Sexualmord
im ZDF?
Wie
steht‘s eigentlich um den versuchten Sexualmord in Bad Rappenau-Bonfeld? Man
hört gar nichts mehr. Auch sieben Monate nach der Tat liegt kein
Fahndungserfolg vor. Doch jetzt – nach dem Fund der Leiche der 16jährigen
Manuela Kreis ist auch der Bonfelder Fall wieder in den Schlagzeilen. Bei beiden Straftaten wurden die Opfer mit
einem Messer bedroht, verletzt beziehungsweise getötet. Trotz über 675
Hinweisen aus der Bevölkerung konnte kein polizeilicher Erfolg erzielt werden.
Auch das Abzapfen von Blut bei 102 männlichen Mitbürgern ergab nicht den
erhofften Erfolg. Kein „genetischer Fingerabdruck“ war übereinstimmend mit dem
des Täters. Und nebenbei ist das fast perfekte Phantombild eh schon veraltet.
Die ganzen Ermittlungen brachten bis jetzt kein Licht ins Dunkle. Die
Erfolglosigkeit der Polizei stößt in der Bevölkerung auf Unverständnis. Aus
diesem Grund überlegt die Kriminalpolizei Heilbronn derzeit diesen Fall ins
Fernsehen zu bringen. So soll Eduard Zimmermann in den Fall eingeschaltet
werden. Für alle jene, die ihn nicht kennen: Er ist der „Aktenzeichen XY“-Mann im ZDF. Eigentlich eine gute
Idee, aber die Heilbronner Polizei rechnet mit zu vielen Hinweisen, die zu viel
unnütze Arbeit abverlangen würde. Und aus diesem Grunde wird dieses Vorhaben –
so wie es aussieht – ins Wasser fallen. Andererseits werden bis zu 40 Prozent
der in einem Fernseh-Film dargestellten Fälle aufgeklärt. Wobei der
Fahndungserfolg unmittelbar auf die Fernsehbeiträge zurückzuführen ist. Da
macht sich die „unnütze“ Arbeit dann wieder
bezahlt – oder? Und vor allem in einem Mordfall, beziehungsweise in einem
versuchten Sexualmord wie jenem in Bonfeld, sollten alle Hebel in Bewegung
gesetzt werden, um den Täter zu schnappen. Egal wie die bisherigen Ermittlungen
gelaufen sind, und egal wieviel Arbeit dahinter stecken mag.
Audi-Glück
Wirtschaftliche
Erfolge sind in unseren harten Zeiten keine Seltenheit – auch wenn es den
meisten Menschen in der Bundesrepublik nicht mehr so gut geht wie einst
erhofft. Aber am Hungertuch muß keiner nagen, weder Sozialhilfeempfänger noch
Asylbewerber. Der Autobauer Audi ist eine Firma, die in den vergangenen Jahren
deutlich im Windschatten der großen Mutter VW (und ohne deren
Skandalgeschichten) an Schubkraft gewonnen hat. Vor zwei Jahren habe man mit der
Internationalisierung begonnen – und das zahle sich jetzt aus, meint der
scheidende Vorsitzende des Vorstands Dr.
Herbert Demel. Seine vorgelegten Geschäftszahlen für
1996 belegen diese Feststellung. Umsatzsteigerung im Auslandsgeschäft
von 49 Prozent – im Gegensatz zu 1995 von 45 Prozent. 13,6 Prozent mehr Kunden.
Was will die Audi mehr? Im Werk Neckarsulm, dessen Bestand noch vor wenigen
Monaten gar nicht so sicher war, wird kräftig investiert. 14 Millionen Mark
wurden in einen Logistikanbau investiert. Und bei der Eröffnung dieses Neubaus
meinte Produktionsvorstand Jürgen Gebhardt, damit sichere man die
Audi-Wettbewerbsfähigkeit und auch die Audi-Arbeitsplätze im Unterland.
Neckarsulms Oberbürgermeister Volker Blust freute sich wie ein Schneekönig, denn
Audis Erfolge auf dem Markt lassen auch das Geld im Kasten der Stadt ordentlich
klimpern. Allzu große Sorgen muß sich die Stadt jetzt nicht mehr machen. Im
Gegenteil: Es wird in die Zukunft investiert. Dr. Jürgen Zieger, der Bürgermeister der Stadt, legte dann auch bei
der SPD-Jahreskonferenz ein Papier vor, in dem er über „Die ‘Neue Industriekultur’ und ihre Auswirkungen auf die Akteure der
Wirtschaft, die Stadtplanung und die Politik“ nachdachte. Ungewöhnlich.
Zumal dem sechsseitigen Aufsatz auch noch eine bildliche Darstellung des
geplanten „Business Park Neckarsulm – Ein Standort mit Zukunft“ angehängt war.
