Freitag, 14. März 2014

Kiliansmännle, 19.02.1997




 SPD will nach vorn
Bisher war Peter Alltschekow, vor einem Jahr noch Spöri-Pressesprecher in Stuttgart, SPD-Fraktionsvorsitzender in der Regionalversammlung Franken. Jetzt arbeitet er im SPD-regierten Brandenburg – und sein Nachfolger als Fraktionssprecher heißt Harald Friese, Bürgermeister in Heilbronn, der bei den Heilbronner Autofahrern nicht allzu beliebte Verkehrsdezernent. Alltschekow war mehrmals Bundestagskandidat im Wahlkreis Heilbronn, ohne Absicherung auf der Landesliste. Friese ist schon zuständig für die Bundespolitik der Unterländer SPD und in den kommunalpolitischen Arbeitskreisen der Landes-SPD ein aktiver Genosse. Eine Absicherung auf der SPD-Landesliste der Bundestagswahl 1998 könnte somit möglich sein – wahrscheinlicher als beim doch recht eigenwilligen und oft nicht auf Parteilinie liegenden Vorgänger Alltschekow. Vehement ging dann auch Harald Friese  die Themen an, die er für die Regionalversammlung als zukunftsweisend betrachtet: Messe, Güterverteilzentrum, Schienenverkehrsnetz, ÖPNV, Technologie- und Gründerzentrum, Regionalflughafen, Autobahnausbau, Großveranstaltungshalle, Fachhochschule, Wirtschaftsförderung. Vieles, was in der Regionalversammlung besprochen wird, sollte öffentlich in den Gremien diskutiert werden, fordert der neue Fraktionssprecher. Wenn der Regionalverband unter Ausschluß der Öffentlichkeit tage, davon nichts an die Öffentlichkeit dringe, dann könne bei so wichtigen Themen – wie zum Beispiel der Name – die Region auch nicht zusammenwachsen. Herbe Kritik äußerte Friese am Verhalten der Führungsspitze. Und er forderte „political leadership“ für die Region. Die Region Franken benötige ein „Leitbild“, wie andere Regionen im Lande. Und ob der Name der Region Franken nun in „Heilbronn“ oder „Heilbronn-Franken“ umgetauft werde, sei letztlich zweitrangig. Die Region werde dadurch nicht aufgewertet, daß man auf der Hannover Messe unter tausenden Ausstellern alljährlich reichlich verloren präsent sei, sondern dadurch, daß hier etwas geschehe. Alle blumigen Worte der letzten zehn Jahre hätten die Region nicht aus dem Windschatten herausgeholt. Vielleicht schafft diesen Kraftakt ja die aufgewachte SPD? 

Alles vorbei
Die närrische Zeit ist schon einige Tage zu Ende. Keiner spricht mehr über die Tage, in denen fast alle Fernsehsender uns mit „Helau“ und „Alaaf“ berieselten und Prunksitzungen aus guten alten Zeiten ausstrahlten, in denen Fasching noch lustig schien. Die Büttenreden 1997 waren auch nicht besser als die Jahre zuvor. Nur gequält lachte das Publikum über die Gedichte, deren Versmaß Kennern durch Mark und Bein geht. Wenn Pointen und Themen nicht lustig sind, dann sollte man doch lieber nach der Methode von Zimmermann und Zimmermann verfahren und Witze erzählen, über die wir als Kinder schon gelacht haben. Fasching ist bekanntlich auch die einzige Jahreszeit, in der man sich benehmen kann, wie man will, ohne daß es allzu lächerlich wirkt. Wer aber seinen Gefühlen in dieser Zeit freien Lauf ließ und sich als Frau, Prinzessin oder Commander Spock outen durfte, wird es jetzt schwer haben. Wer jetzt verkleidet aus dem Haus kommt, sorgt dafür, daß Nachbarn den Notdienst anrufen – die Psychiatrie winkt. Vor wenigen Tagen wäre das noch „normal“ gewesen – zumindest in den Hochburgen. Jetzt ist alles vorbei - und vergessen. Was machen eigentlich derzeit die Berufsnarren aus den Clubs, die Präsidenten und Elferräte? Im Heizungskeller sitzen und Trolli, Helau und Alaaf flüstern? Die meisten Menschen jedoch freuen sich über das wieder „normale“ närrische Fernsehprogramm. Und das Prinzenpaar? Muß Rechnungen vielleicht bezahlen. Sicher ist aber, zum Grausen aller Faschingsverächter, am 11. 11. 1997 geht es wieder los.

