Bender-Schaum
Wenn
ein großer Verlag, sei es nun Burda, Bertelsmann oder Springer eine neue
Frauenzeitschrift auf den Markt bringt, die so zwischen fünf und zehn Mark am
Kiosk kostet, dann nimmt man das in der Medienlandschaft achselzuckend zur
Kenntnis. Nach dem Motto: Mal sehen, was draus wird. Frauenzeitschriften haben
es eh zurzeit schwer am Markt. Selbst bei Emma, dem Blatt für die emanzipierte
oder sich so fühlende Frau, sinkt die Auflage von Jahr zu Jahr. Wer in diesem Zeitschriftensegment
etwas Neues machen will, muß sich schon was einfallen lassen. Es würde
niemanden im Übrigen aufregen, wenn in einer dieser Hochglanzbroschüren um die
zehn Mark eine Alice Schwarzer, eine Antje
Vollmer oder Biggi Bender aus
dem Stuttgarter Landtag über ihr Leben plaudern würde – garniert mit Bildern,
die ein Starfotograf geschossen hat. Was ja schon mehr als einmal geschehen
ist. Es regt auch niemanden auf, wenn berichtet wird, daß diverse
Grünen-Politiker in Edelrestaurants es sich gutgehen lassen, ihre
Designerklamotten zur Schau stellen oder von ihrem Urlaub in der Toskana
berichten. Wenn aber Johanna Lichy,
die Heilbronner CDU-Landtagsabgeordnete und Staatssekretärin, in Azzurra, der neuen Frauen-Zeitschrift
aus dem Neckar-Express-Verlag, aus
ihrem recht normalen und bodenständigen Alltag erzählt, dann schäumt die Grüne
Biggi Bender in Stuttgart. Denn Azzurra wird kostenlos in ausgesuchten
Wohngebieten des Unterlands verteilt. Von Johanna Lichys „Vorliebe für die
High-Snobiety“ und einer „Nobelbroschüre“ wird da gefaselt. Wir wissen ja, wo
hier in der Stadt oder in Stuttgart unsere grünen Stadträte und
Landtagsabgeordneten wohnen. Nicht gerade in den Arbeitervororten. Und wir
wissen auch, welchen Lebensstil sie bevorzugen. Wer edlen Wein trinkt, sollte
anderen nicht Wasser predigen. Da spricht viel Neid aus Frau Benders Worten,
die ach-so-gern Staatssekretärin unter einem Ministerpräsidenten Spöri geworden
wäre. Wenn es geklappt hätte, wäre sie auch von Azzurra porträtiert worden. Nur
– die Wählerinnen und Wähler wollten sie im letzten Jahr nicht, sondern Johanna
Lichy
Ein
Mann – ein Wort
Kennen
Sie den Präsidenten des Kiwanis-Clubs in Heilbronn? Aber sicher kennen Sie den
– denn er wurde erst vor wenigen Wochen unter der Überschrift „Menschen unter
uns“ hier im Neckar Express vorgestellt. Aber wenn Sie dieses Portrait gelesen
haben, dann kennen Sie Klaus H. Müller immer noch nicht
richtig. Weil sich nämlich einige Übertragungsfehler beim Text eingeschlichen
hatten. Das kommt gelegentlich in Zeitungen vor. Sollte aber nicht. Deshalb zur
klaren, unmißverständlichen Information: Klaus H. Müller ist am 22. Juli 1952
geboren, verheiratet, keine Kinder, Abitur in Heilbronn, Studium der
Rechtswissenschaften und Volkswirtschaft, Tätigkeit in Ministerien und als
Rechtsanwalt, heute selbständiger Unternehmer in Heilbronn, von 1979 bis 1989
Stadtrat in Heilbronn, bis 1994 einige Funktionen in der CDU auf Landes- und
Regionalebene, seit 1990 Mitglied im Heilbronner Kiwanis Club, 1996/97
Präsident des Clubs. Drei Fragekomplexe waren ganz weggebrochen, die hier
Ihnen, liebe Leser, nicht vorenthalten
werden sollen. Auf die Frage CDU? kam die Antwort von Klaus H. Müller: „In den
