Schulferien
Heute
ist es endlich soweit. Die Zeugnisse sind verteilt. Männliche und weibliche
Wesen, die täglich unsere Schulen bevölkern, wissen jetzt, wo sie im kommenden
Schuljahr die Bank drücken müssen, ob sie versetzt werden oder das Schuljahr
wiederholen müssen, das Abitur in der Tasche haben oder nochmals ein Jahr lang
dem Lappen nachbüffeln müssen. Die witzigen oder abstrusen Abischerze sind abgeflammt. Die Sommerferien können
beginnen. Unsere vielgescholtenen, hochbezahlten und immer noch beamteten
Lehrer fahren in den wohlverdienten Urlaub – hoffentlich wie üblich mit einer
Bildungsreise. Weit weg von den sie plagenden Kindern fremder Eltern, denen sie
in den zurückliegenden Monaten beibringen mußten, was die mehrheitlich eh nicht
wissen wollten, aber für das Leben unbedingt brauchen. Ob alles sinnvoll ist, was in den Schulen gepaukt wird, sei einmal
dahingestellt. Oft ist es ja auch so, daß Lehrer an den weiterführenden
Schulen sich als verhinderte Wissenschaftler empfinden, die nur durch einen
dummen Zufall in den Schuldienst statt an die Universität gelangt sind. Die
Schüler haben dann das Nachsehen. Denn sie wollen ja nur das Abi machen, um im
Leben voranzukommen. Schule soll anregen und fördern, aber nicht Jugendliche zu
Pseudowissenschaftlern heranbilden. Und Lehrer
sollten in erster Linie Pädagogen, Erzieher sein, nicht abgehobene Intellektuelle im wissenschaftlichen
Wolkenkuckucksheim. Aber diese Klage ist so alt wie unser Bildungssystem.
Und wird in vielen Witzen oder Komödien über Lehrer und Schulen ständig
zitiert. Es gibt ja sogar ganz böse Zeitgenossen, die behaupten, daß Lehrer in
den vielen Jahren des Umgangs mit Menschen, denen sie Wissen beibringen müssen,
emotional selber auf das Niveau von Jugendlichen sinken, weil ihnen der
Widerstand von erwachsenen Zeitgenossen fehlt. Aber damit müssen sich
Schulpsychologen auseinandersetzen. Davon gibt es ja genug.
Deutsche
in Finnland
Wenn
einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. Die Wirtschaftsfördergesellschaft
Raum Heilbronn hatte eingeladen – und viele Unterländer Geschäftsleute reisten
mit. Werner Grau, der Erste
Bürgermeister der Stadt Heilbronn, vervollständigte wegen einer wichtigen
Gemeinderatssitzung am Donnerstag (24. Juli) zusammen mit dem Chef der
Lokalredaktion der Heilbronner Stimme Gerd
Kempf erst am Freitag die Wirtschaftsdelegation in Oulu. Und beide hatten
damit einige wichtige Besuche versäumt: im Technologie- und Gründerzentrum,
beim Weltkonzern Nokia und der
Tageszeitung Kaleva, die 1999 ihren
hundersten Geburtstag feiert. Aber Teile davon wurden für diese beiden Herren
nachgeholt. Und wer war noch dabei? Wolfgang
Triebel (Geschäftsführer im EVS-Kohlekraftwerk Heilbronn), Hans Bauer (Sprecher der
Siemens-Zweigniederlassung Heilbronn), Peter
Degen (Geschäftsführer der Degen Communication/Nokia Systemcenter
Heilbronn), Thomas Lischke
(Geschäftsführer der Centaur-Unternehmengruppe Heilbronn), Dietmar Schellenberger (Geschäftsführer der Altvater Airdata
Systems Bad Rappenau), Ulrich Miessner
( Geschäftsführer CUW, Bad Wimpfen), Walter
Kress (Geschäftsführer Kress & Co, Umweltschonende Landtechnik,
Neuenstadt), Professor Dr. Ewald
Pruckner (Leiter des Steinbeis-Transferzentrums Heilbronn), Margarete Schwab (Industrie- und
Handelskammer Heilbronn), Hans-Hermann
Nothwang (Geschäftsführer der Firma Schwäbische Wurst-Spezialitäten
Nothwang, Bad Friedrichshall), Berthold
Böckling (Geschäftsführender Gesellschafter der Firma Glas- und Porzellan
Böckling, Neudenau), Jürgen Dieter
Ueckert (Redaktionsleiter Neckar Express) und Andreas Jocham (Stellvertretender Geschäftsführer der
Wirtschaftsförderung Raum Heilbronn). Mit Ehefrauen war die Unterländer
Delegation 18 Menschen stark. Demnächst wird sich herausstellen, ob die
Kontakte zum Unterland so stark werden, wie der Eindruck, den die Heilbronner
Wirtschaftsdelegation von Oulu in Finnland hatte.