Pferdemarkt 1967
An diesem Samstag (22. Februar) beginnt in der Heilbronner Innenstadt der traditionelle Pferdemarkt. Der Veranstalter des Pferdemarktes, das Verkehrsamt der Stadt Heilbronn hat bekanntlich einen großen Mann an seiner Spitze, den Verkehrsdirektor Bernhard Winkler, der von manchen Leuten auch der „Leuchtturm von Heilbronn“ genannt wird, obwohl es hier ja nur einen Fluß namens Neckar – aber keinen See oder gar ein Meer gibt. Dennoch ist so manches Wertvolle wie einst der Nibelungenschatz in den kühlen Fluten versunken - siehe Rathaus-Skandal. Winklers Amt hat im Vorfeld des Marktgeschehens in einige Ställe der Region hineingehört und folgendes „Pferdegeflüster“ aufgeschnappt: „Du, Karle, reitest Du dieses Jahr auch mit Deinem Herrle zur Prämierung?“, fragt Stute Elisabeth. „Oder läßt Du Dich im Anhänger chauffiere?“„Das kommt ganz auf die Witterung an“, wiehert Karle. „Lieber Karle, paß aber auf, daß Du  vor lauter Ponies auch eine schöne Stute findest.“ – „Elisabeth, weißt Du, das ist nicht so schlimm, denn so ein Kurzurlaub auf dem Heilbronner Pferdemarkt ist immer noch reizvoller, als zwei Tage im Stall zu stehen. Schließlich ist der Duft in den Reitanlagen für uns im Gegensatz zu den zahlreichen Besuchern nichts Neues. Während die uns mit warmen Pelzjacken und atemberaubenden Parfüm nicht verwirren können, kann dies bei einer schicken dreijährigen Stute schon der Fall sein. Und wenn die dann im flotten Galopp der Kommission sich von mir angewiehert toll präsentiert und ihr Herrle am Montag von Heilbronns Oberbürgermeister Dr. Manfred Weinmann in der Alten Kelter den Ehrenpreis abholen kann, teilen wir uns dann anschließend im Stall die verdienten Zuckerle. Also bis Samstag und lupf’ Dein Huf recht galant.“ – Geschichten, die das Leben wiehert. Wie so manche aus dem Heilbronner Rathaus - vom Amtsschimmel, der sich unter die Literaten gemischt hatte. Gell, hano, so isch`s halt.

