Wenn
der Besen hängt
Eigentlich
wollte ich an dieser Stelle ja etwas über die Besenwirtschaften im schönen
Unterland verbreiten. Aber Sie sehen selbst – diesmal ist der Besenkalender im Neckar Express mal
wieder reichlich lang geworden. Und deshalb verzichte ich auf Text. Gehen Sie
lieber hin – und genießen unseren guten Wein im Besen.
Gerechtes
Urteil
Einige
Bürger in der Stadt Heilbronn spekulierten schon. Wird das Urteil im
Heilbronner Rathaus-Prozeß weniger hart ausfallen als im Polizisten-Prozeß vor
wenigen Monaten? Aber die dritte Große Strafkammer des Landgerichts in
Heilbronn hat – so scheint der
allgemeine Tenor zu sein – ein gerechtes Urteil gesprochen. Sechs Jahre Haft
für den 54jährigen Angeklagten Eberhard S., der für 129 Untreuefälle in
Tateinheit mit Betrug am Freitag letzter
Woche verurteilt worden ist. Der Staatsanwalt hatte sechseinhalb Jahre
gefordert. Die Verteidigung hatte auf vier Jahre gehofft, nennt das Urteil nun
aber „nicht grob unbillig“. Und hofft, daß ihr Mandant in etwa zwei Jahren sich
wieder auf freiem Fuß befindet. Denn bei einem Ersttäter und schwerkranken
Menschen besteht die Möglichkeit, ihn schon nach Verbüßung der Hälfte der sechs
Jahre aus dem Gefängnis zu entlassen, unter Anrechnung von einem Jahr
Untersuchungshaft. Bei dem Urteil berücksichtigte die Heilbronner Kammer vor
allem die Nierenkrankheit des Angeklagten und seine angeschlagene körperliche
Verfassung nach einer Nierentransplantation. Auch sein Geständnis floß in die
Urteilsfindung mit ein, obwohl er nur
zugegeben hatte, was ohnehin bewiesen war. Nochmals zur Erinnerung: 5,7 Millionen Mark hatte der ehemalige
Sachbearbeiter im Hauptamt der Stadt Heilbronn veruntreut und dafür rund
200.000 Mark Schmiergelder erhalten. Seine Kumpanen sind teils verurteilt, teils befinden sie
sich in Israel noch auf freiem Fuß. Die Staatsanwaltschaft will Rechtshilfe bei
der israelischen Botschaft beantragen. Schäbig von den Helfershelfern des
Eberhard S. war ohnehin, sich auf die Verfolgung der Juden während der
Nazi-Zeit zu berufen, um den Betrug zu erleichtern. Ob dies nur ein
vorgeschobenes Argument im Prozeß war, oder tatsächlich so geschehen ist,
bleibt dahingestellt. Verbrechen werden dadurch nicht besser, daß sie in der
Berufung auf andere Verbrechen ausgeführt werden. Im Gegenteil. Und ein
Verbrecher ist ein Verbrecher, ob nun
mit jüdischer, muslimischer oder
christlicher Religionszugehörigkeit.
