Clevere Tiere
Die eisigen Tage scheinen
vorerst einmal vorrüber zu sein. Am Wochenende hat es kräftig getaut, der
Schnee ist dahingeschmolzen. Zurück
bleibt die Erinnerung an einen herrlich, knackig kalten Winter und mehr als drei
Wochen Dauerfrost. Wir Menschen haben uns mit warmer Kleidung, Einheizen
und manchmal auch Rückzug in die eigenen vier Wände vor der Kälte geschützt.
Doch wie sind unsere Tiere und Pflanzen über die Runden gekommen? Forstleute
sagten mir: Gut. Denn die Natur behilft sich in solchen Kälteperioden selber.
Vögel ziehen sich in den schützenden Wald zurück. Reptilien und Amphibien
können sich in einen Winterschlaf versetzen, bei dem sie ihre Körpertemperatur
kräftig herunterschrauben. Manchen
Tieren genügt ein Atemzug pro Stunde. Der Energiebedarf wird auf ein Minimum
reduziert. Was Säugetiere wie beispielsweise Rehe angeht, so stehen viele
Förster auf dem Standpunkt, nicht füttern. denn dies sorge nur für eine
Überpopulation im Sommer. Durchs Füttern überleben nämlich auch die schwachen
und kranken Tiere einen solchen Dauerfrost. Ein gesunder Darwinismus, meine
ich, ist da schon besser. Der Stärkere überlebt, der Schwache geht zugrunde. So
ist das nun mal eben im Leben.
MDR 3 oder N 3
Verkabelte Fernsehteilnehmer
wissen, wovon ich rede. Das Dritte Fernsehprogramm des Norddeutschen Rundfunks,
kurz N 3 genannt, war in unseren Kabelnetzen zu Freude vieler Zuschauer
vorhanden – eines der besten unter all den Sendern aus den
öffentlich-rechtlichen Funkhäusern, die wir mit unseren Rundfunk- und Fernsehgebühren bedenken – im neuen Jahr mit stattlichen 28,25 Mark statt wie bisher mit
23,80 Mark; 1970 waren es nur 8,50 Mark pro Monat. Das entspricht einer
Steigerung um satte 18,7 Prozent bei den Zwangsgebühren, die wir entrichten
müssen, wenn wir uns ein Fernseh- oder Radiogerät zulegen. Egal, ob wir dann
nur noch Privatsender sehen oder hören. Wenn ich das Abonnement der regionalen
Tageszeitung (jetzt bei monatlich 34,80 Mark) noch hinzurechne, dann kostet der
„normale“ Medienkonsum pro Monat 63,05 Mark. Da kann der medienbewußte Bürger
ja nur froh sein, daß es den Neckar Express kostenlos allwöchentlich einmal im
Briefkasten obendrauf gibt – sozusagen als Sahnehäubchen. Beim Fernsehen jedoch
hat man die Kabelkunden betrogen. Wer mit der Schüssel schaut, kann alle
dritten Programme der ARD-Sender empfangen. Die Kabelkunden müssen auf N3
verzichten, weil die baden-württembergische Landesanstalt für Kommunikation
entscheiden hat, daß N3 gegen MDR 3 im Kabelnetz ausgetauscht wird. Nichts
gegen MDR 3. Aber die machen halt Fernsehen, wie wir es vor zwanzig Jahren
gewohnt waren. Wenn es beide im Kabelnetzt gäbe – ok. Aber bei der Wahl ziehe
ich N3 vor. In Stuttgart und Karlsruhe
protestieren die Bürger mit Unterschriftenlisten. Bisher ließ sich die LfK
nicht erweichen. Wann endlich dürfen die Gebührenzahler mitbestimmen? In
Rundfunkräten und anderen Aufsichtsgremien der Anstalten haben Parteien und von
ihnen auserkorene Gruppierungen das Sagen, nicht aber die „Kunden“, die Hörer
und Zuschauer. Mit Demokratie hat das wenig zu tun.