Nachgefragt, ob er vor den Heilbronner Zukunftsplänen als Konkurrenz zu
Neckarsulm ein wenig Angst habe, lächelte Zieger nur weise. Mehr braucht er auch
wirklich nicht zu sagen.
Kultur-Erfolg
Wenn
es bei uns um Kultur geht, dann ist hochgeistige Anstrengung angesagt. Nicht
immer. Aber für viele ist Kultur halt eine Bußübung – und kein Vergnügen, keine
Unterhaltung, sondern eine Art von Geißlerdrama. Nach dem alten griechischen
Tragik-motto, daß man zur Läuterung durch die Hölle gehen muß. Das hat dann
viel mit Peinigung zu tun – und Kritik bleibt außen vor. Weil der Mensch sich
ja wie in einer Sauna von Überflüssigem, Krankmachendem trennt und danach als
neues Wesen lustvoll und denkend durch die Welt wandelt. Naja, den Ansatz haben
die meisten Sekten und fanatischen
Religionsgemeinschaften auch. Da ist halt noch der alte Traum vom Paradies
im Hinterkopf, den so manche Intendanten und Regisseure, Bildhauer und Maler,
Museumsdirektoren und Lehrer umtreiben. Daß in unseren Zeiten Kultur auch
Erfolge vorzuweisen hat, wird dabei oft negiert. Vor allem in den alimentierten
Kulturinstitutionen. Erfolg ist unheimlich – eigentlich ja auch akulturell.
Kultur ist eben nur gut, wenn sie weh tut. Vor allem dem Geldbeutel des
Steuerzahlers. Und so ist dann auch die Berichterstattung in vielen Medien bei
uns im Lande. Verständlich über Kulturereignisse berichten? Wozu? Das überläßt man bei den verhinderten
Künstlern und Dozenten in den Feuilletonredaktionen lieber der FAZ oder der Bild-Zeitung. Und rümpft die Nase. Schließlich ist fast jeder
Redakteur in so mancher deutschen Kulturredaktion ein Beinahe-Schriftsteller,
ein Wesen der schöne Künste, kein Reporter darüber. Kultur im Radio zum
Beispiel ist dann angesagt, wenn mit verquetschem Zungeschlag in
Bandwurmsätzen, möglichst ohne Originaltöne, über Kulturereignisse
schwadroniert, nicht berichtet wird. Oder wenn die Kultursendung zum Seminar
ausartet – und als Zwischenmusik keine Melodien, sondern Töne in ungewohnter Folge zu Gehör gebracht
werden. Das erfreut die kleine Gemeinde, die sich das auf Kosten der Mehrheit
der Gebührenzahler noch leisten kann. So werden Leser und Hörer vergrault. Und
im Elfenbeinturm wird weiter geschlafen.
Bank
und Krise?
Wenn
man sich den Verdienst der Banken im
Unterland anschaut, dann kann von Wirtschaftskrise keine Rede sein. Stolz
verkünden die Geldinstitute zum Beispiel
eine Erhöhung des Geschäftsvolumens in 1996 von rund 6,5 Prozent (die
Volksbanken und Raiffeisenbanken zum Beispiel). Bei der Kreissparkasse
Heilbronn lag die Steigerung im Vergleich zum Vorjahr „nur“ bei 5,5 Prozent,
dafür wird ein Jahresüberschuß wie im Vorjahr erwartet (30 Millionen). Man ist
zufrieden bei den Bankern. Sorgen machen ihnen nur die vielen Pleiten im Lande.
Oft muß das ausgeliehene Geld an diese Unternehmen dann in den Wind geschrieben
werden. Wertberichtigungen nennt man das. Zahlen
darüber aber lassen weder die Volksbanken noch die Kreissparkasse raus. Man
will ja schließlich seine Niederlagen nicht in Heller und Pfennig der
Öffentlichkeit präsentieren. Was bei den Bilanzen der Banken noch auffällig
ist: Die Spareinlagen haben sich beträchtlich erhöht. Ist ja auch nicht zu
übersehen. Die Leute haben Angst, horten das Geld – und dem Handel geht's
miserabel. Die Banken aber können sich freuen. Beim Bauhandwerk sieht es ein
wenig anders aus. Die Geldverwalter sehen teils schwarz für die Branche, andere
meinen vieles pendle sich ein, was in den vergangenen Jahren überhitzt war.
Eigentumswohnungen werden weniger nachgefragt, dafür steht das eigene Häuschen
weiterhin hoch im Kurs. Und noch etwas ist auffällig. In machen Branchen geht
es der einen Firma gut, der anderen miserabel. Nachgefragt, woran es liegt,
meinen die Bänker übereinstimmend: am Management. Ein sehr guter Chef hat sehr
gute Mitarbeiter und ebensolche Kunden. Der Fisch stinkt vom Kopf her. Ein
Manager zweiter Klasse sucht sich Mitarbeiter dritter Klasse aus – und
dementsprechend werden dann auch die Kunden behandelt. Jetzt trennt sich die
Spreu vom Weizen. Auch im Geschäft gilt: Kommunikation ist alles. Wer seine
Mitmenschen nur als Geldesel für sich betrachtet, muß – gottseidank – über kurz
oder lang baden gehen.
Republikaner
Nach
ihren Erfolgen bei den Gemeinderats- und
Landtagswahlen war es recht still um die Republikaner im Unterland
geworden. Alfred Dagenbach, Gärtnermeister und Landtagsabgeordneter sowie
im Heilbronner Gemeinderat Rep-Fraktionsvorsitzender, bestimmte das Geschehen
in seiner Partei eine Zeit lang nicht nur Landesgeschäftsführer, sondern ist
weiterhin im Unterland der Mann, der
viele Rep-Fäden zieht. Erst neulich zog er mit einem ehemaligen
Parteifreund vor Gericht, der ihn als „Mahatma“ in vielen Faxen betitelt hatte.
„Große Seele“ aber wollte sich Dagenbach nicht nennen lassen. Hart wurde vor
Gericht gefochten, da ging es nicht nur um die Anrede „lieber Mahatma“, sondern
auch um die Beschimpfung „Kameradenverräter“ oder gar die ganze Unterländer
Partei, in der „Kritiker beim Staatsschutz angezeigt werden. Dagenbach – hieß
es da – könne sich „im Heilbronner Bumsverein nur entfalten, weil man sich dort
gegenseitig ans Bein pinkelt.“ – Nachdem diese Geschichte einigermaßen
ausgestanden war, wird jetzt mitgeteilt, daß der Heilbronner Rep-Kreisvorstand
Versuche abgewehrt habe, den Heilbronner Kreisvorstand von rechts zu
unterwandern. Man habe zahlreichen, „zum
Teil dubiosen Aufnahmeersuchen“ eine Absage erteilt. Damit wolle man den
immer wieder gegen die Republikaner „aus naheliegenden politischen Gründen
gemachten Unterstellungen“, sie seien verfassungswidrig, von vornherein die
Grundlage entziehen. Außerdem verweist man bei den Reps auf eingeschleuste
V-Männer, die schon in vielen Kreisverbänden des Landes brave Parteimitglieder
beeinflussen wollten, damit die
Verfassungswidrigkeit der Reps augenscheinlich werde. In Heilbronn halte man
sich an die Abgrenzungsbeschlüsse und Richtlinien der Republikaner-Gremien in
Bund und Land. Dagenbach will seine Partei offensichtlich in eine
rechtsliberale Richtung drängen. Wächst
da ein kleiner Haider aus dem Unterland?
Vom
Eise befreit
An
einem Samstag, irgendwann in den letzten Wochen, hetzte ich mal wieder in den
Supermarkt, die letzten Einkäufe fürs Wochenende erledigen. Schwer bepackt
verließ ich die Einkaufsstätte. Was ich draußen sah, verwunderte mich denn doch
ein bißchen. Da steht ein Mann, in der einen Hand hat er seinen Schuh und
untersucht ihn eingehend. Der Mann steht allerdings nicht auf einem Bein,
obwohl der Parkplatz dick vereist ist, nein er drückt den gerade mal mit einer
dünnen Socke geschützten Fuß aufs Eis. Das schaue ich mir an, denke ich. Eine
Minute vergeht, zwei, drei Minuten verstreichen. Dann bückt sich der Mann, kratzt mit dem Autoschlüssel übers Eis und platziert
grummelnd seinen Sockenfuß wieder auf gefrorene Fläche. Nach einem Weilchen
beginnt das gleiche Schauspiel von neuem. Doch nun scheint der Einschuh mehr
Erfolg zu haben. Nach längerem Kratzen zieht er ein Stück Papier aus der
aufgetauten Fläche, das aussieht wie ein Geldschein. Tatsächlich, als ich näher
hinschaue, stellt sich das Papier als Fünfzigmarkschein heraus, verloren von
einem Einkäufer, eingefroren und archäologisch akribisch wieder aus dem Eise
befreit von einem Finder. Ob der allerdings ein ehrlicher ist und das Geld auf
dem Fundamt abgibt, bleibt dahingestellt. Weil, wer holt sich schon gerne eine
nasse Socke und ein Eisbein, ohne ein bißchen warmen Geldsegen zu erhalten.
Aschermittwoch
Das
war ein buntes Treiben – an den vergangenen Tagen bei uns in der Region. Die
Narren trieben es so närrisch wie manche Politiker das ganze Jahr über –
besonders närrisch gebärdete sich da die SPD mit dem Rücktritt ihres Landtagsabgeordneten in
Heilbronn Dr. Dieter Spöri. Aber auch das Rathaus Heilbronns wird auch über den Aschermittwoch hinaus vom
närrischen Treiben um die verschwundenen Millionen befallen sein. Der
Hauptprozeß steht ja noch an. Und nur um Buntstifte oder Klarsichthüllen geht
es da ganz bestimmt nicht. Wer sich da
als Obernarr entpuppt, der Beschuldigte, die Superbetrüger aus dem Lande NRW
oder unser OB, das wird sich noch herausstellen. Beim offiziellen
Heringsessen im Restaurant am Stadtgarten, zu dem die Stadt Heilbronn
freundlicherweise die organisierten Narren einlädt, wurden wieder heftige und
derbe Witze vom Stapel gelassen, wie sich das so unter männlichen Narren
gehört. Aber auch die Damen der Zunft stehen da nicht zurück. Sie lachen, wenn
auch ein wenig verschämt – aber unter sich sind sie nicht weniger pointiert, was
die Dinge unterhalb der Gürtellinie anbetrifft. Das Procedere – wie gehabt. Ab
10.45 Uhr Treffen „vor dem Rathaus“, Rede des CGH-Präsidenten – und dann nicht
wie üblich zum Heringsessen in den Ratskeller, sondern diesmal ins Restaurant
am Stadtgarten. Dort wird das abgesetzte CGH-Prinzenpaar den Schlüssel an die
Stadt zurückgeben, damit die Bürgermeisterriege wieder das Narrenzepter
schwingen kann. Spaß beiseite – ab jetzt wird es ernst. Heilbronn wird in
diesem Jahr bei all den vorgelegten Sparplänen seine hochfliegen Pläne – wie
Stadtbahn zum Beispiel, mehrmals überdenken müssen. Denn die Narretei ist vorbei, neuerdings
können Politiker für unverantwortliches Geldausgeben auch strafrechtlich
belangt werden. Und dann ist es mit dem Spaß und der Narretei vorbei.
Endlich.
Woher?
Wohin?
Alles
ist schlecht, sagt die Opposition. Zu jeder Zeit. Das war immer so. Als die SPD
regierte, war die CDU/CSU mit kaum etwas zufrieden. Seit die CDU/CSU wieder
regiert, feuert die SPD aus vollen Rohren. Der Unterschied: Die Union stand von
1969 bis 1982 in der Opposition in Bonn, die SPD geht jetzt schon ins 15. Jahr.
Und ein Ende ist nicht absehbar. Viele fragen, woran es liegt. Nun, wer nicht
registriert, wie sich in den letzten zwanzig Jahren die Welt verändert hat, wer
sich weg von den Wurzeln als Arbeiter-
und Kleine-Leute-Partei hin zur Lobbyisten-Partei für Lehrer und Beamte
entwickelt, darf sich nicht wundern, wenn die Zustimmung immer weiter absinkt. Da nutzen auch die fürsorglichen
Argumentationsketten nichts, die in so manchen Zeitungsredaktionen gestrickt
werden. Die Blauäugigkeit, mit der viele Sozis Politik in den Siebziger und
Achtzigern betrieben haben, wirkt nach. Der Feind schien die USA zu sein, nicht
das menschenverachtende kommunistische System im Osten. Das wurde in der
Bevölkerung wohl registriert. Und als Gorbatschow samt Honecker von den
Freiheitsbewegungen im Osten hinweggespült wurden, da standen die Sozis mit
ihren Freundschaftspapieren reichlich hilflos, begossen und belämmert in der
neuen politischen Landschaft herum. Ich kann mich noch gut erinnern, mit welch
hämischen und abqualifizierenden Bemerkungen Heilbronner Spitzenpolitiker aus diesem Lager, die Solidarnocz-Gewerkschaftsbewegung abqualifizierten.
Klerikalfaschisten war da die mildeste Bezeichnung. Man kungelte bei den vielen
Besuchen in Polen lieber mit den kommunistischen Gewerkschaften. Das gleiche
bei der Städtepartnerschaft mit
Frankfurt/Oder. Liebdienerei vor der SED, Nichtbeachtung der Opposition. Und
jetzt? Wehklagen und Zähneklappern. Da hilft nur: Das Haus ordentlich
aufräumen. Weg mit dem Ideologie-plunder, damit die Sicht frei wird. Neue Leute
braucht das Land. Zum Beispiel eine Kanzler-Kandidatin im Jahre 1998.
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