Schlampereien
Es ist mal wieder soweit. Wie jedes Jahr flattern im Januar und Februar die Rechnungen für Versicherungen, Abonnements und vieles mehr in die Briefkästen. Auch muß jeder seine Steuererklärung an unseren lieben Staat abgeben. Aber auch die Städte sind verpflichtet, einen Bericht über den Finanzhaushalt des vergangenen Jahres aufzulisten und der Öffentlichkeit vorzulegen. Für die Stadt Heilbronn ist das seit dem Rathaus-Skandal eine spannende Angelegenheit. Denn der Untreue-Fall im Heilbronner Führungshaus ist bei vielen noch lange nicht vergessen. Wunden werden zur Zeit mit viel Selbstmitleid geleckt. Außerdem liegt jetzt der Bericht für 1995 des Heilbronner Rechnungsprüfungsamtes vor. Das Fazit – man muß es so deutlich sagen – ist erschreckend. Schlampereien, Schludereien und Ungenauigkeit mußten die Prüfer beanstanden. So zum Beispiel die Heilbronner Feuerwehr. Großzügig berechnete sie ihren Einsatz beim Beifüllen des Böckinger Sees mit läpischen 10.000 Mark. Richtig wäre nach der Gebührensatzung aber rund 89.000 Mark. Die Nachforderung wurde natürlich prompt gestellt. Sparsames Haushalten? Ein anderes Beispiel: Mitarbeiter des Baudezernats mußten von den Prüfern sage und schreibe rund 400mal auf die Beachtung einschlägiger Vorschriften hingewiesen werden. Auch was die Berichte des Liegenschaftsamtes betrifft, empfehlen die Wirtschaftsprüfer höflich eine gründliche Überarbeitung. Eine erschreckende Bilanz, wenn man bedenkt, daß der Rathaus-Skandal gerade einmal ein Jahr zurückliegt – und der Hauptprozeß noch ansteht. All diese Fehler hätten etwa 80 Prozent negative finanzielle Auswirkungen nach sich gezogen, wenn das Rechnungsprüfungsamt nicht eingegriffen hätte. Nun meine Damen und Herren, auf diese unordentliche Art und Weise wird der Heilbronner Schuldenberg nicht kleiner. Dem Rechnungsprüfungsamt sei Dank! Ich warte auf den Bericht für 1996. Vielleicht gibt es ja über Lernerfolge bei den Angestellten demnächst eine positive Berichterstattung. Aber vorläufig scheint die Devise zu sein: Dienst nach Vorschrift. Manche Stadträte behaupten ja, jetzt würden die Büroklammern genauestens abgezählt den Angestellten gegen Vorlage und Unterschrift ausgehändigt. Aber Frust ist kein gutes Mittel gegen Schlamperei.

Stolzer Wartberg
Was mußte ich da im Handelsblatt lesen? – „Was den Bayern der Watzmann und den Schweizern das Matterhorn, das ist für die Heilbronner der Wartberg,  stolze Erhebung und werbendes Wahrzeichen zugleich. Der mit Reben besetzte und mit einem uralten Wachturm gekrönte Keuper-Hügel ist zwar nur 308 Meter hoch. Doch selbst der aus Thüringen stammende, also an mächtigere Kuppen gewöhnte Kaiserliche Notarius Christoph Ludwig Pfeiffer empfand die Anhöhe 1766 als „der Berge König“. –  Das ist ein wenig übertrieben, aber nett gemeint. Uns Heilbronnern ist der Wartberg weder Wahrzeichen, noch stolze Erhebung. Man fährt, so man es liebt, zum Essen hoch. Im Sommer ist das Restaurant ein schöne Gartenwirtschaft, in der die Luft weitaus besser schmeckt als im Kessel der Innenstadt. Aber was das Handelsblatt über die Bebauung am Wartberg-Fuß zu berichten weiß, ist doch zur Erinnerung ganz interessant: „Einige Reiche gedachten, Villen in den Wartberg zusetzen.“ Doch dagegen trat der damalige Oberbürgermeister Paul Mayle löwengleich an. Er setzte auch durch, daß am Fuße der legendären Anhöhe keine Hochhäuser gebaut wurden, um die Zufuhr frischer Luft in die Stadt hinein zu sichern. Damit wurde auch verhindert, daß sich Frost am Wartberg stauen konnte. Auf seine älteren Tage wollte Mayle selbst ein hübsches Anwesen in die Reben stellen, weshalb ihm die Bürger prompt das Wohlwollen entzogen. Davon zeugt heute noch am Wartberg eine Steinplatte mit eingemeißeltem Götz-Zitat. Soviel Witz besaß der damit Angesprochene noch, daß er eine zweite Tafel anbringen ließ mit der Inschrift: „Wart no a Weile. OB Meyle.“ 


