Security
Die
Backstreet Boys waren da, und viele,
viele Fans kamen. Lange schon wurden die tollen Fünf sehnsüchtig erwartet.
Nichts hielt die treuen Fans – fast ausschließlich junge Mädchen – davon ab,
ihre Lieblinge live und möglichst nah zu erleben. Bereits in der Nacht von
Mittwoch auf Donnerstag campierten rund
300 Fans vor dem Frankenstadion. Auch zahlreiche Reporter und Fotografen
kamen. Doch die durften häufig nicht ungehindert die Eingänge passieren. Davon
hielten gut dressierte Security-Abgeordnete ab, denn ihre Kontrollen waren
scharf und streng. Illegalen Vergehen mußte vorgebeugt werden. Nach gefälschten
Backstage-Ausweisen wurde gefahndet, und die wurden auch gefunden. Eine
Spiegelreflexkamera ohne Presseausweis war total tabu. Als man solch einen
Fotoapparat voll im Einsatz entdeckte, wurde der Film herausgerissen. Die
Security ist dazu legalisiert sogar beauftragt, unerlaubtem Blitzlichtgewitter
auf die Backstreet Boys entgegenzuwirken. Eine
derartige autoritäre Behandlung ist der Bürger eines liberalen Staates
ansonsten nicht gewohnt. Da ist ein Backstreet Boys-Konzert mit seinem
meterlangen und meterhohen Absperrungsgitter die außergewöhnliche Ausnahme.
Deshalb durften die Security-Abgeordneten energisch durchgreifen, und wer die
Macht hat, hat das Recht – oder eher andersherum? So wurde der Konzertbesuch
zum Kontrollen-Terror.
Laufstegprinzessin
Prinzessin
Di ist nun eineinhalb Wochen tot, der Medienrummel um ihre verstorbene Person
hingegen noch lange nicht. Vielmehr scheint es so, als dürfte – vor allen
Dingen im Medium „Fernsehen“ – jeder
seinen Senf zum Verkehrstod Dianas dazugegeben. Zum Beispiel die deutsche
Laufstegprinzessin Claudia Schiffer.
War sie verärgert darüber, daß der Tod Dianas die Aufmerksamkeit der Medien von
ihrer Person ablenkte? In einem Fernseh-Interview, dessen Wortlaut mich doch
stark an Kelly Bundy, die
„Dumpfbacke“ aus der Sendung „Eine schrecklich nette Familie“, erinnerte,
begündete „Deutschlands Blondine Nummer Eins“ die schnelle Fahrweise des
Di-Chauffeurs. Weil die Paparazzis „ja so aggressiv und schnell fahren, daß man
ihnen nur durch noch schnellere Fahrweise entkommen kann“. Immerhin habe sie
das schon am eigenen Leib erfahren, als sie mit ihrem Freund, dem Profigaukler David Copperfield, durch die
Weltgeschichte gefahren ist. Ist das nun
eine Bestätigung für schlechte Blondinenwitze? Oder ist Claudia nur
schlecht informiert gewesen? Aber was ist von einer Person zu erwarten, die eine schlichte Kreation der Medienlandschaft
ist und durch selbige zu großem Wohlstand kam? Wettert sie da etwa gegen ihre
„Schöpfer“? Vielleicht wird sie demnächst als Joop-Modell genauso schrille Interviews geben wie ihr neuer
Meister. Und sich für den Nabel der Welt halten. Nur muß sie das zuvor auch der
Regenbogenpresse mitteilen, damit die Fotografen diesen Nabel dann auch
gebührend ablichten können. Oder Noch-Nicht-Ehemann Copperfield läßt sie bei
Bedarf mit seinen Zauberkünsten schlicht vom Erdboden verschwinden – ganz ohne
Fahrer und im nüchternen Zustand. Aber das geht ja nicht. Denn zuvor müssen ja
noch ein paar Villen verdient werden, die dann in der einschlägigen Presse
bewundernd besprochen und gezeigt werden. So hat halt jeder sein Kreuz zu
tragen. Auch wenn es nur aus schlichtem und teuren Stoff ist.
