In
der Spitze des Heilbronner Rathauses – sprich bei den vier Bürgermeistern und
dem OB – wird es in den nächsten Monaten Veränderungen geben. Ende April legt
der Kulturbürgermeister der Stadt Heilbronn Reiner Casse (CDU) sein Amt aus gesundheitlichen Gründen nieder.
Regulär dauert seine Amtszeit bis Mai 2000. Das Vorschlagsrecht für einen
Nachfolger liegt bei den Christdemokraten im Rathaus. Als Casse 1984 erstmals
für die Dezernentenstelle kandidierte, hatte er in der eigenen Partei als
Gegenkandidaten Artur Kübler, heute
CDU-Fraktionsvorsitzender im Rathaus. Jetzt stellen sich viele
kommunalpolitische Beobachter die Frage, ob Kübler wieder kandidiert oder ob
die CDU einen Fachmann von auswärts präsentiert. Bei den Sozialdemokraten steht
Harald Friese, der Verkehrs- und
Krankenhausdezernent, in den Startlöchern für eine Bundestagskandidatur 1998.
Seine Bürgermeister-Amtszeit endet wie bei Casse im Mai des Jahres 2000. Käme
Friese über einen guten Landeslistenplatz in den Bundestag, dann müßte im
nächsten Jahr die SPD einen Nachfolger für dieses Bürgermeisteramt vorschlagen.
Baubürgermeister Ulrich Frey (SPD)
wird sich im Juni 1998 erneut dem Gemeinderat zur Wahl stellen müssen.
Anzeichen, daß er nicht mehr kandieren will, sind bis heute nicht vorhanden.
Die erste Amtsperiode des Ersten Bürgermeisters der Stadt Heilbronn Werner Grau endet erst 1999. Ob er im
Oktober 1999 dann seinen Hut in den Ring des OB-Wahlkampfes werfen wird, das
steht vorläufig noch in den Sternen. Manfred
Weinmann wird aus Altersgründen dann nicht mehr für sein Amt als
Oberbürgermeister kandidieren können. Spekuliert wird derzeit viel, wer sich
dann aus der kommunalpolitischen Riege des Unterlands auf die Kandidatenlisten
setzen lassen wird. Bei der SPD werden die Namen
Harry Mergel (SPD-Fraktionsvorsitzender) und Dr. Jürgen Zieger (Bürgermeister in Neckarsulm) gehandelt. Bei der
CDU ist außer Werner Grau bisher kein Name im Gespräch. FDP, Reps und Grüne
spielen in diesem Kandidatenreigen noch keine Rolle. Aber mischen kräftig mit.
Freß-Tempel
Toprestaurants
in Deutschland leiden nicht. Behaupten jedenfalls Gastronomen, die ganz oben in
jener Rangliste aufzufinden sind, die vom Wirtschaftsmagazin Capital veröffentlicht wird (April
1997). In einer Zusammenfassung der Bewertungen der fünf Restaurantführer
Varta, Michelin, Gault Millaut, Aral Schlemmeratlas und Macellino’s wird eine
100er-Bestenliste präsentiert (umfaßt diesmal nur 97 Restaurants), die es in
sich hat. Martin Öxle vom Aufsteiger des Jahres, der prachtvollen
Speisemeisterei in Stuttgart (Platz zehn), schwärmt trotz der Klagen in der
Gastronomie: „Seit Eröffnung vor
dreieinhalb Jahren sind wir täglich ausgebucht.“ Leistung lohnt sich also,
wenn Qualität und Preis in einem akzeptablen Verhältnis zueinander stehen. Aus
unserer Region stehen die Schweizer Stuben in Wertheim mit 93,4 Capital-Punkten
an dritter Stelle. An zehnter Stelle folgt die Speisemeisterei Stuttgart (89,4
Punkte). das Wald- & Schloßhotel Friedrichsruhe (Zweiflingen) nimmt Platz
18 ein (87 Punkte). Auf weiteren Plätzen aus unserer (erweiterten) Region: 16.
Da Gianni, Mannheim (87,4 Punkte),19. Wielandshöhe Stuttgart (87), 20. Taverna
La Vigna, Wertheim (86,3), 23. Schloß Höfingen, Leonberg (84,8), 40.
Landgasthof Adler, Rosenberg (84), 41. Die Ulrichshöhe, Nürtingen (83,5), 46.
Zirbelstuben / Hotel Victoria, Bad Mergentheim (82,8), 68. Délice, Stuttgart
(80,5), 77. La Chandelle-Mondial, Wiesloch (79,9) und 84. Oberländer Weinstube, Karlsruhe
(79,1). Aus dem Unterland ist leider unter den Spitzenrestaurants Deutschlands
niemand zu finden. Obwohl in so manchem kleinen „Freßtempel“ hier in der Gegend
die Speisen und Weine sich preislich kaum von dem unterscheiden, was in den
Toprestaurants verlangt wird. Nun fragen sich viele: Warum überhaupt diese
Liste? Jene, die gelegentlich ihr Geld für gutes Essen ausgeben wollen, sagen,
das sei wie beim Test von Autos. Man orientiere sich halt. Und ob man nun in
irgendeinem Nobelrestaurant dasselbe ausgebe wie in einem Spitzenrestaurant,
das sei dann doch schon ein gelinder Unterschied. Für’s gleiche Geld – wohlgemerkt.
Arbeitsplätze
Wenn
es um Arbeitsplätze geht, dann wird hart und mit allen Tricks gerungen.
Zwischen Neuenstadt und Gochsen im Landkreis Heilbronn will die Unterländer Firma Lidl & Schwarz ein
Verteilzentrum mit gigantischen Ausmaßen bauen: 533 Meter lang, 170 Meter breit
und 15 bis teilweise 25 Meter hoch. 600 Arbeitsplätze sollen geschaffen werden.
Das Areal liegt verkehrsgünstig neben der Autobahn. Jetzt hat sich Widerstand
geregt. Altbekannte Argumente werden ins
Feld geführt: zu hoher Landschaftsverbrauch, Verkehrschaos (falls mal das Weinsberger Kreuz dicht sein sollte)
oder Hochwassergefahr. Schilder werden
aufgestellt, mit denen die Gegner gegen den „Wahnsinnsbau“ protestieren. Die Befürworter melden sich
kaum zu Wort. Schließlich erhofft man sich in diesen Zeiten der steigenden
Arbeitslosenzahlen viel von dieser Lidl & Schwarz-Investition. Die
Argumente der Gegner werden abgeschmettert. Sie kämen von Besitzern sicherer Arbeitsplätze, Lehrer zum Beispiel,
denen die saubere Landschaft wichtiger ist als die sichere Existenz von
Familien. Die Fronten sind verhärtet. Die auf dem Feld stehenden
Protest-Schilder werden entweder abgesägt oder nächtens beschossen. Es soll
auch schon zu anonymen Drohungen gekommen sein. Wenn das Projekt in Neuenstadt
dank der Proteste scheitern sollte, und das Verteilzentrum an einem anderen Ort
an der Autobahn gebaut wird, dann wird das Klima in Neuenstadt noch mehr
vergiftet sein. Arbeitsplatz-Verhinderer ist dann nur das zärtlichste aller
Schimpfwörter, die über die Verhinderer hinwegfegen werden. Tengelmann will im
Unterland Arbeitsplätze abbauen, Lidl & Schwarz will welche schaffen. Welche Alternativen sind da noch möglich? Ich
kenne keine. Und die Neuenstädter Gegner schaffen auch keine.
IHK-Skandal?
Die
IHK-Verweigerer blasen zum Angriff. Soll doch der ehemalige Stellvertretende
Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Heilbronn Dr. Klaus Kniep nach seinem Ausscheiden
im Jahre 1995 einen Beratervertrag für die Jahre von 1995 bis 1999 von der IHK
erhalten haben. Die Beratertätigkeit hätte er jedoch nie ausgeübt, sagen die
IHK-Verweigerer, aber dafür ein Honorar von mehreren hunderttausend Mark
erhalten. Nach 25 Dienstjahren bei der Heilbronner Kammer war Klaus Kniep am
30. Juni 1995 „auf eigenen Wunsch“ ausgeschieden. Daß dieser Wunsch zuvor mit
einem Beratervertrag vom 25. April 1995 datiert befördert wurde, ist für die
IHK-Verweigerer nicht ordnungsgemäß – ein „Scheinvertrag“ sei geschlossen
worden. Für die nichtausgeübte Beratertätigkeit zahlt die Kammer 87,5 Prozent des Kniep-Bruttogehalts,
nebst Sozialleistungen, Urlaubs- und Weihnachtsgeld sowie Beihilfen. Nach 1999
wird ein Ruhegeld von Kniep bezogen, das 75 Prozent des Bruttogehalts beträgt.
Nun stellen sich viele Beobachter die Frage, ob das, was in der Wirtschaft an der Tagesordnung ist, bei einer
öffentlich-rechtlichen Institution wie der IHK ebenfalls üblich sein darf.
Dem Wirtschaftsministerium in Stuttgart wurde der Vorgang von der IHK zur
Prüfung vorgelegt. Die Heilbronner Kammer verwahrt sich gegenüber den Vorwürfen
und sieht keinen „Schaden für ihre Pflichtmitglieder.“ Außerdem sei es „unseriös“, die
Altersversorgung eines Mitarbeiters in zweifelhafte Zahlenbeispiele
einzurechnen. Wegen der „Vertraulichkeit
bei Personalangelegenheiten“ wolle man jedoch „eine exakte Klarlegung der
Fakten und Zahlen und einem Widerlegen der Aussagen der IHK-Verweigerer nicht
nachkommen“. Denn die IHK-Verweigerer bezögen sich „bei ihren fälschlichen
Anschuldigungen auf ein Papier aus dem Jahresbeginn 1996, das heute so keine
Gültigkeit mehr hat“. Aber das Kind ist jetzt schon in den Brunnen gefallen. Ob
sich daraus jetzt ein IHK-Skandal entwickelt, liegt allein in den Händen der
Verantwortlichen in Geschäftsführung und Präsidium. Geprüft wurde der Vorgang
von der Unabhängigen Rechnungsprüfungsstelle in Bielefeld – ohne
Beanstandungen. Trotzdem: Transparenz und Ehrlichkeit sind jetzt gefragt, um
Schaden von der Institution IHK abzuwenden.
Eier
suchen
Manche
Leute fahren an Ostern in einen Kurzurlaub, andere suchen die Eier im
heimischen Garten. Wer die Umwelt schonen will, sollte allerdings daheim im
Kreise der Familie feiern. Denn verstopfte Autobahnen und überlaufene Ausflugsziele
sind ja nicht gerade dazu angetan, festliche Stimmung zu verbreiten. Wie wäre
es mit einem schönen Spaziergang (bei Regen oder Sonnenschein) in den Wäldern
oder Parkanlagen rund um den Heimatort? Oder sportlicher Betätigung auf den
dafür ausgeschilderten Parcours in unserer Region (es muß ja nicht allein beim Weinglas-Stemmen bleiben an diesen
Feiertagen). Oder einem schönen, ausgedehnten Frühstück zu später Stunde (um die
Mittagszeit) mit der ganzen Familie. Auf das Mittagessen kann dann getrost verzichtet
werden. Dafür gibt es dann ein feines Abendessen, das sich mit mehreren Gängen
durchaus über drei vier Stunden hinziehen darf – und zu dem alle aus der
Familie in der Vor- und Aufbereitung ihren Teil beitragen. Die Kinder richten
den Nachtisch, der Vater versucht sich an den Vorspeisen, die Tante oder Oma
bringt die Salate mit und die Mutter beschränkt sich auf den Hauptgang des
Ostermenus. Abräumen und Abwaschen (sofern keine Spülmaschine im Hause ist)
kann ja die Kinderschar unter Anleitung des Familienoberhauptes. Und am zweiten
Feiertag kann man dann ja in ein gutes Restaurant im Unterland essen gehen. Da
bleibt Mutterns Küche kalt. Na dann, ein
frohes Osterfest. Und guten Appetit.
Winterkrieg
Tollhaus
Theater. Oder was geht in Heilbronner Schlafzimmern? Bekam das
Premierenpublikum am Sonntag, 23. März 1997, mit „Winterkrieg“ etwa ein Stück
Welttheater zu sehen? Calderon und Shakespeare, Goethe und die Bibel, alles in
einen Teig geknetet. Der Autor Christian
Martin wollte offenbar ein Stück für die Ewigkeit produzieren. Zu
anspruchsvoll? Zu außergewöhnlich? Oder vielleicht zu aufreizend? Ehrenwerte
Heilbronner Bürger (männlich und weiblich) blieben nicht allzu lange bei der
Premiere. Also Platz gemacht, auf und nieder, immer wieder. Achtung
automatische Klappsessel! Reichlich
reger Verkehr regierte Reihe für Reihe. Wie auf der Bühne, da wurde auch
Verkehr betrieben. Die rothaarige Hexe orakelte nur nach orgiastischem
Höhepunkt, aber die neugierigen Männer opferten sich gerne für Verheißungen,
sogar (besonders wild) ein Kirchenvater. – Wer verließ also die Vorstellung
frühzeitig? Verklemmte Gehemmte oder
jene, die sich vom Fernsehen daheim mehr Natürlichkeit erhofften? Oder
andere, die es selber besser machen? Hat das Zeitalter der sexuellen Aufklärung
doch nicht alle Scheu genommen? Offenbar schreckliche Scham und großer Zorn
scheuchte schonungslos viele Zuschauer aus dem Heilbronner Schauspielhaus.
Manche mögen’s eben nicht heiß. Nach der Pause waren dann die durchhaltenden
Dauerhocker unter sich. Der Kunst-Kenner-Kern
(?) versuchte, den Wust an Zitatensammlungen zu sortieren. Denn das Spiel –
frei nach dem bürgerlichen Heldenleben – sollte ja zum munteren Mitdenken
anregen und war gar nicht angenehm zu konsumieren, wie so andere
leichtverdauliche Kost, die das Stadttheater Heilbronn auch serviert. Über
Geschmack läßt sich ja bekanntlich nicht streiten. Aber ist es nicht gewagt,
empört das Theater zu verlassen, wenn man sich das Ende des Dramas entgehen
läßt? Die wenigen Sitzenbleiber applaudierten jedenfalls dem Flop heftig.
Hagenbucher
Wie
schön wäre es gewesen, wenn ... ja, wenn nicht der Widerstand zu groß geworden
wäre. Schließlich hatte die Brauerei Cluss ihre Traditionspforten sehr
plötzlich in Heilbronn geschlossen, Arbeitsplätze verschwanden, das
Traditionsbier wird in Stuttgart bei Dinkelacker abgefüllt und dort auch
ausgeliefert. Und dann sollte – sozusagen als Bonbon – für den Getränkekonzern
(gut subventioniert) ein kleines, aber feines Brauhaus im Hagenbucher
entstehen. Ein Biergarten neben dem
Insel-Hotel, dem Theaterschiff und unterhalb des geplanten Museums. Eine
Vorstadtgartenlandschaft mit kultureller Szene, so oder ähnlich träumte die
Rathausspitze in Heilbronn. Aber die geplante Landesgartenschau ging den Bach
runter und nun auch das kleine Cluss-Brauhaus. Wer ist schuld dran? Die Gründe,
die geplante Investition von 3,5 Millionen im Hagenbucher nicht zu tätigen,
werden von der Stuttgarter Brauerei Dinkelacker knapp erklärt: „1. Die
Emotionalisierung gegen Cluss und Dinkelacker, obwohl im Hagenbucher etwas
Positives für Heilbronn geschaffen werden sollte. 2. Die Beschränkung der
Anzahl der Plätze und der Zeit für die Außenbewirtschaftung. 3. Die Tatsache,
daß Heilbronn keine Landesgartenschau bekommt. 4. Der aus finanziellen Gründen
nicht absehbare Zeitpunkt für den Ausbau des Hagenbuchers zum Museum.“ Das sind
harte Vorwürfe an die Stadtverwaltung Heilbronn. Unbeweglichkeit, und planerische Ziellosigkeit stecken als
Vorwürfe in diesen Punkten. Da kann ich nur sagen: Auch die Cluss-Politik war
in den letzten Jahren nicht gerade auf Zuverlässigkeit für die Stadt gebaut,
obwohl gewichtige Stadtmanager im Cluss-Aufsichtsrat sitzen.
Wohnen
im Osten
Wer
mit wachen Augen durch das Nobelviertel des Heilbronner Ostens fährt, wird
festgestellt haben: In den letzten Jahren hat sich dort erheblich viel getan.
Bungalows aus der Nachkriegszeit, Gartengrundstücke und auch herrschaftliche
Villen sind zwei- bis dreigeschossigen Eigentumswohnungen mit großer Tiefgarage
gewichen. Durchaus verständlich. Denn die Erben von Grundstücken und Häusern in
diesem bevorzugten Wohngebiet im Osten Heilbronns wollen einen Preis sehen, den
sie bei einer Vermietung oder einem Verkauf des alten Elternhauses nicht
erzielen würden. Und so sprießen die sogenannten „Kolosse“ zum Ärger der
Mitbewohner in dieser Landhausgegend munter einer nach dem anderen aus dem
Boden. Die Nachfrage für höherwertige Eigentumswohnungen zwischen Gemmingstal
und Rampachertal ist vorhanden. Ob nun
durch diese Bebauung die Wohngegend „versaut“ wird, die Wohnqualität sinkt, wie
manche zornentbrannt behaupten, möchte ich dahingestellt sein lassen.
Schließlich hat die Mehrheit der Bewohner Heilbronns nicht die Möglichkeit so
exklusiv zu wohnen und stört sich auch nicht sonderlich an den sogenannten
Problemen im Osten Heilbronns. Ja, ich behaupte, sie würden liebend gern in den
„Kolossen“ wohnen und deren Wohnqualität genießen, hätten sie das Geld diese
Wohnungen zu kaufen oder zu mieten. Denn dort zu wohnen ist immer noch mit mehr
Qualität verbunden, als in anderen, engbebauten Stadtgebieten Heilbronns sein
Wohnquartier zu besitzen. Aber solange
es genügend betuchte Menschen in der Stadt gibt, die sich diese neuen Wohnungen
im Osten leisten können, wird gebaut werden. Oder der Bebauungsplan wird
geändert, und Neubauwohnungen oder Häuser im Osten sind dann nur noch für die
ganz reichen Bürger da. Wird dieses Ziel etwa von den wütenden, protestierenden
Nachbarn angestrebt? Auch eine Art von Wohnqualität.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen