Landerer-Gelände
Eigentlich
sollte ja die Volkshochschule auf das Landerer-Gelände neben dem
Horten-Parkhaus. Aber daraus wird wohl nichts in Heilbronn. Wie so vieles.
Jetzt wird in der Heilbronner Stadtverwaltung
geplant, daß die Stadtbücherei auf den Berliner
Platz zieht. Ins neue Medienzentrum. Sprich in den Theateranbau. Dort sollen auch Theaterwerkstätten eingerichtet
werden. Ein neues Kino und eine dritte Spielstätte für das Stadttheater wackeln
jedoch noch kräftig. Die Frage ist: Was ist unter den gegebenen finanziellen
Voraussetzungen machbar, was kann sich die Stadt leisten. Die CDU-Fraktion im
Rathaus setzt auf eine Umgestaltung der Fußgängerzone Sülmerstraße und
Fleinerstraße. Die Kaiserstraße könne warten, meint der Vorsitzende Thomas
Strobl. Sechs Millionen stehen für die Verschönerung der Innenstadt im
Haushaltsansatz 1998. Wenn der Zuschußbescheid für die Stadtbahn da sei, sehe
man weiter in Sachen Kaiserstraße. Wer
weiß, was da noch alles ausgegraben wird. Für den Berliner Platz wird eine
attraktive kommerzielle Nutzung angepeilt, eine vom Markt getragene Lösung, die
kein Loch in die Stadtkasse reißt. Als Zwischenlösung könnte man auf dem
Berliner Platz Parkplätze schaffen. Damit werde die nördliche Innenstadt sicher
belebt. Denn die 100-Millionen Mark-Lösung von Bülow sei den Bach runter, der
OB-Vorschlag koste rund 80 Millionen Mark – und da stellt sich die Frage, ob
die Stadt sich das derzeit leisten kann. Im Vordergrund steht die Bebauung des
Kurt-Schumacher-Platzes durch einen privaten Investor. Um die Innenstadt zu
beleben, gibt es auch Überlegungen, auf dem Landerer-Gelände ein
Bekleidungshaus (z.B. Peek & Cloppenburg) anzusiedeln. Warum nicht? Besser
in der City als auf der Grünen Wiese. Belebung der Stadt ist jetzt wichtig.
Jemand muß den ersten Schritt machen. Lähmung hatten wir über Jahre mehr als
genug. Und fürchterliche, sich über Jahre hinziehende Fehlentscheidungen mehr
als genug.
Kirchen-Trauerspiel
Die
Evangelen in Heilbronn haben nicht
nur mit sinkenden Mitgliederzahlen zu kämpfen, sie müssen auch Ruhe in die
eigenen frommen Reihen bringen. Denn so richtig erklären kann bis heute niemand
in der Kirche, warum ein Pfarrer namens Hans-Dieter
Bechstein erst hochgelobt in den Ruhestand verabschiedet wird, um dann vor
den Kadi gezerrt zu werden. Wenn die Kirche und Diakonie ihren einstigen Motor
und spiritus rector in der
Behindertenbetreuung schäbig behandelt, dann ist das ihre ureigenste Sache.
Wenn sie aber zuvor Öffentlichkeit gesucht und immer wieder hergestellt hat,
Spenden sammelte und auf ihr und des Pfarrer Bechsteins gutes Tun hinwies, dann
muß sie sich gefallen lassen, daß nachgefragt wird. Dabei steht auch das
Verhalten der Kirche als Arbeitgeber auf dem Prüfstand. Aber die sogenannte
Affäre Bechstein allein ist es nicht. Auch Christoph
Ehrmann, Diakon und mit einer außerordentlichen Kündigung bedachter Leiter
der Diakonischen Bezirksstelle Heilbronn, wehrt sich gegen seinen Rauswurf. Und das Kirchenvolk ist empört und
schreibt Leserbriefe, die sich zornig mit den Kirchenoberen
auseinandersetzen. Beleidigend sei deren Inhalt teilweise. Die Leute sind halt
nicht informiert, meint Gerhard Berroth,
der Vorsitzende der Synode (Kirchenbezirk Heilbronn). Nicht so wie die Kirche
es gern hätte. Aber die Öffentlichkeitsarbeit der Kirche war in beiden Fällen,
Bechstein und Ehrmann, ein Trauerspiel. Aber es wird noch lustiger. Mit 1.200
Mark bezuschußt die Evangelische Kirche jeden ihrer 750 Kindergartenplätze in
Heilbronn. 73 Prozent des Abmangels der Betriebskosten zahlt die Stadt
Heilbronn. Die Kirche bezuschusse aber auch Kinder von Eltern, die aus der
Kirche ausgetreten sind. Denn bei einem Drittel der Kindergartenkinder seien
die Eltern nicht Kirchenmitglieder. Sagt Pfarrer Christian Horn. Vergessen hat er dabei, daß jeder Normalbürger mit
seinen Steuergeldern, ob Mitglied der Kirche oder nicht, via Stadtzuschuß die
Plätze subventioniert. Und nicht nur das. Auch durch viele, viele andere
Zuschüsse für die Kirche bezuschußt jeder steuerzahlende Bürger, ungeachtet
seiner Kirchensteuer, die Institution Kirche. Ohne daß er sonderlich gefragt
würde. Selbst ein in Deutschland
steuerzahlender Moslem oder Jude wird damit zur Kasse gebeten. Ich meine,
die Kirche in Heilbronn muß erst mal ihren Laden in Ordnung bringen, ehe sie
auf jene Bürger mit Finger zeigt, die mit ihren Abgaben sie großzügig
alimentieren.
