Heilbronner
Kinos
Heilbronn
ist eine kinofreudige Stadt. Heilbronns Oberbürgermeister Dr. Manfred Weinmann
sorgt sich jetzt darum, daß die Allee als Kinomeile der Stadt verödet. Grund:
Die Eröffnung des Europlex-Großkinos am Donnerstag, 27. November um 19 Uhr in
Neckarsulm – gleich neben der Autobahn. Die Betreiberin der Heilbronner
Kinomeile Lieselotte Jäger bemerkte dazu lapidar, daß es dem Herrn Weinmann
wahrlich bald einfalle, daß Heilbronn irgendwann einmal ohne Kinos dastehen
könnte. Wie recht sie doch hat. In Heilbronn hatte man auf dem Berliner Platz
ein Kino-Center geplant, ohne die vorhandene Betreiberin Jäger in Gespräche
einzubinden. Und ist jetzt erstaunt, daß vier Monate nach dem Richtfest im Juli
der Betrieb in Neckarsulm schon anlaufen kann. 1.900 Sitzplätze wird es in dem
neuen Europlex-Kino von Lieselotte Jäger vor den Toren Neckarsulms geben. 300
kostenlose Parkplätze stehen den Besuchern zur Verfügung. Heilbronn hätte das
auch bieten können. Zum Beispiel auf dem
Gelände der ehemaligen Wharton Barracks neben dem Autobahnzubringer nach
Untergruppenbach. Aber man wollte vieles, vor allem Konkurrenz zum
vorhandenen Kinobetreiber – und hat jetzt nichts. Die Bebauung des Berliner
Platzes à la Bülow ist gestorben – und damit auch das geplante Kino. Auf dem
Kurt-Schumacher-Platz am Eingang zur Bahnhofsvorstadt planen private Investoren
ein Gebäude, in dem ein Kino-Center untergebracht werden könnte. Aber dieser
mutigen Firma werden, so CDU-Stadtrat Thomas
Strobl, von der Stadtverwaltung nur Prügel in den Weg gelegt. „Man will
eine Lösung verhindern, das ist offenkundig.“ Dabei könnte die Stadt sehr
schnell bauplanungsrechtliche Voraussetzungen schaffen – und Zwischenlösungen
für das Parkproblem schaffen. Denn ein Parkhaus sei hier ja ohnehin geplant.
Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Und das sind nun einmal die
Jäger-Filmtheaterbetriebe mit ihrem neuen Haus in Neckarsulm, in dem ein
Kino-Erlebnis der besonderen Art versprochen wird. Für Besucher aus den Räumen
Mosbach, Sinsheim, Bad Rappenau, Bad Wimpfen, Öhringen, Heilbronn oder Lauffen
ist dieser neue Kino-Treffpunkt leichter zu erreichen als die Innenstadt
Heilbronns mit ihren leidigen Parkproblemen. Wenn Heilbronn bauen sollte, dann
ist Neckarsulm schon lange in Betrieb. Ob dieser Vorsprung je eingeholt wird,
sich ein Investor auf ein neues Heilbronner Spielchen in Sachen Kino einläßt?
Ich hege da so meine Zweifel.
Brücken-Kunst
Als
die deutsche Hauptstadt noch geteilt war, da durfte Berlin die
Widerauferstehung von Brückenkunst der besonderen Art erleben. Barocke Skulpturen
wurden von West nach Ost transportiert und auf der Schloßbrücke restauriert
wieder aufgestellt. Dort stehen sie heute noch – und in Berlin sind Bevölkerung und Obrigkeit zufrieden darob. In
Heilbronn wurden am Sonntag zwei der geplanten je 5,40 Meter hohen Köpfe aus Corten-Stahl neben einem
Bekleidungsgeschäft und einer Bankfiliale enthüllt. Aber was da vom
Oberbürgermeister und dem Künstler enthüllt wurde, ist nur unter größter Anstrengung als Kopf auszumachen. „Vier
schnörkellos und lapidar, zugleich archaisch anmutende Kopfskulpturen
verwandeln die neue Brücke in einen platzartigen Erlebnisraum, in dem man gerne
verweilen und die Qualität der Neckarlandschaft und den Blick auf die
Innenstadt genießen kann“, heißt es in der Einladungskarte zur Eröffnung, die
unter der Überschrift „Vier Köpfe für Heilbronn“ verschickt wurde. Daß von den vieren zwei
fehlen erinnert an den Berliner Platz. Laut Künstler Franz Bernhard muß das Gesamtkunstwerk mit vier Köpfen auf beiden
Brückenenden als Gesamtkunstwerk, „als Einheit gesehen werden, da es von allen
Teilen gleichermaßen verkörpert wird.“ 247.000 Mark hat die die erste Hälfte
des Gesamtkunstwerks bisher gekostet. 20.000 Mark aus Steuergeldern der Stadt
wurden hinzugeschossen. Der Rest für die beiden Rostskulpturen wurde gespendet.