wichtigen Phasen unserer jüngeren Geschichte – ob im Bund oder im Land – die
richtungsweisende Kraft, momentan zu hoher Altersdurchschnitt.“ – Familie? „Das
Wichtigste, wofür es sich lohnt, hart zu arbeiten. – Kinder? „Ich liebe Kinder,
bislang nur fremde, weil wir noch keine eigenen haben. Sie sind unser
wichtigster Zukunftsfaktor.“ – Der Präsident des Heilbronner Kiwanis Clubs
Klaus H. Müller (Assessor jur.) ist im Berufsleben „Geschäftsführer der
Immobilien-Treuhand Gesellschaft für Wirtschaftsförderung mbH“, die ihren Sitz
am Bismarckpark in der Keplerstraße 7 Heilbronns hat. Ich meine vom „Politiker“ Klaus H. Müller
werden wir noch einiges zu hören bekommen, denn der Geschäftsmann hat sich aus
dem öffentlichen Leben überhaupt nicht verabschiedet. Auch wenn er meint, das
Unterland sei die Toskana Deutschlands. Ich hoffe, daß er uns nicht zur Idylle
verkommen lassen will, fernab der Zentren. Denn was wir im Unterland derzeit
benötigen, ist eine moderne Industriepolitik. Und die betreibt Klaus H. Müller
ja auch.
Kleines
Arschloch
Viele
warteten auf den Kinofilm „Das kleine Arschloch“. In nur wenigen Tagen eroberte
er die Kinoszene, hielt sich dann aber nur wenige Tage an der Spitze der
deutschen Kinohitparade. Denn die generalüberholte Fassung des zwei Jahrzehnte
alten Hollywood-Kassenschlagers „Krieg der Sterne“ hatte sich auf Anhieb an die Spitze gebeamt.
660.531 Zuschauer wollten das Weltraumspektakel sehen – manche aber eher
wiedersehen. Der deutsche Zeichentrickfilm „Kleines
Arschloch“ verlor durch diesen Hollywood-New-Oldie seinen Spitzenplatz.
„Nur“ noch 435.994 Kinogänger wollten den Streifen sehen. Andere Kinofilme
wären überaus froh, wenn sie nur annähernd so viele Zuschauer vor die Leinwand
bekämen. Die Star-Wars-Geschichte boomt also! Der Boom ist so groß, daß es in
vielen Städten Deutschlands spezielle Star-Wars-Parties gibt. Für alle Fans ein Muß! Solche Fans
schreckten auch die Preise einer Star-Wars-Ausrüstung nicht zurück, die man auf
so einer mega-galaktischen Party tragen sollte, um ja nicht aufzufallen. Läppische 1.000 Mark bis zu erschwinglichen
2.000 Mark kosten die Kostüme, Preis je nach Qualität und Ähnlichkeit. Von
Luke Skywalker bis hin zur Blechdose R2D2 gibt es auf diesen Veranstaltungen
einfach alles zu finden. Aber es ist ja auch nichts neues, daß die alten Sachen
aus den 60ern und 70ern wieder voll im Trend liegen, und das nicht nur in der
Kinowelt. Einfache Drei-Streifen-Klamotten haben in jüngster Vergangenheit die
Modewelt erobert, oder allbekannte Evergreens werden in Techno- beziehungsweise
HipHop-Versionen zum Hitparadenrenner. Man darf wirklich gespannt sein, was
sich in naher Zukunft noch so alles tut
– unter dem Motto: „Back to the roots“.
Er
ist’s
Weiche
Wolken kräuseln sich gerne, wenn zartes Rosé geschmeidig den Himmel bemalt. Die
Blässe der Nacht lassen sanfte Töne schwinden. Mit den ersten zarten Strahlen
streichelt die Sonne die Vögel zum Singen. Das muntere Gezwitscher weckt zu
einem strahlenden Tag. Noch tropft Tau von den knospenden Sträuchern und
glitzert in feinsten Spinnweben glasperlenspielartig. Bald aber wärmt der runde
rötliche Ball, wie er sich über die Weinberge rollt, wohlig Wald und Wiesen.
