Südwest-Rundfunk
Beide
Herren hatten sich redlich bemüht – Erwin
Teufel, unser Ministerpräsident, und Kurt
Beck, der vom Nachbarland über dem Rhein. Der Elefant (sprich die
Regierungen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz) kreisten lange Jahre um
die Pläne – und gebar dann doch keine Maus, sondern einen neuen
öffentlich-rechtlichen Rundfunk für den Südwesten Deutschlands, der sich aus
den beiden Sendeanstalten Südwestfunk
Baden-Baden und Süddeutscher Rundfunk
Stuttgart zusammensetzt. Der Südwest-Rundfunk (mit oder ohne Bindesstrich,
zusammengeschrieben oder auseinander, das ist noch nicht so recht klar) ist
damit eine der größten Rundfunkanstalten im wiedervereinten Deutschland. Was
dank der Besatzungsgrenzen nach 1945 an
Rundfunklandschaft geschaffen wurde, soll in den kommenden Jahren zu einem
Gebilde zusammenwachsen, das dem Südwesten und seinen beiden Ländern mehr
Identität verspricht. Landesrundfunkhäuser in Stuttgart und Mainz, eine große
Produktionsstätte in Baden-Baden, das schafft alles zunächst einmal keinen
Spareffekt, sondern – wie üblich bei diesen Quasi-Beamten-Anstalten – eine
Menge Mehrausgaben. So viele Mitarbeiter wie derzeit, benötigt der neue Sender
wahrlich nicht. Aber der Stellenabbau – so das Versprechen der
Landesregierungen – wird ohne Entlassungen vor sich gehen. Es wird auf lange
Zeit hin also ordentlich krachen im Gebälk der beiden Sender, wenn
zusammenwächst, was – laut Rundfunkstaatsvertrag – dann zusammengehören soll.
Wichtig für die Region Franken ist – ja für alle Regionen im Lande
Baden-Württemberg, daß die Regionalstudios ausgebaut werden, was die Hörfunk-
als auch die Fernsehberichterstattung angeht. In Heilbronn sind dafür Lutz Wagner und seine Mannschaft beim
Frankenradio für die Hörfunkberichterstattung und Werner Trefz für die Fernsehberichterstattung zuständig. Und vor
allem das Frankenradio auf der UKW-Frequenz 99,5 erfreut sich zunehmend von
Jahr zu Jahr einer wachsenden Publikumszuneigung, weil es als einziger Sender
kontinuierlich regional aus dem Raum der Region Franken berichtet. Durch den
neuen Mammutsender wird sich auf die private Rundfunklandschaft erheblich
verändern, ist aus Politiker-Kreisen in der Landeshauptstadt Stuttgart zu
hören. Die Frage ist nur: Wie und wann?
Angst
vor pöbelnden Paukern
In
den Klassenzimmern unserer Schulen sind seitens der Lehrer Sprüche wie „Ihr seid ja frigide“, oder „Warum gehen Sie nicht zur Baumschule?“
leider keine Seltenheit. Aber das ist noch lange nicht alles. Es wird von
Vorfällen berichtet, bei denen eine Lehrerin eine Schülerin mit einem Verband
gefesselt hatte, um sie ruhig zu stellen. Verwundert es da noch, daß Schüler
und Schülerinnen Panik vor den Paukern haben? In einer Umfrage unter 10.000
Schülern, die ein Erziehungswissenschaftler durchgeführt hat, gaben 45 Prozent
der 13 bis 14jährigen an, vom Lehrer malträtiert worden zu sein. Selbst unter den 17jährigen
beklagen 32 Prozent, daß sie von ihren Lehrern drangsaliert werden. Mit diesen
Aussagen kommt man schnell zu dem Ergebnis: Nicht nur unter den Kindern herrscht Krieg, sondern auch zwischen
Kindern und Lehrern! Aber die Gegenseite darf man nicht außer acht lassen.
Überdurchschnittlich viele Lehrkräfte sind von tiefen Ängsten gequält: von der
Unsicherheit, ob man die Rolle des Dompteurs vor dem Schülerpublikum
beherrscht, von der Angst der Provokationen, die es in sich haben, und davor,
zum Feind der Schüler zu werden. „Man hat das Gefühl, man sitzt vor Ölgötzen.