Kehraus
eines Oberbürgermeisters
Das
Foto ist noch gar nicht so alt und hübsch anzusehen: Da sitzt ein Mann auf
einer kleinen mobilen Kehrmaschine und lächelt zuversichtlich. Viele
Heilbronner kennen diesen Mann. Mehr als sieben Jahre ist es her, da war der
heute 57jährige Baubürgermeister im Heilbronner Rathaus. Ulrich Bauer heißt der Mann auf der Kehrmaschine. Nach seinen
Heilbronner Jahren wurde er Oberbürgermeister
von Esslingen. Doch der kommunalen Leidenschaft des SPD-Mannes setzt nun ein Leiden, Folge eines Verkehrsunfalles, ein
überraschend frühes Ende. Ulrich Bauer tritt nach Ablauf seiner ersten
Esslinger Amtszeit im Januar 1998 nicht mehr an. Die Ärzte haben ihm zu diesem
Schritt geraten. Bauer bedauert zutiefst, ihn tun zu müssen. Wir glauben ihm
dies, wollen ihn nicht einordnen in die enorme Zahl der Bürgermeister, die ihr
Amt beenden und dann enorme Energie darauf verwenden, in einer Unternehmensberatung
tätig zu sein. In der Region Stuttgart hatte Bauers Stimme Gewicht. Er gilt als
besonnener Mann, der sich beispielsweise nicht generell gegen die Messe am
Flughafen ausspricht, allerdings auf einen vernünftigen Kompromiß für die
Filder drängt. Bauer hat sich in seinen Esslinger Jahren als der präsentiert,
der er auch in Heilbronn war: stets verhandlungsbereit, aber dennoch hart in
der Sache. Und wäre Bauer wieder angetreten, kaum einer hätte daran gezweifelt,
daß er es wieder geschafft hätte. Nun heißt es aber: Kehraus, OB Bauer räumt
seinen Sessel.
Gastfreundschaft
Finnen
sind gastfreundlich. Das wissen die beiden Wirtschaftsförderer aus Heilbronn Jürgen Gackstatter (Geschäftsführer)
und Andreas Jocham
(stellvertretender Geschäftsführer) schon seit einiger Zeit. Erst vor wenigen
Wochen hatten sie Finnen nach Neckarsulm gebracht, die in Heilbronns
Nachbarstadt mit ihrer finnischen Woche einen großen Erfolg feiern konnten. Als
im vergangenen Jahr eine Wirtschaftsdelegation
in Oulu weilte, stand das Weindorf in der Berichterstattung im Vordergrund.
Aus diesem Grunde nach Finnland zu fahren – naja, das stieß nicht gerade auf
Verständnis in der Wirtschaftsregion Heilbronn. Bei der Reise vom Donnerstag
bis zum Sonntag der letzten Woche stieß die Heilbronner Delegation auf einige
seltsame Erinnerungen vom letzten Jahr (zu lange Reden z.B.), die aber
vollständig in den Hintergrund gedrängt werden konnten. Besonders beeindruckt
war die Unterländer Delegation vom Besuch bei Nokia. Diese Firma hat sich vom Gemischtwarenladen
(Holz- und Reifenproduktion) zum weltweit führenden Hersteller in der
Kommunikationstechnologie entwickelt – 31.700 Menschen in 45 Ländern stellen
Nokia-Produkte her. Nettoumsatz 1996 39,3 Milliarden Finmark. Insbesondere
Mobiltelefone von Nokia beherrschen in Europa den Markt mit ihrer
Spitzentechnologie (Werbespruch: Nokia
connecting people – Nokia verbindet Menschen). Für Oulu, die Stadt mit
ihren 111.556 Einwohnern, ist Nokia ein wichtiger Arbeitgeber. Rund 3.000
Menschen arbeiten in Oulu bei Nokia. Und die Zusammenarbeit mit der Universität
sowie dem Technologie- und Gründerzentrum in Oulu sind auch für diese Weltfirma
ein entscheidender Stützpfeiler. Vor allem die kleinen Unternehmen im
Technologiepark „Technopolis“, die für Nokia Innovationen entwickeln. So
mancher ehemalige Student ist da binnen kurzer Zeit Millionär geworden. Und auf
solche Leute ist man stolz in Oulu – in Verwaltung und Industrie. Bei uns ist
man in einem solchen Fall eher neidisch. Wir können also noch von Oulu, dem
„Silicon Valley of the North“, lernen.