Elton
sang, die Prinzen weinten
Das
war ein Wochenende. Die Beerdigung von Lady Di stellte alles in den Schatten,
was die Paparazzis in den letzten Jahren an Fotos geliefert hatten. Das
Fernsehen war der große Gewinner beim Abschied von Princess Diana. Und als Elton John in der Westminster Abbey seinen Abschiedssong für seine Freundin Di sang,
da schluchzten nicht nur die beiden Prinzen William und Harry, da
drückte nicht nur die Königin ihr Taschentuch an den Mund, da weinte man im
gesamten Insel-Königreich und weit darüber hinaus. Und niemand konnte den
Hoheiten dabei zusehen. Trotz der vielen Fernsehkameras in der Kirche. Und
niemand hat ein Bild von diesem ergreifenden Augenblick. Hat uns das geschadet?
Mitnichten. Es hat uns auch nichts geschadet, daß die Familien Spencer und Windsor nicht in ihrer Trauer beim
Gottesdienst abgefilmt werden durften. Dieses Schlüsselloch-Erlebnis wurde
Millionen von Menschen zu recht verweigert. Wer trauern wollte, wer den
Leichenzug durch ganz London mitverfolgen wollte, wer am Gottesdienst
teilnehmen wollte – der konnte das mittels Fernsehen. Aber den Familien direkt
ins Gesicht schauen, das wäre doch ein wenig zu weit gegangen. Das entspräche einem plumpen Voyeurismus,
der nur peinlich und ordinär ist. Denn wer es im Original sehen wollte, der
hätte sich ja in die Kirche schleichen und vor den Familien aufbauen müssen.
Daß die Familien es sich verbaten, daß Kameras den Vermittler eines solchen
Unterfangens spielen, ist nur allzu verständlich und richtig. Man muß nicht
alles tun, was möglich ist. Zum menschlichen Anstand gehört, auf auf viele
Dinge zu verzichten, die machbar sind. Die Heuchelei jener, die heute laut und
blumenreich trauern, aber vorher jene Medien unterstützen, bezahlten und
verschlangen, die ihnen Diana in allen
Facetten anboten, auch den übelsten und verlogensten, diese Heuchelei ist
nicht nur widerlich, sie ist unanständig.
Wegelagerer
„Heilbronn
muß attraktiver werden!“ Das ist eine Vorgabe, die sich nicht nur die
Stadtverwaltung Heilbronn gesetzt hat. Die Käthchenstadt soll durch eine
attraktive Innenstadt, zahlreiche Feste,
Großveranstaltungen etc. Besucher aus dem näheren und ferneren Umland anziehen.
Garanten für einen regen Besucherverkehr in Heilbronn sind dabei vor allen
Dingen – jedoch erst zu fortgeschrittener Tageszeit – einige Bars, Kneipen und
Discotheken. Zu diesen recht gut besuchten und damit für die Werbewirksamkeit
Heilbronns vorteilhaften Locations zählt auch eine Bar auf der Fleiner Höhe. Dort treffen sich besonders an den
Wochenenden unzählige Unterländer, um die Arbeitswoche ausklingen zu lassen und
das Wochenende zu feiern. Der akute Parkplatzmangel vor dieser Bar ist für die
zahlreichen Besucher kein Hinderungsgrund, denn eine benachbarte Schule, eine
zu später Nachtzeit nicht mehr befahrene Bushaltestelle und ein Fußgängerweg
neben der angrenzenden Hauptstraße, der ab ein Uhr nachts sowieso nur noch von
den Besuchern genutzt wird, scheinen genug Auto-Abstellmöglichkeiten ohne
Behinderung anderer Verkehrsteilnehmer zu bieten. Die Stadt Heilbronn will sich offenbar auch ein Stückchen vom
Erfolgskuchen abschneiden und ihren Profit aus diesem städtischen
Besuchermagneten ziehen. So werden zu später Stunde (1.29 Uhr – zum
Beispiel) Ordnungshüter an die Fleiner Höhe abkommandiert, um die Parksünder zu
notieren und geldlich zu verwarnen, damit es in der Stadtkasse ordentlich
klingelt. Wir kennen das! Das Verwarnungsgeld soll dann innerhalb einer Woche
ab Zugang der schriftlichen Benachrichtigung bezahlt werden. Leider ist dies
für einen „Parksünder“ unmöglich, weil das Schreiben nach seiner Ausstellung
erst eine Woche später den Briefkasten erreicht. Ist das nun die versprochene
bürgerfreundliche Bürokratie des neuen Ordnungsbürgermeisters Artur Kübler, der
seit 1. August im Amt ist – auch für den Straßenverkehr?
