Kulturmeile
Heilbronn
ist eine Stadt zwischen den Weinbergen. Ihr Wein ist weit übers Unterland
hinaus bekannt und begehrt. Doch was das kulturelle Angebot angeht, sind wir
Heilbronner eher das Biedere gewohnt. Da machen andere kleinere Kommunen im
Umland ganz anders von sich reden. Nehmen wir beispielsweise Künzelsau.
Unlängst erst pilgerten Tausende von Menschen in die vom Vorzeigeunternehmer Reinhold Würth initiierte
Gaugauin-Ausstellung. Da wurde hohe Kunst den breiten Massen verständlich
dargeboten. Auf die Zehn-Mark-Eintrittskarte war sogar noch ein Gutschein für
ein Tässchen Kaffee gedruckt. Und auch die eher hinterwäldlerische Gemeinde Fichtenau bei Crailsheim zeigt
dieser Tage, wie Kunst zur Imageverbesserung taugen kann. Eine Dali-Ausstellung
wird dort im Rathaus präsentiert. Ein rühriger Bürgermeister, der so etwas auf
die Füße stellt. Bleibt nur zu hoffen, daß der Nachfolger von Heilbronns
Kulturschultes Reiner Casse ähnliche
Ideen haben wird. Schlecht wäre es nicht. Auch für das Image der Stadt
Heilbronn, Bürgermeister Harald Friese
(SPD).
Mit
dem Teufel im Bunde?
Aus
den Schmuddelkindern und Bürgerschrecks von einst sind seriöse Politik-Partner
geworden. Was vor fünf, sechs Jahren undenkbar gewesen wäre, ist unlängst
eingetreten: Erwin Teufel, christdemokratischer Ministerpräsident trat als
Gastredner beim Landesparteitag der baden-württembergischen Grünen in Bruchsal
auf. Einer gegen alle – so könnte das Motto dieser Veranstaltung gelautet
haben. Auch der Grünen-Kreisverband aus Heilbronn war in Bruchsal vor Ort. Und
was vor fünf, sechs Jahren auch undenkbar gewesen wäre: Artig spendeten die Öko-Parteimitglieder dem erzkonservativen
CDU-Politiker (SPD-Chef Mauer über Erwin Teufel) Beifall. Die Zeiten ändern
sich eben und werden härter für die Sozialdemokraten. Das sehen auch die
Heilbronner Genossen so. Argwöhnisch betrachtete man dort die schwarz-grünen
Annäherungsversuche. Sehr zurückhaltend übrigens auch der jüngere Teil der
Schwarzen. Thomas Strobl, Heilbronner CDU-Hoffnungsträger und Kreisvorsitzender,
äußerte sich zum Thema Schwarz-grün nicht. Wozu auch. Über Koalitionen sollte
man reden, wenn sie anstehen. Dennoch: Für große Interpretationen ist wenig
Platz – auch nach Teufels Auftritt nicht. Schwarz-grün kommt nicht in Frage,
für die Grünen nicht und auch für die Schwarzen nicht. Das versicherten Teufel
und Grünen-Fraktionschef Fritz Kuhn einhellig. Aber die Stimmung, die durch
Teufels Auftritt erzeugt wurde, zeigt eindeutig in eine Richtung: Die
beherrschende Regierungspartei CDU nimmt nur die Grünen als Opposition ernst
und wahr. Und die FDP, der wenig geliebte Koalitionspartner in Stuttgart, muß
noch einiges tun, damit Erwin Teufel auf einem ihrer Parteitage auftritt. Denn
mittlerweile haben sich die Grünen in Baden-Württemberg zur Mittelstandspartei
entwickelt. Man braucht nur auf deren Wahlergebnisse in den besseren
Wohngegenden zu schauen. Auch in Heilbronn – und die FDP-Ergebnisse daneben
legen. Und jetzt die Steuerreform-Vorschläge der Grünen im Bund zu betrachten.
SPD-nah sind sie wahrlich nicht.
