Sucht und Hasch
Ich weiß nicht, ob unverantwortliches Lehrergewäsch viele
Schüler annehmen läßt, Hasch-Konsum könne nicht süchtig machen. Nach den in
der Zeitschrift Science
veröffentlichten Berichten gelangt der Marihuana-Wirkstoff THC auf denselben
Leitungsbahnen ins Suchtzentrum des Gehirns wie das Heroin. So italienische
Neurologen. Zwei Forscherteams haben die bisher oft bestrittene These mit Tests
untermauert, der regelmäßige Joint sei ein erster Schritt zum Konsum harter
Drogen. Die Trennlinie zwischen harten und weichen Drogen vermische sich,
fanden spanisch-amerikanische Wissenschaftler heraus. Suchtauslösender Schalter
im Hirn ist ein kleiner Zellhaufen, der bei Hasch- oder Heroin-Konsum
gesteigert Dopamin ausschüttet, der das Wohlbefinden der Rauschgiftkonsumenten
hervorruft. Nun wissen wir schon seit langem, daß regelmäßige Haschkonsumenten nicht gerade zu den leistungsstarken Personen im täglichen Leben gehören. Und
daß ein gesunder Mensch durch probieren nicht süchtig wird. Dazu benötigt er
schon auch noch eine psychische Konstitution, die sich nach dem Himmelreich auf
Erden sehnt – und zwar möglichst sofort. Menschen dieser Art gab es immer – und
wird es immer geben. Sie müssen bloß an den Stoff kommen, der ihn diese Sehn-Sucht
erfüllt. Und die laufen ja nun zuhauf herum, ob als Sektenprediger oder Stoffverkäufer.
Gezahlt wird bei beiden Süchten – und zwar nicht zu knapp. Ob nun ein
Kontaktladen in der Bahnhofsvorstadt dabei den Süchtigen ein menschenwürdiges
Leben beschert, bezweifeln viele. Vor allem Bewohner des Stadtteils. Die Pläne
liegen baureif in der Schublade des Heilbronner Rathauses. Aber es traut sich
offenbar niemand so recht an die Verwirklichung. Harald Friese, bisher zuständiger Dezernent, ist ein entschiedener
Befürworter des Heilbronner Kontaktladens. Sein Nachfolger Artur Kübler, bisher CDU-Fraktionsvorsitzender, wird die Pfeile auf
sich ziehen – wie immer er sich auch damit auseinandersetzt. Viel wichtiger
wäre es, den offenen und kriminellen Drogenhandel in der Stadt wirksam zu
bekämpfen. Die unheilige Solidarität und Allianz zwischen Dealern und Süchtigen
muß zerschlagen werden. Das macht Arbeit. Aber wer nicht anfängt, die kleinen
Sünden zu bestrafen, wird bei den großen erst recht versagen. Halbherzigkeit
ist in diesem Fall ein Verbrechen an Kindern, die zur Sucht verleitet
werden.
Helm auf
Jetzt ist sie wieder angebrochen,
die Zeit der Radfahrer. Hatten sich in den kälteren Monaten nur die ganz
Hartgesottenen auf ihren Drahtesel geschwungen, zieht es bei sommerlichen
Temperaturen nun auch die Freizeit-Pedaleure auf ihr Rad. An manchen Wochenenden sind Straßen und
Radwege so stark frequentiert, daß man meinen könnte, die Zeiten der
Auto-Ausflügler seien vorüber. Auf einer klassischen Radler-Route, dem Schozachtal-Weg, bilden sich manchmal
sogar regelrechte Fahrrad-Staus. Da ist dann selbst mit Geklingel und Gerufe
kein Durchkommen mehr. Nun kann man mit einem modernen Bike ordentlich Tempo
machen. 40 bis 50 Stundenkilometer sind da schon mal drin. Und jeder Autofahrer
weiß, was passiert, wenn er mit seiner Karosse und dieser Geschwindigkeit auf
ein Hindernis prallt. Totalschaden, eventuell Verletzungen sind ihm sicher, vor
allem wenn er nicht angegurtet ist. Im Auto versuchen die Menschen mittlerweile
die größte Sicherheit herauszuholen. Auf dem Fahrrad wollen etliche
Zeitgenossen davon überhaupt nichts wissen. Da fahren sie mit klepprigen
Rädern, manchmal ohne funktionierende Bremsen, andere wieder ohne einen
Schutzhelm. Eigentlich müßten die Radler gewarnt sein. Kaum ein Wochenende
vergeht, an dem nicht über Radfahrerunfälle berichtet wird. Erst unlängst
prallten bei Heilbronn zwei Drahtesel-Piloten zusammen. Bei einem waren
schwerste Verletzungen die Folge. Die Ärzte der Krankenhäuser in und um
Heilbronn herum raten dringend: Helm auf! Damit ließen sich im Falle eines
Unfalles wenigstens die Folgen dämpfen oder vermeiden. Als „besonders
erschreckend“ vermerkten die Mediziner die Sorglosigkeit vieler Eltern im
Umgang mit ihren radfahrenden Kindern. Häufig hätte der Nachwuchs keinen Schutz
am Leib und würde eingekeilt zwischen den „großen“ Radlern dahinstrampeln.