Verwegene argumentieren jetzt, daß in den beiden „Köpfen“ Bezüge zu den Kopfskulpturen am Kiliansturm
aufgegriffen wurden. Mag ja sein. Aber um das kunstsinnig zu bemerken, muß man
als Betrachter schon eine besondere Brille aufsetzen. Oder man sagt’s einfach.
Irgendjemand wird es schon glauben oder nachplappern. Aber rostige Kunst steht
ja schon zweifach in Heilbronn herum: Als Behördenzierde und vor der Harmonie –
von Pflanzen überwuchert. Ich verstehe nicht, warum man die Gebilde Köpfe
nennt. Ebenso hätte man sie Kippende Säule, Penis, Finger, Pfeil oder
Hinkelstein in Stahl nennen können. Und daß sie „lapidar“ sind – das sieht nun
wirklich jeder, der sehen kann. „Schnörkellos“ sind sie wahrlich auch. Aber wo
bleibt der „platzartige Erlebnisraum“? Vielleicht kommt er ja noch, wenn die
Stadt dereinst mal über die Friedrich-Ebert-Brücke rattert. Und das kostet
erst!
Gespött
der Nation
Neckarsulm
glänzt derzeit mit Positiv-Schlagzeilen wie „solarthermische Hauptstadt
Europas“, dem „ersten Wolkenkratzer des Unterlands“ oder dem ersten
Super-Kino-Komplex. Ausgerechnet in dieser Phase der Euphorie machte bürokratischer Übereifer die Audi-Stadt zum
Gespött der deutschen Fernseh-Nation. Am späten Samstagabend (1. November) karikierte die erfolgreiche
Protestsendung „Wie bitte?!“ auf RTL vor einem millionenstarken Publikum eine
Bußgeld-Aktion von Martin Lamminger,
dem Leiter des Amts für Öffentliche Ordnung der Großen Kreisstadt
Neckarsulm. Lamminger wurde dabei als
griesgrämiger Zeitgenosse dargestellt, der seinen Nachbarn die Freude eines
Grillfestes nicht gönnt und deshalb nach Möglichkeiten sucht, ihnen juristisch
an den Karren zu fahren. Das gelingt ihm denn auch, als die Festgesellschaft an
einem Parkverbotsschild ein handgemaltes Straßenschild zu Ehren einer Jubilarin
befestigt. Weil die Frau just 50 wurde,
tauften sie das Sträßchen eben nach ihr – ein nicht gerade staatsgefährdender
Spaß. Doch Lamminger verstand keinen solchen, schickte einen Polizisten
los, der das Corpus delicti abfotografieren sollte. Prompt kam auch der
Bußgeldbescheid: 75 Mark, wegen Befestigen eines nichtamtlichen Schildes an
einem amtlichen solchen. Sicherlich hat Lamminger tatsächlich nach Recht und
Gesetz gehandelt. Das ist ihm wahrlich nicht vorzuwerfen. Seiner Stadt aber hat
er damit nicht gedient. Sie ist zum Gespött geworden. Wie heißt es so schön?
Die Verhältnismäßigkeit der Mittel sollte auch von deutschen Beamten beachtet
werden.
Landespresseball
Der
Heilbronner Presseball existierte – in
den achtziger und zu Beginn der neunziger Jahre. Dann verschwand er spurlos.