Die glotzen einen an, und es kommt nichts, keine Reaktion“, so ein Lehrer. Kein
leichtes Los! Nur zehn Prozent der Lehrer stehen den Job bis ins Pensionsalter
durch, und sage und schreibe 46 Prozent werden vorher dienstunfähig. Um diese
Problematik jetzt besser in den Griff zu bekommen, hat man in der
österreichischen Hauptstadt eine Idee ins Leben gerufen. Lehrer sollen nun auch
Zensuren erhalten, bevor sie angestellt oder in den nächsthöheren Dienstgrad
befördert werden. Auch die Schüler sollen benoten, wie gut ein Lehrer lehrt und
sich verhält. Mal sehen ob sich dieses Projekt auch in Deutschland durchsetzen
kann. Aber bis dahin gilt das Motto eines Lehrers: „Ob du nun lernst oder nicht
– ich kriege mein Gehalt sowieso
Gefährlicher
Festplatz
Mancher
professionelle Gastronom sieht sie mit einem weinenden Auge, für die meisten
Vereine sind sie die einzige Möglichkeit, die Kasse aufzufüllen: Vereinsfeste.
Vielen Leserinnen und Lesern wird auch der Kaudenwald-Verein
bekannt sein. Das ist eine Happenbacher Spielplatz-Initiative, die weit über
die Grenzen des Unterlandes hinaus Rang und Namen hat. Das Vereinsfest der
Kaudenwäldler alljährlich im August ist eines der ganz großen seiner Art.
Bereits am 1. Mai fand auf dem Spielplatz „Kaudenwald“ ein für dortige
Verhältnisse kleines Fest statt. Aber es waren doch etliche Maiausflügler
gekommen, die ein Vesper zu sich nahmen, Fußball spielten oder sich einfach nur
sonnten. Nun ist eine der Attraktionen des Kaudenwald eine Art Seilbahn für
Kinder. Diese Seilbahn verläuft quer
über eine Teil des Spielplatz- und Festgeländes. Einen gefährlichen Haken
hat das flotte Transportteil. Die Bahn ist nicht abgesperrt. Wer nicht höllisch
aufpaßt und die Seilbahn quert, prallt mit ihr zusammen. Und genau das ist am
1. Mai binnen einer halben Stunde drei Müttern passiert, die ihre kleinen
Kinder vor der heranrasenden Seilbahn zurückgerissen haben. Eine der Frauen
trug eine Beule am Kopf davon, eine zweite plagte sich mit einer
Schulterprellung. Nun muß man wissen, daß der Kaudenwald-Verein ansonsten
penibel auf die Einhaltung der Sicherheitsvorschriften achtet, es wird also bei
Festivitäten die Seilbahn-Gondel entfernt. Dies war am 1. Mai nicht der Fall.
Freilich hätten die Verantwortlichen durchaus die Möglichkeit gehabt zu
reagieren. Denn sie wurden auf die drei Unfälle aufmerksam gemacht und gebeten,
die Seilbahn doch zu sperren, ehe noch etwas wirklich Schlimmes passiert. die
Reaktion von Seiten des Kaudenwalds war eher stur und verbohrt. „Dies ist ein
Spielplatz, die Seilbahn bleibt geöffnet“, hieß die Antwort. Wenn der
Kaudenwald allerdings nur ein Spielplatz ist, dann muß der Verein seine Feste
an einem anderen Ort feiern. Denn ansonsten wird aus dem Spielplatz ein
gefährlicher Festplatz.
Noble
Feier
Das
müssen schon ganz besondere Kerle sein, die Wengerter aus Grantschen. 50 Jahre gibt es die Weingärtnergenossenschaft nun.
Grund genug für das Unternehmen aus dem Weinsberger Tal, das halbe Jahrhundert
und den Genossenschaftsneubau hochleben zu lassen. Mehr als 400 geladene Gäste
hatten sich eingefunden. Der Lobgesänge aus berufenem Munde gab es genug: Gerdi Staiblin, die
baden-württembergische Ministerin für den Ländlichen Raum, war vor Ort geeilt,
um eine Weinprobe der ganz besonderen Art zu erleben. Mutig, wie sie nun mal
sind die Wein-Rebellen aus Grantschen, stellten sie sich einem internationalen
Kräftemessen. Einige Weißweine und ihre wirklich großen Rotweine zeigten im
internationalen Vergleich, daß sich Grantschen sehen und trinken lassen kann. Grantschen war angetreten gegen Tropfen aus
dem Elsass, Österreich, dem Burgund und der Toskana. Wahrlich zelebriert
wurde die Weinprobe von Jens Priewe,
dem Koordinator des Weltweinführers. Der gute Mann wirkte auf manchen Gast der
Festveranstaltung wie ein Dozent im Hörsaal einer Universität. Da runzelte
selbst Gerdi Staiblin ab und zu die Stirn. Sie ist eben in der Landespolitik
mehr Tempo gewöhnt. Aber so sind die Grantschener eben. Sie orientieren sich an
Höherem. Und das ist gut so. Frau Minister hat es gefallen. Ihr Göttergatte,
Kellermeister der Winzergenossenschaft Königschaffhausen war auch dabei. Die
beiden scheinen sich sehr selten zu sehen, denn wie sagte doch Frau Staiblin:
„Je öfter die Frau des Kellermeisters weg ist, desto besser sind die Weine.“
Der Spätburgunder aus Königschaffhausen wurde auch in Grantschen kredenzt – ein
wirklich exzellenter Wein!
