Freitag, 21. März 2014

Kiliansmännle, 20.08.1997




Hunde-Spielplatz
Ein Kampfhund versperrt in einem Wohnhaus den Eingangsbereich und knurrt jeden der Bewohner an, der nur in seine Wohnung will. Erster Hunde-Fall. – Der zweite Hunde-Fall: Einem Hundebesitzer ist offenbar nicht ganz klar, daß ein Kinderspielplatz kein Hunde-Trainingsplatz ist. Ein „sogenannter Kampfhund“ mißbrauchte in den vergangenen Tagen die gummiummantelten Sprossen eines Klettergerüsts auf dem Kinderspielplatz in der Heilbronner Lessingstraße als „Trainingsgerät“ (Polizeibericht). Der Sachschaden, der dabei an den aus Steuergeldern angeschafften Spielgeräten entstand, beträgt mindestens 400 Mark. Und nicht nur das. An den Waldradwegen rund um Heilbronn wird weiterhin das liebe Hunde-Vieh Gassi geführt. Nicht an der Leine, sondern größtenteils freilaufend. Damit die Tiere des Waldes auch gleich wissen, wer in diesem Gebiet das Sagen hat, und die sich dort sportlich betätigenden Mitmenschen mit respektvollem Abstand ihren Freizeitübungen nachgehen. Der Heilbronner Stadtwald als Hundeklo für Innenstadtbewohners Waldi. Da muß man ja die Häufchen, wie auf den Straßen nicht wegputzen. Dafür stinkt es dann gewaltig zwischen den Bäumen, wenn es – wie in diesen Tagen wieder mal – ordentlich dämpfig ist. Aber wen kümmert’s. Der Heilbronner Wald ist ja nicht nur für Waldtiere und erholungssuchende Menschen da, sondern auch für die vielen Waldis. Gell?!?!

Komödiantenbrunnen
Der Komödiantenbrunnen am Heilbronner Kiliansplatz hat 1.030.000 Mark gekostet. Ein gehöriger Batzen Geld. Rund die Hälfte des Betrags haben zwei Heilbronner Unternehmer gespendet. Täglich zwischen zehn und 18.45 Uhr wird der Brunnen in Intervallen von 30 Minuten in Gang gesetzt – und sprudelt heftig Wasser durch all seine Röhren. Das stört einige Anwohner. Schallpegelmessungen haben ergeben, daß der Lärm den Wert von 60 Dezibel erreicht. Die kuriose Entscheidung, alle 30 Minuten nur das Wasser sprudeln zu lassen, entstammt einem Kompromiß, den die Stadt eingegangen ist. Jetzt wollen einige Bürger, zumeist wohlbekannte, daß der Brunnen durchgängig eingeschaltet wird. Auch Politiker aus dem Gemeinderat, wie der CDU-Fraktionsvorsitzende Thomas Strobl und der SPD-Fraktionsvorsitzende Harry Mergel, setzen sich vehement für den Dauerbetrieb des Komödiantenbrunnens ein. Auch der Oberbürgermeister will den Dauerbetrieb. Nur – dem steht entgegen, daß die Stadt sich schon festgelegt hat. Da nützt die ganze Aufregung nichts, auch wenn der Heilbronner Architekt Franz Seibold schreibt: „Dieser Brunnen steht still, weil eine Krämerseele dies so will. Wie lange wollen wir uns das noch gefallen lassen?“ – Niemand hat sich bisher über das Plätschern des Siebenröhrenbrunnens oder des Fleinertor-Brunnens aufgeregt. Vielleicht hätte die Stadt, ehe der Brunnen in Betrieb genommen wurde, prüfen sollen, welchen Lärm er erzeugt. Brunnenplätschern muß ja keine aggressive Lärmveranstaltung sein. Und kleine Wasserfälle sind nicht unbedingt ein Brunnen, in dem Wasser plätschert. Die Befürworter des Dauerbetriebs würden sich bitter beschweren, stünde der Komödiantenbrunnen vor ihrem Wohnhaus. Also – bitte keinen Brunnenkrieg, sondern eine vernünftige Lösung.    

