Heilbronn
ist gut
Heilbronn
ist doch wirklich eine tolle Stadt. Gemütlich, schön gelegen, lieblich, voller
Bäume und Grün. Was will man mehr. Harry
Mergel, der SPD-Fraktionschef im Gemeinderat meinte, hier seien in den
letzten Jahren mehr Arbeitsplätze geschaffen worden als in anderen Teilen des
Unterlandes. Das solle erst mal jemand nachmachen. Und auch der neue
Ordnungsbürgermeister im Rathaus Artur
Kübler (CDU) verkündete selbstbewußt, daß Heilbronn sogar Charme besitze.
Und er fragt ohne einen Anflug von Ironie: „In welcher vergleichbaren Stadt
geht es den Bürgern besser?“ – Das hört man selten. Selbst in der
Landeshauptstadt Stuttgart schrecken die Kommunalpolitiker vor derartigen
Superlativen zurück. Aber es ist ja schon immer ein Zeichen von Provinz, seinen eigenen Mittelpunkt für den Nabel der
Welt zu halten. Aber wer als Politiker geliebt werden will, das ist ein Zeichen
unserer Zeit, muß erst heftig gegenlieben. – In Heilbronn kann sich niemand
mehr etwas schönreden noch schönbiegen. Kommen Gäste und betrachten die Stadt
offenen Auges, so fällt doch – wie viele Heilbronner auch schon festgestellt
haben – die Innenstadt mit Pennern, Dealern und Rauschgiftsüchtigen unangenehm
ins Auge. Erinnern Sie sich zum Beispiel an das Fest „100 Jahre Kaiserstraße“? Manche kommunalpolitische
Beobachter sind der Ansicht, dieses teure Unterfangen hätte man auf drei Monate
ausdehnen sollen. Eröffnung mit einem Paukenschlag und ein krönender Abschluß.
Dazwischen viele Aktionen, die immer wieder die Attraktivität der Heilbronner
Innenstadt herausstellen. Oder: Die Verkäufer in den Geschäften sollten
Namensschilder tragen, damit das Verhältnis Kunde-Verkäufer verbessert wird. In
anderen Großstädten ist das schon längst der Fall. Vorschläge gibt es viele.
Man kann auch von anderen sehr viele lernen. Man muß es nur wollen und nicht
glauben, Heilbronn sei der Nabel dieser Welt.
Krug-Zertrümmerer
Heilbronn
ist nicht die Kleiststadt (das ist
bekanntlich Frankfurt an der Oder), sondern immer noch die Käthchenstadt. Und damit hat sie allerdings auch wieder viel mit
dem Dichter Heinrich von Kleist zu tun. Aber nicht in seinem Ritterschauspiel
„Das Käthchen von Heilbronn“, sondern in seinem einzigen Lustspiel „Der
zerbrochne Krug“ geht es bei Kleist um ein Gefäß, in das man keine Flüssigkeit
mehr füllen kann. Irgendwann schreit eine Frau in dem Theaterstück einen Mann
an und bezeichnet ihn als „Krugzertrümmerer“. Josefine Maier, die Festzelt-Wirtin auf dem Unterländer Volksfest, machte sich aber nicht gemein mit jener Frau
namens Marthe aus Kleists „Zerbrochnem Krug“. Die Göckelesmaierin lachte nur laut und schallend als der Heilbronner
Oberbürgermeister Dr. Manfred Weinmann
beim Faßanstich am vergangenen Freitag zur Eröffnung des Volksfestes statt des
Zapfhahns den vom Heilbronner Verkehrsdirektor Bernhard Winkler hingehaltenen irdischen Krug mit einem Schlag
zertrümmerte. Beim Faßanstich ist unser OB halt ein fast so großer Künstler wie
weiland Stuttgarts OB Manfred Rommel.
Selten, daß das Bierfaß mit wenigen Schlägen angestochen wurde. Aber das macht
ja auch nichts. Denn irgendwann strömte mit vereinter Hilfe der Umstehenden das
kühle blonde Naß ohnehin in den Krug – auch wenn es dann ein Glaskrug war, aus
dem der OB den Festgästen zuprostete. Es ist halt a Gaudi, bei einer solch
derben Zeremonie zuzuschauen, die Sprüch der Umstehenden zu hören, sich vor dem
spritzenden Bier in Sicherheit zu bringen. Wohlgefeilte Sätze gehen in einem
solchen bierschwangeren Zelt unter wie Bleienten im Teich. Oins, zwoa ...
Stadt
der Energie?