Frau
am Computer
Frau
und Computer – da lachen manche Männer doch nur. Und erzählen sich den Witz,
daß so manche Sekretärin, nachdem sie Bildschirm und Rechner hingestellt
bekommt, auf das geliebte Tipp-Ex nicht verzichten will. Dementsprechend sieht
der Bildschirm nach dem ersten Schreiben reichlich fleckig aus. Wer erklärt da
dermaßen unverständlich? Dabei haben wir Frauen diese Revolution am
Schreibtisch bisher sehr wohl im Griff. Wenn ich die männlichen Kollegen von
der Seite belächle wie sie über die technischen Details schwadronieren, sich in
kleinsten Unwichtigkeiten verlieren, aber kaum einen Brief selber in die
Tastatur bringen, muß ich uns sehr loben. Nur nicht einscannen lassen! Ein bißchen Bites, ein bißchen Bytes sind
schneller bereit als eine Suppe sich kochen läßt. Aber die handlichen Mäuse
schmecken wohl besser, oder was piepst den nebendran fortwährend? Ach so der
gefühlvolle Herr Kollege spielen eben mal mutig spannende Mord-Games, frei nach
Killerinstinkt. Nebenbei bringt „frau“ stilistisch wertvolle Inhalte auf den
Bildschirm, weil sie weiß, wie man’s macht. Ganz sicher steckt viel Mühe drin und dahinter immer ein
kluger Kopf. Laßt uns nur mal ran an den Dinger. Keine Sorge und kühlen Kopf
bewahren, wir zeigen euch gerne den Kochwaschgang. Tipp-Ex-Flecken sind
hartnäckig und ziemlich zäh. Wir werden uns spätestens beim Datenaustausch
wiedertreffen und im Internet kommt ihr auch nicht an uns vorbei.
Berliner
Platz
Alles
schien unter Dach und Fach. Und der Investor ließ sich am Tisch von OB und
Erstem Bürgermeister bei der Premierenfeier zum Musical „Annie get your gun“ im
Heilbronner Stadttheater auch noch gebührend feiern. Wenige Stunden später
jedoch ging der Poker um den Berliner Platz in Heilbronn weiter, wie die
Tageszeitung bitter feststellte. Ob es zu einem Spatenstich für den
Erweiterungsbau für das 100 Millionenprojekt auf dem Berliner Platz noch kommt,
steht offenbar in den Sternen. Auch wenn Heilbronns OB sehr zuversichtlich in
die nahe Zukunft schaut. Dabei hätte man
im Jahre 1992 den Anbau ans Stadttheater für rund 20 Millionen haben können.
100 Millionen waren ja für Tiefgarage und Theater schon verbuddelt worden.
Jetzt will man im Rathaus, nachdem die Bülow AG vorsorglich von ihrem
Rücktrittsrecht Gebrauch machte, gar nichts von einem Rücktritt oder gar
Ausstieg dieser Firma aus dem Berliner-Platz-Projekt wissen. Denn Bülow habe ja
schließlich schon fünf Millionen in die Vorarbeiten investiert. Dabei geht es
mit der Verlängerung des Rücktrittsrechts um nichts anderes, als daß noch ein
paar potente Mieter oder Käufer für Ladengeschäfte gefunden werden. Oder die
Stadt sich stärker noch als bisher engagiert. Vielleicht mit Teilen eines Amtes
in den Berliner Platz hineinzieht oder eines ihrer Unternehmen bittet, dort
aktiv zu werden. Man pokert halt ein wenig von Seiten der Bülow AG. Schließlich
sitzt man ja auch am längeren Hebel. Aber ich meine, bei den Vorleistungen der
Stadt Heilbronn dürften auch einige andere Investoren interessiert sein. Hat es
jetzt wirklich nur noch der Heilbronner Gemeinderat am 17. April in der Hand,
durch die Fristverlängerung den Weg für die Bebauung des Berliner Platzes zu
ebnen? Das wage ich stark zu bezweifeln. Wenn die Verwaltung schief verhandelt
hat, ist es sehr leicht, den Stadträten den Schwarzen Peter in die Schuhe zu
schieben. Nur keiner ist gezwungen, sie sich überzustreifen.