Medienstars
Manchmal kommt man aus dem Staunen
nicht mehr raus. Vor allem in der
Provinz. Auf einer Gesellschaft im Unterland gab es eine nette Runde. Da
wurde über einen bekannten Fernsehmoderator gesprochen, der gelegentlich mit
seinen Sendungen für Aufsehen sorgt.
Eine reichlich mittelalterlich und blond
aufgeputzte Dame der Gesellschaft sagte dann unvermittelt und besserwissend,
daß dieser Mann doch wohl eine Vorliebe für das eigene Geschlecht hege. Nun
hatte die Runde nicht über die sexuellen
Neigungen irgendwelcher Menschen in dieser Sendung gesprochen, sondern über
deren Qualität. Ein älterer,
weißhaariger Herr, schon Großvater und Erzeuger mehrerer erfolgreicher
Töchter und Söhne, antwortete der Dame ebenso unvermittelt: „Gnädige, nicht nur
das, der Mann soll auch Jude und Freimaurer sein sowie den Scientologen
nahestehen.“ – Kein sonderliches
Erschrecken bei der Blondierten. Nur der gelangweilte Satz: „Das auch noch. Da kommt ja alles zusammen.“
Und schon wandte sie sich interessiert einem Gespräch zu, bei dem es unter
Frauen um die Chancen ihrer Nachkommen in gehobenen Berufen ging. – Aber nicht nur Frauen können dumm und
geschwätzig sein. Da erinnert man sich an einen Gewerkschaftsführer aus der Bundesebene, der in der Neckarstadt
Heilbronn zu Besuch war und nach einer Pressekonferenz den anwesenden
Provinzjournalisten bei einem Glas Württemberger aus der großen weiten Welt erzählte. Erst kürzlich war nämlich ein
ausgemachter Redakteur, der seinen Beruf von der Pike auf gelernt hatte, zum Intendanten einer ARD-Anstalt gewählt
worden. Der Gewerkschaftsmann tat gewichtig kund, daß er diesen Mann schon
gekannt habe, als der noch mit dem
Fahrrad kurz nach dem Krieg für eine kleine Zeitung über die Dörfer radelte
und „über Hasenzüchtervereine“ berichtet hätte. Keck fragte ein Jungredakteur,
was der Gewerkschafter denn zu jener Zeit so getrieben habe. Jugendvertreter
und Arbeiter sei er damals gewesen. „Da haben Sie es ja auch weit gebracht“,
meinte trocken der Jung-Journalist. Verdutzt und ein wenig kuh-äugig nickte der
Mann aus der Gewerkschafts-Funktionärskaste. Und goß den guten Wein hinter
seine Binde.
Wer zahlt?
Bei den Renten haben wir einen Generationenvertrag. Wer heute in die
Rentenkasse einzahlt, der finanziert die Renten der Menschen, die sie heute
beziehen. Wer also heute in Rente geht (nehmen wir mal an - mit 65 Jahren), der
ist im Jahre 1932 geboren – war also bei Kriegsende 13 Jahre alt. Jene
Menschen, die heute Renten beziehen (ob im Ausland oder in Deutschland), weil
sie im Dritten Reich verfolgt oder geknechtet wurden, werden also auch von den
Nachgeborenen alimentiert. Die deutschen
Enkel zahlen somit für die Sünden ihrer Großväter. Bisher ist das in
Deutschland allgemein akzeptiert. Aber das Rentensystem darf nicht weiter von
Forderungen belastet werden, die aus dem Unrecht während des Dritten Reiches
erwachsen sind. Wenn schon, dann müssen
alle an diesen Lasten beteiligt werden – nicht nur die Renten-Einzahler.
Darum geht es ja auch bei den Zahlungen, die nicht aus Ansprüchen aus der
Einzahlung in die Rentenkasse erwachsen sind und trotzdem aus der Rentenkasse
bezahlt werden. Beamte und Freiberufler
beteiligen sich nicht an diesen Zahlungen. Denn sie versichern sich selber -
oder werden mit Pensionen (bislang) vom Staat ausgehalten. Genau das gleiche
gilt für die Zahlungen von Firmen, die einst Zwangsarbeiter beschäftigt und
gepeinigt hatten. Was in diesen Firmen heute erarbeitet wird, das muß dazu
verwandt werden, um die Ansprüche der Gepeinigten von einst zu befriedigen.
Auch hier sollte nicht überreizt werden. Denn schnell ist das böse Wort von der
Kollektivschuld und der Sippenhaft
ausgesprochen. Die Nazis hatten nach diesem Prinzip Menschen verfolgt. Dieses
Prinzip kann nicht ernsthaft von den Nazi-Verfolgten und ihren Nachkommen ins
Feld geführt werden, um Unrecht zu sühnen. Auch wenn es bequem ist, so zu
verfahren, bleibt das Verfahren Unrecht.