Durch die Zweige bricht sich das zaghafte Licht und vergoldet die winzigen
Blätter, die sanft vom Winde bewegt ein verzaubert-betörendes Schattenspiel
tanzen. Bunte Blüten brechen neugierig blickend hervor und begrüßen den Morgen.
Licht und Wärme lassen wonnevoll vollkommene Wunder sprießen. Leider nicht zu
fassen und greifen ist das werdende Sein, die Augen können nicht lassen und die
Nase die süßliche Frische nicht halten. So zieht der säumende Sog und schlingt
betörend mit quickender Quellkraft für einen neuen Tag. Die Vielzahl der Blumen
ist unzählbar gewachsen, jede Blüte will
die erste sein und reckt den feinen Stengel der Sonne entgegen, um Nahrung
zu saugen und summende Bienen zu locken. Die gemütlichen Brummer-Hummeln können
es nicht lassen, tauchen ein in den natürlichen Nektar und naschen. Begierde
strebt nach schwelgenden Düften, diese durchdringen die Sinne und bedrängen den
Geist. Liebende Lüste leuchten lebhaft jedwedem Naturell schnell ganz besessen
von maßlosen Begierden. Wenn die köstliche Kraft sich aus den Fängen des
Winters befreit, ist der Frühling geboren.
CDU-Bürgermeister?
So
kann man sich täuschen, wenn man sich auf sein Erinnerungsvermögen verläßt.
Schrieb ich doch in der vergangenen Woche, daß
1984 die CDU im Heilbronner Rathaus bei der Wahl des
Kulturbürgermeisters Reiner Casse
dem anderen Kandidaten der Christdemokraten Artur Kübler vorgezogen hätte. Stimmt überhaupt nicht. Die CDU
hatte den damals 36jährigen Regierungsamtsrat und Geschäftsführer der
CDU-Gemeinderatsfraktion Artur Kübler als ihren Kandidaten ausgerufen und dem
Gemeinderat präsentiert. Nur gewählt wurde der damals 48jährige Direktor des
Regionalverbandes Franken Reiner Casse. Offenbar wollten einige CDU- und
FWV-Räte Kübler nicht als Nachfolger des verstorbenen CDU-Kulturbürgermeisters Paul Pfister. Man muß sich das Szenario
von damals vorstellen: Ein Jahr zuvor war erstmals mit Dr. Manfred Weinmann in der Heilbronner Nachkriegsgeschichte ein CDU-Mann
zum Oberbürgermeister gewählt – dazu
noch das erste katholische Stadtoberhaupt seit der Reformation. Nachfolger
Weinmanns als Erster Bürgermeister war der auf CDU-Ticket gewählte Peter Giebler geworden. Und so wählte
der Heilbronner Gemeinderat mit deutlichen 24 zu 15 Stimmen auch den CDU-Mann
Casse zum neuen Kulturbürgermeister, aber nicht den Parteisoldaten Kübler. Die
Junge Union sprach damals von einem „kommunalpolitischen Skandal“ im Heilbronner Rathaus. Die
CDU-Fraktion habe sich in „geradezu
trotteliger Vertrauensseligkeit“ von der SPD austricksen lassen. Der
CDU-Kreisvorstand bekam auch sein Fett ab: Er habe „die Hände in den Schoß gelegt“ und so getan, als gehe ihn die
ganze Wahl herzlich wenig an. Ein tiefer Riß wurde damals in der CDU-Fraktion
von kommunalpolitischen Beobachtern festgestellt. Heute wird Reiner Casse
parteiübergreifend für seine geleistete Arbeit gelobt. Und Artur Kübler tritt
nochmals als Bürgermeister-Kandidat an – jetzt so alt wie Casse damals. Das ist
halt wie beim Wein. So mancher wird bei längerem Lagern erst gut und mundet
dann vorzüglich.
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