Treff beim Lumpenball
Eine Gemeinschaftsinitiative war es – und sie hatte zum Erfolg geführt. Jahrzehnte hindurch war der Heilbronner Lumpenball am Faschingsdienstag so tot - wie ein rostiger Sargnagel. Nicht verwunderlich in der Stadt Heilbronn, die allüberall im Unterland als Anti-Faschingshochburg bekannt ist. Aber auf Initiative des Wochenblatts Neckar Express wurde der neue Lumpentreff in der Heilbronner Harmonie ein Erfolg – dank der Zusammenarbeit mit dem Verkehrsamt der Stadt Heilbronn, dem privaten Hörfunksender Radio Ton Regional und der Carnevalgesellschaft Heilbronn CGH. Weit über 700 Menschen kamen zum Kehraus der Kampagne 1996/97 in die gute Stube der Stadt – und waren glücklich, daß wieder etwas geboten wurde. Dabei ist es in Heilbronn äußerst schwierig, einen Ball zu organisieren. Die Tageszeitung Heilbronner Stimme kann ein trauriges Lied davon singen. War doch ihr Presseball zum 50. Geburtstag des Verlages im Herbst 1996 wegen mangelhaftem Interesse buchstäblich ins Wasser gefallen. Vielleicht wird es beim nächsten Presseball in Heilbronn anders – wenn mit dem Lumpentreff als Vorbild alle Medien zusammen (Südfunk, Tageszeitung, Privathörfunk, Neckar Express) die Initiative ergreifen. Natürlich gehört ein attraktives Programm zum Presseball für die Region, eine gewinnträchtige Tombola, ein festliche Dekoration – und (last but not least) eine gut geplante Werbekampagne. Wenn alle Medien an einem Strang ziehen, dann garantiere ich, muß der nächste Presseball in der Regionalhauptstadt Heilbronn nicht ins Wasser fallen. Interesse, das höre ich allenthalben in vielen Bevölkerungskreisen, ist zuhauf vorhanden. Man will halt anständig angesprochen werden und etwas für sein Geld geboten bekommen.


Kaiserstraße
Wer hätt des au denkt? - In Heilbronn werden bekanntlich fast alle städtischen Bauvorhaben ein wenig teurer. Zehn oder zwanzig Prozent sind da keine Seltenheit. Was jetzt aber in der zur Fußgängerzone umgewandelten Ost-West-City-Achse Kaiserstraße geschieht, das läßt unwillkürlich Schilda aufleben. Die Auseinandersetzungen des vergangenen Jahres waren in der Versenkung verschwunden, die Geschäftsleute in der Kaiserstraße hatten sich auch einigermaßen beruhigt – und plötzlich wird ihnen mitgeteilt, daß demnächst ihre Straße zum Bauplatz werden soll. Geplant waren für die Verschönerung der einhundert Jahre alten Straße rund 830.000 Mark. Die Gebäude sollen auf ihrer Rückseite an die Versorgungsleitungen angeschlossen werden. Technisch nicht möglich, stellte man jetzt mir Bedauern fest. Also nix mit der Kosmetikaktion. 1998 wird frühestens mit dem Umbau begonnen. Denn jetzt muß erst einmal mit jedem Hauseigentümer und Ladenbesitzer abgeklärt werden, wie und wo die Leitungen verlaufen sollen. Hätte man mit der Verschönerung schon im letzten Jahr begonnen, wäre ein Großteil des Geldes zum Fenster hinausgedrückt worden. Einfach so. Jetzt wird uns wahrscheinlich die Verwaltung klar machen, daß mit den neuen Erkenntnissen viel eingespart wurde. Daß die Damen und Herren Stadträte jetzt teilweise strutsauer sind, verstehe ich durchaus. Zweifeln sie doch erheblich an der Kompetenz der Bauplaner in Sachen „Kaiser-Straßen-Gestaltung“. Und das zu recht. Denn Schwierigkeiten dieser Art hätten auch schon im September 1996 bekannt sein können. Damals wurde von der Stadt jedoch ein völlig anderes Bild gezeichnet.