Der letzte Anlauf der Tageszeitung zur 50-Jahr-Feier ihres Hauses wurde mangels
Masse gestoppt. Und das gesellschaftliche Großereignis in der Unterlandmetropole spielt derzeit nur
noch am Rande, wenn sich die Leut’ ganz privat unterhalten, eine ganz kleine
Rolle. Manche Menschen hoffen, daß sich die Medien der Region doch noch mal
aufraffen und einen Unterländer Presseball organisieren. Allerdings entscheidet
dann auch der Eintrittspreis. Mehr als hundert Mark pro Karte, da überlegt es
sich auch eine gutbetuchte Familie, ob sich das lohnt, und prüft, ob das
Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Denn die
Uppercrust des Unterlandes und der Region, die auf jeden Fall einen solchen
Ball besuchen wird, ist dünn gesät. Sie allein füllt noch keinen Ballsaal. Und
als Ersatz gibt es ja den alljährlich im November stattfindenden
Landespresseball in der Landeshauptstadt, auf dem in den letzten Jahren
vermehrt Unterländer Unternehmer und Politiker zu sehen waren. Jetzt am
Freitag, den 7. November, ist es in der Liederhalle zu Stuttgart wieder soweit.
Der Höhepunkt der Stuttgarter Ballsaison
ist diesmal eine „notte italiana“. Diese italienische Nacht steht unter dem
Motto „Ballissimo“. Auftreten werden Alice, „die schöne Italienerin mit der
Gänsehautstimme“, das Orchestra Bravo aus Mailand, Günter Noris und sein Show
und Tanzorchester, Gino Castelli mit Italo-Pop. Es wird eine Mitternachtsshow
mit Franco Ferrari geben, moderiert wird der Abend von Rainer Nitschke vom Südfunk. Hauptgewinn der Tombola ist ein Audi
A3. Der Ball steht unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Erwin
Teufel. Und wer jetzt Lust bekommen hat, der kann mal nachfragen, ob es noch
Karten gibt (Büro Landespresseball, Haus des Landtags, Konrad-Adenauer-Straße
3, 70173 Stuttgart, Telefon 0711-2369507).
Mergel
und Strobl
Es war
alles so schön gewesen. Die Große Koalition auf dem Rathaus hatte perfekt
funktioniert. Im Testlauf hatten CDU und SPD bei den Bürgermeisterwahlen einen
Tausch vereinbart, nachdem Reiner Casse
vorzeitig aus dem Amt geschieden war. Der CDU-Fraktionsvorsitzende Artur Kübler wurde neuer Ordnungsbürgermeister,
der SPD-Mann Harald Friese wechselte
ins Kulturressort. Das war in der ersten Hälfte des Jahres. Jetzt stagniert die
Heilbronner Kommunalpolitik. Hektik und Schadensbegrenzung spielen eine
Hauptrolle in der Politik auf dem Rathaus, nachdem das Bülow-Projekt Berliner
Platz geplatzt, der Rathaus-Skandal noch nicht verdaut ist und bei den
Verkehrsbetrieben die Mißwirtschaft staatsanwaltliche Ermittlungen nach sich
zog. CDU und SPD setzten sich am 23.
Oktober in einer Heilbronner Gaststätte zusammen und berieten einen
Zehn-Punkte-Plan, damit der Mehltau in der Heilbronner Kommunalpolitik
weggeblasen wird. Man einigte sich schnell. Die SPD wollte weder Punkt noch
Komma an der Vereinbarung geändert wissen. Harry Mergel, der
Fraktionsvorsitzende sprach, von einer
Generalvollmacht, die er habe. Die CDU-Fraktionsspitze wollte jedoch die
Vereinbarung in ihrer Fraktion noch genehmigen lassen. Dann kam ein vierseitiger OB-Brief an die Fraktionen.
Die SPD wollte jetzt die Chance nicht verstreichen lassen, um das Projekt
„Theateranbau“ auf dem Berliner Platz doch noch zu retten. Die CDU aber bestand
auf der Vereinbarung, die SPD änderte sie in zwei Punkten ab. Thomas Strobl,
CDU-Fraktionsvorsitzender: „Die
SPD-Fraktion hat Mergel die Gefolgschaft verweigert.“ Harry Mergel kontert,
daß das OB-Schreiben mit allen Dezernenten abgesprochen gewesen wäre und
deshalb berücksichtigt werden müsse. Und im Übrigen habe er nie gesagt, daß er
die Generalvollmacht seiner Fraktion habe. In zwei von zehn Punkten
unterscheiden sich jetzt SPD und CDU. Die CDU will keinen Schnellschuß beim
Berliner Platz, die SPD retten, was jetzt zu retten ist. Wichtig ist aber, daß
jetzt Nägel mit Köpfen gemacht werden. Und das Wenden der Worte ein Ende hat.
Oder soll’s noch schlimmer kommen?
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