Waren
das nun Träumereien am sozialdemokratischen Kamin – zur Sommerzeit? Oder steckt
wirklich etwas dahinter? Harry Mergel,
der SPD-Fraktionschef im Heilbronner Gemeinderat, hat im Namen seiner
SPD-Fraktion einen Antrag mit dem Thema „Heilbronn
– Stadt der Energie“ eingebracht. Darin ist dann die Rede vom
„Robert-Mayer-Energiemuseum“ im Hagenbucher. Die alte Hagenbucher-Planung wäre
damit über Bord geworfen, wie Mergel ausdrücklich betont. Der Neckarpark kann
folgende Namen erhalten: Erlebnis
Energie, Phänomen Energie oder schlicht Energie-Park. Das sei kurzfristig
machbar, meint die SPD. Mittel- oder langfristig sollte die Kranenstraße
verlegt werden und auf dem Gelände am Fruchtschuppenweg ein
Großveranstaltungszentrum entstehen. Über allem schwebt das kommunale Leitmotiv
„Heilbronn – Stadt der Energie“. Damit wäre ein
„wichtiger konkreter Beitrag“ für das regionale Leitbild
„Umwelt-Technologie-Region“ geleistet, meint Harry Mergel. Und wer finanziert
die ganze Idee? Unter der Federführung der Stadt Heilbronn sollte das
SPD-Projekt „zu einem Gemeinschaftswerk aller an einer guten Entwicklung der
Stadt interessierten Kräfte werden“. Daher sollte die Stadt sich bemühen, das
Konzept „auf dem Wege einer öffentlich-privaten-Partnerschaft zu entwickeln und
realisieren“. Vor allem die Energieunternehmen will Mergel dabei am Tisch
sitzen haben – ZEAG, EVS, Stadtwerke und
GKN. Aber auch die Kammern, den Verkehrsverein, die Kaufleute, die
Solarinitiative, die Fachhochschule – und möglichst als Geldgeber dazu noch
Land und Bund. Das klingt alles ein wenig sehr didaktisch und lehrreich, was
die SPD da vorschlägt. Und viel Geld kostet es auch. Zur Erstellung und für den
Unterhalt. Aber mit der momentan gepflegten Energie- und Entsorgungspolitik
treibt die Stadt eher Energieunternehmen aus ihren Mauern, als daß es zu
Kooperationen käme. Denn ob die EVS nach der Fusion mit dem Badenwerk das
Kohlekraftwerk in Heilbronn aufrechterhält, das wird die Zukunft weisen.
Rentabel sei es nicht, bei dem billigen Auslandsstrom. Es geht um 400
Arbeitsplätze. Und da ist die SPD gespalten.
Hauptstadt
Berlin
Heilbronn ist die Hauptstadt der Region Franken, Stuttgart die Landeshauptstadt des Landes Baden-Württemberg und Berlin
die Bundeshauptstadt der Bundesrepublik Deutschland.
Und für letztere zahlen wir zurzeit kräftig. Denn es wird umgezogen. Vom alten
bunderepublikanischen Regierungssitz Bonn
in die einstige Reichhauptstadt an der Spree. Und das kostet viel, sehr viel.
Bisher wird vornehmlich gebaut in der frechsten Stadt Deutschlands. Und wie!
Bis weit nach dem Jahr 2000, so sagten mir Bauunternehmer, werde dort noch viel
Geld verdient. Und wer sich schon einmal in den letzten Monaten am Potsdamer
Platz, am Spreebogen in der Nähe des Reichstags, rund um die Friedrichstraße
oder Unter den Linden aufgehalten hat, der weiß, was es heißt, gigantische
Baustellen zu besichtigen. Was in Berlin-Mitte entsteht, das ist eine völlig
neue Stadt mit wenigen Anklängen an das, was einst war. Dieses neue Berlin
zwischen Alexanderplatz und Tiergarten gab es vorher noch nicht. Und dieses
Berlin wird auch die Stadt völlig umkrempeln. Denn in den letzten 50 Jahren war
die Stadt ja mehr oder weniger in einen Dornröschenschlaf gefallen. Im Westen
lebten Nostalgiker und Alternative unter einer finanziell wohlausgestatteten
Käseglocke, und im Osten Berlins ließ man die Stadt verkommen. Nur wenige „sozialistische
Schlafbezirke“ in abscheulicher, asozialer Bauweise entstanden. Und ein wenig
Wiederaufbau in Berlin-Mitte. Entweder nostalgisch nett oder bombastische
Wohnblöcke für die Speerspitze der Sozialistischen Gesellschaft, der Stasi- und
Regierungsmannen. Jetzt, so sagen die Alt- und Neu-Berliner, ist alles anders. Der Wind weht hart aus dem Osten – riecht
stark mafiös. Die Industrie wandert ab ins brandenburgische Umland. Die
Menschen ziehen weg, die Regierung mit ihrem Lobby-Troß ist noch nicht da. Krisenstimmung
allenthalben. Aber Berlin wird Hauptstadt und eine Metropole des Ostens.
Käthchen
und Kleist
„Käthchenstadt
hilft Kleiststadt“ – unter diesem Motto will die Stadt Heilbronn ihrer Partnerstadt
Frankfurt an der Oder hilfreich
unter die Arme greifen. Das Hochwasser hat diese brandenburgische Stadt nicht
ganz so hart getroffen wie einzelne Dörfer in diesem Gebiet, aber Hilfe ist
trotzdem angesagt. Der Aufruf der Stadt, auf das Konto 90900 bei der
Kreissparkasse Heilbronn (Bankleitzahl
620 500 00) zu spenden, wurde beim Unterländer Volksfest mit der Versteigerung
eines von den Wirtschaftsjunioren gespendeten Fahrrads unterstützt. Thomas Lischke (PastPresident der
Heilbronner Wirtschaftsjunioren) moderierte die Verlosungsaktion. 1.320 Mark
sind dabei herausgekommen. Und der Gewinner des Rades, Andreas Fuchs, spendete gleich wieder sein Rad. Siegrid Lipp, die Leiterin der
Heilbronner Majorettengruppe, war mit ihren jungen Damen und den Herrschaften
vom Heilbronner Käthchenzug im
Festzelt unterwegs und sammelte das Geld für die Lose ein.Jetzt kommt es nur
noch darauf an, das gespendete Geld in Brandenburg an die richtige Stelle zu
bringen. Denn in Frankfurt an der Oder gab es keine gravierenden Schäden für
die Menschen. Aber in anderen Teilen des Landes ist die Not doch riesengroß.
Viele haben ihr Hab und Gut, das sie sich erst mühsam nach der Wende
angeschafft hatten, durch die Naturkatastrophe verloren. Diesen Menschen muß
unbürokratisch geholfen werden. Da gehören die Spendengelder hin. Ich hoffe nur,
daß der geringste Teil als Verwaltungsaufwand abgezogen wird und die
Hilfsbereitschaft die Adressaten erreicht.
GenossInnen
Die
Heilbronner Sozialdemokraten hatten seit der letzten Landtagswahl einiges zu
verkraften. Zunächst den Verlust des Direktmandats durch Dieter Spöri, der auch nicht mehr Minister war. Dann starb
überraschend der SPD-Fraktionschef im Gemeinderat Friedrich Niethammer. Als Dieter Spöri sein Landtagsmandat kurze
Zeit später niederlegte, war der
Ersatzbewerber Niethammer nicht mehr verfügbar. Der Sitz ging ins Remstal. Und Peter Alltschekow, der
SPD-Kreisvorsitzende, Spöris Pressesprecher im Wirtschaftsministerium, trat
gleich nach der Wahl zurück und entschwand nach Brandenburg. Man stand vor
einem Scherbenhaufen und mußtte völlig neu beginnen. Die Heilbronner Stadträtin
Sibylle Mösse-Hagen wurde
SPD-Kreisvorsitzende Heilbronn-Stadt und Harry
Mergel SPD-Fraktionschef im Gemeinderat. Bei der Neubesetzung der
Bürgermeisterposten nach dem plötzlichen Ausscheiden Reiner Casses überließ man das Amt von Harald Friese (Krankenhaus, öffentliche Ordnung, Straßenverkehr)
der CDU mit Artur Kübler. Und Harald
Friese ist seit 1. August der neue Kulturbürgermeister Heilbronn. Eine bessere
Startposition für die Bundestagswahl rechnet sich die SPD für Friese damit aus.
Vor allem auch dadurch, daß Friese Fraktionschef der Sozialdemokraten in der
Regionalversammlung ist. Ob jetzt noch die Arbeitnehmer-Arbeitsgemeinschaft
(AfA) unter Frank Stroh etwas gegen
Friese vorbringt ist ungewiß. Denn Marianne
Kugler-Wendt, die auch im AfA-Vorstand sitzt, gab kund, daß Harald Friese
einem vom AfA-Vorstand ausgearbeiteten Anforderungsprofil des
SPD-Bundestagskandidaten voll entspreche. Das wurde bei der
SPD-Sommerpressekonferenz erst vor wenigen Tagen sehr deutlich gemacht. Der
Bundestagswahlkampf hat begonnen. Auch in der SPD.
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