Hunde-Spielplatz
Ein
Kampfhund versperrt in einem Wohnhaus den Eingangsbereich und knurrt jeden der
Bewohner an, der nur in seine Wohnung will. Erster Hunde-Fall. – Der zweite
Hunde-Fall: Einem Hundebesitzer ist offenbar nicht ganz klar, daß ein Kinderspielplatz kein Hunde-Trainingsplatz
ist. Ein „sogenannter Kampfhund“ mißbrauchte in den vergangenen Tagen die
gummiummantelten Sprossen eines Klettergerüsts auf dem Kinderspielplatz in der
Heilbronner Lessingstraße als „Trainingsgerät“ (Polizeibericht). Der
Sachschaden, der dabei an den aus Steuergeldern angeschafften Spielgeräten
entstand, beträgt mindestens 400 Mark. Und nicht nur das. An den Waldradwegen rund um Heilbronn wird weiterhin das liebe
Hunde-Vieh Gassi geführt. Nicht an der Leine, sondern größtenteils
freilaufend. Damit die Tiere des Waldes auch gleich wissen, wer in diesem
Gebiet das Sagen hat, und die sich dort sportlich betätigenden Mitmenschen mit
respektvollem Abstand ihren Freizeitübungen nachgehen. Der Heilbronner
Stadtwald als Hundeklo für Innenstadtbewohners Waldi. Da muß man ja die
Häufchen, wie auf den Straßen nicht wegputzen. Dafür stinkt es dann gewaltig
zwischen den Bäumen, wenn es – wie in diesen Tagen wieder mal – ordentlich
dämpfig ist. Aber wen kümmert’s. Der Heilbronner Wald ist ja nicht nur für Waldtiere
und erholungssuchende Menschen da, sondern auch für die vielen Waldis. Gell?!?!
Komödiantenbrunnen
Der
Komödiantenbrunnen am Heilbronner
Kiliansplatz hat 1.030.000 Mark gekostet. Ein gehöriger Batzen Geld. Rund
die Hälfte des Betrags haben zwei Heilbronner Unternehmer gespendet. Täglich
zwischen zehn und 18.45 Uhr wird der Brunnen in Intervallen von 30 Minuten in
Gang gesetzt – und sprudelt heftig Wasser durch all seine Röhren. Das stört
einige Anwohner. Schallpegelmessungen haben ergeben, daß der Lärm den Wert von
60 Dezibel erreicht. Die kuriose Entscheidung, alle 30 Minuten nur das Wasser sprudeln zu lassen, entstammt einem
Kompromiß, den die Stadt eingegangen ist. Jetzt wollen einige Bürger, zumeist
wohlbekannte, daß der Brunnen durchgängig eingeschaltet wird. Auch Politiker
aus dem Gemeinderat, wie der CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Strobl und der
SPD-Fraktionsvorsitzende Harry Mergel, setzen sich vehement für den
Dauerbetrieb des Komödiantenbrunnens ein. Auch der Oberbürgermeister will den
Dauerbetrieb. Nur – dem steht entgegen, daß die Stadt sich schon festgelegt
hat. Da nützt die ganze Aufregung nichts, auch wenn der Heilbronner Architekt
Franz Seibold schreibt: „Dieser Brunnen steht still, weil eine Krämerseele dies
so will. Wie lange wollen wir uns das noch gefallen lassen?“ – Niemand hat sich
bisher über das Plätschern des Siebenröhrenbrunnens oder des
Fleinertor-Brunnens aufgeregt. Vielleicht hätte die Stadt, ehe der Brunnen in
Betrieb genommen wurde, prüfen sollen, welchen Lärm er erzeugt.
Brunnenplätschern muß ja keine aggressive Lärmveranstaltung sein. Und kleine
Wasserfälle sind nicht unbedingt ein Brunnen, in dem Wasser plätschert. Die
Befürworter des Dauerbetriebs würden sich bitter beschweren, stünde der
Komödiantenbrunnen vor ihrem Wohnhaus. Also – bitte keinen Brunnenkrieg,
sondern eine vernünftige Lösung.
Freilichtheater
1997
Dieser
Sommer war nicht der Sommer der Freilichttheater. Als sie allabendlich Vorstellungen zu spielen hatten, war oftmals
das Wetter schlecht. Am vergangenen Wochenende ist die Spielzeit in Schwäbisch Hall und Jagsthausen abgelaufen – und die
Schlußabrechnung sieht nicht glänzend aus. Wenn man unterstellt, daß in den
vergangenen Jahren bei den Freilichtspielen Boom-Spielzeiten eingefahren wurden, dann sind die Theatermacher
jetzt auf den Boden der Tatsachen zurückgeworfen worden. Das stetige Wachstum
konnte ja auch nicht so ungebremst weitergehen. Und der Beschützer von
Freilichttheatern, dem man schutzlos ausgeliefert ist, war und bleibt der
Wettergott. Andere Freilichttheater hatten sich Regendächer zugelegt, wie Bad
Hersfeld oder Neuenstadt am Kocher.
