chance,
Waage und Maßband haben nämlich wir. Den vorgefertigten Vorstellungen müssen
sich alle stellen, das verspricht Erfolg auf der ganzen schlanken Linie.
Geheimtip: Oft blendet der strahlende Glanz des äußeren Scheins. Scheinbar
alles schön und gut, aber schau mal hinter die künstlichen Kulissen der
glänzenden Gaukler und lüfte die heißen Höschen der netten Reklame-Damen.
Ohnmächtige Offenbarung! Wer’s nicht im Hirn hat, hat’s halt im Oberarm.
Empfehlung: Liegestütze für die
Oberstübchenleitung versprechen geistige Fitness. Mitdenkende Mitmenschen
mobilisieren mehr, oder wer ist fitter?
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