Kandidaten
In
Bonn wird heftig gerätselt, ob Bundeskanzler Helmut Kohl 1998 nochmal als Spitzenkandidat der CDU/CSU sich
aufstellen läßt. Und bei der SPD ist auch noch nicht klar, ob Oskar Lafontaine oder Gerhard Schröder im nächsten Jahr als
Widersacher in den Ring steigen. Wenn man das Stimme-Forum letzter Woche in der
Heilbronner Kreissparkasse als Gradmesser nimmt, müßte es Schröder werden. Aber
davor sind die GenossInnen. Nicht
ganz so bombastisch mit bundesweiten Auswirkungen wird im Unterland um die
Kandidaturen in den Parteien gerangelt. Die Freien Demokraten haben schon bei
ihrem Neujahrsempfang vor wenigen Tagen munter verkündet, daß ihr Kandidat im
Wahlkreis Heilbronn der Fachhochschul-Professor Hans-Helmut Grandjot sein wird. Bei den Sozialdemokraten scheint
alles auf den Heilbronner Krankenhaus- und Sozialdezernenten Harald Friese
hinauszulaufen. Nach der völligen Neubesetzung der Führungsspitze hat man sich
auf den Bürgermeister geeinigt, weil er die Gewähr bietet, einen guten
Listenplatz auf der Landesliste zu ergattern, so ist zu hören. Bei den
Christdemokraten hat Egon Susset
eindeutig erklärt, daß er nicht mehr antreten will. Knapp 30 Jahre im Bundestag, das sei genug – und den Ehrgeiz
Alterspräsident zu werden, den besitze er nicht. Die Weichen für die
Nachfolge sind gestellt. Den ersten Zugriff auf die Kandidatur hat der
Kreisvorsitzende – und der heißt Thomas
Strobl, ist Rechtsanwalt und Schwiegersohn des Bonner
CDU/CSU-Fraktionsvorsitzenden Wolfgang Schäuble. Aber bei der CDU im Unterland
ist man sich nicht so sicher, ob nicht doch noch Gegenkandidaten auftreten
werden. Schließlich hatte Egon Susset bei seiner ersten Nominierung 1969 auch
welche, unter anderem Manfred Weinmann, Heilbronns heutigen Oberbürgermeister.
Wenn im Herbst die Nominierungen der Parteien anlaufen wissen wir mehr, auch
von Grünen und Reps.
Kopftuch-Lehrer
Darf
eine Lehrerin während des Unterrichts in Baden-Württemberg ein Kopftuch tragen
– gemäß der islamischen Vorschrift? Sie darf. Das Stuttgarter Kultusministerium
hat der 24jährigen Muslimin Fereshta
Ludin erlaubt, in der Schule und im Unterricht ihr Kopftuch zu tragen. Denn
das gehöre zu ihrer Persönlichkeit. Ein wenig widersprüchlich ist die Lage
schon: In den Schulen dürfen keine Kreuze hängen, weil das zum Beispiel den Glauben
jüdischer oder nichtchristlicher Schüler verletzen könnte. Aber eine
muslimische Lehrerin darf ihren Glauben wie ein Schild vor sich hertragen. Da
schließt sich dann gleich die Frage an, ob sie eventuell Schüler anderer
Religionen mit ihrer Kopfbedeckung indoktriniert. Andererseits: Wenn eine Lehrerin christlichen Glaubens
ein Kreuz an der Kette um den Hals hängen hat oder eine jüdische einen
Davidsstern, wird ja auch kaum jemand auf die Idee kommen, sie wolle ihre
Schüler damit glaubensmäßig beeinflussen. Offensichtlich bekommen wir nun
auch im Ländle bis in die staatlichen Institutionen hinein das, was einige
Leute so gern als multikulturelle Gesellschaft bezeichnen. Allerdings nicht
unter dem Zeichen des friedlichen Nebeneinanderlebens, sondern dem der
Abgrenzung voneinander. Vielleicht gibt es dann demnächst auch neben
christlichen Internatsschulen in Deutschland muslimische. Wir sind langsam aber
sicher in Deutschland keine christliche Gesellschaft mehr, sondern eine, in der
die unterschiedlichsten Religionen dazu verurteilt sind, nebeneinander leben zu
müssen. Ob das immer friedlich abgehen wird? Die Vereinigten Staaten zeigen
uns, wie das geht. Ganz liberal wie in manchen Millionenstädten – oder streng
abgegrenzt wie im ländlichen Raum. Das muß eine Gesellschaft ertragen können,
wenn sie sich freiheitlich nennt. Aber sie muß auch entschieden gegen
Extremisten aus den Religionsgemeinschaften und Sekten vorzugehen, die ihren
Glauben als den alleinseligmachenden ansehen und verbreiten wollen.
Vollrausch
Juhnke,
Juhnke und nochmals Juhnke. Das ist der Name der sich momentan durch
Fernsehreportagen und die Boulevardpresse zieht wie ein roter Faden. Die Rede
ist von „Uns Harald“, deutsches Entertainer-Idol und Schauspieler. Doch nicht
seine Schauspielqualitäten sind es, die momentan für Schlagzeilen sorgen,
sondern seine Alkoholeskapaden. Daß
Hochprozentiges zu Juhnke wie Pat zu Patachon gehört, weiß heuer jedes Kind.
Und solange die erbrachte Leistung stimmt, ist dagegen auch nichts einzuwenden.
Aber nun scheint es der gute Harald endgültig zu weit getrieben zu haben:
Stellte man sich bis vor kurzem noch die Frage, wie lange seine Leber
beziehungsweise sein Leben die Exzesse noch durchhält, steht nun zur Debatte,
ob Deutschlands „Vorzeige-Alki“ ein Vollrausch-Rassist ist. Zur Sachlage:
Juhnke soll alkoholisiert den amerikanischen, farbigen Wachmann Robert Ferrell in seiner Menschenwürde
verletzt haben. Juhnke bedauerte im nüchternen Zustand den Vorfall zutiefst und
entschuldigte sich bei Ferrell. Dieser nahm zuerst auch die Entschuldigung an.
Nicht aber das deutsche Spießbürgertum, das um seinen guten Ruf im Ausland
fürchtete. Deutsche Fernsehsender beschlossen, Juhnke zu boykottieren, Theater
erteilten Auftrittsverbote und in der Presse wollte jeder – so schien es –
seinen Senf zum Fall „Juhnke“ abgeben. Der US-Wachmann, anfangs erfüllt von
fast biblischer Gnade, revidierte seine Äußerung – wahrscheinlich sagte ihm ein
raffgieriger Anwalt, daß der Juhnke
Kohle hat – und erzählt nun, daß der deutsche Entertainer Lügen über ihn
verbreitet. Traurig, traurig, aber wenn das schnelle Geld lockt, läßt sich auch
der Barmherzigste umstimmen. Und zu unseren deutschen Marktschreiern, die
Juhnke jetzt öffentlich verdammen, ist zu sagen: Kehrt vor der eigenen Haustür, für die wahrscheinlich des Öfteren
der richtige Schlüssel nicht zu passen
scheint! Denn Beispiele für berauschte Prominente, die auffällig werden, gibt
es überall zuhauf, nicht nur im Unterland, gell?!?
Ordnungshüter
Recht
und Ordnung – das hat sich der Heilbronner Polizeibeamte Bernhard Kriegel auf
die ganz persönliche Fahne geschrieben. Nicht nur als Polizist ist er das – von
Berufs wegen selbstverständlich, sondern auch als Privatmann. Im Heilbronner
Osten zittern nachlässige Autofahrer vor ihm. Vor allem im Bereich Karl-,
Kerner- oder Weinsberger Straße. Er schreibt jeden auf, der falsch parkt –
egal, ob er als Hauptkommissar unterwegs ist oder als Privatmann. Und was zur
Anzeige kommt, muß verfolgt werden. So lautet die Vorschrift. Ob vom Beamten
oder einem Privatmann berichtet. Und die Polizeispitze in Heilbronn kann das
auch nicht beanstanden – darf sie gar nicht. Denn sonst würde sie ja ordnungwidriges Verhalten unterstützen.
Meint der Chef der Polizeidirektion in der Heilbronner Karlstraße Walter Steffan. So mancher Bürger aber
ist genervt. Zum Beispiel Kneipenbesucher in der Nähe des Heilbronner
Frankenstadions, aber nicht nur dort. Das Heilbronner Ordnungsamt scheint
glücklich über den Hobbygeldeintreiber in Uniform zu sein. Hat er doch im
vergangenen Jahr schon 700 Ordnungswidrigkeiten angezeigt. Das sind rund 25.000
Mark. In großen Industriebetrieben bekommt man ja für Verbesserungsvorschläge,
die zu mehr Effektivität führen, Geldprämien. Ich finde einen kleinen Anteil
vom eingenommenen Geld kann die Stadt ruhig auch unserem Polizeibeamten geben.
Wenn da nicht das Beamtenrecht wäre. Bestechung nennt man das? Aber wer
besticht denn da wen? Für unsere Sicherheit, für ordnungsgemäßes Verhalten
sorgt doch der brave Mann – auch in seiner knapp bemessenen Freizeit. Fährt er
dann etwa Fahrrad? Oder ist er gar ein notorischer Fußgänger? Mehr solcher
Beamte, die auch in ihrer Freizeit den Sündern auf die Finger hauen – und wir
hätten ... naja, ein wenig mehr Toleranz würde auch nicht schaden, gell, Herr Kriegel.
Aber es isch schon recht.
Gartenschau
Der
Traum war so schön. Und nun platzt er. Das Landwirtschaftsministerium in
Stuttgart stellte jetzt klar: Wenn die Auswahl zwischen Bewerbern mit
vergleichbarer Qualifikation anstehen sollte, wird jene Gemeinde bevorzugt, die
noch keine Landesgartenschau durchgeführt hat. Heilbronn hatte seine
Landesgartenschau bekanntlich 1985 auf den Wertwiesen ausgerichtet. Bad Rappenaus Bürgermeister Gerd Zimmermann
frohlockte, daß seine Stadt den Zuschlag für das Jahr 2002 erhält. Und richtig:
Am Montag hatte der Stuttgarter Ministerrat entschieden, daß die Kurstadt im Landkreis Heilbronn für das
Jahr 2008 auserwählt ist. Die Trauer in Heilbronn ist nicht unbeträchtlich.
Dafür freut sich die Gemeinde Nordheim. Denn neben der „Großen
Landesgartenschau“ (Landeszuschuß bis zu 7,5 Millionen Mark) gibt es jetzt im
Wechsel eine kleine unter dem Titel „Mehr Natur in unsere Gemeinde/Stadt“
(Landeszuschuß bis zu 2,5 Millionen Mark). Im Herbst letzten Jahres hatte sich
Nordheim kurz vor Toresschluß klammheimlich für die kleine Schau beworben,
unterstützt vom Landschafts- und Städteplaner Professor Wolfgang Schreiber. Der Park am Katzenbachtal soll dabei
umgewandelt werde – wenn möglich bis hin zum Neckar und westlich bis nach Neipperg.
Nordheims Bürgermeister Volker Schiek hatte die Jahre nach der Jahrtausendwende
dabei fest im Auge. Jetzt muß man in
Nordheim schon im Jahre 2003 ran an den Speck - zusammen mit Tuttlingen
kann man sich die Freude teilen. Zu gönnen ist es den beiden Landkreisgemeinden.
Denn es soll ja jeder seinen Teil vom Kuchen abbekommen – nur nicht jene, die
zum zweiten Mal hier schreien.
Pferdemarkt
Pferdemarkt
in der Heilbronner Innenstadt zwischen Gymnasium-, Karl-, Ost- und
Moltkestraße. Jedes Jahr aufs Neue ein Fest für die rund 150.000 Besucher aus
dem Stadt- und Landkreis Heilbronn. Vor allem an diesem Wochenende schoben sich
die Menschen dichtgedrängt durch die Budengassen. Vor einem Stand einen Halt
einzulegen war kaum möglich, man wurde einfach weitergeschoben. Nicht gerade ein vergnügliches Erlebnis.
Und die Autos der Besucher wurden rund um den Pferdemarkt wahllos abgestellt.
Vor allem in den Nebenstraßen – Alexander-, Bismarck-, Goethe-, Kerner- oder
Pfühlstraße stand Wagen an Wagen. Wer irgendjemanden in diesen Straßen besuchen
wollte, mußte lange einen Parkplatz
suchen. Pferdemarkt also nicht nur ein Vergnügen, sondern für viele
Anwohner im östlichen Bereich Heilbronns auch eine nervenaufreibende Geschichte
an diesen drei Tagen. Schon oft gab es in Heilbronn die Überlegung, den
Pferdemarkt auf die Theresienwiese zu verlagern. Dort sind genügend Parkplätze
vorhanden und die Budenstraßen wären ein wenig breiter. Aber Tradition ist eben
Tradition. Auch wenn sie nicht sehr alt ist. Man ist in der Stadtverwaltung
Heilbronn stolz auf einen der wenigen Innenstadtmärkte in Deutschland. Und bei
den Händlern ist er ja bekanntlich auch sehr beliebt, weil ordentlich umgesetzt
wird. Bernhard Winkler, Verkehrsdirektor in Heilbronn, verweist gern darauf,
daß von den 800 Bewerbern nur 300 in Heilbronn zum Zuge kommen können. Und da
sucht man dann bei der Stadt halt nur die Besten aus.
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