Dr. Jürgen Zieger ist OB
Der
Neckarsulmer Baubürgermeister Dr. Jürgen
Zieger (SPD) war auch schon als Kandidat für das Amt des Heilbronner
Oberbürgermeisters im Gespräch. 1999 endet die Amtszeit von OB Dr. Manfred Weinmann – und die
Parteien stehen mit der Suche nach geeigneten Kandidaten schon in den
Startlöchern. Auch wenn man sich bislang mit der Nennung von Namen noch sehr
zurückhält. Der Name Zieger jedoch wird mit einer Heilbronner Kandidatur nicht
mehr in Verbindung gebracht. Schließlich wurde der 42jährige Jürgen Zieger am
vergangenen Sonntag mit einer überwältigenden Mehrheit von 55,4 Prozent ins Amt des Esslinger Oberbürgermeisters gewählt.
Zieger ist damit Nachfolger von Ulrich
Bauer, der 1989 als Heilbronner Baubürgermeister zum Esslinger OB gewählt
worden war – aber überraschend nach der ersten Wahlperiode nicht mehr antrat.
Sein Gegenkandidat, der vom bürgerlichen Lager unterstützte Bürgermeister von
Wernau, Roger Kehle (44), landete
weit abgeschlagen bei 40,9 Prozent. Jürgen Zieger war von seinem Wahlsieg schon
im ersten Wahlgang völlig überwältigt. In Esslingen hatten auch die Genossen
mit einem zweiten Wahlgang gerechnet. Schließlich ist der Wähler launisch – und
hätte durchaus auch zu einem Wechsel von SPD zu den Konservativen tendieren
können. Aber der Wahlkampf war von der Bürgerlichen zum Schluß als
Schlammschlacht geführt worden, so daß vor allem bürgerliche Wähler zu den
Nichtwählern zu rechnen sind. Die Wahlbeteiligung am Sonntag in Esslingen lag
bei mageren 55 Prozent. Aber da die Wähler sofort für Klarheit gesorgt hatten,
sind der Stadt die rund 100.000 Mark für einen zweiten Wahlgang erspart
geblieben – Bei der Nachfolge für den Neckarsulmer OB Dr. Erhard Klotz hatte sich Jürgen Zieger noch zurückgehalten. Im
Blick auf die Heilbronner Wahl 1999 war er schon aufgeschlossener. Und in
Esslingen hat er zugepackt, auf Sieg gesetzt – und haushoch gewonnen. Für die
gebeutelten Sozialdemokraten im Stuttgarter Raum ist dieser Sieg Balsam, vor
allem nach der verlorenen OB-Wahl in Stuttgart. In Heilbronn gibt es jetzt
einen gewichtigen SPD-Kandidaten weniger. Esslingen zeigt aber: Wenn die SPD in
Heilbronn siegen will, muß der Mann von außen kommen. Übrigens: Für die
Nachfolge Ziegers als Neckarsulmer Baubürgermeister soll es schon Kandidaten im
Heilbronner Rathaus geben.
Arbeiterwohlfahrt
Ist
es nun ein richtiger Skandal – oder ist es nur eine grobe Schlampigkeit, was da
von der Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Heilbronn-Stadt, kurz AWO genannt,
bekannt geworden war. Ein gemeinnütziger Verein ging pleite. Und niemand ist so
richtig schuld. Ähnliche Vorkommnisse bei anderen AWO-Kreisen sind derweil in
vieler Munde. Zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen. Da sind Leute am Werk, die
von einer ordentlichen Geschäftsführung so weit entfernt sind wie Pinguine von
der Wüste Sahara. In Heilbronn soll, so wissen Kenner der Materie zu berichten,
nach dem Prinzip der Schuhkarton-Buchführung verfahren worden sein. Es kümmert
sich halt niemand so recht um das, was entscheidend für eine sorgfältige
Geschäftsführung des „Unternehmens AWO“ war. Nun stehen und standen
Gewerkschaften und Sozialdemokratische Partei der Arbeiterwohlfahrt schon immer
sehr nahe. Aber in Heilbronn hatten sich sozialdemokratische Mandatsträger
schon vor Jahren aus dem Vorstand zurückgezogen und die unseriösen Praktiken
der AWO-Führung angeprangert. Sibylle
Mösse-Hagen, SPD-Stadträtin, hatte schon vor Jahren kundgetan: „Wir werden leider noch von der AWO hören,
nur nichts Gutes.“ Damals wollten sie und der SPD-Jurist Wolf Klimpe-Auerbach Licht ins Dunkel der
Geschäftsführung bringen, was von der Mitgliederversammlung abgeblockt wurde.
In der Wilhelmstraße 27, wo die AWO Räume für ihren Kreisverband und die
Schuldnerberatung angemietet hatte, sind 40.000 Mark Mietschulden angelaufen.
Auf der Strecke blieben bisher die sozialen Einrichtungen „Pro Familia“, die
Betreuungsstelle für türkische und jugoslawische Arbeitnehmer, der Mobile
Soziale Hilfsdienst, die Ambulante Krankenpflege, das Waldheim beim Jägerhaus
und das Jugend- und Lehrlingswohnheim der AWO Heilbronn. Wer kommt für die Schulden auf? Für das Waldheim ist bisher kein
Käufer gefunden. Auch wenn eine Heilbronner Arbeiterwohlfahrt dieser Tage
frisch aus der Taufe gehoben wurde, das Vertrauen in diese Institution muß erst
wieder erarbeitet werden. Und da muß noch viel Müll beiseite geschafft werden.
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