Wirtschaftskriminalität
Warum
es bei der Vorlage der jährlichen Kriminalitätsstatistik der Polizeidirektion
zu einer enormen Steigerung bei der Wirtschaftskriminalität kam, ist vielleicht
nur mit der wirtschaftlichen Situation, in der sich das Land Baden-Württemberg
befindet erklärlich. Verglichen mit allen anderen aufgelisteten Straftaten
weist dieser Bereich die höchste Steigerungsrate auf. Was aber nicht nur im
Bereich der PD Heilbronn so hervorzuheben ist, sondern landesweit im Bereich
der Wirtschaftskriminalität feststellbar ist. Im Stadt und Landkreis Heilbronn
stiege die Zahl der bekanntgewordenen Fälle von 187 auf 263. Der alljährliche Schaden wird dabei diskret
auf „Millionenhöhe“ beziffert. Und die Polizei verweist in diesem
Zusammenhang auch darauf, daß durch Wirtschaftskriminalität Firmen in
Existenznot geraten und Arbeitsplätze gefährdet werden. Und da die Ermittlungen
in der Regel „komplex, sowie zeit- und personalintensiv“ seien, ist angedeutet,
daß in diesem Bereich noch weitaus mehr an Straftaten vermutet wird als zur
Anzeige kommt oder durch Zufall aufgedeckt wird. Die Scheu von Mitarbeitern
oder Geschäftspartnern, Wirtschaftskriminalität zur Anzeige zu bringen ist sehr
groß. Es ist ihnen ja auch nicht zu verdenken, daß sie der Ansicht sind, ihren
Arbeitsplatz oder ihren Kunden zu verlieren, wenn es zur Anzeige kommt. Also
wird versucht, vieles im Vorfeld zu regeln – möglichst außergerichtlich, oder
wenigstens ohne Polizei. Vielleicht nur mit der zarten Drohung durch einen
Rechtsanwalt. Wenn es dann aber zum Konkurs kommt, stoßen die Beamten des
Heilbronner Betrugsdezernates nicht selten auf weitere Straftaten – zum
Beispiel Betrugsdelikte. Hier sind die Straftaten von 550 auf 659 angestiegen,
ohne Scheckbetrug und Betrügereien mit Scheck- oder Kreditkarten. Also Vorsicht
– die Gauner sind unter uns, auch mit Schlips und weißem Kragen, gefönter
Frisur und schickem Auto.
Stadtmarketing
Viel
war angekündigt - bis hin zu einer Palastrevolution. Aber dann kam alles ganz
anders beim Verkehrsverein Heilbronn. Die entscheidende Versammlung wurde
einfach abgesagt. Und worum ging der ganze Streit? Stadtmarketing lautet das
Zauberwort, mit dem die Zukunft der Käthchenstadt erfolgreich gemanagt werden
soll. Denn nach Ansicht des Vorsitzenden des Hotel- und Gaststättenverbandes Thomas Aurich sinken die
Übernachtungszahlen in Heilbronn, während sie im Landkreis in den vergangenen
zehn Jahren gestiegen waren. Der Vorsitzende des Verkehrsvereins Hans Georg
Mayer hält diese zitierten Zahlen des Statistischen Landesamtes für falsch –
sie stimmten hinten und vorn nicht. Man müsse von Zimmerbelegung, nicht von
Bettenauslastung in einer Stadt wie Heilbronn ausgehen. Und auch Heilbronns
Verkehrsdirektor Bernhard Winkler
wehrt sich. Schließlich habe Heilbronn den Abzug der Amerikaner in den letzten
zehn Jahren verkraften müssen. Ansonsten müßten die Hoteliers halt ihre
Vermarktungsstrategien ändern. Wie ansonsten im Lande es auch getan werde. Aber was nutzt das Gefuchtel mit den
negativen Zahlen, mit den Hinweisen auf das, was bisher nicht gelaufen ist?
Wenn man in Heilbronn nicht endlich Schritt für Schritt Pflöcke einrammt, dann
verschläft man auch das, was für die Zukunft notwendig ist. Stadtmarketing ist
immer nur so gut wie das, was tatsächlich vermarktet werden kann. Selbstzweck
ist ein solches Marketing nur dann, wenn ausschließlich darüber ohne
Konsequenzen geredet wird. Und diesen schalen Eindruck muß ich leider gewinnen,
wenn ich mir die derzeitigen Diskussionen vor Augen führe.
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