„Silicon
Oulu“
Eine
lange Reise war es: Stuttgart-Kopenhagen, Umsteigen in Kopenhagen,
Kopenhagen-Stockholm, Umsteigen Stockholm-Oulu. Die
Wirtschaftsfördergesellschaft Heilbronn hatte eingeladen. Und 17 Geschäftsführer
und Unternehmer aus dem Unterland hatten sich auf den Weg gemacht, um zu sehen,
welche neuen Wege in Nordfinnland, im Silicon Valley des Nordens, in Oulu
eingeschlagen werden. Warum die Hauptgeschäftsführer oder Präsidenten der
beiden Heilbronner Kammern nicht dabei waren – ein Rätsel. Das Weindorf in Oulu, das einst von Jürgen Gackstatter (dem Geschäftsführer
der Heilbronner Wirtschaftsförderungsgesellschaft) mit in Gang gesetzt wurde,
hat sich zu einem Europäischen Weindorf entwickelt, bei dem neben
württembergischen Weinen, auch französische, italienische und spanische
ausgeschenkt werden. Und natürlich auch Bier – aus Eppingen. Ebenso kommen
viele Speisen, vor allem Wurstspezialitäten und auch die Weindorfgläser aus dem
Unterland. Aber das Europäische Weindorf in Oulu kann nur ein PR-Faktor für
unsere Region sein – und wird auch so verstanden. Viel entscheidender ist es,
wirtschaftliche Kontakte in diese von High-Tech geprägte Region zu knüpfen. Und
deshalb waren in diesem Jahr die Teilnehmer der Unterländer
Wirtschaftsdelegation, an der Spitze der Erste Bürgermeister der Stadt
Heilbronn. Werner Grau, intensiv bestrebt, Einblicke zu gewinnen. Resultat: Die
Delegationsteilnehmer waren von der Gastfreundschaft der Finnen, der Offenheit
bei den Informationen und den klaren Zielsetzungen im Wirtschaftsleben schlicht
begeistert. Was dort oben im hohen Norden in enger Verknüpfung von Politik,
Wirtschaft und Verwaltung geschaffen wurde, kann durchaus Vorbild für Heilbronn
und seine Wirtschaftsregion sein. Das haben die Unterländer in vier Tagen
serviert bekommen. Deshalb ist es sinnvoll, daß auch außerhalb von Ouluer
Weindorf-Zeiten einige Bosse aus Wirtschaft, Politik und Verwaltung sich dort
mal anschauen, was es heißt, die Zukunft im Blick zu haben, in dem die
gegenwärtigen Probleme kraftvoll und mit Zuversicht angepackt werden. Wein
öffnet Türen, aber sie bleiben nicht offen, wenn es nur beim Wein bleibt.
SSV
bis 9. August
Manche
meinen ja, der Sommerschlußverkauf habe
sich überlebt. Die Einzelhändler setzen ihre Preise schon lange vor dem
offiziellen Start herunter. Und der gewitzte Kunde kann sich die besten Stücke
schon vorher zu günstigen Preise beschaffen. Als am Montag dieser Woche bei
Sonnenschein und angenehmen Temperaturen in deutschen Kaufhäusern und
Geschäften die Schnäppchenjagd begann, waren viele Geschäftsinhaber trotzdem
glücklich. Lagen doch wegen der nicht gerade sommerlichen Witterung die Häuser
noch voll mit den sommerlichen Waren. Und die Einzelhändler sind bislang zufrieden.
Teilweise wurden Steigerungen im Vergleich zum Vorjahr bis zu zwanzig Prozent
festgestellt. Auch kein Wunder, meine ich. Denn
die Preisnachlässe sind heuer besonders stark. Teilweise bis zu fünfzig
oder gar bis siebzig Prozent. Hemden für fünf Mark, das ist schon was. Schade,
daß meine nur aus Stein sind. Nicht auswechselbar Ich hätte mir garantiert ein
paar zugelegt. Auch die billigen Socken im Fünferpack hatten es mir angetan.
Könnte ich hier oben auf dem Turm gut gebrauchen, bei der zugigen Luft. Aber
der SSV hat erst begonnen. Einige Geschäftsleute stellen schon fest, daß den
potentiellen Kunden das Geld nicht mehr so locker in der Tasche sitzt wie in
den Jahren zuvor. Gezielt würde gesucht werden. Die Waren werden nach Qualität
und Preis-Leistung abgeklopft. Ramscheinkäufe werden immer weniger. Der Kunde
ist anspruchsvoll und zögernd. Keine gute Voraussetzung, um eine schnelle Mark
zu machen. Hier bewahrheitet sich halt das alte Sprichwort: Der Kunde ist
König. Und Herrscher sind oft sehr sensibel und machtbewußt. Manche meinen auch
abfällig: Sie seien zickig. So ändern sich halt die Zeiten – auch in
Republiken.
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