Bürgermeister Artur Kübler
Jetzt ist er es endlich. Tief
enttäuscht war er dagegen 1984 gewesen. Die CDU hatte ihn zum Kandidaten für das Amt des Kulturdezernenten in
Heilbronn aufgestellt. Und gewählt wurde sein „Parteifreund“ Reiner Casse, mit Unterstützung von einigen Parteifreunden, SPD und FDP
im Heilbronner Gemeinderat – entgegen der Absprache. Jetzt aber hatte Artur
Kübler es auf Anhieb geschafft, gleich im ersten Wahlgang mit 25 Stimmen. Die
kleinen Gruppierungen hatten den Ratssaal unter Protest verlassen, aber vorher
leutselig bekundet, daß sie nichts gegen die Person Artur Kübler hätten,
sondern nur gegen die undemokratische
Absprache der beiden großen Parteien CDU und SPD bei den neu zu besetzenden
Bürgermeisterposten. Jetzt muß der noch amtierende Vorsitzende der CDU-Fraktion
im Heilbronner Gemeinderat Artur Kübler damit leben, daß seine Stadträte wohl
einen strikten Sparkurs beim Personal im
Rathaus fordern, aber bei den vier
Bürgermeisterposten nicht bereit sind, einen einzusparen. Parteiproporz
gehe da über die Finanz-Vernunft, meinen die kleinen Fraktionen von FDP,
Grünen, Republikanern und Freien Wählern. Ganz andere Sorgen plagen die CDU.
Gewählt ist gewählt. Und jetzt steht die Nachfolge für Artur Kübler an. Derzeit
läuft alles auf seinen Stellvertreter Thomas
Strobl, Rechtsanwalt und CDU-Kreisvorsitzender zu, der auch schon als
Nachfolger für Egon Susset, das
heißt zunächst einmal für die Kandidatur zur Bundestagwahl im Wahlkreis
Heilbronn gehandelt wird. Sollte er 1998 nach Bonn gehen, dann muß die CDU sich
einen neuen Fraktionsvorsitzenden im Gemeinderat suchen. Auch wenn gesagt wird,
daß es Egon Susset geschafft hatte, auch im Heilbronner Kreisrat zu sitzen und
viele andere Ehrenämter auszuüben. Bei der Nachfolge von Helga Drautz-Oertel, die einst als große Hoffnung der Heilbronner
CDU galt und jetzt aus beruflichen Gründen kürzertreten muß, hatte sich schon
gezeigt, daß die Personaldecke dünn
wird. Johanna Lichy, die
vielbeschäftigte Staatssekretärin und direkt gewählte Heilbronner
CDU-Landtagsabgeordnete, ließ sich wieder in die Pflicht nehmen, um den
CDU-Stadtverband zu führen. Die Parteien müssen insgesamt attraktiver werden
und nicht nur nach Pfründen schielen.
Synagogengasse
Können
Sie sich eine derartige Meldung in unseren Tagen vorstellen: Die
Stadtverwaltung und der Gemeinderat der Stadt Heilbronn haben Plänen
zugestimmt, daß nach dem Umzug der Jaeger-Filmtheater aus den Gebäuden zwischen
Heilbronner Stimme und ehemaliger Hauptpost an der Allee und
dem Abriß der Nachkriegsbauten an dieser Stelle wieder die einst durch die
Nazis zerstörte Heilbronner Synagoge
wiederaufgebaut wird. Warum sollte nicht heute möglich sein, was vor hundert
Jahren in Heilbronn in Gang gesetzt worden war? Und an die Stelle der alten
Filmbühne unmittelbar neben dem neuen Volksbank-Gebäude wird der Bau einer Moschee geplant. An der
Prachtstraße Heilbronns, der Allee, zwei neue Gotteshäuser? Das könnte der Stadt Heilbronn zur Zierde
gereichen. Die Bürger dieser Stadt hatten vor rund einhundert Jahren den Mut, derartiges zu genehmigen. Mut
und ein großer Toleranzgedanke schienen
damals weiter verbreitet zu sein als heute. Bedenkenträger melden sich
zuhauf zu Wort, wenn es darum geht, daß fremde christliche Religionen oder
Muslime ein Gotteshaus bauen wollen. Bei jüdischen Gotteshäusern, die demnächst
bei Anwachsen der jüdischen Gemeinden anstehen, wird man sehen, wie sich unsere
schwankenden Kommunalpolitiker gebärden.
Ich kann mir beim besten Willen kaum vorstellen, daß an der Allee Heilbronns
irgendwann wieder einmal ein Synagoge (oder gar eine Moschee) gebaut werden
könnte. Irgendwo in einem Heilbronner Industriegebiet – ja. Aber mitten in der Stadt? Dabei wäre es
durchaus angebracht, wenn unsere Wohlmeindenden sich für den Wiederaufbau des
jüdischen Gotteshauses einsetzen würden. In anderen Ländern Europas hat man das
schon längst getan. Die Heilbronner Synagogengasse würde somit wieder mit Fug und Recht ihren Namen
tragen.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen