Castor
ist weg
Die
CDU im Unterland zeigt wenig Verständnis für die Sitzblockaden anläßlich des
Castor-Transports. Thomas Strobl, der Kreisvorsitzende, bedauert, daß die
Blockaden „auf dem Rücken der Polizei und letztlich auf Kosten des
Steuerzahlers“ stattgefunden haben. Niemand habe das Recht, so Strobl, andere
in ihrer Freizügigkeit zu behindern. Und da seien die Atomkraftgegner nicht
ausgenommen. Und verwundert ist der CDU-Vorsitzende auch. „Es ist schon erstaunlich, wie viele intelligente Menschen gegen
Luftverschmutzung und Ozonloch sind, Strom aus der Steckdose gerne beziehen
und gleichzeitig gegen Kernkraft demonstrieren.“ – Viele im Unterland haben
sich ja in den letzten Tagen die Frage gestellt, wann jene, die am Donnerstag
und Freitag letzter Woche so heftig demonstrierten, denn eigentlich ihrem
Tagesgeschäft nachgingen. Im Schwäbischen: Was
schaffet die eigentlich de ganze Tag lang? Manche der Bewohner der umliegenden Gemeinden
betrachteten das munter, bunte Völkchen, das tagelang in ihren Mauern
Demonstrationen vorbereitete, Flugblätter verteilte, sich an Sitzblockaden
beteiligte doch mit recht gemischten Gefühlen. Und erst recht zornig wurden die Menschen über den Müll, den
die Atomkraftgegner und Umweltschützer hinterlassen hatten. Ganz entgegen ihren
sonstigen Beteuerungen in der Liebe zur Umwelt. Mir scheint da liegt auch ein
wenig Hohn und Verachtung in der Sache, nach dem Motto: Sollen doch die, die
von der Atomkraft in den Dörfern und Städtchen um Neckarwestheim leben, unsern
Dreck wegmachen. Wir demonstrieren schließlich gegen den Atom-Dreck, den sie
verursachen. Das ist auch eine Haltung - eine nicht ganz saubere, aber
schließlich eine durchaus verständliche – aus der Sicht jener die sich das
Himmelreich schon hienieden wünschen und auch durchsetzen wollen. Nur die
harten Gegenstände der Realität stoßen sich halt im Raum des tatsächlichen
Lebens.
Heilbronner Theaterschiff
Einst
war es in aller Munde. Jetzt spricht man im Unterland nicht mehr soviel über
das Theaterschiff neben dem Insel-Hotel.
Dafür kommen die Besucher in Scharen. Sagen die Veranstalter. Das neue Programm
dieser sonderbaren Bühne auf einem Frachtkahn
wurde jetzt vom künstlerischen Leiter Heinz Kipfer vorgelegt. Mit einem Musical der besonderen Art wird
am Samstag, den 7. März Premiere
gefeiert. „Nonsens“ heißt das Stück von Dan Goggin, das am 12. Dezember 1985 am
New Yorker Cherry Lane Theatre
uraufgeführt wurde. und für dieses Stück erhielt der Autor 1986 den
amerikanischen „Outer Crities Circle Award“ für das beste Musical, das beste
Buch und die beste Musik. Inhalt: Nonnen tanzen, steppen und machen alles
Unmögliche (was Nonnen sonst nicht machen) für die Renovierung ihres Klosters.
Wenn ich mich recht erinnere, dann hab ich die Verfilmung auch schon im
Fernsehen gesehen. Demnächst also auch auf dem Heilbronner Theaterschiff - in der Regie von Heinz Kipfer, Bühnenbild
von Peer Friedel und am Klavier/Synthisizer Hans-Christoph Dorn, der als Autor für satirische Texte in Funk und
Fernsehen schon mehrfach hervortrat. Eine Besonderheit am Rande: Unter dem
Titel „Der rasende Reporter“ gibt es auf dem Schiff am 21. März eine
Mitternachtslesung. Uwe Jacobi, der stellvertretende Chefredakteur der
Heilbronner Stimme, liest Egon Erwin Kisch. Und dazu „jazzen“ Egon Haag
(Saxophon) und Werner Grau, der Erste Bürgermeister der Stadt Heilbronn, am
Klavier. Beginn ist um 23 Uhr. Was früher in den Salons der besseren
Gesellschaft geboten wurde, das bietet heute in demokratischen Zeiten das
Theaterschiff. Na bitte – ein Fortschritt. Jeder kann teilnehmen, so er Karten
ergattert.
Untersuchung
Das
Ende des Rathausskandals in Heilbronn,
bei dem mehr als fünf Millionen Mark verschwunden sind, ist noch nicht
abzusehen. Demnächst wird vor dem Heilbronner Landgericht gegen den Mann verhandelt, der die Strippen
bei der Veruntreuung gezogen hatte. Schon beim ersten Prozeß haben Richter und
Staatsanwaltschaft nur kopfschüttelnd zu Kenntnis nehmen können, was an unglaublicher Schlamperei im Heilbronner
Rathaus durch Zeugenaussagen zutage gefördert worden war. Und das wurde
auch im Urteil festgeschrieben. Vergleicht man es mit den Ergebnissen des
gemeinderätlichen Akteneinsichtsausschusses, dann ist man doch reichlich
verwundert. Auch wenn die beteiligten Stadträte heute beteuern, sie konnten nur
nach Aktenlage und der Befragung der Rathausmitarbeiter bewerten. Ein Akteneinsichtsausschuß (welch
abscheuliches Wortgetüm!) ist kein Gericht – das hat auch bisher niemand
gesagt. Aber ein wenig mehr Mut hätte man sich schon gewünscht. Warten wir also
den Abschlußbericht dieses gemeinderätlichen Gremiums ab. Aber der wird erst
erscheinen, wenn gegen den Hauptangeklagten verhandelt und geurteilt worden
ist. Niemand unterstellt den Stadträten Unaufrichtigkeit. Es gab Stadträte, die
meine Bemerkungen so verstanden haben wollten. Aber es kann leicht der Eindruck
entstehen, als solle jetzt vieles unter den Teppich gekehrt werden, damit
wieder Ruhe im Rathaus unter den Mitarbeitern einziehe. Seltsamerweise in einer
Art Großen Koalition wird diese Meinung (noch recht leise) vertreten – in
manchen SPD, CDU- oder FDP-Kreisen.
Heroin
aus der Apotheke?
Die
Legalisierung von Haschisch an Teenager über 16 Jahren in deutschen Apotheken
ist zu einem ganz heißen Thema geworden. Das Drogenproblem scheint
unkontrollierbare Ausmaße anzunehmen, und dann soll es sogar noch frei
erhältlich sein? Klingt irgendwie unlogisch. Der Drogenanstieg in Deutschland
1996 ist wohl einer der wenigen Aufwärtstrends, den Deutschland aufzuweisen
hat. Und Heilbronn kann in diesem Punkt
locker mithalten. Erst letztes Wochenende hatte die Polizei die traurige
Aufgabe, das zweite Drogenopfer in Heilbronn zu melden. Erst zwei Monate im
neuen Jahr sind vergangen und schon zwei Tote! Es muß was passieren! Heilbronner Politikerköpfe fangen an zu
rauchen, denn es ist mehr als fraglich, ob das Drogenproblem durch
Legalisierung erfolgreich unter
Kontrolle zu bringen ist. Stellvertretender CDU-Fraktionsvorsitzender Thomas
Strobl spricht sich klar gegen die Freigabe von harten Drogen aus, und erhält
tatkräftige Unterstützung vom Heilbronner Republikaner-Chef Alfred Dagenbach. Denn durch die
Freigabe von weichen Drogen, so Dagenbach, ist der Einstieg in die Drogenszene
ja noch leichter. Ein Argument das Hand und Fuß hat. Richard Drautz von der FDP ist da aber ganz anderer Meinung. Eine
kontrollierte Freigabe von harten Drogen könnte eine mögliche Hilfe darstellen.
Dabei beruft er sich auf die positiven Erfahrungen von unseren Nachbarn aus der
Schweiz. Dort scheint es zu funktionieren. Durch die Freigabe, so hofft man,
verliert die Droge ihre Faszination. Suse Maurer von den Grünen fordert deshalb
einen offenen und kontrollierbaren Markt damit der Reiz des Verbotenen
entfällt. Eine waghalsige Sache, da eine Verbesserung der Problematik nicht garantiert
ist. Aber gut, ein Versuch könnte es ja wert sein. Trotz einer möglichen
Legalisierung fordert unser Oberhaupt Dr.
Manfred Weinmann, daß die Bekämpfung der Drogendealer mit allen Mitteln des
Rechtsstaates erreicht werden muß. So ist’s recht, Herr OB!
IHK-Gegner
Eine
politisch legalisierte Mafia soll die Industrie- und Handelskammer sein.
Starker Tobak, den die IHK-Verweigerer da bei ihrer Gründungsversammlung in der
Region auftischten. Zwar wurde der Satz nur als Zitat präsentiert, aber Hermann Schrecker, Unternehmer aus
Öhringen und jetzt Sprecher der IHK-Verweigerer in der Region, ist bekannt
dafür, daß er mit seiner Meinung über
die Überflüssigkeit der „Bürokratenfestung IHK“ nicht hinterm Berg hält.
Das Oberverwaltungsgericht Koblenz hat aber jetzt den Rebellen einen deutlichen
Dämpfer versetzt. Die Verwaltungsrichter sind der Ansicht, daß es keine
rechtlichen Bedenken gegen den Beitragsbescheid der Kammern gebe. Das mißfällt
dem „Ersten Sprecher des Bundesverbands der Interessengemeinschaft Deutschland
der IHK Verweigerer“ Helmut Plüschau
aus Wedel bei Hamburg außerordentlich. Er hält „die heutigen IHK’s mit ihrem
Milliardenvermögen, ihrem undemokratischen Wahlsystem, ihrem kümmerlichen
Rückhalt bei ihren Zwangsmitgliedern – rund fünf Prozent Wahlbeteiligung – und
den weitgehend überflüssigen Aufgaben, mit denen sie ihren eigenen Mitgliedern
Konkurrenz machen, für überholt und verfassungswidrig“. Denn die
Zwangsmitgliedschaft und der Zwangsbeitrag verstoße gegen Artikel zwei des
Gundgesetzes, „da sie unmittelbar in das Recht der freien Entfaltung der
Persönlichkeit der Gewerbetreibenden eingreifen“. Privatisierung der IHK’s ist das Zauberwort
des Herrn Plüschau: „In einer Zeit leerer öffentlicher Kassen und dem Ruf nach
Verschlankung der öffentlichen Verwaltung passen die 83 IHK’s mit ihren
Tausenden von Mitarbeitern des öffentlichen Dienstes, ihren konzernähnlichen
Verwaltungszentren und ihren Rücklagen in Milliardenhöhe nicht mehr in die
heutige politische Landschaft“. Und überflüssig seien sie, „wie ein Kropf“. Mit
solchem Kampfgetöse werden die IHK-Gegner nur erreichen, daß die Kammern
flexibel reagieren – und stabilisiert aus dieser Auseinandersetzung
hervorgehen. Siehe das Urteil aus Koblenz.
Hundesteuer
Der
liebe Wauwau ist wieder im Kreuzfeuer der Kritik. Die Erhöhung der Heilbronner
Hundesteuer bringt manche Hundebesitzer auf die Palme. Kostet doch das arme
Vieh beim Unterhalt schon eine ganze Menge. Manch anderer, der vom Hundekot auf
den Straßen und Gehwegen, am Waldesrand und in den Wiesen der Parkanlagen sich
gestört fühlt, ist hocherfreut. Wird doch vielleicht jetzt endlich überlegt, ob
man sich einen getreuen Vierbeiner überhaupt leisten kann. Und vielleicht – so
sagt sich der kritische Betrachter – denken manche Hundebesitzer auch mal
daran, daß es eigentlich eine
Tierquälerei ist, in einer Stadtwohnung im Mehrfamilienhaus einen Hund zu
halten. Vorher sollte man sich genau erkundigen, wieviel täglichen Auslauf
der liebe Kläffer benötigt, ob er nicht eventuell die Nachbarn mit seinem
natürlichen Gebell stören könnte, und ob er auch richtig erzogen werden kann.
Denn zu oft ist zu lesen, daß die ihrer Natürlichkeit beraubten Vierbeiner in
neurotischen Anfällen Kinder und auch Erwachsene anfallen. Nicht gerade
beruhigend für den Spaziergänger im Wald oder Park, wenn er sich plötzlich
einem ausgewachsenen freilaufenden Köter in Bauchhöhe gegenüber sieht. Da hilft
das Rufen „Er tut nichts“ auch nicht mehr viel. Woher soll der Hund wissen, was
er zu tun hat, ob der Spaziergänger Feind oder Freund ist. Und woher soll der
Flanierende wissen ob der liebe Kläffer beim Hochspringen nur Schlecken will
oder gar zubeißt. Wer sich selber eine Tierfreude machen will und nur eine
Stadtwohnung sein Eigen nennt, kann sich ja auch an Kanarienvögeln, Katzen oder
Fischen erfreuen. Es muß ja kein teurer Hund sein, für den man auch noch
Steuern berappen muß.
Rep-Aufruhr
Ein
paar wenige Bemerkungen über die Republikaner in Heilbronn - und schon werde
ich eingedeckt mit einer Flut von Briefen und Anrufen. Da scheint ordentlich
was unter der Decke zu brodeln – in dieser Heilbronner
Hochburg der von vielen schon lange totgesagten Rechtspartei. Einst hohe
Würdenträger in der Heilbronner Partei bezeichnen den Rep-Kreisvorsitzenden und
Landtagsabgeordneten Alfred Dagenbach als „nicht demokratisch“, werfen ihm vor, er
habe „abgehoben“ seit er im Landtag sitze. Als Beispiel wird angeführt, daß
früher jeder, der an einem Rep-Info-Stand am Wochenende „Dienst“ tat, fünfzig
Mark erhalten habe. Dann habe Dagenbach aber erklärt, Geld verderbe den
Charakter, und diese „Tradition“ einfach abgeschafft. Daß der Heilbronner
Rep-Kreisvorstand jetzt sogar die Aufnahme einiger Leute in die Partei
abgelehnt habe, weil sie rechtsradikal seien, erbost die Werber des neuen
Rep-Potentials besonders. Wie schrieb mir ein Siegfried Kuhn aus Heilbronn auf
die Frage, ob Dagenbach als kleiner Unterländer Haider heranwachse?: „Niemals!
Dafür ist Dagenbach viel zu klein und viel zu unbedeutend, eine Person ohne
Charisma.“ Und dann wird erzählt, wie es war: „Ich habe selbst erfahren, zu
welchen Zornesausbrüchen Dagenbach imstande ist, eine andere Meinung zu haben
oder gegen ihn zu kandidieren. Seit sich Dagenbach mit den Stimmen von
eigentümlichem Mitgliederzuwachs zum Kreisvorsitzenden wählen ließ, fragt sich
ein erheblicher Teil der Mitgliedern im Unterland, ist der Landesvorstand und
auch der Bundesvorstand taub? Der Landesvorstand müßte doch die
Eigentümlichkeiten des Dagenbach in seiner glorreichen, kurzen Tätigkeit als
Landesgeschäftsführer in Erfahrung gebracht haben. Dagenbach zieht weiter die
Fäden seiner Marionetten im Unterland, aber nur so lange sich die Mitglieder
und der Landesvorstand in Lethargie befinden.“ – Die Reps in Heilbronn liegen offenbar heftig miteinander im Streit.
Der Name des Siegers bisher: Alfred
Dagenbach. Aber der Neid ist groß.
Schönes
Wetter
Erste
Frühlingsgefühle erregten an dem letzten Wochenende so manche Menschen bei uns
im Ländle. Warum auch nicht? Die Sonne schien, 15,5 Grad Celsius wurden
gemessen – bisher die wärmste Tage des Jahres 1997 – es wehte manch laues
Lüftchen, ideal für Spaziergänge, Floh- oder Pferdemärkte. Schneeglöckchen
blühen jetzt schon munter vor sich hin – und die Knospen an den Bäumen werden von Tag zu Tag dicker. Aber das
waren offenbar nur die Vorboten. Jetzt ist’s wieder regnerisch, kühl und
windig. Offenbar hatte das schöne Wetter auch unsere Atomkraftgegner am
Wochenende milder gestimmt. Die rund 3.000 Demonstranten gegen den
vielgeschmähten Castor-Transport rund um Neckarwestheim, unser Atomdörfchen im
südlichen Landkreis Heilbronn, waren munter, aber wenig aggressiv – und die
Mehrheit war froh darüber, daß es außer ein paar Knallkörpern und Rangeleien
mit dem „schwarzen Block“ zu keinen ernsthaften Auseinandersetzungen mit der Polizei
gekommen war. Das tat den grünen
Politikern aus Stuttgart und Bonn, Fritz Kuhn und Rezzo Schlauch auch
gut. Konnten sie doch ohne auf Gewalttaten der Demonstranten hingewiesen zu
werden locker den Castor-Transport als „sinnlose
Machtdemonstration des Staates“ bezeichnen. Die Neckarwestheimer sind froh,
daß alles so relativ friedlich vonstatten ging. Und auch die Polizistinnen und
Polizisten, bei denen offenbar nur einer eine Prellung durch einen geworfenen
Knallkörper erlitt. Gerade deshalb überzeugt mich die Friedfertigkeit nicht.