Freie Demokraten
Wenn die FDP aus dem Unterland zum Neujahrsempfang lädt, dann ist ein Mittagessen angesagt – und viele Worte. Am letzten Donnerstag, dem 13. Februar fegte gleichzeitig ein gewaltiger Sturm duch Heilbronns Straßen, der die großen Bäume vor dem Heilbronner Haus des Handwerks hin- und herbog wie Weidenruten. Und ähnlich verhielten sich die Freien Demokraten bei ihren vielen Sachthemen. Zum Beispiel IHK-Verweigerer. Einer ihrer Parteifreunde aus Hohenlohe hat in der Region den Anstoß gegeben, die IHK reagierte reichlich verärgert, die FDP hatte vor der Landtagswahl die Abschaffung der IHK-Zwangsmitgliedschaft im Wahlprogramm in Aussicht gestellt, der FDP-Wirtschaftsminister und FDP-Landesvorsitzende Walter Döring will davon jetzt nichts mehr wissen – und die FDP-Bundestagsabgeordnete und stellvertretende Landesvorsitzende Birgit Homburger verkündete in Heilbronn, das sei derzeit kein vordringliches Problem der FDP. Der Heilbronner Stadtrat Karl-Heinz Losch jammert über die Verunsicherung der Mitarbeiter bei der Stadt, hervorgerufen durch den Rathausskandal – und fordert, daß jetzt nach vorn geblickt werden muß. Dabei hatte der gemeinderätliche Überprüfungsausschuß ein recht lauwarmes Ergebnis abgeliefert, das durch das erste Gerichtsurteil sich jetzt wie eine Karikatur liest. Wer hat denn Jahre lang geschlafen, den Haushalt nicht richtig gelesen? 40 Stadträte können aus ihrer Verantwortung nicht entlassen werden. Sie sind oberstes Organ der Verwaltung. Trotz allem – die Freien Demokraten sind hochzufrieden mit sich selbst. Ihre Bundestagskandidaten stehen auch schon fest: Professor Grandjot im Wahlkreis Heilbronn und Dr. Wolfgang Weng im Wahlkreis Neckar-Zaber. FDP-Landtagsabgeordneter Richard Drautz lehrt die Wengerter das Fürchten, indem er Forderungen aufstellt, die das Gespenst erschaffen hat, nämlich, daß unser Trollinger würde demnächst aus Südfrankreich kommen. Und Birgit Homburger fordert gar – wenn auch moderat – eine Abschaffung der Wehrpflicht. Die FDP muß aufpassen, daß sie nicht zu einer Beliebigkeitspartei verkommt, die nur kurzsichtige Klientelpolitik betreibt. Der kurze Aufwind 1996 kann auch zu einem Sturm werden, der sie hinwegfegt. Wie aus den meisten Landtagen schon geschehen.

So perfekt wie Heidi
Es begann im fernen Australien, im brütend-heißen Melbourne, wo die erst sechzehnjährige Martina Hingis eine gewisse Steffi Graf entthronte. Wir erinnern uns: Steffi Graf, Wimbledonsiegerin von 1987 und bis dato jüngste Siegerin eines Grand-Slam-Turniers aller Zeiten. Aber alle Tennisfans wissen, daß jedes dieser großen Turniere seine Tücken hat. Egal ob Melbourne (zu heiß), Paris (zu sandig), Wimbledon (Rasen zu rutschig) oder New York (zu einflugschneisig) – den jungen Athleten wird einiges abverlangt. Martina Hingis hat das alles irgendwie nicht gestört, sie hat einfach gewonnen. Und zwar gegen Mary Pierce, die sich vor geraumer Zeit sich von etwas getrennt hat, das zum Damentennis wie die Drogen zu Amsterdam gehören: von ihrem Vater. Seitdem trägt sie die engsten und kürzesten Röcke. Kurz gesagt: Manch Schabernack ist dem männlichen Tennisfan vorstellbar, wenn er die Französin nach den Bällen greifen sieht. Von Martinas Vater weiß man nur, daß er Tennisplatzwart in Kosice sein soll. Mutter Hingis hat alles in lockerer Manier im Griff. Ihre Tochter darf neben ihrem Sport eigentlich alles. Reiten, Eis essen, fernsehen oder einfach mal null Bock haben. Durch Mutter Hingis scheint der Gebrauchtwagenhandel im Damentennis endgültig von der Bildfläche zu verschwinden. Was mag da dem Vater der bekanntesten deutschen Tennisspielerin durch den Kopf gegangen sein, als sich die 16jährige völlig unbezwungen den großen Titel holte? Der Vater ein Platzwart, das Mädel 16 unverletzte Jahre alt, mit Wohnsitz im Kanton Graubünden, wo Minderjährige keine Steuern zahlen müssen! Ein Schweizer Maidli, so perfekt wie Heidi. 

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