SPD-Hoffnung
Das
war schon ein Sieg der besonderen, was die Labour-Party
in Großbritannien da hingelegt hatte. Mit Staunen und Bewunderung können wir
aus Deutschland zu den Briten hinüberschauen, die es mit ihrem Wahlsystem halt
fertigbringen, klare politische Verhältnisse zu schaffen. Eine stabile
Regierung und eine ihrer gegenübersitzenden Opposition, die sich in den
nächsten vier, fünf Jahren regenerieren kann. Die Konservativen hatten mit der
Eisernen Lady Margret Thatcher und
ihrem blassen Nachfolger John Major
sich seit 1979 an der Regierung verschlissen. Jetzt muß den neue Mann der New
Labour zeigen, was in ihm steckt. Viele Sozialdemokraten bei uns im Lande
schauen jetzt nach einem Mann (oder einer Frau), der (oder die) das zu leisten
imstande ist, was Tony Blair in
Großbritannien zuwege brachte. Aber ein vielgelobter und bewunderter niedersächsischer
SPD-Ministerpräsident Gerhard Schröder,
der seine Ehescheidung und neue Lebensgefährtin medial vermarktet hatte, ist
nicht aus dem Holz geschnitzt, das der neue Premierminister aufweist. Und auch
der sozialdemokratische Parteivorsitzende in Deutschland, der saarländische
Ministerpräsident Oskar Lafontaine
muß noch viel lernen, um jene Weltläufigkeit zu erreichen, die der Labour-Chef
aufweist. Von Rotlichtaffairen und ähnlichem ist ein Mister Blair nicht geplagt
gewesen. Und zu einer lebenslustigen Toskana-Fraktion kann er auch nicht
gezählt werden. Vielleicht werden sich die Parteimitglieder bei ihrer Suche
nach einem Kanzlerkandidaten auch auf die starken Frauen in ihrer Partei
besinnen. Eine Heide Simonis, Ministerpräsidentin in Schleswig-Holstein,
zeigt den Herren Obergenossen in Bonn ja gelegentlich, wo Bartel den Most holt.
Und auch eine Monika Wulf-Mathis als
Mitglied der Europäischen Kommission steht vor den Türen für hohe deutsche
Regierungsämter. Bei der Aufstellung der Bundestagskandidaten ist auch noch
nicht das letzte Wort bei den Sozis vor Ort gesprochen. Auch wenn einige
Funktionäre das im Unterland zum Beispiel gern so hätten. Die Frauen in der SPD
sind schon im Aufbruch. Und der Name Marianne
Kugler-Wendt, unerschrockene ÖTV-Sekretärin, wird oft genannt.
Viel
Freizeit
Da
kann unsereiner schon neidisch werden: Etwas mehr als dreißig Tage im Jahr
Urlaub, hinzukommen noch Feiertage. Wer sich freilich für den Beruf des Lehrers
entschieden hat, dem geht es weitaus besser. Neben den klassischen
Sommerferien, Herbstferien, Weihnachtsferien und Osterferien gibt es auch noch
die Pfingstferien. Habe ich irgendwelche Ferien vergessen? Man möge es mir
nachsehen. Zurück zu Pfingsten. Die liegen im Wonnemonat Mai. Und der hat es
für Lehrkräfte wirklich in sich. Gerade mal acht Tage arbeiten unsere Pauker in
diesem Monat. Das kommt durch die Pfingstferien und einige Brückentage, also Freitage
zwischen einem Feiertag am Donnerstag und dem unterrichtsfreien Wochenende.