Flaschen auf die Polizei schleudern, Knallkörper zünden und auf Menschen werfen
– das sind inhumane Argumente. Wer das auch nur im Ansatz billigt und ausführt,
der ist nicht nur unglaubwürdig in seiner Argumentation, sondern muß als
potentieller Straftäter eingestuft werden.
Werte?
Da
wird der Einkaufschef einer Gundelsheimer Firma, der zwanzig Jahre hochgelobt
in dem Unternehmen tätig war, wegen Betrug und Unterschlagung in Millionenhöhe
zu drei Jahren Freiheitsstrafe von einem Heilbronner Schöffengericht
verurteilt. Und wegen Untreue sind die beiden ehemaligen Geschäftsführer (52
und 58 Jahre alt) der renommierten Heilbronner Bauunternehmung Rohrbach und Huber in Haft genommen
worden. Jahrelang sollen sie Gelder unterschlagen haben. Die Staatsanwaltschaft
schätzt den Schaden auf zwei Millionen,
Vertreter des 130 Jahre alten Unternehmens schätzen die Schadenssumme dagegen
auf rund vier Millionen Mark. Verbrechen dieser Art sind zur Zeit offenbar eine
Landplage. In einem Klima des „Alles ist machbar“, in dem Millionensummen nur
als Peanuts gehandelt werden, während ganze Bevölkerungsgruppen am
Existenzminimum dahinvegetieren, erinnert sich der Geschichtsbewußte an die
Zwanziger Jahre dieses Jahrhunderts. Da wurden auch einige sehr leicht und sehr
schnell sehr reich - und verloren alles in der großen Depression zu Beginn der
Dreißiger Jahre, während die Mehrheit der Bevölkerung in den Industrieländern
von Arbeitslosigkeit und Armut geplagt war. Einher gingen mit diesen schlimmen
wirtschaftlichen Krächen auch moralische Werte verloren. Was so mancher heute sehnsuchtsvoll als die Golden Twenties bezeichnet,
endete in einem mörderischen Kampf um die Vorherrschaft von Extremisten –
Kommunisten und Nazis. Wenn heute Politiker-Ehescheidungen durch die gesamte
Presse, gefördert von Staatskanzleien, in aller Breite ohne ein Wort der Entrüstung als polit-sportliches
Ereignis gezogen werden, dann setzt das Zeichen. Schlimm ist es wahrlich nicht,
wenn sich ein Politiker von seiner Ehefrau trennt. Traurig ist es, wenn dieses
private Ereignis auch noch goutiert und der Politiker für dieses Verhalten
nicht angemahnt wird. Mir bleibt da nur ein Kopfschütteln angesichts lausiger
Zeiten.
Ja
was denn nun?
Aha,
reichlich spät aber dennoch haben Abgeordnete aus allen Bundestagsfraktionen
erkannt, daß die Rechtschreibreform, die ab 1. August 1998 inkrafttreten
sollte, eigentlich Schmu ist. Eine schnelle Einsicht, wenn man bedenkt, daß
schon etliche Märker für den Neudruck
des Dudens zum Fenster hinausgeworfen wurden. Aber hoffentlich noch früh
genug, um den Druck diverser Schulbücher und anderer literarischer Werke zu
stoppen. Was haben sich die Kultusminister der Länder überhaupt bei dieser
Reform gedacht? Die Gelder aus den Kassen der Länder, die auf mühselige Weise
den „schlimmen Autofahrern“ aus den Taschen gezogen wurden, hätten es zumindest
verdient für sinnvollere Dinge verwendet zu werden – wie wäre es mit einer
Sanierung des Gesundheitswesens? Eigentlich wird ja der Steuerzahler durch diese
Art der Reform nicht nur auf unnötigste Weise seines sauer verdienten Geldes
beraubt, sondern gleichzeitig auch noch als dumm bezichtigt – der deutschen
Rechtschreibung nicht mehr fähig! Wenn die Herren auf den hohen Rössern
Probleme mit der Orthographie (jawohl, Orthographie und nicht Orthografie!!!)
haben, dann brauchen sie Deutschnachhilfeunterricht und nicht die Bevölkerung eine Reform.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen