Samstag, 22. März 2014

Kiliansmännle, 24.09.1997




Kinderverbrecher
Sie stehlen, erpressen, verletzen oder töten sogar – und kommen ungehindert davon. Gemeint sind Minderjährige, die zu jung für eine Jugendstrafe und für deutsche Gerichte somit un-verurteilbar sind, weil Kinder erst im Alter von 14 Jahren strafmündig gesprochen werden können. Dem deutschen Staat sind die Hände gebunden. Und die Miniverbrecher, die zumeist aus asozialen Familienverhältnissen stammen, wissen das sehr wohl, nutzen diese Lücke in der Gesetzgebung geschickt aus, werden ein ums andere Mal straffällig – denn der Staat „droht“ mit „sozialen Besserungsreisen“ ins Ausland – und zeigen der Rechtsprechung eine lange Nase. Die Gelackmeierten sind in erster Linie die geschädigten Opfer oder in Extremfällen – sprich Mord – die Familienangehörigen derselben. Wie Spott und Hohn mag diese Gesetzeslücke in ihren Ohren klingen. Tränen der Trauer werden schnell zu Tränen der Wut, des Hasses. Der Glaube an Ungerechtigkeit wird geschürt, ein Schrei nach Selbstjustiz wird laut. Natürlich der falsche Weg. An verantwortlicher Stelle sollte man sich vielleicht einmal fragen, warum Kinder, nicht zu jung für die abscheulichsten Verbrechen sind, aber für eine notwendige Bestrafung dann anscheinend doch. Eine Gesetzesänderung muß her, sonst haben wir bald in den deutschen Städten – auch in Heilbronn! – ähnliche Verhältnisse wie in Hamburg.

Weindorf-Finale
Es war ein schönes Fest – das Heilbronner Weindorf 1997. Schön bis auf das Finale am letzten Freitag. An diesem Tag war eine aggressive Stimmung, zumindest unter den Besuchern auf der Kaiserstraße zu spüren. Es ist ja ein altbekanntes Bild, daß Flaschen zu Bruch gehen, aber diesmal wurden diese zuvor in Kopfhöhe geworfen und hätten ohne weiteres den ein oder anderen Besucher schmerzhaft treffen können. Es gab eine „Menschenjagd“ (vielleicht ja sogar mehrere?) zu sehen, und Rechtsextreme durften ungehindert antisemitisches und ausländerfeindliches „Liedgut“ zum Besten geben. Gründe für diese Negativstimmung gab es vermutlich viele: das Ende des Weindorfs und die damit verbundene Trauer, wieder ein Weilchen auf ein Heilbronner Feschdle warten zu müssen und natürlich „Freund Alkohol“, der unvorsichtig genossen, den Alltagsfrust ans Abendlicht bugsierte. Schade nur, daß ein schönes und gut organisiertes Fest so ausklingen mußte, aber schwarze Schafe trifft man dort, wo Menschenmassen auftreten, natürlich zuhauf. Die Frage ist nur, wo eigentlich die Heilbronner Polizei in diesen Abendstunden unterwegs war. Eine polizeiliche Zwei-Mann-Streife würde allein schon durch ihre Präsenz, die eine oder andere Gewalttätigkeit im Keim ersticken. 

Jagd erwünscht!
Wenn die Wälder ihr Sommerkleid gegen die des Herbstes austauschen, beginnt auch für die Jäger die alljährliche Jagdzeit. Sie spüren die morgendliche Frische nicht, zu groß ist die Anspannung, zu groß das Jagdfieber. In vielen Männern steckt bis heute noch der Jagdinstinkt. Allein schon der Gedanke einen Gegner zu überlisten ist Ansporn genug. Doch die Voraussetzungen der Kontrahenten Mensch und Tier ist alles andere als fair. Das einzige Risiko, das ein Jäger bei der Jagd eingeht, ist die Gefahr von einem seiner Kollegen in den Allerwertesten getroffen zu werden. Aber solche Unfälle kommen so gut wie nie vor, denn jeder, der mit der Flinte in den Wald wandert, muß erst das „grüne Abitur“ bestehen. Hier wird nicht nur der Umgang mit der Waffe getestet, sondern auch Kenntnisse über Wildbiologie, Ökologie und Jagdrecht. Es ist also gar nicht so einfach, ein Jäger zu werden. Aber wenn man dann alles hinter sich gebracht hat, kann es losgehen. Besonders in der jetztigen Jahreszeit – dem Herbst. Jetzt endet die Schonzeit für Hirsche, Rehe und Feldhasen. Jeder Schritt für diese Tiere kann tödlich sein. Und für die Jäger ein toller Spaß. Das ganze wird sogar befürwortet. Der Naturschutzbund Deutschland ist der Meinung, daß solange keine Arten bedroht sind, geht alles in Ordnung. Traurig aber auch wahr. Und außerdem ist Jagen weit mehr als nur Schießen. Jäger schaffen Ruhezonen für das Wild im Wald und helfen in Notsituationen wie zum Beispiel bei Tollwut, Seuchen oder wenn in harten Winter die Nahrung knapp wird. Sie helfen ihnen, pflegen sie, um sie dann im Herbst wieder abzuknallen. Da es ja schon in Ordnung geht, siehe Naturschutzbund Deutschland, hoffen wir, daß es kurz und schmerzlos von statten geht. - k -