Acht Tage arbeiten und ansonsten unterrichtsfreie Zeit. Es gab Jahre, da fanden diese Brückentage nicht statt. Mit der
Folge, daß zwar die Lehrer in den Unterrichtsräumen waren, die Schülerinnen und
Schüler jedoch fehlten. Die befanden sich auf eigene Faust oder mit den Eltern
im Kurzurlaub. Wie man es macht, ist es falsch, mögen die
Gewerkschaftsvertretungen der Pauker sagen. Doch der Punkt ist dieser: Lehrer
gehören zu der Berufsgruppe mit der meisten Freizeit, allerdings mit den
frühesten Pensionszeiten. Kein normaler Arbeitnehmer kann es sich erlauben, so
früh den Beruf an den Nagel zu hängen. Bei uns macht das der Staat möglich.
Ganz sicher für Verständnis unter Steuerzahlern wird deshalb sorgen, was der
Koalitionsausschuß der Landesregierung beschlossen hat: In den kommenden vier
Jahren sollen 1600 Lehrkräfte zusätzlich eingestellt werden und – jetzt kommt
es – alle Lehrer sollen auf eine Unterrichtsstunde mehr verpflichtet werden.
Gelbe
Säcke fliegen
Müll
ist ja ein ganz besonderes Material – vor allem bei uns in deutschen Landen.
Broschüren der Rathaus-Abteilung „Political correctness“ weisen uns
gelegentlich darauf hin, wie wir als naive Bürger uns zu verhalten hätten. In
den Haushalten wird darob vermieden, was das Zeug hält. Und was an Müll dann
noch übrigbleibt kommt entweder in den normalen Hausabfall (sprich Mülltonne).
Demnächst muß der sogar, welch wertvolle Fracht, über die Autobahn nach
Mannheim verfrachtet, um dort verbrannt zu werden. Wenn es Glasflaschen sind,
werden diese Behältnisse zum nächstgelegenen Glascontainer transportiert. Bei
Papier wird sorgsam zusammengelegt und gefaltet – und dann wird dieser ganz
besondere Müll ebenfalls zu einem jener Container transportiert (möglichst mit
dem Automobil), die unser trautes Stadtbild derzeit so wundersam verzieren.
Joghurt-Becher, Plastiktüten und all das andere aus Kunststoff hergestellte (in
einer Broschüre sorgsam aufgelistet) wird von den Hausdamen und -herren in
mühseliger Arbeit gesammelt und in dafür extra vorgesehenen gelben Säcken
verstaut, die dann gelegentlich vor die Haustüre gestellt werden – zur
Entsorgung durch vorbeifahrende orangene Lastwagen bereit. Und dann kann es
geschehen – wie am Montag dieser Woche zum Beispiel, daß die Natur uns einen
bösen Streich spielt. Heftiger Wind weht
durch Gassen und Straßen Heilbronns. Die Gelben Säcke wirbeln durch die
Luft, fliegen auf die sauberen Straßen, den Autofahrern direkt vor die Reifen.
Diese rollen ungerührt darüber hinweg. Warum sollten sie auch anhalten? Zeit
ist Geld. Und die Stadt gibt keins für den Müll, holt es uns Bürgern nur aus
der Tasche, Jahr um Jahr mehr. Außerdem hat sie keins. Müllsäcke sind
aufgeplatzt, Tüten und Becher wirbeln über die Fahrbahn. Karneval-Stimmung.
Oder Besser: Ein Flair wie auf den Straßen so mancher Großstadt in der Dritten
Welt. Nicht gerade sauber – aber lustig sah das aus. An der Kreuzung
Weinsberger Straße / Oststraße in Heilbronn. Und recht bunt dazu auch noch. So
verfliegt sie, die sorgsame Umweltmühe so manchen bemühten Unterländer
Haushalts. Schmallippig beobachteten die Umweltgurus das sündige Naturtreiben.
Kein
Tony Blair in Hall
Mit
Staunen schauen viele Bürger aus der Region nach Schwäbisch Hall. Was sich dort
in der ehemaligen Reichsstadt am Kocher in den letzten Monaten und Wochen rund
um zwei Oberbürgermeister-Wahlen getan hat, könnte entweder in den Bereich
Schildbürgerstreich gesteckt oder unter dem Begriff Hohenloher Lebensart ablegt
werden. Schließlich hatte auch der Remstal-Rebell Helmut Palmer in Hall 1974 einst Triumphe bei OB-Wahlen gefeiert.