Bedauerlicher Vorfall
Das Schicksal einer Ente hat in
den vergangenen Wochen etliche Neckar-Express-Leser
umgetrieben. In der Redaktion gingen viele Anrufe ein, Leserbriefe wurden uns
geschickt. Kurz zur Erinnerung: Vor
Heiligabend 1996 hatte das Mitglied einer Jagdgesellschaft auf der Gemarkung
des Abstatter Teilortes Happenbach vor den Augen schlittenfahrender Kinder
einen Erpel mit einem Knüppel totgeschlagen. Ich habe darüber zweimal
berichtet. Zuerst hieß es, nichts sei wahr an dem Vorgang. Dem Abstatter
Gemeinderat war der Tod eines Erpels ein Diskussionspunkt unter „Sonstiges“
wert. Und da gab Bürgermeister Rüdiger
Braun bekannt, daß man auf den Artikel hin den Jagdpächter um Stellungnahme
gebeten habe. Zudem machte sich Braun bei Polizei und Fachleuten kundig, ob der
Vorgang juristisch zu beanstanden sei. Soviel steht nun fest: Der Totschlag hat
das geltende Jagd- und Tierschutzrecht nicht verletzt. Das ist die juristische
Seite der Angelegenheit. Doch der
Vorsitzende des Abstatter Gemeinderates gab auch bekannt, daß menschlich
gesehen das Ganze sehr bedauerlich und nicht in Ordnung sei. Dies räumte
auch der in der Gemeinderatssitzung anwesende Jagdpächter ein, der jedoch
selbst beim Tod des Erpels nicht anwesend war. Festzuhalten bleibt also: Der
Neckar-Express hat völlig korrekt über den Erpel-Tod berichtet. Und: Gut, daß
es noch Bürgermeister gibt, die sich einmischen und nicht nur nach der
trockenen Aktenlage urteilen.
Gut gemessen
In ganz Deutschland ist im
vergangenen Jahr die Zahl der Verkehrstoten rückläufig. Der niedrigste Stand
seit Jahrzehnten. Besonders stark ist der Rückgang in den neuen Bundesländern.
Langsam gleichen sich die Situationen im Verkehr an. Auch in Heilbronn ist mal
wieder Rückgang feststellbar. Allerdings rechnet die Stadt alljährlich das ganz auf ihr Konto, nicht auf
das Konto der Autofahrer, die in ihrer Anzahl wachsen, aber weniger
Verkehrsunfälle produzieren. Die Stadt Heilbronn meint, vornehmlich durch ihre
Geschwindigkeitskontrollen würde der Rückgang bei den Unfällen und den Toten im
Straßenverkehr verursacht. Wir wissen, daß diese Aussagen nicht ganz stimmen
kann – und belassen der Stadt das Eigenlob. 1995 kassierte die Stadt 1,75 Millionen Mark bei den Autofahrern ab.
Um diese ins Stadtsäckel zu bringen und dort beamtenmäßig zu verwalten, wurden
1,65 Millionen Mark aufgewandt. Damit 1996 ein paar Mark von den geplagten
Autofahrern abkassiert werden konnten, hat man sich einiges einfallen lassen.
Die Zahlen sind noch nicht bekannt, aber den Verwaltungsaufwand wird man schon
wieder hereingeholt haben. Es gibt
Zeitgenossen, die behaupten, daß Jagd auf Autofahrer gemacht wird, damit das
Geld ins Stadtkästlein springt. Geschwindigkeitsmessungen an wenig
befahrenen Straßen, die zu 30-Kilometer-Zonen umfunktioniert wurden. Oder
Messungen in der Nacht – so zwischen drei und fünf Uhr. Man stelle sich nur
vor, die Einnahmen gingen um mehr als 50 Prozent zurück, die Verwaltungskosten
aber blieben gleich. Noch besser wäre es, man würde die Autofahrer erst gar
nicht in die Stadt hineinlassen. Die Umwelt und Straßen wären abgasfrei,
Verkehrsunfälle würde gen Null streben – und Menschen würden über kurz oder
lang auch keine mehr in der Stadt leben. Hundertprozentiger Umweltschutz und
null Verkehrsunfälle. Nur das Rathaus wäre nach wie vor voller Beamte, die
endlich eine umweltgerechte und saubere Stadt verwalten könnten.
Trappensee
Die Stadt Heilbronn lud ein:
„Am Freitag, 17. Januar 1996, 11.30 Uhr, Brauerei Cluss, überreicht Dr. Hans Wilhelm Dietel (Brauerei
Cluss) ein Bild der Anna Regina Trappen von Trappensee an Heilbronns
Oberbürgermeister Dr. Manfred Weinmann.“ – Da fragt sich der Berichterstatter:
Wo und wann findet was statt? An einem Freitag, dem 17.1. – das ist klar. Die
Hirnzellen können auch noch die Jahreszahl 1996 durch 1997 ersetzen, da ja die
Einladung am 13. Januar 1997 um 14.33 Uhr per Fax abgeschickt wurde. Daß Dr. Hans Wilhelm Dietel von der
Brauerei Cluss ein Bild an den Heilbronner OB überreicht, das ist auch geklärt.
Aber wo? In der Brauerei Cluss, die nicht mehr existiert, bzw. geschlossen
ist? Trappensee ist das Thema, denkt sich der Chronist. Also auf in den Osten
Heilbronns. Dort aber ist um 11.30 uhr kein Offizieller zu erblicken.
Telefonische Nachfrage in der Pressestelle des Heilbronner Rathauses. Auskunft:
Die Übergabe des Bildes findet in der Brauerei Cluss statt. Also rein ins Auto
und abgedüst – denn es ist ja mittlerweile 11.35 Uhr. Unterwegs die
telefonsiche Nachricht: Die Übergabe findet im Amtszimmer des OB statt. Route
geändert, Parkplatz gesucht. Es ist 11.45 Uhr. Großes Palaver im Vorzimmer des
Heilbronner Oberbürgermeisters. Schlußpunkt: Bei Cluss in der Bergstraße
Heilbronns findet die Bildübergabe statt. Aber wo ist das? In der gesamten
Bergstraße gibt es kein Cluss-Haus, nur die ehemalige Cluss-Gaststätte Rosenau.
Aber dort weiß der griechische Pächter nichts von einer Bildübergabe. Versuche,
im Rathaus anzurufen: Leitung belegt. Gegen 12.30 Uhr zurück in der Redaktion.
Auch jetzt weiß die Pressestelle des Rathauses nicht, wo die Übergabe
stattfindet. In der Villa Cluss – stellt sich später heraus. Kennen Sie die?
Ich nicht. Macht auch nix. Bild putt.
Die größte Plage
Das waren keine schönen Zahlen,
die uns da zu Jahresbgeinn in Aussicht gestellt wurden. 4,5 Millionen
Arbeitslose werden für das Frühjahr in
Deutschland erwartet. Denn die
Konjunkturlokomotive sei immer noch nicht kräftig genug, um den Arbeitsmarkt
aus der Krise zu ziehen. Im letzten Monat des alten Jahres zählten die
Statistiker 4.148 Millionen Arbeitslose oder 10,8 Prozent im Land, 357.500 mehr
als zum gleichen Zeitpunkt des Jahres zuvor. In Baden-Württemberg wurden im
Dezember 372.500 Arbeitslose gezählt – sprich 8,5 Prozent. Insgesamt steht also
der Südwesten im Vergleich zum Bundesgebiet nach wie vor gut da. Im Kreis
Heilbronn liegt die Quote jetzt bei 9,1 Prozent – im Vorjahr lag sie noch bei
8,4 Prozent. Die Aussichten für
Jobsuchende sind also reichlich düster. Alle Anstrengungen und Vermittlungsversuche
des letzten Jahres haben wenig oder gar nichts genutzt. Die Lage ist schlimmer
denn je. Ohne Mittel für Umschulungen und Beschäftigungsinitiativen hätte die
Quote auch bei uns im Unterland leicht die Zehn-Prozent-Marke überspringen
können. Der Konjunkturmotor – vor allem in der Bauindustrie - springt nicht
richtig an. Der Gesetzgeber hat neue Hürden geschaffen, vor allem in der
Besteuerung von mittelständischen Betrieben. In den Unternehmen wird weiter rationalisiert.
Die neuen High-Tech-Industrien sind im Unterland noch nicht da. Innovative
Produkte – dagegen laufen Konservative aus dem linken und rechten
Parteienspektrum Sturm – haben wenig Chancen. Der Abbau von Stellen im
produzierenden Gewerbe geht unvermindert weiter. Neue Stellen schaffen – das
ist die Aufgabe von Unternehmern, Gewerkschaftern und Politikern in der
Zukunft. Nur daran wird sich ihre Fähigkeit, für die Menschen annehmbare
Lebensbedingungen zu schaffen, ablesen lassen können.