Aber das schmälert bekanntlich den Genuß und den Spaß an der Freud – auch bei schönem Wetter. Die
Burgfestspiele in Jagsthausen müssen jetzt ein Rückgang bei den Besucherzahlen
von 16 Prozent feststellen. „Nur“ 64.100 Besucher fanden heuer den Weg ins
Jagsttal. Ein Minus von real 9.632 Karten. In Schwäbisch Hall hielt sich der
Rückgang in Grenzen. 1.669 Besucher weniger als 1996 besuchten die Salzsiederstadt
am Kocher, um sommerliches Theater zu erleben: Insgesamt waren es 55.439. Die
Renner in Schwäbisch Hall: Shakespeares „Hamlet“ (16.171 Zuschauer) und
Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ (12.027); in Jagsthausen: das
Traditionsstück Goethes „Götz von „Berlichingen“ (22.092 Zuschauer) und das
Märchen Rumpelstilzchen (20.582). Ob die Gründe für den Rückgang nur beim
schlechten Wetter liegen? In Jagsthausen mutmaßt die Festspielleitung, daß auch
die „wirtschaftliche Gesamtsituation“ ungünstig für Freilicht-Theater ist. Der Konkurrenzkampf unter den Open-Air-Theatern
hat ebenfalls an Härte zugenommen. Schließlich kostet solch ein Abend für
zwei Personen rund 100 Mark. Und das gibt man heute im Durchschnitt nur einmal
im Sommer aus. Hinzukommen die vielen Musicaltheater, die auch im Sommer
spielen. Die üppig ausgestatteten Privattheater mit Superprofis bieten bei
Gesang und Tanz halt mehr als mit dünnen Stimmchen singende Schauspieler, ob
nun am Stadt- oder im Freilichttheater.
Quax,
der Bruchpilot
Er
war ein nicht unbekannter Fußballspieler in Heilbronn. Er trainierte einst die
Damen des VfL Neckargartach. Und war auch ansonsten im Sport seiner Heimatstadt
sehr aktiv – und viel gelobt darob. Er war 15 Jahre lang Stadtrat, Mitglied der
CDU-Fraktion, Wahlkampfmanager im ersten OB-Wahlkampf von Dr. Manfred Weinmann – und damit auch erfolgreich. Er war
Rechtsanwalt und über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden durch die
Vertretung im berühmt-berüchtigten Polizisten-Pinkel-Prozeß. Hanspeter Göggelmann ist sein Name, in
Insiderkreisen kurz Quax genannt. Aber Rechtsanwalt ist er nicht mehr. Die
Zulassung wurde ihm entzogen. Wegen Vorenthaltens von Krankenkassenbeiträgen
und Veruntreuens von Arbeitsentgelt. Deshalb ging er mit seiner Anwaltspraxis
in Konkurs. Und gestern stand er vor den Schranken des Heilbronner Amtsgerichts
– angeklagt wegen Untreue und Betrug. Er soll auch mit einem ungedeckten Scheck
einen Luxuswagen Marke Jaguar im Wert von 124.000 Mark gekauft haben. Vom
Vorwurf des Betrugs sprach das Gericht ihn frei. Trotzdem wurde er für den Rest
zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt. Quax, der
Bruchpilot ist ein bekannter Filmtitel, der jetzt damit voll auf Hanspeter
Göggelmann zutrifft. Im Heilbronner Gemeinderat, unter seinen ehemaligen
Kolleginnen und Kollegen, herrscht Schweigen. Und bei Nachfrage gibt’s nur ein
ungläubiges Kopfschütteln. Vieles hatte man von Göggelmann erwartet, aber nicht
so etwas. Daß er ein Spieler sei, was
Geschäfte anbetrifft, tuschelt man nur hinter vorgehaltener Hand. Da kann
man dann Glück oder Pech haben. Aber was in den letzten Monaten an den Tag kam,
das hatte man dann doch nicht erwartet. Auch nicht bei den einstigen
Parteifreunden in der CDU. Eine Beschädigung der politischen Institutionen, das
wird nicht gesehen. Aber irgendwie ist Heilbronn seit dem Rathausskandal sensibilisiert.
Und sucht nach Gründen für die kleinen und großen Skandale.
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