Vor wenigen Tagen aber wurde ein Mann aus dem baden-württembergischen
Wirtschaftsministerium, sozusagen eine Hinterlassenschaft des einstigen
SPD-Ministers Dieter Spöri, von den
Haller Wählern zum OB gekürt. Zwei CDU-Parteimitglieder und OB-Kandidaten
erzielten jeweils 31,8 und 28,21 Prozent, zusammen also 60,01 Prozent – der SPD-Mann Hermann-Josef Pelgrim konnte dank des
zweiten Wahlgangs, bei dem die relative Mehrheit zählt, mit 39,1 Prozent sich
den Lorbeerkranz des Siegers aufs Haupt drücken. Was den Wählern in der
Landeshaupt bei ihrer OB-Wahl billig war (mit dem CDU-Mann Schuster als
Sieger), das war den Hallern mit umgekehrten Vorzeichen teuer. Denn sie hatten
sich den Luxus erlaubt, innerhalb weniger Monate gleich zwei Oberbürgermeister
in insgesamt vier Wahlgängen zu küren. Jetzt bangen viele in der Stadt der
Salzsieder vor Einsprüchen. Denn solche
hatten den ersten gewählten OB Kurt
Leibbrandt zum Verzicht getrieben. Aber es deutet alles drauf hin, daß
jetzt Ruhe am Kocher eingekehrt ist. Und die Sozialdemokraten im Ländle sind
freudig erregt – nach ihrer Stuttgarter Schlappe. Manche Genossen in der
Regionalhauptstadt Heilbronn hoffen gar, daß sich im Käthchenstädtchen das
bürgerliche Lager ebenso zerfleischt wie in Hall – und dann wieder ein SPD-OB
die Stadt am Neckar ab 1999 regiert. Aber bis dahin fließt noch viel Wasser den
Neckar hinunter. Und ich schätze, die Heilbronner Christdemokraten haben nicht
solch ein anarchisches Politikverständnis wie die Haller Bürgerlichen. Denen
sagt man im Ländle bekanntlich nach, daß sie eigentlich nie so richtige
„Bürgerliche“ geworden sind, auch wenn sie sich zum Bürgeradel zählen. Im Falle
eines Falles bleiben sie Hohenloher Schlitzohren. Siehe OB-Wahlen 1996/97.
Theater,
Theater
Das
Theater muß und soll in erster Linie unterhalten. Ob nun in seine Sparten Oper, Ballett oder Schauspiel. Manche
Bürger mit eigentümlicher Kirchenferne meinen ja, das Theater müsse – sozusagen
als Glaubensersatz – in eine moralische
Anstalt umgewandelt werden. Damit die sündigen Menschen zum Schönen, Guten und
Wahren geführt werden. Ein seligmachender Ansatz aus dem Gedankenwust der
frühen bürgerlichen Revolutionen, der bisher (gottseidank durchs breite Volk,
sprich Publikum) immer zum Scheitern verurteilt worden war. Theater kann den
Menschen nicht erlösen – und soll es auch nicht. Damit wäre es ja überfordert.
Wie Marcel Reich-Ranicki in einer
Rede zum Neujahrsempfang in Frankfurt am Main treffend formulierte. Und damit
insbesondere das Chaos in den Theatern seiner Stadt beschrieb. Sehr richtig
wurde formuliert, daß man jeden Intendanten oder Regisseur zunächst fragen
sollte, für wen er Oper oder Schauspiel inszeniere. Wenn er mit einer anderen
Antwort als „fürs Publikum“ aufwarte, solle man ihn gleich wegschicken. Am
besten in die Wüste seiner Gedankenspiele. Wer für die Kritik, möglichst für
die überregionale oder internationale, oder für Insider – wie Schauspieler,
Regisseure oder andere Intendanten – also gegen das Publikum inszeniert, der
muß halt sein eigenes, privates Kellertheater gründen und sich dort seine
Zuschauer erziehen. Wer aber Verdis Aida nach Auschwitz ins Nazireich verlegt,
der ist nicht nur geschmacklos, sondern bietet eine ekelerregende und
widerliche Inszenierung (wie schon geschehen). Überhaupt: Oper lebt von schönen Stimmen und guter Musik. So wie das
Schauspiel von guten Schauspielern und hervorragenden Stücken lebt. Nicht von selbstverliebten Regisseuren,
die Theater zur ihrer Nabelschau pervertieren. Qualität muß künftig vor allem
in hochsubventionierten Häusern – wie Staats- oder Stadttheatern – gefragt
sein. Die Zuschauer sollten nicht nur von der Beliebigkeit gerade
vorherrschender Theater-Moden belästigt werden. Wer aus dem Theater nach Hause
geht, dessen Sinne wollen stimuliert sein, der will angerührt und gut
unterhalten sein. Wenn das geschehen ist, dann ist das viele Steuergeld für den
Theaterluxus (vielleicht) gerechtfertigt. Auch in Heilbronn.
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