Kinderschutz
Man reibt sich die Augen und
fragt verwundert: In welchem Land leben wir eigentlich? Da werden am laufenden Band Kinder entführt, verschleppt, vergewaltigt,
grausam getötet. Eine Hiobsbotschaft jagt die andere. Die Zeitungen
sind voll davon. Die Fernsehsender
berichten in spektakulärer Aufmachung – teilweise mit Sondersendungen. Und was
kommt dabei heraus? Die nächste Horrormeldung. Wieder ein Kind entführt und
ermordet. Das Versagen von Justiz und Polizei wird immer offensichtlicher. Die
Polizei schnappt Sexualstraftäter, Psychologen untersuchen sie, Richter urteilen
(teilweise recht milde) und aus den Strafvollzugsanstalten werden sie nach mehr
oder minder kurzer Zeit wegen guter Führung frühzeitig entlassen. Eine
Mitschuld am weiteren Töten dieser Verbrecher weisen die Richter und
Seelenuntersucher weit von sich. Sie hätten nur nach Recht und Gesetz
geurteilt, wissenschaftlich akribisch aufgelistet und -gearbeitet. Wir kennen
solche Argumentationen aus früheren Zeiten. Oftmals liegt diesem Dilemma aber
ein recht diffuses Gedankengut zugrunde, nach dem die Gesellschaft an allem
schuld ist – nicht der einzelne Täter oder das Opfer. Denn der Täter ist ja von
vornherein ein „guter Mensch“, nur durch die Umstände, die Gesellschaft in
seinem Sexualverhalten verbogen. Gipfelpunkt einer solchen Argumentation:
Hätten wir ein anderes System (das „Paradies auf Erden“ – zum Beispiel), dann
gäbe es auch diese Taten nicht. Eine
Verhöhnung der Opfer kann nicht schlimmer begründet werden. Denn außer Acht
gelassen wird , daß in einer Gesellschaft der mündigen Bürger, der Täter für
seine Verbrechen gerade zu stehen hat – und bestraft werden muß. Die
Gesellschaft muß vor ihm geschützt werden. Erst als zweiter Gedanke kann die
Resozialisierung ins Feld geführt werden. Aber vielleicht muß erst eine
Bürgerbewegung wie in Belgien geschaffen werden, damit Politik und Justiz aus
ihren Ideologieträumen aufwachen.
Geleimt?
„Bruno Labbadia kommt“ konnte
man in dicken Lettern lesen. Der Fußball-Profi vom Bundesligisten Werder Bremen
hatte den Organisatoren des bekannten Hallenfußball-Senioren-Turniers der
Sportfreunde Lauffen offenbar seine Teilnahme zugesagt und soll diese auch noch
telefonisch bestätigt haben. Was mich auf meiner hohen Warte maßlos überraschte
und überaus skeptisch machte. Kein Bundesligaverein
in diesem Lande wird nämlich nach meiner Erfahrung einen seiner Starkicker,
dessen Künste er pro Saison mit, zurückhaltend geschätzt, einer runden halben
Million Mark honorieren muß, für solch ein aus professioneller Sicht gesehenes
„Pipifax-Turnier“ die Freigabe erteilen. Wäre
das Lauffener Turnier eine Benefizveranstaltung für einen guten Zweck gewesen,
hätte ich es unter Umständen ja noch geglaubt. Labbadia kam – natürlich
nicht. „Weil er keine Freigabe erhalten
hatte und vorzeitig ins Trainingslager mußte“, so die Begründung. Ersteres war
klar, letzteres ist eine ebenso dumme wie dreiste Ausrede, denn Fußballprofis
bekommen ihren „Dienstplan“ nicht erst zwischen Weihnachten und Neujahr
mitgeteilt. Zumal der Herr Labbadia bereits zwei Tage nach dem Lauffener
Turnier in einem der hochdotierten Hallen-Spektakel der Profi-Masters-Serie
sehr erfolgreich auf Torejagd ging. Die Lauffener jedenfalls täten gut daran,
hier schleunigst kundzutun, ob sie von Herrn Labbadia geleimt worden sind, was
ich nicht glaube, oder wer ihnen sonst dieses faule Ei auf den
nachweihnachtlichen Gabentisch gelegt hat. Hier stehen gleichermaßen die
Glaubwürdigkeit eines Berufssportlers wie auch der Organisatoren und der bisher
gute Ruf des Lauffener Turniers auf dem Spiel.
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