Nicht
besenrein
Die
Besenwirtschaft – eine Hochburg der Württemberger
Wengerter. Kaum ein Landstrich, in dem diese Institution fröhlicher
Weinzähne so gepflegt wird wie im Unterland. Kein Wunder, es gibt kaum eine
Lokalität, in der sich billig und gut ein Vesper mit einem Viertele genießen
läßt. Da gibt es Salzfleisch mit Kraut, Würste aus eigener Herstellung, ein
festes Besenbrot oder auch mal ein Käsebrot mit viel Zwiebeln drauf. Doch die
Zeiten haben sich geändert – Marktanpassung nennt man das wohl – hatten die
Besen früher nur einige wenige Tage pro Jahr geöffnet, sind nun etliche
Einrichtungen über viele Wochen geöffnet. Und ich möchte einmal vermuten, da
werden nicht nur Wein und Produkte aus eigener Herstellung an den Gast
gebracht. Das wären schon ordentlich große Betriebe, die soviel Wein
ausschenken könnten und so viele Säue im Stall hätten. Und in manchen Besen gibt es mittlerweile auch Weizenbier und Pommes
frites. Wo bitteschön liegt denn dann der Unterschied zur ganz normalen
Gastwirtschaft? Gibt es keinen? Ja, aber mit dem Namen Besen lassen sich
Ausflügler anlocken und mit dem vor die Wirtschaft gehängten Reisigbesen so
mancher unwissende Gast aus dem Nichtschwäbischen an gute alte Tradition
glauben machen. Eines wundert mich nur: Daß sich solchen Verfall der guten
alten Besensitten die wahren, ehrlichen, wirklichen Besenwirte gefallen lassen.
Die nämlich, die zur Besenzeit ihr Wohnzimmer, ihre gute Stube für die Gäste
ausräumen. Vielleicht sollte sich um diesen Besen-Schindluder doch einmal der
Wirtschaftskontrolldienst kümmern. Übrigens ist dies auch eine rein
baden-württembergische Erfindung, zum Segen des Verbrauchers.
1.
Mai 1997
Der
Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus. Aber nicht nur. Am „Tag der Arbeit“,
an dem die meisten Menschen in Deutschland nicht arbeiten, schlagen
zunächst einmal Redner auf
Mai-Kundgebungen ordentlich aus. Zum Beispiel Gregor Gysi in Hohenlohe. Jener
PDS-Mann, der am Vorabend noch in Heilbronn zu seinen Genossen/Genossinnen von
der PDS und ihren Sympathisanten aus dem linken Spektrum gegen die
Bundesregierung zu Felde ziehen wird. Sein Thema im Haus des Handwerks heute am
30. April ab 20 Uhr: „Wie kriegen wir
die Kohlregierung weg? Wirtschafts- und sozialpolitische Alternativen.“ Nun
– dieser Gregor ist ja auch ein durchaus renommierter Mann, der schon oft in
evangelischen Akademien (vor allem in Westdeutschland) viel beklatscht seine
Thesen für einem neuen Sozialismus darlegen konnte. Mit nur einer kleinen Träne
im Knopfloch blickt er auf den Verbrecherstaat DDR zurück, den viele
angekränkelte Linksliberale in seiner Agonie noch gern (von der Bundesrepublik
hochsubventiniert) gerettet hätten, damit auf deutschen Boden der Traum von
einem besseren Leben in einer wirklich gerechten Gesellschaft geträumt werden
könnte. Aber der kalte Wind der Geschichte hat diesen Traum (nicht nur in
Deutschland) einfach weggeblasen. Und jetzt bietet halt die PDS gelegentlich
noch ein kleines Lagerfeuer, an dem man sich träumend wärmen kann. Aber man
könnte ja auch umziehen, in die letzten Enklaven des Sozialismus auf dieser
Welt – nach China, Nordkorea oder Kuba. Aber da unsere lieben
Feierabend-Revolutionäre zumeist Pensionsanspruch besitzen, bleiben sie doch
lieber in ihren Häusern oder Eigentumswohnungen in deutschen Landen und
genießen hier die Früchte des ungerechten Kapitalismus, die weitaus besser
munden als das trockene Brot des Sozialismus. Wie hieß es einst so schön im
hochgelobten Osten: Salz und Brot macht Wangen rot, Butterbröter machen sie
noch röter.