Rauchverbot
Den Rauchern geht es an den Kragen. Immer mehr Unternehmen verbieten den Griff zum Glimmstengel am Arbeitsplatz. War 1988 in jedem elften Betrieb das Rauchen untersagt, so ist der blaue Dunst heuer in jedem siebten verpönt. Das ergab die bundesweit größte Umfrage zum Thema „Rauchen“. Harte Zeiten, die also auf Tabakfreunde zukommen. Frei nach amerikanischem Vorbild, der öffentlichen Ausgrenzung von Rauchern durch getrennte Eingangsbereiche auf Firmengeländen oder durch Geldstrafen für öffentliches Rauchen. Ganz so schlimm ist es in Deutschland Gottseidank noch nicht, aber der Weg dorthin scheint geteert. Ein hölzerner Weg, den Amerika und vielleicht auch bald die Bundesrepublik beschreitet. Die Prohibitionszeit in Amerika sollte Warnung genug sein. Tabak geraucht und Alkohol getrunken wurde seit jeher. Verbote sind der falsche Schritt in die genußfreie Richtung. Bewirken sie doch das Gegenteil, weil sie den Reiz zudem noch erhöhen. „Es darf keine Werbung für Tabakprodukte mehr geben!“ Das fordern Politiker weltweit. Doch ein Werbeverbot bedingt einen Rückzug von Sponsoren. Diverse Veranstaltungen würden nicht mehr stattfinden, zum Beispiel die Formel Eins. Und das träfe mit Sicherheit nicht nur die qualmenden Fans. Daß Rauchen die Gesundheit gefährdet und daß derjenige, der das Rauchen aufgibt, das Risiko schwerer Erkrankungen verringert, weiß jeder. Dazu bedarf es keiner Demagogen. Toleranz ist gefragt. Toleranz von Nichtrauchern für Raucher und umgekehrt.

Männer angeklagt
Sie: „Liebst Du mich noch?“ Er sagt: „Ja.“ Darauf Sie: „Beweise es!“ -Dieser Dialog zwischen Mann und Frau ist gängiger als man glaubt. Und alles andere als ein Witz. Es ist eher die Beweisaufnahme einer endlos dahinziehenden Gerichtsverhandlung in einer Beziehung. Alles was Mann von nun an sagt, kann und wird vor dem Beziehungsgericht gegen ihn verwendet werden. Es ist egal, ob man den Hochzeitstag vergessen hat, was wirklich nicht in Ordnung ist,  oder ob es sich um eine kleine Verspätung handelt – für Frau steht deshalb immer fest: Mann liebt sie nicht! Und jeder Kommentar den man als Verteidigung anbringt, ist ein weiterer Beweis seiner Schuld. Sie muß auch immer die Schuldfrage geklärt haben. Oder in anderen Worten: Sie stellt klar, daß der Mann wieder einmal Mist gebaut hat. Und selbst wenn er wirklich mal unschuldig ist, wird alles so hingedreht, daß er am Ende doch verurteilt werden kann. Dabei dachte doch jeder, Rechthaberei wäre reine Männersache. Weit gefehlt. In diesem Punkt stehen die Frauen den Männern in nichts nach. Vor allem wenn er einmal tatsächlich auf der falschen Spur war, wird noch stundenlang später darauf herumgehackt. Auch was das Urteil betrifft, es ist immer gleich. Lebenslänglich auf Bewährung! Oder anders ausgedrückt: für den Mann eine Dauerkarte auf der Anklagebank. Sieht also nicht besonders gut für das männliche Geschlecht aus, denn auch nur selten endete die Berufung gegen das weibliche Urteil mit einem „Freispruch“. Aber es kann doch nicht angehen, daß immer die Männer die „Dummen“ und „Schuldigen“ sind, oder?

Ausbildungsprobleme
Der Ausbildungsstellenmarkt der Region Heilbronn sucht noch mindestens 220 Lehrlinge – über 400 sind beim Arbeitsamt der Stadt gemeldet. Theoretisch besteht demnach kein Problem, diese Lehrstellen zu besetzen, denn laut Milchmädchenrechnung können die auszubildenden Betriebe auf einen übergroßen Lehrlings-Fonds zurückgreifen. Die Praxis hingegen sieht anders aus. Unterqualifizierung, schlechte Schulnoten und Sprachprobleme der Bewerber sind ausschlaggebende Gründe für eine Nichtausbildung. Sehr viele Firmen suchen Azubis, die über EDV-Wissen, Buchführungskenntnisse, etc. verfügen. Berufliche Grundlagen, die weder an Haupt- und Realschulen, noch an Gymnasien gelehrt werden. Nur in Berufsschulen beziehungsweise -kollegs oder sonstigen Fortbildungskursen, die größtenteils überbesetzt sind, werden derartige Kenntnisse vermittelt und das eigentlich schon zu spät. Zu spät deshalb, weil viele Schüler schon in früheren Jahren konkrete Vorstellungen von ihrem Traumberuf, den sie später einmal ausüben wollen, haben. Was nützen ihnen vertiefte Kenntnisse in höherer Mathematik – hier darf und sollte man einen Taschenrechner benutzen, wenn die Grundlagen im Kopfrechnen fehlen (fragen sie einmal einen Gymnasiasten, ob er Dreisatzrechnen kann!), was bringen Gedicht- oder Textinterpretationen in Deutsch, wenn die Rechtschreibung gravierende Mängel aufweist? Schüler wissen genau, was ihnen später nützt und was nicht. Wird „Unnützes“ gelehrt, schaltet man ab. Die Noten fallen dann entsprechend aus. Für unzureichende Schulausbildung büßen dann aber letztendlich die Lehrstellensuchenden und die -anbieter. Das Kultusministerium, das die Lehrpläne vorgibt, ist aus dem Schneider!

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