Freilichtheater 1997
Dieser Sommer war nicht der Sommer der Freilichttheater. Als sie allabendlich  Vorstellungen zu spielen hatten, war oftmals das Wetter schlecht. Am vergangenen Wochenende ist die Spielzeit in Schwäbisch Hall und Jagsthausen abgelaufen – und die Schlußabrechnung sieht nicht glänzend aus. Wenn man unterstellt, daß in den vergangenen Jahren bei den Freilichtspielen Boom-Spielzeiten eingefahren wurden, dann sind die Theatermacher jetzt auf den Boden der Tatsachen zurückgeworfen worden. Das stetige Wachstum konnte ja auch nicht so ungebremst weitergehen. Und der Beschützer von Freilichttheatern, dem man schutzlos ausgeliefert ist, war und bleibt der Wettergott. Andere Freilichttheater hatten sich Regendächer zugelegt, wie Bad Hersfeld oder Neuenstadt am Kocher. Aber das schmälert bekanntlich den Genuß und den Spaß  an der Freud – auch bei schönem Wetter. Die Burgfestspiele in Jagsthausen müssen jetzt ein Rückgang bei den Besucherzahlen von 16 Prozent feststellen. „Nur“ 64.100 Besucher fanden heuer den Weg ins Jagsttal. Ein Minus von real 9.632 Karten. In Schwäbisch Hall hielt sich der Rückgang in Grenzen. 1.669 Besucher weniger als 1996 besuchten die Salzsiederstadt am Kocher, um sommerliches Theater zu erleben: Insgesamt waren es 55.439. Die Renner in Schwäbisch Hall: Shakespeares „Hamlet“ (16.171 Zuschauer) und Dürrenmatts „Der Besuch der alten Dame“ (12.027); in Jagsthausen: das Traditionsstück Goethes „Götz von „Berlichingen“ (22.092 Zuschauer) und das Märchen Rumpelstilzchen (20.582). Ob die Gründe für den Rückgang nur beim schlechten Wetter liegen? In Jagsthausen mutmaßt die Festspielleitung, daß auch die „wirtschaftliche Gesamtsituation“ ungünstig für Freilicht-Theater ist. Der Konkurrenzkampf unter den Open-Air-Theatern hat ebenfalls an Härte zugenommen. Schließlich kostet solch ein Abend für zwei Personen rund 100 Mark. Und das gibt man heute im Durchschnitt nur einmal im Sommer aus. Hinzukommen die vielen Musicaltheater, die auch im Sommer spielen. Die üppig ausgestatteten Privattheater mit Superprofis bieten bei Gesang und Tanz halt mehr als mit dünnen Stimmchen singende Schauspieler, ob nun am Stadt- oder im Freilichttheater.    

Quax, der Bruchpilot
Er war ein nicht unbekannter Fußballspieler in Heilbronn. Er trainierte einst die Damen des VfL Neckargartach. Und war auch ansonsten im Sport seiner Heimatstadt sehr aktiv – und viel gelobt darob. Er war 15 Jahre lang Stadtrat, Mitglied der CDU-Fraktion, Wahlkampfmanager im ersten OB-Wahlkampf von Dr. Manfred Weinmann – und damit auch erfolgreich. Er war Rechtsanwalt und über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden durch die Vertretung im berühmt-berüchtigten Polizisten-Pinkel-Prozeß. Hanspeter Göggelmann ist sein Name, in Insiderkreisen kurz Quax genannt. Aber Rechtsanwalt ist er nicht mehr. Die Zulassung wurde ihm entzogen. Wegen Vorenthaltens von Krankenkassenbeiträgen und Veruntreuens von Arbeitsentgelt. Deshalb ging er mit seiner Anwaltspraxis in Konkurs. Und gestern stand er vor den Schranken des Heilbronner Amtsgerichts – angeklagt wegen Untreue und Betrug. Er soll auch mit einem ungedeckten Scheck einen Luxuswagen Marke Jaguar im Wert von 124.000 Mark gekauft haben. Vom Vorwurf des Betrugs sprach das Gericht ihn frei. Trotzdem wurde er für den Rest zu einer Gefängnisstrafe von einem Jahr und zwei Monaten verurteilt. Quax, der Bruchpilot ist ein bekannter Filmtitel, der jetzt damit voll auf Hanspeter Göggelmann zutrifft. Im Heilbronner Gemeinderat, unter seinen ehemaligen Kolleginnen und Kollegen, herrscht Schweigen. Und bei Nachfrage gibt’s nur ein ungläubiges Kopfschütteln. Vieles hatte man von Göggelmann erwartet, aber nicht so etwas. Daß er ein Spieler sei, was Geschäfte anbetrifft, tuschelt man nur hinter vorgehaltener Hand. Da kann man dann Glück oder Pech haben. Aber was in den letzten Monaten an den Tag kam, das hatte man dann doch nicht erwartet. Auch nicht bei den einstigen Parteifreunden in der CDU. Eine Beschädigung der politischen Institutionen, das wird nicht gesehen. Aber irgendwie ist Heilbronn seit dem Rathausskandal sensibilisiert. Und sucht nach Gründen für die kleinen und großen Skandale.

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