Augen
raus
Noch
ein Heilbronner Skandal. In einem Bestattungsunternehmen sollen Leichen die
Augäpfel herausgenommen worden sein, ohne daß die Angehörigen davon
unterrichtet wurden. Auch Herzschrittmacher wurden entfernt, ohne daß über
ihren Verbleib etwas bekannt wurden. Leichen, die verbrannt werden sollten,
hatten in ihren Särgen allerlei sonderbaren Müll – angeblich zur besseren
Brennbarkeit. Es hagelt Beschuldigungen, Vorwürfe, Verdächtigungen, daß einem
ganz schwindelig wird. Und es kommen Fragen auf. Wie kommt es, daß Bestattern Leichen überlassen werden, in denen noch
Herzschrittmacher, Skalpelle, Nadeln oder Kanülen stecken. Ist es nicht die
Aufgabe eine Krankenhauses, eine Leiche „ordnungsgemäß“ dem Bestatter zu
übergeben. Daß es bei den Bestattungsunternehmen Konkurrenz gibt, das Geschäft
hart ist, ist hinlänglich bekannt. Krankenhäuser sind da ein nicht
unbedeutender Auftraggeber. Gefragt sind also nicht nur bestimmte
Bestattungsunternehmen, im Kreuzfeuer stehen auch die Krankenanstalten. Hinzu
kommt noch der „Heilbronner Hornhäuteskandal“, wie es Boulevard-Zeitungen und
-Fernsehsendungen nennen. Ein Mitarbeiter der Heilbronner Augenklinik habe
Leichen nicht nur Hornhäute entnommen, sondern ganze Augäpfel – und diese in
einer sterilen Kochsalzlösung in die Klinik am Gesundbrunnen transportiert. Den
Leichen seien dann Glasaugen eingesetzt worden. Bestimmt waren die
Augenhornhäute für Notfallpatienten. Ich frage mich ernsthaft, was daran
verwerflich ist. Den Toten helfen diese Hornhäute nicht mehr, ihren Verwandten
auch nicht. Aber Menschen, die durch Unfälle oder Krankheit in eine grausame
Situation geraten, können diese Hornhäute die Sehkraft erhalten. Juristisch ist
diese Feld noch Brachland. „Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener“,
Sachbeschädigung“, „Störung der Totenruhe“ – diese juristischen Begriffe sind
dem Nutzen der Hornhäute für die Lebenden nicht im Ansatz angemessen. Es geht
vielmehr darum, Leben zu erhalten und zu bewahren, Kranken zu helfen. Darum hat
sich der renommierte Chef der Heilbronner Augenklinik Professor Dr. Otto Käfer
bemüht. Ihn jetzt in die Nähe krimineller Machenschaften zu bringen, ist mehr
als nur Hohn. Es erinnert verdammt an Intrige und Rache. Ich möchte jene sehen
und hören, die heute so schnell verurteilen, wenn sie oder ihre Verwandten auf
diese Hornhäute angewiesen wären.
Steuerreform
Die
Notwendigkeit einer Steuerreform bei uns in Deutschland wurde zunächst einmal
von Experten beschworen. Dann hatte sich die Politik des leidigen Themas
angenommen. Die Parteien diskutierten viel. Auch im deutschen Bundestag wurde
die Reform beschworen. Und als die Regierung in Bonn zu Beginn des Jahres ein
Reformpaket vorlegte, waren die Experten voll des Lobes, die Opposition wollte
sachlich und genau prüfen. Eine Entlastung für alle Steuerzahler war das Ziel.
Aber mit den Wochen geriet das Reformpaket unter die Hände der Lobbyisten von
links und rechts. Jetzt wird nur noch geredet und zerredet. Jeder will die
Reform, aber nur mit den Abstrichen für seine Klientel. Es entsteht der
schlichte Eindruck, daß die Wirtschaft in Deutschland noch nicht tief genug am
Boden liegt. Der Leidensdruck muß offenbar noch viel größer werden, damit sich
in diesem Lande etwas bewegt. Die mahnende Rede des Bundespräsidenten am
Wochenende wird zitiert und zitiert, vor jeder Polit-Gruppe als Beleg gegen die
andere. Die naßforsche
Ministerpräsidentin von Schleswig-Holstein Heide Simonis erkannte in einem
Fernsehinterview zu recht, daß die Bürger irgendwann diese Politiker zum Teufel
jagen werden, wenn es einfach so weitergeht und sich nichts bewegt. Im
Applaus für den Bundespräsidenten ist Stagnation festzustellen. Eine
offensichtlich betäubte Politik nimmt die Arbeitslosigkeit als Massenphänomen
leicht hin, blockiert sich täglich selber und beweist dem staunenden Volk ihre
Reformunfähigkeit. Hinzu kommt: In keinem Land der klassischen Demokratien des
Westens regiert ein Mann so lange wie jener, der jetzt erneut seine
Kanzlerkandidatur angekündigt hat. Es wäre besser, er würde jetzt den Stab
weitergeben. Auch hier wäre eine Reform vonnöten. Mehr als drei
Legislaturperioden sollte niemand Kanzler sein. Der Wechsel gehört zu jeder
gesunden Demokratie.
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