Müll-Schlamassel
Fast
alle Parteien im Unterland, diverse Fraktionen verschiedener Parteien in
Gemeinderäten, im Kreistag und Regionalverband, die Stadt- und
Landkreisverwaltung – nahezu alle sind dafür, daß der Müll aus dem Unterland
via Autobahn demnächst nach Mannheim gekarrt wird. Und umgekehrt die
Verbrennungsreste aus Mannheim dann im Heilbronner
Salzbergwerk endgelagert werden. Das ist beschlossene Sache, vertraglich
geregelt und besiegelt. Nun ist aber der Mannheimer Raum mit seiner Chemieindustrie
schon ganz schön belastet. Die Müllverbrennungsanlage dort muß noch ordentlich
umgebaut werden. Wer Müll verursacht, muß ihn auch beseitigen. Möglichst vor
Ort. Verursacherprinzip nannte man das
einst. Nahezu wütend reagieren unsere Politiker, wenn sie daran erinnert
werden. Und das alles nur, weil in Heilbronn im EVS-Kohlekraftwerk eine
supermoderne, den neuesten Erkenntnissen der Abgasreduzierung entsprechende
Müllverbrennungsanlage gebaut werden soll. Die SPD ist gespalten. Die an der
Spitze stehenden Genossen sind mit ihren Kollegen aus den anderen Parteien und
Fraktionen gegen die Müllverbrennungsanlage in Heilbronn. Die Arbeitnehmer
fürchten um ihre Arbeitsplätze. Denn die Kohlekraftwerkstandorte Heilbronn und
Marbach sind heute schon überflüssig. Mehr als 400 Arbeitsplätze sind
gefährdet. Und die Gewerkschafter in der SPD, vor allem die Funktionäre,
fürchten um ihre Mitglieder. Wenn man die gescheiterte
Heilbronner Müllpolitik, die Müll-Bombe auf der Deponie am Wartberg, die
Kalte Rotte und jetzt den Mülltourismus nach Mannheim sich vor Augen hält, die
unsere Müllgebühren Jahr um Jahr in die Höhe treiben, dann verstehe ich den
Zorn der Politiker. Sie haben keinen Schuldigen, weil sie selbst an diesem
Müllschlamassel schuld sind. Wie spricht der Volksmund: Getroffene Hunde bellen.
Landtagseinbruch
Können
Sie sich noch erinnern? Zu Beginn des Sommers wurde im Landtag eingebrochen.
Das kommt ja nicht häufig vor. Nahezu überhaupt nicht. Aber im Büro des
Abgeordneten Alfred Dagenbach war eingebrochen
worden. Der Mann ist Mitglied der Partei Die
Republikaner, Stadtrat in Heilbronn, kam im Wahlkreis Neckarsulm über die
Zweitauszählung in den Landtag, war einst Landesgeschäftsführer der Reps. Die
verständigte Polizei, so ist einem Briefwechsel mit dem Landtagspräsidium zu
entnehmen, konnte keinerlei Einbruchsspuren feststellen. Der Vorsitzende der
Rep-Fraktion Schlierer und andere sollen es abgelehnt haben, eine
Presserklärung über den „Vorfall“ herauszugeben. Wegen erheblicher Zweifel an
der Wahrhaftigkeit der Darstellung. Dagenbach
soll daraufhin seine Presse-Erklärung in eigener Verantwortung herausgegeben
haben. Einige Leute fragen sich nun, was dran ist an den „Bedrohungen“ und
„Verfolgungen“, die der Abgeordnete Dagenbach so gern ins Feld führt. In jenem
Brief vom 28. Juli heißt es: „Es besteht seitens der genannten Partei- und
Fraktionsmitglieder (der Reps) der dringende Verdacht, daß die behaupteten
Vorgänge tatsächlich nicht stattgefunden haben und von Herrn Dagenbach nur
behauptet werden, um sich in der Öffentlichkeit und bei Parteimitgliedern und
-delegierten als ‘bedroht’ und ‘verfolgt’ darstellen zu können.“ – Nun wird laut die Frage an den
Landtagspräsidenten gestellt, ob mit dem ungeklärten Vorfall im Stuttgarter
Landtagsbüro des Abgeordneten Dagenbach „dem Ansehen des Landtags als
Institution des demokratischen Rechtsstaats schwerer Schaden“ zugefügt wird. Von Integrität und Glaubwürdigkeit des
Landtags ist dazuhin noch die Rede. Mal sehen, was sich tut, in der Sache
„Einbruch in Dagenbachs Landtagsbüro“.
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